Karibik (St. Martin to Martinique)
(07.03.2008 – 31.03.2008)
Rolf und Erni warten auf einen Nordwester, nein ich meine jetzt nicht diese komischen gelben Hüte die die Fischer an der Nordsee Tragen, nein ich meine den Nordwestwind. Verheerend illusorisch, denn dieser kommt hier noch seltener vorbei als diese komischen gelben Hüte. Na gut wie wär's mit Nord? Ach so ja, im Moment auch nicht, Aehmmm, Nord-Nordost? Aha auch nicht? Vielleicht Nordost? das ginge ja auch noch. Das beste was wir im Moment kriegen können ist aber ein Ost-Nordoster. Also Entscheiden wir uns mit dem Ost-Nordoster nach Guadeloupe zu segeln. Wenn die angesagte Windrichtung sich an die Ansage hält, sollten wir es in einem Schalg nach Port St.Louis schaffen. Da diese Strecke in einem Tag nicht zu schaffen ist, segeln wir im laufe des Nachmittags los, so sollten wir es schaffen den Tag darauf noch bei Tageslicht in Guadeloupe anzukommen. Der Wind macht wieder mal so seine Spielchen mit uns, dreht immer mehr auf Ost, was für uns heisst, dass wir es niemals nach Port St. Louis schaffen. Wir wollen es aber schaffen, erstens soll es da noch ziemlich unberührt sein und zweitens war die Idee den Rivier Salée herunter zu fahren. Stur bleiben wir hart am Wind, worauf der Wind noch sturer, sogar eine südöstliche Tendenz annimmt, was für uns bedeutet, dass wir Guadeloupe, wenn überhaupt nur von weitem sehen. Dies macht er aber nur um uns zu ärgern, denn schlussendlich bläst er uns dann doch in die richtige Richtung, und wir schaffen es gerade noch bei Tageslicht den Anker zu schmeissen.
Port St.Louis ist ein kleiner Fischerhafen an der Westküste von Grande-Terre. Grande-Terre und Basse-Terre, die zusammen Guadeloupe bilden sind untereinander mit Brücken verbunden. Der Meeresarm dazwischen heisst Rivière Saleé und ist schiffbar.
Port St. Louis

Wenn auch nicht touristisch dann doch ziemlich Französisch.

Scheint mir hier sind gerade Wahlen. Nein, das hier ist nicht die Wahl-Urne, das ist nur ein Politisch interessierter Müllcontainer. Ja,ja Politik ist halt immer irgendwie zweideutig.

Hübscher Name für ein Scheisshaus was?

Guck mal hier sind vor kurzem ein paar Flip-Flops geschlüpft

Soweit die ersten Eindrücke von Port St.Lous.
Da Grande Terre relativ flach ist, entscheiden sich Rolf und Erni für einen kleinen Ausflug mit ihren Klappvelos. Mit dem Dinghy an Land, Velos aufklappen und los geht's.

Ich meinerseits bin ja froh, dass ich nicht selbst pedalen muss, bei solchen Gelegenheiten fahre ich immer auf dem Gepäckträger mit, was zwar auch nicht besonders bequem, aber bedeutend weniger anstrengend ist. Wir wollen um die Nordspitze der Insel und dann irgendwie quer über die Insel wieder zurück. Auf die Frage von Erni, ob es denn da auch sowas wie Wege oder Strassen gibt, meint Rolf „Ja, ja, natürlich!“ „Ich meine Wege oder Strassen die man mit einem Fahrrad auch befahren kann!!!“ „Logisch wieso sollte man das nicht können, mit einem Fahrrad kommt man überall durch.“ Mir ist das eigentlich egal, ob ich nun auf dem Gepäckträger mitgefahren oder mitgetragen werde, macht nun wirklich keinen grossen Unterschied.
Erni scheint das nicht ganz egal zu sein, irgendwie fährt sie lieber mit dem Velo, als das sie es durch die Wildnis trägt. Es ist wie es immer ist, zwar wird diskutiert, aber dann geht's halt doch einfach drauf los. Das mit den gut organisierten Ausflügen werden die beiden niemals in den Griff bekommen, ist mir auch lieber so, diese Einfachdrauflosausflüge sind mit Abstand spannender.
Zuerst geht sich das ganze gar nicht schlecht an, hier kann man doch wunderbar velofahren.

