Karibik (Petite Terre and Antigua)
(10.01– 28.01.2008)
Jetzt sind die Leeward Inseln angesagt, Domenica bis Anguilla. Vermutlich können wir uns nicht alle Inseln anschauen, da wir anfangs April bereits wieder in Martinique sein müssen, wo Erni's Bruder uns besuchen kommt. Was wir aber unbedingt wollen ist Barbuda, weil es da so schön ist und was wir unbedingt müssen ist St. Maarten weil man da so toll Geld ausgeben und sich billig besaufen kann, die ganze Insel ist zollfrei.
Also dann rauf mit dem Anker, zuerst machen wir einen Halt in Domenica wo wir aber nur übernachten, diese Insel wollen wir auf dem Rückweg oder mit Erni's Bruder nochmals besuchen. Weiter geht's nach Guadeloupe, „was wollen wir hier? wir wollen nicht, wir müssen! was müssen wir? Einkaufen!“ „Einkaufen?“ NEIIIIIN... nicht schon wieder so eine Adventure-Tour in irgend so ein Einkaufszentrum!!!!“ Ihr fragt euch bestimmt wieso wir ständig irgendwelchen Einkäufen nachrennen, vermutlich liegt das daran, dass wir selten kriegen was wir wollen. So kommt es, dass man zum Beispiel für ein Sägeblatt der Stichsäge mindestens 10 Anläufe in 5 verschiedenen Ländern braucht. Auch hier auf den Inseln ist es mittlerweile so, dass sich die grossen Läden ausserhalb der Stadt befinden. Mit Erkundigungen einziehen wo sich ein solcher Laden befindet, wo wann ein Bus fährt, Bushaltestelle suchen, hilflos im Einkaufszentrum rumirren, nur um festzustellen, dass die Auswahl an Stichsäge-Blättern zwar immens ist, leider aber keines davon in unsere Stichsäge passt, eine Stunde an der falschen Stelle auf den Bus warten der uns zurück bringt, dann nochmals eine halbe Stunde an der richtigen Stelle auf den Bus warten der aber bereits voll ist...... bla... bla... bla... bla... blaaaaa. Schlussendlich einen ganzen Tag Einkaufs-Adventure-Tour-Tortour mit dem Erfolg wieder mal nicht gefunden zu haben was man seit zwei Jahren sucht, aber trotzdem mächtig Geld ausgegeben hat, da es ja in solchen Einkaufszentren wahnsinnig viel schöne bunte Sachen zu kaufen gibt.
Ja und wohin geht es als nächstes, wir könnten durch den Rivier Salée, weiter Richtung Norden. Guadeloupe besteht eigentlich aus zwei Inseln Basse Terre und Grande Terre, getrennt durch den Schiffbaren Rivier Salée. Wir entschliessen uns aber statt dessen Petite Terre zu besuchen, eine kleine vorgelagerte Insel an der Südostspitze Guadeloups. Das heisst von Point à Pitre wo wir uns befinden Richtung Osten und Richtung Osten heisst gegenan. Wir kreuzen der Küste entlang nach St.Francois, eine zwar kurze aber anstrengende Tour, nicht nur Wind und Welle auf die Nase, nein die ganze Küste ist auch noch gespickt mit Fischerbojen, die in den Wellen kaum zu sehen sind, die wir aber sehen sollten wenn wir nicht irgendwo hängen bleiben wollen. In St. Francois übernachten wir und am nächsten Tag geht es dann raus nach Petite Terre.
Das unter Naturschutz stehende Petite Terre besteht aus zwei Inseln die von Riffen umgeben sind, zwischen den beiden Inseln ist ein Pool mit glasklarem türkisblauen Wasser wo man Ankern kann. Zuerst aber heisst es da rein kommen, wie gesagt, das ganze ist umgeben von Riffen. Der Wellengang ist ziemlich heftig, einerseits sind dadurch die Riffe gut zu sehen, da sich die Wellen darauf brechen, andererseits kann man die Wellenhöhe gleich mal von der Wassertiefe abrechnen, da im Wellental dann eben dieses Wasser unter dem Schiff fehlt. Unser Tiefenmesser ist kaputt und wie wir schnell mal feststellen sind die Seekarten total ungenau. Da gibt's nur eins, gucken und so ein bisschen raten ob's tief genug ist. Erni guckt, Rolf am Steuer, die Wellen schieben uns in den Pool, uffff... also ich hab das Gefühl da war's Zwischendrin ganz schön knapp. Ja das war's wohl auch, denn wir haben nicht den idealen Durchgang erwischt. Ja so ist das, man navigiert nur noch mit Computer und Max Sea, dessen Karten eigentlich wahnsinnig genau sind und wenn dann mal eine Karte ungenau ist, hat man mühe nicht zu glauben was einem da der Computer erzählt.
Wir nehmen eine Ankerboje auf die man hier gratis benutzen darf und sehen uns mal um. Whow... das war wohl der Mühe wert hier raus zu kommen. Ist eigentlich immer so, je mühsamer es ist irgendwo hinzukommen desto schöner ist es dort.

