Grenada to Carriacou
06.12.2008 – 14.01.2009
Hallo Leute, Rolf und Erni sind nach einem halben Jahr Aufenthalt in der Schweiz wieder auf ihrem Schiff. Man müsste ja eigentlich der Meinung sein, dass dies Anlass zur Freude sei, ist es aber im Moment noch nicht. Xantus steht auf dem Trockenen und will erst mal das Unterwasser neu gestrichen haben und all die demontierten Teile müssen wieder montiert werden. Der Schweizer Aufenthalt mit Schnee und Minus-Graden hat die beiden völlig verweichlicht, die Haut weiss wie ein Aspirin transpirieren die beiden vor sich hin, dass sie kaum nachkommen ihren Flüssigkeits-Haushalt im Gleichgewicht zu halten.

Hier grinst Rolf zwar tapfer in die Kamera, aber seine Thermosicherungen sind am glühen. Die Vorstellung mit Xantus im Wasser zu liegen wo der Rumpf vom Wasser gekühlt wird und eine angenehme Brise über die Bucht weht, motiviert die beiden ihre Arbeiten so schnell wie möglich zu erledigen. Die wieder Eingewöhnung ins andere Leben sollte nicht allzu schwer fallen, denn dazu haben wir genau den richtigen Werft-Nachbar, der so wie mir scheint, dies im Zeitraffer erledigen wird. Vorerst haben die beiden nur die Bekanntschaft mit seiner Puppe gemacht die zwar einäugig, dafür aber mit umso mehr Ausdauer in unser Cockpit glotzt.

Die Bekanntschaft mit dem Besitzer dieser Puppe macht glücklicherweise zuerst Rolf. Rolf der am Boden kniend gerade einen Kübel Farbe aufmischt, wird von jemandem angesprochen. Gleich neben seinem Farbkübel entdeckt er zwei Füsse, an diese heftet sich sein Blick um sich gleich darauf weiter den Beinen nach oben zu arbeiten. Irritiert bleibt sein Blick da hängen wo die Beine anfangen und der Rumpf aufhört. Meldung von Auge ans Hirn „ich sehe eine Boxerunterhose die im Schritt durchgehend offen ist und da hängt was raus“. Meldung von Hirn ans Auge „einfach ignorieren und Quelle der Stimme evaluieren“ So arbeitet sich der Blick mit leichter Verzögerung weiter nach oben um das zu sehen was man normalerweise zuerst sieht, wenn man mit jemandem spricht. Freundlich wie immer weisst Rolf den Mann dann im laufe des Gesprächs darauf hin, dass da was raushängt. Hmmm... meint der Mann und klappt die beiden Stofflappen notdürftig übereinander, wo diese aber keinesfalls länger als 10 Sekunden verweilen wollen. Diese Boxerunterhose bekommen wir in unserer Werftwoche des öfteren zu sehen, sie hat auch keine Hemmungen sich im Werft-Office sehen zu lassen. Seht ihr, das ist genau das was ich meine, so im Schweizer Alltags-Arbeitsleben kommt man kaum auf die Idee über so wichtige Dinge wie das beneidenswerte Selbstbewusstsein einer betagten Boxerunterhose nachzudenken
Nach einer Woche ist es dann soweit, Xantus kommt ins Wasser, gerade noch rechtzeitig bevor die beiden völlig weichgekocht sind.

Im Hintergrund seht ihr die Bucht vor der Werft wo Xantus jetzt liegt. Na das sieht doch schon viel besser aus. Wir wollen mal die nähere Umgebung auskundschaften, aaaha... so sieht die Werft also von oben aus.

