Karibik (Barbuda and St.Maarten)

(29.01– 26.02.2008)

Mit Südostwind geht es Richtung Barbuda was ein Glücksfall ist, denn um diese Jahreszeit weht hier normalerweise ein Nordoster, was für uns wieder mal gegenan bedeuten würde, statt dessen segeln wir gemütlich vor dem Wind. Wir wissen unser Glück zu schätzen. Barbuda ist umgeben von Riffen, in diesen Riffen rund um die Insel sollen über 200 Wracks liegen. Na da wollen wir besser mal gucken wo wir durchsegeln.



Da wir früh losgesegelt sind, kommen wir vor Mittag an das erste Riff, das ist auch gut so, denn nur wenn die Sonne hoch steht oder man sie im Rücken hat kann man Untiefen erkennen. Einen Tiefenmesser haben wir immer noch keinen, dafür hat Erni eine Polaroid Sonnenbrille mit der man tatsächlich mehr erkennen kann als mit einer normalen oder ohne Sonnenbrille. Die Sonne steht gut und weit und breit keine Wolken, bei Wolken hilft auch eine Polaroid nichts mehr. Wir kurven durch die Riffe und schmeissen den Anker in der Governor Bay im Süden der Insel.



Im Gegensatz zu den meisten Karibischen Inseln hat Barbuda keinen Vulkanischen Ursprung, sie besteht aus Kalkstein und war ursprünglich ein Korallenriff das sich über den Meeresspiegel erhoben hat. Die Insel ist absolut flach, Höchster Punkt etwa 40 Meter. Trotz des in der Karibik herrschenden Massen-Tourismus ist Barbuda mit seinen Meilen von unberührten Sandstränden immer noch ein Naturparadies. Selbst Robinson Crusoe soll nicht einsamer gewesen sein. Da wollen wir doch mal sehen ob das auch so ist, wir paddeln an Land und laufen am Strand um den Spanish Point an die Ostküste. Abgesehen von einigen Eseln und wilden Pferden begegnen wir niemandem.


zu welcher Gattung das hier auf dem Bild gehört lass ich euch mal selbst entscheiden.

Wenn man nach Barbuda segelt, kann man manchmal eine blaugrüne Reflexion in den Wolken beobachten, verursacht durch die riesigen Flächen von untiefem kristallklarem türkisblauem Wasser die die Insel umgeben. Diese Untiefen sind gespickt mit Riffen wie auch hier an der Ostküste.



An der Ostküste liegt erstaunlich wenig Müll, das liegt wohl daran, dass das was hier angeschwemmt wird entweder über den ganzen Atlantik kommen muss oder von Schiffen stammt. Dieser Baumstamm hier, bestes tropisches Holz, muss wohl ein Frachter verloren haben, der Plastikhelm der Rolf's Haupt schmückt, stammt vermutlich von einem Fischer. Warum viele Fischer solche Plastikhelme tragen war für uns lange ein Mysterium, immer wieder haben wir uns gefragt was einem beim Fischen so alles auf den Kopf fallen könnte. Eines Tages sahen wir dann wie ein Fischer mit so einem Helm sein Boot lenzte. Jetzt ist alles klar, erstens schützt der Helm gegen die Sonne und zweitens kann man damit wunderbar Wasser schöpfen, somit des Fischers ideale Kopfbedeckung.



Nach ein paar Tagen gibt es dann wieder ziemlich Wind, was unseren Ankerplatz etwas ungemütlich macht, wir verlegen uns etwas mehr Richtung Spanish Point. Bei solchem Wind und Wasser ist natürlich wieder mal Windsurfen angesagt.



Solange soviel Wind herrscht können wir mit dem Schiff nicht an die Westküste da hat es einfach zuviel Schwell. Macht aber nichts hier können wir's noch ne Weile aushalten. Nach über einer Woche legt sich zuerst der Wind und dann der Schwell, wir machen uns auf an die Westküste.


Hier gibt es Sandstrand bis zum abwinken, der längste ist 32 Kilometer, nur unterbrochen durch einen kleinen Bootshafen und sonst gar nichts.