Abgesehen von den Tages-Chartern die jeden Tag hier raus kommen und eine Menge Leute an Bord haben sind wir das einzige Boot. Die Tages-Charter kommen so gegen Neun und gehen etwa um Drei, den Rest des Tages haben wir die Inseln für uns alleine. Erst mal schnorcheln, au Backe was hier so alles rumschwimmt! Es wimmelt nur so von farbigen Riff-Fischen, allerdings wimmelt es auch von nicht so ganz farbigen riesen Baracudas, was Erni so ein bisschen den Spass an der Sache verdirbt. Diese riesen Dinger mit der fiesen Visage die idiotisch neugierig sind und einem dauernd nachschwimmen sorgen dafür, dass sich Erni's Schnorchel-Ausflüge im Rahmen halten. Rolf beeindrucken die Dinger eher weniger, aber nach einem unerwarteten zusammentreffen mit zwei Riff-Haien, macht er dann doch einen Rückzug. Hier gibt es Fischarten die wir zwar schon öfters gesehen haben, bisher aber noch nie derart grosse Exemplare, selbst die Tobago Cays können da nicht mithalten. Das Gebiet steht seit etwa 15 Jahren unter Naturschutz, was den Fischbestand anbelangt, scheint sich dieser weitgehend erholt zu haben, was das Riff betrifft, sieht man zwar das alles wieder im Aufbau ist, es wird aber noch Jahrzehnte dauern bis sich auch dieses erholt hat.
Die kleinere der beiden Inseln, Terre Haut, darf nicht betreten werden. Um sicher zu stellen, dass das auch keiner tut ist ständig ein Parkwächter anwesend, der seine Aufgabe offensichtlich ernst nimmt. Kaum schwimmt auch nur ein Touri auf die Insel zu, bekommt er gleich einen Anschiss. Wir respektieren das und schwimmen nicht mal in die Nähe, ist auch nicht nötig, denn die Ankerboje liegt so nahe bei der Insel, dass wir jeden Abend vom Schiff aus, die Vögel am Strand beobachten können. Dafür latschen wir ein bisschen auf Terre Bas rum. Es gibt einen Pfad mit Tafeln die Fauna und Flora beschreiben. Wir lesen die erste Tafel die sich mit den Leguanen befasst die hier massenweise vorkommen sollen. So, so Iguana delicatessa heissen die also, da der Weg in die Pfanne mit solch einem Namen geradezu Bestimmung ist, ist es wohl von Vorteil unter Naturschutz zu stehen. Ja und wo sind denn diese Iguana delicatessa, huch.... da hängen sie ja überall in den Büschen rum.

Wir haben die Tiere bisher nicht gesehen, da sie wie versteinert in ihrer Position verharren. Die Viecher flätzen hier in der Sonne rum und lassen sich durch uns überhaupt nicht stören. Erst bei bedenklichem Näherkommen blitzt in ihren Augen sowas wie ein „ich steh unter Naturschutz du Arsch“ auf. Bei noch näherem Näherkommen ist sich das Tier aber nicht mehr ganz sicher ob wir das auch begriffen haben, oder noch schlimmer, etwa Franzosen sind die sowieso alles jagen was kreucht und fleucht, wusch..... und weg ist das Tier, ich hab deutlich gesehen, dass das Selbstvertrauen kurz vor dem Tier verschwunden ist. Ein paar Tafeln weiter zum Thema Flora.
Die in den Himmel ragenden Stangen auf diesem Bild sind verblühte Blütenstände der Agave.

