Atlantiküberquerung

Von den US Virgins zu den Azoren

16.05. - 03.06.2010

Von den US Virgins zu den Azoren, genau das wollen wir und zwar Heute. Na ja, vielleicht sollte ich lieber sagen, dass wir heute zu den Azoren aufbrechen wollen. In einem Tag werden wir das wohl kaum schaffen, da ist eher mit 3-4 Wochen zu rechnen. Diesel und Wassertanks sind voll und Essen für ein paar Wochen haben wir auch an Bord. Auch wenn die Überfahrt voraussichtlich 3-4 Wochen dauert, tut man gut daran für einen längeren Zeitraum zu bunkern, auf dieser Tour ist es nämlich gut möglich, dass man mal für ein paar Tage in einer Flaute sitzen bleibt.






Das mit dem Futter scheint o.k. und ansonsten sind wir auch ready. Von uns aus kann's losgehen.






Und es geht los. Von St. Thomsa rüber nach St. Johns zum ausklarieren. Dann holen wir noch schnell Brot, damit wir die ersten Tage nicht backen müssen. Vor der Früchte Auslage kommt dann die Frage auf, ob wir denn nun genug Früchte an Bord haben. Haben wir eigentlich, aber noch ein bisschen von diesem und jenem kann ja nicht schaden, man weiss ja nie.

Zurück auf dem Boot nochmals kontrollieren ob alles schön verstaut ist, Anker auf und Segel setzen. Kaum aus der Abdeckung von St. Johns muss das zweite Reff gesetzt werden, hat irgendwie mehr Wind als erwartet. Wir segeln an Jost Van Dyke vorbei und schauen nochmals so richtig wie Land aussieht, denn für die nächste Zeit werden wir nur Blau sehen. Blauer Himmel, blaues Wasser....., nun ja es kann aber auch Grau und Schwarz sein, dunkelgrauer Himmel der das Wasser Schwarz erscheinen lässt. Aber daran will ich jetzt lieber nicht denken, denn im Moment ist es zwar teilweise bewölkt, aber das Wasser ist noch blau.

Am ersten und zweiten Tag segeln wir mit zwei Reffs hart am Wind. Windrichtung E bis ESE, Seegang so zwischen 1.5 und 2 Meter, Wind um die 18 Knoten. Vom dritten bis zum Neunten Tag wird des öfteren ein-oder ausgerefft, Windrichtung E-ESE-SE. Wind zwischen 10 und 18 Knoten, meistens aber so um die 15, Seegang 1.5 bis 2.5 Meter.

Neunter Tag: Position 32°58' Nord \ 54°09' West. Wir haben die Westwind Zone erreicht, was bedeutet, dass von jetzt an nicht mehr hart am Wind gesegelt werden muss. Da die Küche Steuerbord ist, waren die letzten acht Tage nicht gerade kochfreundlich. Handkehrrum kann man das hantieren in einer überhängenden Küche auch als Sport betrachten, sogar mit einer Tendenz zur Akrobatik.

Gegen Mittag des neunten Tages lässt der Wind vorerst einmal nach und die nächsten 4 Stunden geht es zuerst nur mit Motor und dann mit Motorsegeln weiter. Leichter Wind von achtern kommt auf, und Rolf besteht darauf den Spinnaker zu setzen. Dieser bleibt für 8 Stunden oben, dann noch etwas Schmetterling segeln und wir haben wieder 17 Knoten aus WSW .

Die nächsten zwei Tage ist der Wind zunehmend bis zu 25 Knoten, damit ist ja noch zu leben, aber diese 3.5 Meter Wellen würde ich eher als sehr unangenehm bezeichnen. Wenn man auf einem Wellenkamm Ausschau hält, könnte man nebst Seekrank auch noch Höhenkrank werden. Diese Wellen reichen aber noch nicht, am nächsten Tag gibt es auch noch 35-40 Knoten Wind, Auweia... jetzt geht es aber ganz schön zur Sache.