„Oh.... jehhhh... die armen Schweine die jetzt bei dieser Hitze an ihren Booten arbeiten müssen!!!“ Erni und Rolf haben es hinter sich uns gönnen sich eine kleine Wanderung in der Mittagshitze. Nach etwas über zwei Stunden latschen, beschliessen sie für den Rückweg einen Bus zu nehmen. Auch hier stellt man sich einfach irgendwo an die Strasse und hält die Hand hoch wenn einer dieser Minibusse vorbeifährt. Es geht nicht lange und schon kommt einer. Beim Einsteigen registriert Erni, dass der Fahrer so kesse Handschuhe trägt. Diese kessen Rennfahrer Handschuhe, mit Händen drin natürlich, hängen lässig am Steuer des schrottreifen Mitsubishi-Kleinbusses. Um weitere Überlegungen anzustellen bleibt Erni keine Zeit, denn schon hat der erste Gang seine mögliche Tourenzahl erreicht und beim schalten in den zweiten knallt sie in einen Sitz, beim schalten in den dritten Gang wird dann auch die Tür geschlossen. Super du, wir haben einen Bus erwischt der ein Rennen mit einem anderen Bus macht. Die engen kurvenreichen, unübersichtlichen Strassen, auf denen gerne auch mal irgendwelche Ziegen Siesta machen scheinen mir wie geschaffen dafür. Ziel der beiden Busse ist es möglichst viele Fahrgäste mitzunehmen, was beutet, das der eine Bus der gerade anhält, besser gesagt gerade einen Rollstopp macht, um einen Fahrgast einsteigen zu lassen, zwingend vom anderen Bus überholt werden muss, um als erster beim nächsten Fahrgast zu sein, der an der Strassen steht. Nicht alle Fahrgäste fiebern bei dem fröhlichen Rennen mit, aber der grösste Teil johlt, grölt und lacht, sobald wir unseren Gegenspieler zum X-ten mal in einer unübersichtlichen Kurve überholen. Erni und Rolf grinsen sich gegenseitig zwar blöd an, aber die weissen Knöchel der Hände die versuchen sich irgendwo festzuhalten sprechen ihre eigene Sprache. Die Vorstellung hier in irgend einem Spital zu landen ist nicht gerade verlockend. So... ich denke hiermit sollte die wieder Eingewöhnungs-Phase abgeschlossen sein und wir können Segeln gehn. Zuerst nur mal um die Ecke mit Rückenwind nach Hog Island.

Wir legen uns auf die Ostseite von Hog Island von wo aus wir auf Calivigny Island sehen. Als Rolf und Erni mit ihrem ersten Schiff vor circa 15 Jahren zum ersten mal hier waren, war die kleine Insel noch unbewohnt. Mittlerweile ist sie privat und ““developed““ nebst den bestehenden Hotels wird tüchtig gebaut. Die Insel soll auch streng bewacht sein, irgendwelche Einheimische oder Yachtis sind nicht erwünscht, allerdings dürfen die Strände betreten werden da diese in Grenada allgemein öffentlich sind. Wir sind aber nicht unbedingt darauf aus am Strand von Calivigny Island unser Badetuch mit einem grimmig dreinschauenden Wachposten zu teilen und verzichten somit auf einen Besuch der Insel. Da schauen wir doch lieber mal wie es auf Hog Island aussieht. Schon vom Boot aus haben wir entdeckt, dass da so komische Tafeln mit Nummern drauf rumstehen und dann sehen wir auch noch ein Auto. „Was soll das denn, was macht ein Auto auf einer Insel die keine Verbindung zur Hauptinsel hat und kaum gross genug ist um darauf rückwärts einzuparken?“ Na ja ist vielleicht etwas untertrieben, so knapp einen Kilometer im Durchmesser hat sie schon, dafür aber keine Strassen. Sofort Feldstecher und guck, hmmmm.... auf der Fahrertür ist eine goldene Schrift zu erkennen und irgendwas wie “Property“ steht da geschrieben. O...ohhh.... soll Hog Island etwa auch verkauft sein????? Wir schwimmen mal an Land um der Sache auf den Grund zu gehen. Ja die Tafeln mit den Nummern drauf bezeichnen ausgestreckte Landparzellen und es sind auch Strassen im Bau. Auf der anderen Seite der Insel kommen wir dann auch der Sache mit dem Auto näher, die haben doch tatsächlich eine Brücke zur Hauptinsel gebaut.

Am anderen Ende der Brücke stossen wir dann auf das was eigentlich zu erwarten war.

Kombiniere, abgeschlossen = privat. Tssja.... diese goldenen gestylten Schriften die möglichst diskret dafür aber um so wirkungsvoller auf unbeschränkten Luxus hinweisen, bedeuten selten Gutes.
Momentan sieht es auf Hog Island noch so aus und es scheint noch nicht alles verloren.