Die Agave auf Petite Terre blüht nur einmal in ihrem Leben. Der Blütenstand bildet sich in der Mitte der Pflanze und trägt tausende von kleinen Blüten. Der trieb wächst täglich zwischen 15 und 30 Zentimetern bis er seine Endgültige Höhe von circa 11 Metern erreicht hat. Sagen behaupten, dass die Agave nicht blüht bevor sie Hundert Jahre alt ist. Tatsache ist, dass Pflanzen beobachtet wurden die mit 70 Jahren das erste und einzige mal blühten. Nach der Blüte vergehen noch einige Jahre bis die Pflanze stirbt.
So jetzt sind wir ja wieder furchtbar viel gescheiter und können es uns leisten einfach so die Aussicht zu geniessen.

Na ja, viel gescheiter als vorher sieht der Typ hier nicht aus. Alles wird anders nur Rolf bleibt doof, so wollen wir ihn halt denn dann seinen naiven Blick in die Ferne schweifen lassen.
Wir bleiben eine ganze Woche auf Petite Terre, tagsüber beobachten wir die Leute die mit den Booten hier raus gebracht werden um zu schnorcheln oder einfach am Strand zu liegen. Die weniger glücklichen die einen windigen Regentag erwischt haben stehen in klatschnasse Badetücher gewickelt bibbernd am Strand und warten darauf endlich wieder aufs Schiff zu kommen das sie zurück ins Hotel unter die warme Dusche bringt. Das alles für nur 70 Euro pro Nase und da ist auch noch ein gegrilltes Hühnerbein zum Mittagessen inbegriffen. Und wir hängen hier eine ganze Woche rum und bei schlechtem Wetter verkriechen wir uns in unser Heim, uns geht es glaube ich nicht so schlecht. Unter anderem latschen wir auch noch einmal am Strand um die halbe Insel, obwohl mindestens 100 Leute auf die Insel gebracht wurden sind wir hier völlig alleine.

So schön es hier auch ist, langsam wird es Zeit weiter zu kommen, wir sollten uns damit befassen wie wir hier wieder raus kommen. Ganz einfach da geht's raus.

„Was hier?“ Also ich seh nur brechende Wellen. So ist es auch, denn seit wir hier angekommen sind hat der Wind noch um einiges zugelegt. Also diese Katamarne kommen ja auch jeden Tag hier rein und raus, da sollten wir das doch auch können. Nun gut wir haben zwar keinen Katamarn, aber viel Tiefgang haben wir auch nicht. An diesem Nachmittag beobachten wir dann wo die Ortskundigen raus fahren. Am nächsten Tag tun wir es ihnen gleich. Zurück nach St. Francois, ausklariern und Frischwaren aufstocken. Am nächsten Tag, Kurs auf Antiqua. Erst müssen wir aber mal um die Südostspitze von Guadeloupe rum „in welche Richtung is'n das?“ „Genau nach Osten“ „und woher kommt der Wind?“ genau aus Osten“ „Na toll...“ Bis zur Südspitze sind es ja nur etwa 5 Meilen, die machen wir der Küste entlang unter Motor, aber auch das ist nicht gerade angenehm, gegen Wind und Strömung die an solchen Inselspitzen immer besonders stark sind, schlängeln wir uns zwischen den Fischerbojen durch. Es dauert fast zwei Stunden bis wir endlich um die Ecke sind, jetzt können wir einen schönen Halbwindkurs segeln. Der Seegang ist zwar nicht mehr so konfus wie um die Inselspitze, aber wie zu erwarten ziemlich heftig, da der Wind seit Wochen mit 20 bis 25 Knoten bläst. Bei dem Wind kommen wir zügig vorwärts, schon am Nachmittag schmeissen wir den Anker in English Harbour Antigua.

In früheren Zeiten war es nicht einfach einen Hafen zu finden der sicher, gut zu verteidigen und unmittelbaren Zugang zu den Tradewinds hatte. English Harbour und Falmouth Harbour im Süden von Antigua, die Seite an Seite liegen und sich an der schmalsten Stelle beinahe berühren entsprechen genau diesen Anforderungen. Dieses Potential wurde bereits 1723 erkannt und die Arbeiten am English Harbour Dockyard begannen. 1745 war der Hafen fertig und wurde zum Hauptstandort der Britischen Flotte in den Lesser Antilles. 1784 war hier Nelson stationiert unter Sir Richard Hughes, der kurz davor auf der Jagd nach einer Kackerlacke mit einer Gabel ein Auge verlor. Ob das mit der Kackerlackenjagt so stimmt kann ich nicht mit Sicherheit behaupten, jedenfalls wird dies so erzählt. Schliesslich übernahm Nelson das Kommando über die Flotte. Nelson und Governor General Shirley hatten aber so ein bisschen Ärger miteinander was dazu führte das Governor General Shirley den Hafen für sämtlichen Britischen Handel sperrte. Nichts desto Trotz wird der Hafen Heute Nelson's Dockyard genannt. Als Nicholson 1947 hier ankam war der Hafen nur noch eine Ruine. Durch die Ankunft von Nicholson's Charter Company und dem Wiederaufbau der Ruinen in ein wunderschönes, funktionierendes Monument, entwickelte sich die Yachtindustrie.