Im Norden der Insel ist eine Frigatebird-Kolonie, am Strand laufen Pelikane herum, also laufen kann man das eigentlich nicht nennen was die da machen. Die Tiere versuchen durch ausgeprägte Schwingbewegungen des Hinterteils eine Vorwärtsbewegung zu erzielen, was ihnen bis zu einem gewissen Grad auch gelingt. Bei unserem Näherkommen machen sie das was sie besser können, nämlich fliegen. Was uns bleibt sind ihre Spuren im Sand.



Dieser hier ist wohl über seine eigenen Flossen gestolpert. Ich nehme mal an ihr seid nicht so gut im Spuren lesen, dass ihr euch jetzt vorstellen könnt wie das aussieht wenn ein Pelikan geht. Die Demonstration von Erni kommt dem ganzen ziemlich nah.



Wie ist es möglich, dass sich hier der Tourismus noch nicht verbreitet hat? Auf Barbuda gibt es kein Landeigentum, Land ist Gemeinschaftsgut und davon gibt es so viel, dass sich niemand darum streitet. Da es kein Landeigentum gibt, kann auch kein Land an Auswärtige verkauft werden. Seit der Unabhängigkeit von England gehört Barbuda zu Antigua. Antigua schenkte Barbuda keine besonders grosse Aufmerksamkeit, was dazu führte, dass sich Barbuda bis Heute seinen unabhängigen Geist bewahren konnte. Natürlich würden heute viele Auswärtige gerne ihre Finger in den Beachfront Immobilienhandel stecken, was aber so ein bisschen mit Schwierigkeiten verbunden ist. So hat zum Beispiel Antigua eine gewaltige Hotelanlage am Spanish Point bewilligt. Als die ersten Mobilen Büros dort aufgestellt wurden, kamen Einheimische und stiessen die Container einfach über die Klippen. Auch wurde eine gewaltige Entsalzungsanlage, die bereits im Bau war gestoppt, die Einheimischen die um den Fischbestand der Lagune fürchteten setzen sich durch.

Die Bevölkerung, 1600 Einwohner die alle in und um Codrington dem einzigen Ort auf der Insel leben, haben offensichtlich keine Lust ihren traditionellen Lebensstiel aufzugeben um als Angestellte geschniegelt und geputzt auf irgendwelche Touristen zu warten. Auch der zweifelhafte Fortschritt von besseren Strassen mehr Autos und Kentucky Fried Chicken kann sie nicht reizen. Es ist fraglich wie lange sie ihren Widerstand aufrechterhalten können, wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit bis auch Barbuda von der McDonaldization Welle überrollt wird, wir jedenfalls hoffen für die Bevölkerung, dass das noch möglichst lange dauert.

So schön es hier auch ist langsam wird es Zeit weiter zu kommen. Zum ausklarieren müssen wir nach Codrington. Mit dem Dinghy fahren wir an den Strand, wo die Düne die Meer und Lagune trennt am schmalsten ist, denn jetzt heisst es Dinghy mit Motor über die Düne in die Lagune tragen. Einfacher wäre es ja ohne Motor, aber über eine Meile gegen den Wind rudern ist auch nicht ganz ohne.

Da sind wir also in Codrington der einzigen Ortschaft auf der Insel.



Es ist nicht ganz einfach Port Authority, Emigration und Custom zu finden, zudem müssen die drei Büros in der richtigen Reihenfolge abgeklappert werden, Das erste ist Port Authority. Mal fragen, ach so in dem blauen Haus dort ist Missis Simpson zuhause, die macht das, wir bekommen aber gleich dazu die Auskunft, dass Missis Simson nicht zu Hause ist, da sie gesehen wurde wie sie das Haus verliess.. Emigration finden wir etwas schneller, die erste Frage ist aber ob wir schon bei der Port Authority waren. Auf allen anderen Inseln würden uns die Offiziellen jetzt zurück zur Port Authority schicken, stattdessen versucht die Dame hier per Telephon Missis Simpson aufzutreiben, aber auch sie hat keinen Erfolg. Wir sollen doch in der Zwischenzeit unsere Papiere beim Zoll machen und dann hierher zurückkommen. Was hat sie gesagt, nach der Kirche rechts? Ja welche denn von den beiden? Auch bei solchen Unklarheiten findet man das richtige Gebäude in einem Ort dieser Grösse relativ schnell. Ist ja auch angeschrieben!!!!