Was ist denn das hier, im inneren des Gebäudes gibt es Namensschilder, brennende Kerzen, und Plastikblumen. Scheint sowas wie eine Gedenkstätte für ertrunkene Fischer zu sein.

Das hier ist die Rückseite der Gedenkstätte für ertrunkene, Fische äh Fischer natürlich!

Diese
leeren Flaschen sind bestimmt von Fischern die hier ihren ertrunkenen
Fischerkollegen gedenken. Entweder ist das der Beweis, dass hier sehr
viel Kummer herunter gespült wird, oder es sind die Überreste
eines Ertrink-Trainings. Könnte ja sein, dass regelmässiges
excesives Trinken einem eines Tages vor dem ertrinken retten
könnte.???
So das wär's dann auch schon mit Velo fahren, jetzt ist Velo schieben angesagt,

Sau schön hier, aber auch Sau heiss, natürlich ist gerade Mittagszeit, die Sonne gibt alles, der Sand ist locker und tief und keiner weiss ob es nach der nächsten Ecke noch irgendwie weiter geht. Wäre eigentlich schon anstrengend genug hier dem Strand nach zu latschen, das aber reicht den Becker's nicht, nein sie müssen auch noch ihre Fahrräder durch den tiefen heissen Sand schieben. Wie unorganisiert diese Ausflüge auch immer sein mögen, genug Wasser und etwas zu Essen haben wir immer dabei. Der Trink- Ess- Badestopp verleiht dann auch neue Kräfte und es geht weiter. Irgendwie geht es immer weiter, nicht das man hier fahren könnte der Sand ist genau so tief wie am Strand, aber immerhin es geht weiter und nicht zurück. Schon der Gedanke die Fahrräder den langen Weg dem Strand entlang zurück zu schieben ist schweisstreibend, dann doch lieber hier so ein bisschen durch's Gebüsch.
„Kommst du endlich, Erni?“

Nicht dass das Gejammer und Gestöhne von Erni, Rolf irgendwie auf die Nerven gehen würde, nein, nein, er nimmt einfach so ein bisschen Abstand.

Irgendwann kommen dann auch wieder fahrbare Wege, worüber die beiden ziemlich froh sind, denn zurück nach Port St.Louis sind es doch noch so was um die 20 Kilometer. Zurück quer über die Insel, vorbei an endlosen Zuckerrohr Feldern und einsamen Dörfern.

Bis wir in Port St. Louis sind ist schon Abend, zum Glück hat da noch eine Boulangerie offen.

Mmmmm.... frische Baguettes. Nichts wie aufs Schiff, kühles Bier, frische Baguettes Arsch kühlen und Füsse hochlagern, oder umgekehrt.
Es geht weiter, wir wollen durch den Rivier Saleé nach Marie Galante. Zuerst geht es durch die grosse Bucht die zwischen den beiden Inseln liegt. Da die ganze Bucht untief ist, tut man gut daran sich an den ausgesteckten Fahrtweg zu halten. Die Idee in der Bucht den Anker zu schmeissen um dort zu übernachten erweist sich als unrealistisch, mal abgesehen von der Fahrrinne finden wir keinen Platz der tief genug ist. Wo auch immer wir es versuchen, bei drehendem Wind, was in dieser Bucht gut möglich ist, würden wir vermutlich irgendwann in der Fahrrinne hängen, was für die Fischer die hier Nachts in einem Affenzahn durchkommen ziemlich ungesund sein könnte. Wir fahren also weiter in den Fluss, allerdings vorerst nur mal bis vor die Brücke, denn diese hebt sich erst morgen früh für uns.

Vom Schiff aus sieht man sich von Magroven umgeben, man glaubt mitten in der unberührten Natur zu sein. Es dauert ein bisschen bis wir begreifen, dass das eine Illusion ist, also so richtig kapiert haben wir's erst als und klar wurde, dass der Fluglärm nicht von den Moskitos stammen kann, auch wenn's ganz viele sind. Das bisschen Natur was uns hier umgibt ist seinerseits wieder von massenweise Zivilisation umgeben. Hier befinden wir uns im Herzen Guadeloupes, gleich hinter der Brücke liegt Point a Pitre die Hauptstadt, umgeben von Industrie und Einkaufszentren. Wir teilen uns das bisschen Natur mit Vögeln, Libellen und vorallem mit Moskitos.