Im laufe des 14 Tages beruhigt sich das Ganze und wir haben gar keinen Wind mehr. Diesmal müssen wir 20 Stunden motoren bis wir wieder Wind bekommen. Dann ist Segeln mit 15 Knoten und 1.5 Meter Welle angesagt.

Am 17. Tag gibt es wieder mehr Wind und mehr Welle. Wind bis 25 Knoten ist ja erträglich aber die 4 Meter Wellen halte ich für eher unerträglich. Aber so ist das nun mal, wenn man keine Möglichkeit hat zu entfliehen findet man sich einfach damit ab, unerträglich hin oder her. Und überhaupt am 18 Tag haben wir es ja schon geschafft, um 10 Uhr Morgens schmeissen wir den Anker in Flores, dem westlichsten Punkt Europas.




Direkte Linie von St. Johns nach Flores 2155 Seemeilen (1 SM = 1.852 Km). Eine direkte Linie kann natürlich nicht gesegelt werden, was Schlussendlich tatsächlich gesegelt wird, ist von der Windrichtung abhängig. Wir haben 2375 SM zurückgelegt und dafür nicht ganz 18 Tage gebraucht. Von den 2375 SM, konnten wir 2257 SM segeln, 118 SM haben wir unter Motor gemacht. Das ist für diese Überfahrt wirklich nicht schlecht, weder was die Zeit noch was die Motor-Stunden betrifft.

Unsere erste Überquerung von den Kap Verden nach Brasilien hat etwa gleich lange gedauert. Damals hatten wir aber noch keinen Kurzwellenfunk mit dem wir uns Wetterinformationen holen konnten. Zwar hatten wir die Möglichkeit Wetterkarten herunterzuladen, aber diese sind doch einiges schwerer zu deuten als Grib-Files. Bei der jetzigen Überfahrt mit Kurzwellenfunk war das natürlich viel einfacher. Jederzeit Wetterinfos herunter laden, Grib-File in die elektronische Seekarte laden, und schon sieht man wann, wo, aus welcher Richtung, welche Windstärke, in 3 Stunden oder 5 Tagen sein wird. Das hilft natürlich unheimlich, wenn man zum Beispiel in einer Flaute sitzt und sieht, dass man unter Motor in wenigen Stunden wieder Wind erreichen kann, tut man das natürlich. Weiss man aber nicht wo der Wind ist, motort man unter Umständen in die Richtung wo es noch weniger Wind hat. Will man das nicht riskieren, bleibt man einfach in der Flaute sitzen, was schon mal ein paar Tage dauern kann. Man kann natürlich auch allzu starken Winden aus dem Weg gehen, jedenfalls kann man es versuchen, manchmal ist man aber einfach zu langsam um zu fliehen. Oder man nimmt Starkwind in Kauf um danach wieder guten Wind zu haben.

In Boston gibt es einen Typen der seit 20 Jahren via Kurzwelle, Jachten im Nordatlantik sozusagen wettermässig begleitet. Man kann sich bei Herb via Kurzwelle melden, dieser nimmt Schiffsname und Position auf. Hat Herb die Daten einmal notiert, wird man jeden Tag aufgerufen, bekommt Wetter-Informationen und den Rat welche Richtung aufgrund der Wetterdaten eingeschlagen werden soll. Eigentlich sind es nur Ratschläge, aber Herb wird trotzdem ein bisschen böse, wenn man seine Ratschläge nicht befolgt. Rolf hört diese Funkrunde nur mit und zieht Schlüsse aus den Ratschlägen, die für Boote, die sich im Umkreis von ca. 50 SM zu uns befinden, bestimmt sind. Diese Funkrunde die etwa 2 Stunden dauert bringt Abwechslung in den Tag, immer schön mithören wie beschissen es bei anderen läuft. Natürlich werden auch die Infos von Herb ernst genommen, einer der das seit 20 Jahren macht, weiss mit Sicherheit wovon er redet. In erster Linie fallen bei uns aber die Entscheide aufgrund der Grib-File, bei Herb wird dann mitgehört ob er auch so entscheiden würde. Meistens ist das auch so, nur hat Herb immer die Tendenz die Boote nicht höher als bis zum 35 Breitengrad segeln zu lassen. Diese 35 scheint eine Art Barriere für ihn zu sein, überschreitet man diese bekommt man eins auf's Dach. Stimmt auch irgendwie, nördlich von 35 Grad geht es des öfteren mehr zur Sache als weiter unten. Die Azoren liegen zwischen dem 39sten und 47sten Breitengrad, also muss man irgendwann den 35sten überqueren, laut Herb aber so spät wie möglich.