Das Büro ist ein Zimmer in einem Wohnhaus, dass so klein ist, das man die Schreibarbeit draussen auf der Teerasse erledigen muss.



Da kommt auch noch Missis Simpson und erledigt die Papiere für die Port Authority gleich hier beim Custom. Das haben wir ja noch nie erlebt, dass uns ein Beamter, in diesem Fall eine Beamtin, nachläuft. In der Regel sind eher wir die die auf schlecht gelaunte Beamte warten oder ihnen nachlaufen. Zurück zur Emigration wo auch die letzten Papiere schnell erledigt sind, nach einem kleinen Schwatz mit der Beamtin schauen wir uns mal in der Ortschaft um ob man hier auch was Einkaufen kann, unsere Frischwaren sind nach mehr als zwei Wochen so ein bisschen rar geworden. Auf der Strasse verkauft eine Frau Früchte und Gemüse aus ihrem Garten, es gibt einen Lebensmittelladen und in Valeries Variety Store scheint das Angebot auch ziemlich umfangreich zu sein.



Da es nach St. Barts doch so an die 70 Seemeilen sind, heisst es am nächsten Morgen früh aufstehen, nach dem Frühstück regnet es immer noch und wir beschliessen noch ne Runde unter der Bettdecke zu drehen. So gegen Acht zeigt sich dann die Sonne und wir beschliessen loszusegeln. Entgegen den Wettervorhersagen ist in Sachen Wind nicht gerade viel los, so gegen Neun stellt sich langsam die Frage ob es nicht besser wäre wieder umzukehren. „Es sind zwischen 20 und 25 Knoten angesagt, dieser Wind muss doch irgendwo sein, also gut, wenn wir bis 10 Uhr keinen Wind kriegen kehren wir wieder um.“ Wir tümpeln ein bisschen rum und lassen unsere Fischerleinen ins Wasser baumeln. Hoppla da hat was angebissen.



Na, da kann man wohl nicht klagen was? Bis der Fisch zu Filets verarbeitet und diese im Kühlschrank verstaut sind ist genau 10 Uhr. Da der Wind offensichtlich nicht will, dass wir umkehren pustet er jetzt los. Ula la la laaa.. jetzt geht's aber ab, schnell segeln wir nicht mehr im Schutze der Insel was deutlich am Wellengang zu erkennen ist. Trotz Wind und Welle aus Achtern ist das nicht gerade eine Sonntagstour. Diese riesen Wellen würden wir nicht unbedingt brauchen, die Windstärke allerdings schon, wenn wir noch bei Tageslicht in St. Barts ankommen wollen. Holter di Polter geht's nach Westen, immer wieder bilden sich bedrohliche Wolken am Himmel die ihre Landung an Wasser und Wind wundersamerweise vor oder hinter uns entladen. Bis kurz vor St. Barts wo wir so eine geballte Ladung voll in die Fresse kriegen.

Es dunkelt schon als wir den Anker im überfüllten Ankerfeld schmeissen. Uns bleibt es ein Rätsel warum hier so viele Boote in der Bucht liegen, ersten kommt im Moment ordentlich Schwell rein, dazu kommen die Wellen der unzähligen Beiboote die hin und her sausen und dazu auch noch einen Lärm verursachen der einem ein Feeling vermittelt als hätte man seinen Anker irgendwo mitten auf einer Autobahn geschmissen. Nach Barbuda ist das nicht unbedingt die Bucht in der man verweilen möchte.



Hier liegen nur die kleinen Boote, die Superyachten liegen hinter uns, darunter so eigenwillige Konstruktionen wie dieser Trimaran hier.



Ist es möglich, dass alleine die Wahrscheinlichkeit hier Berühmtheiten oder Milliardären zu begegnenden so gross ist, dass es so viele Leute anzieht? Tsja... St. Barts die Insel der schönen und reichen, da wir beides nicht sind, verpissen wir uns gleich am nächsten Morgen.