Das bisschen Natur, angeführt von den Moskitos zwingt uns bei Sonnenuntergang das Schiff nicht mehr zu verlassen. Macht aber nichts, gehn wir halt früh in die Pfanne, müssen Morgen ja sowieso früh raus. Genau gesagt ist früh nur der Vornahme, die Brücke öffnet um 04:30, nein nicht Nachmittags. “““““MORGENS!!!!““““.
Ja und wenn wir verschlafen, haben wir die nächste Chance dann am nächsten Tag, ebenfalls um 04:30. Um vier Uhr klingelt der Wecker, wir schütten uns einen Kaffee in die Birne und machen uns Startbereit. Von der Angesagten Zeit muss man hier immer die karibischen 15-20 Minuten plus\minus rechnen, dazu kommt, dass bei den angesagten Zeiten von Erni und Rolf auch einige Variablen drin sind, was das ganze unheimlich verkompliziert. Realistisch gesehen ist es reine Glücksache ob wir es heute auf die andere Seite der Brücke schaffen. Wir schaffen es, auf der anderen Seite hat es Bojen, wir schnappen uns eine. Es ist noch stockdunkel, auf dem Weg hinaus ins offene Meer sind noch so einige Untiefen, zudem ist es nach Marie Galante nur ein Katzensprung und um die Windrichtung müssen wir uns auch keine Sorgen machen. Es macht also absolut keinen Sinn in der Dunkelheit zu segeln. Da warten wir doch lieber bis es Hell ist. Wartezeiten sind ja an und für sich nicht nur lästig, sie dauern auch länger als andere Zeiten, ausser..., ausser, man hat zufällig sein Bett dabei und es ist fünf Uhr morgens.
Gegen Acht machen wir den zweiten Anlauf in den Tag, nach einem ordentlichen Frühstück schmeissen wir so gegen Neun die Leine los und ab geht es nach Marie Galante.Nach Mittag sind wir in St. Louis, nein nein wir sind nicht aus versehen zurück gesegelt, hier sind wir in St. Louis auf Marie Galante und nicht in Port St. Louis auf Guadeloupe.
Mal gucken wie es hier so aussieht. Aha nicht ganz unsympathisch.

Und
wie steht's mit einkaufen?
Interessant, interessant... was man hier wohl alles kriegen kann? In den Gläsern auf dem Tresen befinden sich ein paar Bonbon's, auf dem Teller liegen cirka 6 Früchte zusammen mit 3 in die Jahre gekommenen Kartoffeln. Bestimmt bekommt man hier auch diese abgehackten zum duzend in Plastiksäcke verpackten Hühnerfüsse, bei deren Anblick jeder einzelne seinen ganz persönlichen Todeskampf zu erzählen scheint. Oder diese eingemachten Schweins- Schnauzen- Ohren- Füsse und Schwänze, die farblich ganz interessant sind, Rosa mit einem deutlichen Hang zum Lila, das wiederum an den Rändern sein Flair für Schimmel-Grün nicht verleugnen kann. Diese Interessante Farbkombination ist meist in Einmachgläsern zu sehen die offen rum stehen und so gross sind, dass sich die Extremitäten von mehreren Schweinen darin tummeln können. Da wir gar nicht wissen wollen was dieser Landen sonst noch alles anbietet, verzichten wir darauf nach dem Verkäufer zu rufen. Es gibt noch weitere Läden, die wie könnte es auch anders sein auf einer französischen Insel, alles verkaufen was man auch in Frankreich kaufen kann, mag die Insel auch noch so klein sein. Zudem gibt es in dem kleinen Nest auch mindestens vier Bäckereien.
Morgen wollen Erni und Rolf wieder mal eine Rundfahrt mit den Fahrrädern machen, sie haben sich sogar eine Karte besorgt.

Aber anstatt sich damit zu befassen wo es den langgehen soll, befassen sich die beiden lieber mit Ortsbezeichnungen wie Trou Madame Coco, die beiden werden sich allerdings nicht einig welches Loch von Madame Coco nun gemeint sein könnte.
Mit den Velos im Dinghy tuckern wir an Land. An Land, Velos aufgeklappt alle Start klar, weiss wieder mal keiner in welche Richtung es gehen soll, obwohl die beiden diesmal sogar sowas wie ein Ziel haben. Das Trou de Madame Coco hat so eine gewisse Anziehungskraft, könnte ja sein, dass beim Anblick desselben man herausfinden könnte welches denn nun gemeint ist. Auch das Trou de Souffleur hat seinen Reiz. Ziel ist also mindestens eines dieser Trous, soweit alles klar, das Problem ist nur, dass viele Wege nach Trou führen. Die Windrichtung entscheidet wo es langgehen soll, zuerst gegen den Wind und dann mit dem Wind zurück. Weitere Richtungsentscheide sollen laufend getroffen werden, hier zum Beispiel entscheiden die noch juckenden Moskito Stiche aus dem Rivier Saleé, dass dringend eine Richtungsänderung vorgenommen werden muss.