Könnte gut sein, dass die Company die diese Insel gekauft hat ihre Parzellen bei der jetzigen Wirtschaftslage nur schlecht verkaufen kann.
Mit dem Dinghy fahren wir rüber nach Woburn „ach schau mal Nimrods Rumshop gibt es noch!“

Wir stellen zwar fest, dass der Besitzer nicht mehr der gleiche ist und der Name Ganja Shop vielleicht passender wäre, aber die alten Bücher sind noch da. Der ehemalige Besitzer bestand darauf, dass jeder Yachti der in seinen Laden kam einen Eintrag in sein Buch machte. Die Belohnung dafür war ein Gläschen vom 69 % Alc. by Vol. 138° Proof. Rum, mit dem gut gemeinten Hinweis „D'ont sip, just swallow“ Rolf der damals gerade wieder auf den Beinen war, nach einer Woche in der er zu schätzen wusste, dass man auf dem Klo sitzend mit dem Kopf bequem das Spülbecken erreichen kann. Na ja ihr wisst schon wenn es einem so beschissen geht, dass man nach zwei Tagen die Kraft nicht mehr aufbringt um die Handpumpe der Toilette zu betätigen. Unmöglich diesen Willkommens-Drink abzulehnen, gerne erinnert sich Rolf an das abfackeln seines immer noch leeren Magens. Nach längerem Suchen in den vielen Büchern findet Rolf dann auch unseren Eintrag von 1993..

So jetzt reicht's aber mit Vergangenheit, wir sollten uns eher mit der Zukunft befassen, denn in ein paar Tagen bekommen wir Besuch den wir in der Prickly Bay abholen sollen. Das klappt auch alles und wir haben Madeleine für zwei Wochen an Bord. Auch Madi wird erst mal eingeschaukelt, das heisst wir bleiben vorerst mal vor Anker in der Prickly Bay
Bei einem Spaziergang entdecken wir das hier.

Wie wir später im Google nachlesen ist dieses gut 10cm lange Teil eine Raupe und wird Frangipani Worm genannt. Er und seine Kumpels sollen einen Frangipani Baum in einer Nacht kahl fressen. Ist doch praktisch so braucht man im Herbst das Laub nicht einzusammeln. Oder wie war das noch mit dem Herbst in der Karibik? Aehmmm.. irgendwie anders, glaub ich.
Einkaufstour in St.Georges

Die Migros Tragtasche ist absolut happy, ist sie doch eine der Ausnahmen die einen Job in der Karibik bekommen hat und das rein zufällig. Absolut interessanter Job meint sie, hier macht man Bekanntschaft mit exotischen Esswaren, deren Bewohner noch um einiges exotischer sind, mal abgesehen von den Kakerlaken, als die Esswaren selbst.
Nach ein paar Tagen hat Madi Lust auf segeln und wir machen uns auf nach Carriacou. Auf unserer Tour fangen wir zwei kleinere Tunfische was uns etwas darüber hinwegtröstet, dass wir es wie eigentlich immer von Grenada kommend nicht in einem Schlag nach Carriacou schaffen und aufkreuzen müssen.
In
der Tyrell Bay liegt die Fähre die sich Alexis in Griechenland
gekauft hat. Wer schon frühere Berichte gelesen hat, weiss wer
Alexis ist und was das mit den Fähren auf sich hat. Für die
die es nicht wissen auch nicht so schlimm, hier will ich nur auf die
Beschriftung dieser Fähre hinweisen. Ihr müsst doch
zugeben, dass das irgendwie komisch aussieht. Da muss man schon
einige Hirnverrenkungen machen um der Sache auf die Schliche zu
kommen. Habt ihr's...., nö...? Also das muss so gewesen sein,
Der “Schriftenmaler“ muss vom Schiff aus gearbeitet haben
und des Alphabets kundig gewesen sein, ansonsten wäre er nicht
auf die Idee gekommen die Schablone so anzubringen, dass er lesen
kann was er schreibt. Nach Fertigstellung des fünften
Buchstabens muss jemand am Heck vorbeigefahren sein und den
Schriftenmaler darauf hingewiesen haben dass die Buchstaben aus
seiner Sicht auf dem Kopf stehen. Wie lange und wie handfest die
Diskussionen waren bis der Schriftenmaler überzeugt war, lässt
sich nur erahnen. Jedenfalls konnte er davon überzeugt werden,
dass die Beschriftung so angebracht werden muss dass sie von einem
anderen Boot aus gelesen werden kann. Worauf er offensichtlich seine
Schablone gedreht hat. Ähmmmm....
halt mal, die ersten fünf Buchstaben stehen nicht nur auf dem
Kopf sie sind auch noch spiegelverkehrt. In dem Fall ist das Ganze
folgendermassen abgelaufen. Ein des Alphabets unkundiger könnte
genau so gut von ausserhalb wie innerhalb des Schiffes gearbeitet
haben..........., ?????. Ach wisst ihr was, denkt euch doch selber
eine Geschichte aus, oder auch nicht. Wichtig ist nur dass,
spiegelverkehrt auf dem Kopf stehend immer noch erkennbar ist, dass
dieses Schiff in KINGSTOWN registriert ist, also was soll's warum
sich die Mühe machen die ersten fünf Buchstaben
abzuschleifen und neu aufzumalen.
Auch mit Madi machen wir den Ausflug auf den Chapeau Carre, leider ist es heute etwas dunstig und die Sicht nicht allzu gut, aber der Blick auf White Island ist trotzdem schön.