Beim Ankermanöver in St. Maarten regnet es wieder mal vertikal, tolles Gefühl das Wasser zu spüren das in der Regenjacke seinen Ausgang sucht. Interessant das via Kragen soviel Wasser reinkommen kann, dass es aus den Ärmeln und aus dem Bund nur so sprudelt. „Warum haben eigentlich Regenjacken die speziell für Segler hergestellt werden immer Krägen die im hochgeklappten Zustand die Form eines Trichters annehmen?“ „Diese Designer müssen doch Sadisten sein.“ „Na ja, vielleicht würde es so ein bisschen helfen wenn du den Kragen zuziehen und die Kapuze hochklappen würdest Erni!“ „Ach so ähm ja.... vielleicht. „Hier in der Karibik könnte man den Umgang mit Regenjacken doch tatsächlich verlernen“. Der Anker hält und wir könnten jetzt eigentlich unter Deck verschwinden wo es trocken ist, mittlerweile scheint aber bereits wieder die Sonne.

Der südliche Teil von St. Maarten ist holländisch, der nördliche Teil französisch wo die Insel St. Martin genannt wird, Philipsburg wo wir uns befinden liegt im holländischen Teil. Mit dem Kollaps des Zucker Marktes geriet St. Maarten in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die jahrelang andauerten. 1939 wurde ein Versuch gestartet dem entgegen zu wirken indem die Insel komplett zollfrei gemacht wurde. Die Strategie funktionierte, St. Maarten wurde zur führenden shopping mall der Karibik. Obwohl diese Insel in beide Richtungen kaum 14 Km aufweist, ist sie vermutlich das bekannteste Reiseziel in den Leewards. St. Maarten hat im Durchschnitt pro Jahr eine Million Besucher, was etwa 2700 pro Tag macht. Momentan haben wir Hochsaison, da sind es wahrscheinlich doppelt so viel. Jeden Tag kommen hier drei bis vier Touristenfrachter an, die je nach Grösse schätzungsweise so zwischen 1000 und 3000 Passagiere aufnehmen können. Auch wenn diese Passagierschiffe nicht alle voll ausgebucht sind, ist das eine ganze Menge Leute. Dazu kommen noch all die Leute die mit Flugzeugen und Booten kommen. Hier ist shoppen und gameblen angesagt, St. Maarten ist nicht nur eine riesige shopping plaza es gibt auch über ein duzend Spielkasinos.

Natürlich wollen auch wir hier zollfrei einkaufen, aber zuerst heisst es erst mal einklariern. Da erste was wir an Land sehen sind natürlich Touristen.



Why walk when you can glide?“ heisst es in der Werbung für diese elektrobetriebenen Dinger. An der Sea promenade gleiten statt promenieren diese Leute geführt von zwei Guides, einer fährt voran der andere macht das Schlusslicht. Das mit den Führern erscheint mir besonders wichtig, da alles gerade aus geht, weder Gefälle noch Steigung hat und mindestens 300 Meter lang ist, da kann allerhand passieren. Erstaunlicherweise hält sich dieses Gefährt aufrecht ohne das der Fahrer ausbalancieren muss. Wir investieren ziemlich viel Zeit in der Hoffnung eine Vollbremsung beobachten zu können, leider erfolglos. Wir reissen uns los von diesem Schauspiel denn wir müssen ja noch unsere Papier erledigen.

Zurück auf dem Schiff stellen wir fest, dass wir vielleicht etwas nahe bei einem anderen Boot geankert haben, das zwei Anker ausgebracht hat und daher anders schwoit als wir. Bei einer bestimmten Windrichtung kommen sich die beiden Schiffe so nahe, dass wir problemlos einen Schwatz mit unserem Nachbarn halten können. Unser Nachbar eröffnet das Gespräch indem er uns sagt das wir unbedingt bei Sonnenuntergang das Ankerlicht anmachen sollen, hier werde nämlich Kontrolle gemacht, er habe bereits eine Busse von 20 Dollar eingefangen. Wir schwatzen ein wenig, aber das Gespräch gestaltet sich etwas mühsam, denn wenn der Wind dreht entfernen sich die Schiffe so weit voneinander, dass man sich auch mit schreien nicht mehr versteht. Zudem geht gleich die Sonne unter und das heisst Sundowner und wenn wir Pech haben ist die Sonne bereits unter gegangen bis die Windrichtung so ist, dass wir mit unserem Nachbar anstossen können, also bitten wir ihr rüber.