Auf Marie Galante gibt es nicht nur endlose Zuckerrohr Felder es gibt auch endlos viele Destillerien. Auch auf dieser Insel hat der Fortschritt nicht halt gemacht, noch vor 15 Jahren als Rolf und Erni auf ihrer ersten Reise hier waren, wurde das Zuckerrohr noch zum grössten Teil von den Bauern mit diesen Ochsenkarren zur Zuckerfabrik gefahren.

Heutzutage haben diese Gespanne eine etwas schizophrene Persönlichkeit, einerseits sind sie Attraktionen für Touristen, anderseits sind sie das Zeichen der Armut für den Besitzer.
Hie und da sieht man noch diese qualmenden Erdhaufen, die meist in der Nähe einer schäbigen Hütte stehen, wovon wir ableiten, dass mit der ursprünglichen Herstellung von Kohle nicht allzuviel zu verdienen ist.

Erni und Rolf kommen wieder mal ins sinnieren, einerseits freut man sich solch ursprüngliche Dinge zu sehen die nicht nur als Touristen Attraktion dienen sondern hier zum Teil noch Alltag sind, anderseits hat keiner Lust, Kohle für einen Hungerlohn herzustellen oder ein armer Bauer zu sein, der sein Zuckerrohr mit der Machete erntet und es dann mit dem Ochsenkarren zur Zuckerfabrik fährt. Mir ist das alles scheissegal ich hätte sowieso lieber eine Destilliere Tour gemacht. Wäre doch viel interessanter gewesen zu sehen wie aus Zucker Rum wird. Vorallem wären all die Degustationen hoch interessant gewesen. Wo kann man schon so viele Rum Sorten auf so kleiner Fläche probieren, hoch interessant wäre das gewesen, wirklich hoch interessant, aber auf mich hört ja keiner.
So, so, das ist also das Trou du Souffleur, hmmmm... schön... ja... aber eine Destilliere Tour wäre auch nicht schlecht gewesen.

Weiter geht es über die Insel, einfach wunderbar zum Velo fahren, ersten flach und zweitens kein Verkehr, die schmalen Strassen hat man sozusagen für sich alleine. Auf dem Weg zurück mit ordentlich Rückenwind begegnen wir dann einem umgesattelten Ochsenwagen.

Dieser ehemals im Transport Wesen tätige Ochsenwagen, hat in die Werbebranche übergesiedelt, scheint aber ein Anfänger zu sein, sonst würde er nicht hier im nirgendwo für Handys und Computer Werbung machen und dies ohne irgend einen Hinweis wo man das angepriesene erwerben kann. Nun ja, aller Anfang ist schwer.
Wieder an der Westküste der Insel, steht sie Sonne schon tief, und das Meer glitzert in der Abendsonne.