Nein, nein es regnet nicht, den Trick mit dem Regenschirm gegen die Sonne hat Rolf den alten Damen abgeguckt. Nach dem Aufenthalt in der Schweiz, inklusive Herbst, natürlich ein absolutes Hochgefühl dieses Utensil derart zweckentfremdet einzusetzen.
So
sehen Schweizer beim Wandern in der Karibik aus.
Uns so sehen Karibische Kühe aus die Schweizer Wanderer sehen.

Von dem was sich die Kühe denken haben wir keine Ahnung, scheint uns im Moment auch nicht wichtig, was uns im Moment eher beschäftigt ist sowas hier.

Bevor wir wieder aufs Schiff hinaus fahren, beschäftigen wir uns dann auch eingehend und umfassen mit diesem Thema.

Die Zeit mit Madi vergeht im Flug und schon muss sie an ihre Rückkehr denken. Sie entschliesst sich einen Inselhopper zurück nach Grenada zu nehmen, was nur wenig teurer als die Fähre ist. Mit dem Bus fahren wir nach Hilsbourough und laufen zum Flughafen, wo Madi ihren Flug Bucht. Da wir zurück zur Tyrell Bay laufen wollen, fragt Rolf ob es dem Ufer entlang einen Weg in die Paradise Beach gibt. Ja gibt es, einfach durch die Mangroven, meint die freundliche Flughafenangestellte. Wieder mal ist es nicht ganz so einfach den Weg zu finden, vermutlich liegt das daran, dass wir den Begriff Weg etwas anders interpretieren als das was die Leute hier darunter verstehen.

Ihr glaubt es vielleicht nicht, aber wir sind auf dem richtigen Weg und gelangen somit auch an die Paradise Beach. Ich glaub ich hab schon mal irgendwo gehört, dass der Weg ins Paradies beschwerlich sein soll. Aber es lohnt sich, wir kaufen uns eine paradiesisch eisgekühlte Cola und schauen den Pelikanen beim fischen zu.

Es bleiben noch ein paar Tage und wir segeln raus nach Saline Island.

Wo Rolf den Vorschlag macht wir könnten doch im Luv von Carriacou nach Petite Martinique segeln. Erni versucht klar zumachen was das heisst bei diesem Wind und Wellengang gegenan zu segel. Madi die anfangs der Meinung war sie sei möglicherweise nicht ganz seefest, lässt sich nicht beeindrucken und los geht's. Da ist tatsächlich ganz schön was los, die Wellen klatschen ins Cockpit, zum Glück sind es nur ein paar Seemeilen bis Petite Martinique, na gut mit aufkreuzen sind es noch ein paar mehr, jedenfalls erreichen wir unser Ziel in ein paar Stunden und nicht nur Madi ist beeindruckt was das Meer so zu bieten hat.
Am nächsten Tag segeln wir mit Rückenwind nach Sandy Island, nochmals schnorcheln und am nächsten Tag geht es nach Hilsborough wo Madi von Bord geht. Rolf und Erni machen noch schnell ein paar Einkäufe und dann heisst es so schnell wie möglich von hier verschwinden, der Schwell der hier reinkommt macht das vor Anker liegen einfach unerträglich. Wir sehen Madi noch am Ufer stehen und winken, von wo aus sie noch ein Foto von uns macht.

Dieses und auch einige andere Fotos die ihr in der Picture Gallery findet sind von Madi.