Garry ist mit seinem Folkeboot einhand über den Atlantik gesegelt uns erst kürzlich in der Karibik angekommen. Er plaudert los was das Zeug hält, man hat den Eindruck, dass all die Worte die Wochenlang an niemand gerichtet werden konnten nun endlich ein Opfer gefunden haben. Uns wird klar, dass wir Garry so schnell nicht los werden und da noch genügend von dem Fisch da ist, laden wir ihn zum Abendessen ein und hören uns seine Geschichten an. Garry lebt in England in einem Van und sucht sich Arbeit wenn er Geld braucht. Jetzt denken wahrscheinlich die meisten, dass das ein junger Typ ist, dem ist aber nicht so, Garry ist etwas über Fünfzig. Im Dezember in der Karibik angekommen und anfangs März will er bereits wieder zurück nach England segeln. Er habe einfach wieder mal Lust gehabt zu segeln. Wenn das mal kein Grund ist denn Atlantik zu überqueren um nach ein paar Wochen den Atlantik gleich nochmals zu überqueren diesmal aber in die andere Richtung. Je kleiner das Boot desto intensiver das Segelerlebnis, kann mir gut vorstellen dass Garry in seinem Folkeboot da voll auf seine Kosten kommt.



Auf der Hinreise hat Garry mitten auf dem Atlantik seinen Motor demontiert und über Bord geschmissen, das Teil sei nur Ballast gewesen da es sowieso nie richtig funktioniert habe. Auch hat das Boot keinerlei Selbststeuerung, wir können uns gar nicht vorstellen was das heisst in so einem kleinen Boot ohne Selbststeuerung Wochenlang auf See zu sein. Hie und da habe er die Segel so trimmen können, dass er die Pinne fixieren konnte und sich das Schiff so selbst steuerte. Oft habe das aber nicht funktioniert, da das kleine Boot durch die Wellen zu sehr vom Kurs abkam. Also die meiste Zeit selbst am Steuer und wenn einem der Schlaf übermannt, Segel runter und ab ins Körbchen. Garry hat den Atlantik in 36 Tagen überquert, er hätte schneller sein können meint er, aber oft habe er die Segel herunter genommen und ein Nickerchen gemacht. Rolf und Erni haben den Atlantik in 17 Tagen überquert, wovon sie keine Minute an der Pinne verbracht haben, und trotzdem der Meinung sind, dass das ganz schön anstrengend war. Da sind doch Pantoffelhelden, Weicheier, Warmduscher, oder?

Am nächsten Tag geht's in die Stadt, an der Beach Promenade reihen sich Restaurants und Bars, da werden Angebote gemacht wie dieses hier.



Für 10 Dollar bekommt man entweder einen Liegestuhl und zwei Bier, oder sechs Bier ohne Liegestuhl, irgendwie unfair oder, wo man nach sechs Bier einen Liegestuhl doch viel nötiger hätte.