Erni: "Das war doch wieder mal ein wunderschöner Tag."
Rolf: "Das kann man wohl sagen."
Ich: "Nicht ganz schlecht aber so eine Destilli..........."
Rolf und Erni: "SCHNAUZE!!!!!!!!!!!!!"
"Da seht ihr's so geht das immer, mich fragt keiner."
Einige Tage später bringt uns dann der Seewetter Bericht etwas aus der Ruhe, irgendwo weit im Norden soll sich ein Tief austoben. Zwar sollen wir hier das Tief selbst nicht gross zu spüren bekommen, wohl aber die Wellen die dadurch erzeugt werden. Es ist nur schwer vorzustellen, dass Wellen die Tausende von Kilometern entfernt entstehen uns hier das Leben schwer machen sollen. Die Sache scheint aber ziemlich ernst zu sein, es wird ein allgemeines Schifffahrts Verbot herausgegeben da Wellen bis zu sieben Metern zu erwarten sind. Alle Schiffe sollen sich in den nächsten Hafen begeben. Gute Idee aber in welchen. Für uns gibt es zwei Möglichkeiten, entweder zurück nach Guadeloupe oder in den kleinen Hafen hier auf der Insel. Wir segeln runter nach Grand Bourg nur um festzustellen, dass der kleine Hafen um einiges kleiner ist, als wir uns vorgestellt haben und natürlich auch schon voll ist. Trotzdem versuchen wir uns da auch noch reinzuquetschen, wir haben keine andere Wahl, um weiter zu segeln ist es zu spät. Die Sache wird ziemlich nervig, erstens ist einfach nicht genügend Platz vorhanden, und zweitens ist der Ankergrund schlecht. Schlussendlich schaffen wir es dann doch, den Anker so zu schmeissen, dass er hält und die beiden grossen Fähren noch genügend Raum haben um zu manövrieren, na ja wenigstens wenn der Wind so bleibt. Zu unserem erstaunen kommen im laufe des Nachmittags noch vier Schiffe in den kleinen Hafen und schmeissen den Anker. Nun ist aber endgültig vorbei mit genügend Manövrierraum für die Fähren. Wir bereiten uns auf ziemlich viel Ärger vor, den bekommen wir aber vorerst nicht, da das Schifffahrt-Verbot offensichtlich auch für die Fähren gilt und diese somit in Guadeloupe bleiben. Wenn Fahrtenschiffe derart eng nebeneinander liegen gibt es entweder Streit, dies mit Leuten die der Meinung sind sie seinen zuerst da gewesen und alle anderen sollen verschwinden, ganz egal wie die Situation ausserhalb des sicheren Hafens ist. Oder es entstehen neue Freundschaften indem man sich gegenseitig hilft, die unglückliche Lage mit möglichst wenig Schaden zu überstehen. Wir haben Glück, unsere Nachbarn sind Franzosen, die die Zwangs-Tage im Hafen dazu benutzen, Destillerie Touren zu machen. Optimal denn sonst muss schon Tage im voraus ein Auto reserviert werden. Jetzt aber wo keine Fähren fahren, kommen auch keine Touristen, kein Problem also ein Auto zu bekommen. Meine beiden Biedermeier haben aber keine Lust auf solche Touren, erstens sind sie der Meinung, dass es besser ist auf dem Schiff zu bleiben, da die ganze Anker Geschichte doch etwas fraglich ist und zweitens sind sie der Meinung, dass es nicht nötig ist sich ein Auto auf einer Insel zu mieten, die man locker in einem Tag mit dem Velo abklappern kann. Soviel Vernunft auf einem Haufen kann einem schon mal auf die Nerven gehn. Na ja wenigstens kommen dann am Abend unsere Nachbarn mit ihren Errungenschaften vorbei, bei soviel degustieren fühlt man sich ja auch immer verpflichtet etwas zu kaufen. So komme ich dann schlussendlich doch noch in den Genuss von lokalem Rum. Total lecker dieser Rum von Marie Galante, allerdings musste ich die Erfahrung machen, dass er genauso besoffen macht wie jeder andere Rum.
Am dritten Tag gibt's dann Ärger, die Fähren fahren wieder. Es ist etwa Morgens um Acht, Motoren Lärm Gefluche und Geschimpfte locken uns in Cockpit um nachzusehen was da los ist. Au Backe, da manövriert eine Fähre ziemlich rücksichtslos. Im Abstand von circa einem halben Meter zur manövrierenden Fähre befindet sich ein Segelboot, die Crew desselben wird von der Brücke der Fähre, so aus etwa fünf Meter Höhe mit Leib und Seele beschimpft. Diese ziemlich eindrückliche Vorstellung, veranlasst die Segler so schnell wie möglich den Hafen zu verlassen, doch noch bevor einer in dem Gedränge den Anker heben kann, kommt schon die zweite Fähre. Mehr Chaos, mehr Gefluche und mehr Angst ums eigene Schiff. Obwohl die Crew Mitglieder der Fähren ausschliesslich damit beschäftigt sind die augenscheinlich sonst schon keinen Segeler noch kleiner zu machen, schaffen es die beiden Kapitäne ihre Schiffe an den Steg zu legen ohne irgendwelchen Schaden anzurichten. Alle Achtung, kann ich da nur sagen, das war wirklich eng.
Nachdem beide Fähren am Steg festgemacht haben, verlassen die Segler die sich im Manövrierraum befinden so schnell wie möglich den Hafen. Gute Idee, denn in etwas 20 Minuten verlassen die beiden Fähren den Hafen wieder und raus müssen sie rückwärts was die Sache um einiges komplizierter macht. In der Meinung wir seinen den Fähren nicht im Weg wollen wir noch etwas bleiben, diesen Beschluss ändern wir aber, als wir beim ablegen der einen Fähre auch nicht gerade höflich gebeten werden uns zu verpissen.
Nach St. Louis zu gehen ist im Moment wohl nicht ganz das Richtige, bestimmt hat es da noch ziemlich viel Schwell, wir beschliessen irgendwo an der Westküste zu Ankern. Wäre eigentlich wunderschön wenn da nicht der Gestank der Zuckerfabrik wäre.