Trotzdem entscheidet sich Rolf am 13. Tag diese Barriere zu überschreiten, obwohl wir hören, dass Herb den Booten in unserer Nähe den Rat gibt, wieder nach Süden zu segeln. O.k wenn wir weiter auf diesem Kurs segeln bekommen wir 35-40 Knoten Wind. Segeln wir wieder südlich, wird es sowas um 25 Knoten sein, dafür haben wir aber nach der Front keinen Wind mehr. Bleiben wir auf unserem Kurs bekommen wir zwar den Starkwind, aber nur für eine Nacht, danach haben wir wieder guten Wind. Dieser Entscheid ist nicht ganz leicht gefallen, da war immer der kleine Herb im Hinterkopf der gesagt hat, nach Süden, nach Süden... Diese Nacht war mit Sicherheit nicht sehr komisch, dafür haben wir aber für die nächsten Tage schöne Segelbedingungen, 15 Knoten Wind und 1.5 Meter Welle, optimal also. Auch haben wir die Boote, die nach Süden gesegelt sind, weit hinter uns gelassen. Diese kommen jetzt als Referenz nicht mehr in Frage, jetzt gilt ein anderes Boot das wir eingeholt haben als Referenz.

Es ist erstaunlich wie viele Boote diesen kostenlosen Service von Herb benutzten. Bei diesen viele Booten ist es bestimmt nicht ganz einfach für jedes Boot immer den richtigen Rat zu geben. Es ist ja auch so, dass Herb das betreffende Boot weder kennt, noch selbst darin sitzt. Im Nachhinein hören wir dann von Leuten die sich von Herb haben begleiten lassen, dass dieser nicht immer den richtigen Rat gegeben hat. Wir finden das unfair, ersten weil es im Nachhinein nicht besonders schwierig ist, zu sagen was besser gewesen wäre, und zweitens weil diese Klagen von Booten kommen, die die Möglichkeit hatten Grib-Files herunter zu laden. Was sie natürlich auch getan haben, nur haben sie die Entscheide nicht selbst gefällt.

Eine kleine Gruppe von Booten, die von St. Maarten aus, einen Tag später als wir gestartet sind, ist nach einem Tag wieder umgekehrt, und jetzt ist Herb daran Schuld. Stimmt aber überhaupt nicht, Herb hat nur gesagt, dass sich über Hispaniola eine Depression bilden könnte . Alls er dann am nächsten Tag eines dieser Boot aufrief erfuhr er das dieses wieder umgekehrt ist. Zuerst war Herb etwas erstaunt, dann meinte er aber, dass das vielleicht kein schlechter Entscheid ist. Und nun ist Herb Schuld, dass dieses Grüppchen dann eine Woche später gestartet ist, und die ersten paar Tage eins auf den Rüssel bekommen hat.