Da wir eine neue Kamera kaufen wollen klappern wir alle Läden ab die mit Electronics angeschrieben sind um Preisvergleich zu machen. Diese Läden die ausnahmslos von Pakistanern oder Indern geführt werden, erinnern uns an das ebenfalls zollfreie Gibraltar. Es sind nicht nur die selben Landsleute die Elektronik verkaufen, sie haben auch die gleiche Taktik. Möglichst jetzt und sofort verkaufen, bei all den Läden die alle dasselbe verkaufen, hauptsächlich an Kunden die mit einem Passagierschiff gekommen sind und deshalb auch nur einen Tag auf der Insel sind, natürlich genau die richtige Verkaufstaktik. Daher geraten die Verkäufer auch etwas aus dem Rhythmus wenn da einer kommt der sich nur nach dem Preis erkundigt und dann auch noch alles fein säuberlich auf einen Zettel schreibt. Schon im zweiten Laden stellen wir fest, dass das mit dem Zettel eine gute Kauftaktik ist. Sobald so ein Verkäufer den Zettel sieht auf dem die Namen seiner Konkurrenten stehen, geht der Preis runter. Einen ganzen Tag verbringen wir damit Preisvergleich zu machen, erstens weil es derart viele Läden gibt und zweitens weil es absolut unterhaltsam ist diese Verkäufer zu beobachten deren Fantasie keine Grenzen kennt, wenn es darum geht den Leuten irgendwelchen Mist aufzuschwatzen. Neben uns steht einer der ebenfalls eine Kamera erwerben will, dies aber nur wenn er dazu einen Ersatz Akku bekommt. Einen solchen hat der Verkäufer aber nicht, daher argumentiert er in etwas genervtem Ton, der dem Käufer das Gefühl vermitteln soll ein absoluter Vollidiot zu sein „look dis is silisium bädderi, you can make two hunded pictes, yo don't need replace.“ Der Kunde meint er kenne das, das sei doch immer das selbe mit diesen Akkus, die seien immer leer wenn man diese brauche. „No, no no I dold you, is silisium bädderi you can make dausend pictes, no poblem!“ In einem anderen Laden hören wir „wad, you wand dhe best, I have a bedde one fo you“ und schon wird der Kunde mit technischen Daten überhäuft die der technischen Entwicklung um einiges vorauseilen.

Es gibt zwei Einkaufsstrassen die parallel zum Strand verlaufen, die Front Street liegt gleich eine Strasse hinter der Beach Promenade.



Fein säuberlich reihen sich hier Juwelier- Elektronik- Schnaps- und Markenklamotten-Läden, das Angebot also das Touristen interessiert, natürlich alle in Händen von Pakistanern oder Indern. Die Second Street liegt gleich dahinter und macht einen etwas lebhafteren und preisgünstigeren Eindruck.



Immer wieder gibt es Touristen die sich entweder in die Second Street verirren oder bewusst auf Abenteuer aus sind und da einkaufen wollen wo die Einheimischen dies tun, oder in irgend einer Seitengasse in einem einheimischen, hübsch schmuddeligen Restaurant mit klebrigen Plastiktischtüchern einen Lunch zu sich nehmen wollen. Erni und Rolf klappern die Second Street und noch weitere Strassen dahinter ab, in der Hoffnung hier die gewünschte Kamera billiger zu finden. Geht aber voll in die Hose, denn genauso wenig wie der Food hier lokal ist, sind die Preise billiger. Die cleveren Pakistaner haben auch hier den Handel im Griff, die Verkäufer sind nicht ganz so herausgeputzt, die Vitrinen halb leer und staubig und was hier an Kameras angeboten wird sind eher Vorgänger Modelle. All dies vermittelt einem den Eindruck als müsse es hier billiger sein, ist es aber nicht, zum Teil sogar teurer. Die Front Street Ladenbesitzer haben vermutlich hier Läden eröffnet die von irgendwelchen Cousins geführt werden um auch an das Geld von Typen wie Rolf und Erni zu kommen, ganz schön clever was. Schlussendlich wird die Kamera zu einem wirklich guten Preis in der Front Street gekauft. Ebenfalls wie in Gibraltar liegt hier der Food Handel ausschliesslich in chinesischen Händen, mal abgesehen von den ganz grossen Food Zentren die ausserhalb der Stadt liegen. In diesen Chinesischen Läden findet man viele asiatische Artikel zu guten Preisen, was Erni nutzt und wieder mal den Vorrat aufstockt. Die lange haltbaren Artikel verursachen Erni dann aber doch etwas Kopfschmerzen. Ist ja toll, dass auf Packungen und Büchsen Bildchen drauf sind woraus man so ungefähr ableiten kann was da drin ist, von den Bildchen die das Verfalldatum darstellen kann Erni allerdings überhaupt nichts ableiten. „Mensch Erni das sind keine Bildchen, das sind chinesische Schriftzeichen“ „Ach so, ja dann ist ja alles klar!“ Erni verpasst den Kokosmilchbüchsen mit rotem Filzstift ein Fantasiedatum und verstaut sie in der Bilge.