Etwas weiter Nördlich finden wir dann einen lauschigen Ankerplatz, also lauschig wäre er wenn unser Schiff nicht so fröhlich in den Wellen tanzen würde und der Wind nicht gerade daher wehen würde wo auf der Insel Müll verbrannt wird, auch nimmt das Wasser zeitweise eine seltsame Farbe an, ob das wohl irgendwie mit der Zuckerfabrik zusammenhängt. Wir harren zwei Tage aus, dann sind wir der Meinung der Schwell sollte sich soweit gelegt haben, dass es möglich sein sollte wieder in St. Louis zu ankern. Nach ein paar weiteren gemütlichen Tagen in St. Louis wird es aber Zeit weiter zu kommen, dazu müssen wir aber nochmals nach Grand Bourg zum auszuklariren. Keiner hat wirklich Lust nochmals in diesen Hafen zu gehen, da wäre noch die Möglichkeit ausserhalb des Hafens zu ankern, diese Möglichkeit zerschlägt sich aber mit der Brandung die ans Ufer klatscht, unmöglich hier zu ankern, also rein in den Hafen.
Diesmal gestaltet sich die Sache etwas angenehmer, obwohl es immer noch eng ist und der Ankergrund auch nicht besser geworden ist kennen wir zumindest den Hafen schon. So schaffen wir es nach dem dritten Versuch einigermassen zufriedenstellend zu liegen. Rolf geht zum ausklariren und nach einem netten Gespräch mit dem Zuständigen dürfen wir uns sogar an die Boje eines Schiffes hängen das im Moment nicht im Hafen liegt.

So sieht die Sache bedeutend besser aus, nun können wir hier auch mal alle zusammen an Land gehen, da wir keine Angst haben müssen, dass unser Schiff bei drehendem Wind irgendwelchen Schaden anrichtet. Ein kleiner Rundgang durch die Ortschaft ein kühles Bier in einem Strassenkaffee und zurück um Hafen.

Nach einer ruhigen Nacht geht es dann Richtung Dominica. Gut das wir eine ruhige Nacht hatten, denn das Segeln ist Heute alles andere als ruhig, dafür aber schnell. Wieder so ein Tag an dem man nicht raus gehen würde wenn man nicht müsste, wir müssen aber, denn in ein paar Tagen werden wir in Marinique erwartet wo Ernis Bruder an Bord kommen soll. Natürlich muss auch unter den unangenehmsten Bedingungen gefischt werden, was sich diesmal auch lohnt, wir ziehen zwei Thunfische gleichzeitig heraus. Da acht Kilo Thunfisch etwas viel für uns sind, bekommt diesmal ein Einheimischer einen der beiden Thunas, der sich auch mächtig freut, nein nicht der Fisch, der Einheimische.
In der Prince Rupert Bay liegt man im Moment auch nicht gerade ruhig

der starke Wind hat Wellen aufgebaut die nun in die Bucht rollen. Nun ja wir wollen ja sowieso nur eine Nacht bleiben. Diesmal geht es nach einer unruhigen Nacht auf unruhige See. Als ob das nicht schon reichen würde müssen wir auch noch hart an den Wind, was für uns unter Deck Gelegenheit gibt, durch das Salonfenster Fische zu beobachten, da sich dieses mehrheitlich unter Wasser befindet.

Im Gegensatz zu uns findet Rolf das ganze nur beschränkt lustig, und Erni findet's nur noch scheisse. Lustig oder nicht wir schaffen's nach St. Pierre und am nächsten Tag nach St. Anne.