Solange man auf einer längeren Überfahrt unterwegs ist, findet man das ja immer irgendwie ätzend. Sobald man aber das Ganze überstanden hat, ist man der Meinung, dass es im Grossen und Ganzen eigentlich gar nicht so schlimm war. Da wir jetzt hier sind können wir es ja Sagen "Es war eigentlich gar nicht so schlimm" Verglichen mit anderen Booten hatten wir es ja wirklich gut, wir haben das Ganze in 18 Tagen hinter uns gebracht und am Schiff ist nichts kaputt gegangen. Uns wird erst klar was auf so einer Reise alles kaputt gehen kann, nachdem wir die Geschichten von anderen gehört haben. Auch haben wir keinen Tropfen Wasser ins Schiff bekommen. Dies wird einem erst so richtig bewusst wenn auf anderen Schiffen, gleich nach der Ankunft, das Ganze Inventar auf Deck zum trocknen ausgelegt wird. Muss absolut geil sein, wenn alle Kleider Betten und Polster mit Salzwasser vollgesogen sind. Gerade auf dieser Reise wo es von Tag zu Tag kälter wird.


Ja und was macht man denn die Ganze Zeit auf so einer Überfahrt? Lesen, schlafen, kochen, essen, abwaschen, ausreffen, einreffen, Spi setzten, Spi runter nehmen...........





Fischen!!!!!!!















Ab und zu mal Duschen. Rasieren....? Ja vielleicht Morgen oder Übermorgen, oder vielleicht auch über über Morgen.

















Delfine und Wale gucken.













Ab und zu mal in den Himmel und zur Abwechslung auch mal ins Wasser gucken.









Ans Ruder gehn...? Nö, für's Steuern ist Geri unsere Windsteueranlage zuständig, Geri hat das voll im Griff jedenfalls unter Segel. Unter Motor ist Helmut (elektrische Steuerung) zuständig. Ein besonderes Lob an Geri, der sozusagen über den ganzen Atlantik gesteuert hat. Natürlich hat auch Helmut seinen Job gut gemacht, kam aber nur 24 Stunden zum Einsatz.









Ganz wichtig. Auf der Wache ist darauf zu achten, dass man es immer schön bequem hat. Das macht das Wache schieben bedeutend angenehmer. So, so euch ist also das Outfit von Erni nicht entgangen. Ja, ja nach dem achten Tag wurde es langsam kalt.












Und irgendwann kommt dann Land in Sicht, in unserem Fall Flores, und alles ist überstanden.







Und sonst...........fällt mir dazu nichts mehr ein. Es soll ja Leute geben die über Atlantiküberquerungen ganze Filme gedreht haben. Ich spreche da von Überquerungen aus der Heutigen Zeit, also mit der ganzen Technik die einem zur Verfügung steht, früher war das natürlich noch eine Ganz andere Nummer. Mir ist nicht ganz klar wie zu diesem Thema ein Abend füllender Film entstehen kann. Da braucht es schon eine Überdosis Fantasie oder man muss beim betrachten des Films das richtige eingeschmissen haben. Oder aber die Überfahrt ist total beschissen verlaufen, so mit Monster-Wellen und abartigen Windstärken. Natürlich muss auch einiges am Schiff kaputt gehen und ein paar Verletzte helfen auch den Abend zu füllen. Da wir glücklicherweise nichts von all dem erlebt haben, weiss ich nun wirklich nicht mehr was ich noch zu diesem Thema schreiben soll..... Oder so ein Manager mit "burn out" der auf so einer Reise wieder zu sich selbst findet, könnte auch noch was hergeben. Aber wir mit 6 Jahren Ferien auf dem Buckel,..... wenn wir uns bis dahin nicht gefunden haben, ist es sowieso hoffnungslos. Also mir kommt jetzt wirklich, wirklich nichts mehr in den Sinn.

Fotos von der Überquerung gibt es auch nicht viele. Zuerst wollten wir noch jeden Tag - Morgens, Mittags und Abends- ein Foto machen, immer so mit Himmel und Wasser. Einfach nur um euch mit diesen Fotos zu langweilen. Aber irgendwie war uns dann der Aufwand doch zu Gross. Also dann, wir gehen jetzt mal an Land, ein Bier kippen und schauen wie es hier so aussieht. Ihr hört wieder von mir.