Hauptsächlich sind wir ja in St.Maarten um alles mögliche für's Schiff zu kaufen, in Philipsburg gibt es aber nur noch einen Ship Chandler, alles andere liegt in der Simpson Lagoon. Diese Tatsache wird für Rolf und Erni zum echten Problem, denn in der Simpson Bay bezahlt man seit kurzem für ein Schiff unserer Grösse 20 US$ die Woche nur um da vor Anker zu liegen, will man auch noch in die Lagune bezahlt man nochmals 10 US$. Ja die Zeiten sind vorbei wo man bei der Berechnung wie lange man für 20 US$ arbeitet zum Schluss kam, dass das nicht viel Geld ist. Wenn kein Geld mehr reinkommt muss man die Berechnungen in Ausgabeeinheiten machen, so erstellt Rolf höchst komplizierte Berechnungen wie, “hier bekommt man für 1US$ 1 Bier, macht also 20 Bier für 20 US$, rechnet man die Brückengebühr dazu macht das 30 Bier, also ist das richtig viel Geld.“ Erni widerlegt diese Berechnung, „Der Bus kostet hin und zurück für uns beide 6 US$ und da wir es sowieso nicht schaffen alles auf einmal zu besorgen, wegen Preisvergleichen und und dies und das haben wir noch vergessen, fahren wir mindestens 5 mal nach Simpson Bay Lagoon, zudem ist es ziemlich schweisstreibend mit vier Gallonen Antifouling, einem Anker, Schoten und was wir sonst noch alles kaufen wollten zu Fuss und mit dem Bus unterwegs zu sein, daher kostet uns das pro Fahrt pro Nase mindesten noch zusätzlich ein Bier, 5 x 6 + 5 x 2 = 40 US$, das macht 20 Bier minus für dich Rolf, wenn wir in die Lagune gehen sind's nur noch 10 Bier Minus“ Erni ist jetzt still weil sie mal Luft holen muss und Rolf schweigt, weil ihn diese Berechnung doch ziemlich aus der Fassung gebracht hat. Nachdem Erni wieder Luft ge-holt und sich Rolf vom Schock er-holt hat, beschliessen die beiden in die Simpson Bay zu segeln.



Von hier aus können wir Tag Täglich die Super-Yachten beobachten die durch die Brücke fahren, jährlich besuchen durchschnittlich 10'000 Boote die Simpson Bay Lagoon, so gegen 30 Boote pro Tag also. Im Gegensatz zu St. Barts sind die Eigner der Superyachten hier nicht an Bord, wozu auch, denn hier kommen all die Schiffe hin weil daran gearbeitet werden soll. Was den technischen Service anbelangt scheint man hier einfach alles zu bekommen was in Zusammenhang mit Booten steht. Auch hier wie überall wo diese Super-Yachten auftauchen wird kräftig poliert.



Der Typ hier auf dem Bild ist gerade dabei die Satlitenschüssel zu polieren, ziemlich knifflige Aufgabe, wie kommt man da überall ran wo man sich an dem runden Ball doch nirgends halten kann. Zum Glück nicht unser Problem, wir sollen ja hier unsere Einkäufe machen. Machen wir auch diesmal bringt uns der Preisvergleich mit Zettel und Bleistift auf fast alles was wir kaufen 20% Reduktion, was bei dem Geld das wir hier ausgeben wahnsinnig viel Bier macht. Unsere Einkaufsliste ist beträchtlich geschrumpft, da sind nur noch so Kleinigkeiten wie zum Beispiel neue Segel drauf.

Die Brücke in die Lagune wird dreimal Täglich geöffnet.



Diese Brücke hebt sich für ein Schiff unserer Grösse für 10 US$, je grösser desto teurer, wer will das sich die Brücke für ihn alleine hebt, der kann das für 300 US$ auch haben. Wir wollen hier ausser verschwinden gar nichts mehr. Anguilla soll unser nächster Stop sein.