Heute ist das der Ort wo all diese Superyachten liegen, diese haben dann auch das Recht ihre Heckleine an einer alten Kanone zu befestigen die überall an den Quais im Boden stecken.

Damit das Pöbel auch sieht mit was es hier zu tun hat, gibt es Eigner die gleich mal eine Tafel am Heck befestigen auf der die Daten der Schiffes fein säuberlich notiert sind.

„Ähmmmm... was steht hier 27'700 Liter Diesel Tank?“ „Wieviel haben wir, sowas gegen 400 Liter?“ „Whow und guck mal 8000 Liter Wasser dazu noch 2 Wassermacher die je 1500 Galonen Süsswasser ausspucken, nun ja für sowas braucht es dann aber auch drei 40KW Generatoren.“ „ Ich glaub ich spinn, DOOHRPHONE!!!!“ Ja, ja alles wahnsinnig bescheiden hier.

Ja,ja soviel Bescheidenheit hat auch seinen Preis, viel...., viel.... Arbeit. Der Typ hier im Rigg ist gerade dabei den Mast zu lackieren, mit der Tropischen Sonne muss dies mindestens einmal pro Jahr gemacht werden.

Wo wir auch hinschauen wird geschliffen und lackiert, vermutlich fliesst in diesem Hafen mehr Lack als Bier.
Nun ja für solche Arbeiten hat man natürlich Crew. Es wimmelt hier nur so von Crewmitgliedern, meist in schneeweissen T-Shirts und dunkelblauen Shorts an dessen Gurt diverse Elektronische Handheld Geräte baumeln. Einige dieser Crewmitglieder legen dann auch einen nicht zu übersehenden Stolz an den Tag, na ja, ist ja auch angebracht, schliesslich putzen, waschen, polieren, schleifen und lackieren die ja nicht für irgend wen.
Am Dinghy Dock liegt der krasse Gegensatz zu all dem Luxus, diese drei Boote sind kürzlich hier angekommen. Diese Typen rudern doch tatsächlich über den Atlantik. Zwei Mann Besatzung, Null Treibstoff, ein Solarpanel, Verpflegung für ein paar Wochen und ein paar Wasserflaschen.

Das ist natürlich alles wahnsinnig beeindruckend aber die Boote selbst hat man schnell mal gesehen, da sind diese Superyachten mit all ihrer Technik halt schon so ein bisschen interessanter. Genau darum gehen wir jetzt rüber nach Falmouth Harbour wo die Boote liegen die zu gross sind um in English Harbour liegen.
Das wohl aufsehenerregenste Schiff das momentan in Falmouth Harbour liegt ist der Maltese Falcon.

Nach hunderten von Fotos, vorallem vom Rigg,

schlendern wir weiter über die Stege. „Da schau mal, das sieht doch so aus wie das Boot auf dem Martin jetzt arbeitet“ „Das sieht nicht nur so aus, das ist es, denn da steht Martin.“

„Hallo Martin, siehst gut aus, dieser Hochglanz polierte Hintergrund steht dir ausgezeichnet.“

Martin mit Frau Ines und Tochter Anna auf SY Amigo haben wir in den Kapverden kennen gelernt und von Brasilien bis Tobago immer wieder getroffen. Von Tobago aus sind sie dann zügig nach St. Maarten gesegelt um auf Arbeitssuche zu gehen. Wie wir erfreut feststellen mit Erfolg, wer uns da im blütenweissen T-Shirt entgegen grinst ist Chef Engineer Martin auf MS Atlantide, whowww... Bevor wir uns gebührend begrüssen können meint Martin schon, „ihr kommt mir gerade recht, ich hab da nämlich ein elektronisches Problem.“ Als Chef Engineer hat Martin die Möglichkeit externe Arbeiten zu vergeben, was uns zu gute kommt, zumindest soll sich Rolf das Problem einmal anschauen. In diesem Zusammenhang haben wir die Möglichkeit das Boot von innen zu sehen. Dieses Boot mit Jahrgang irgendwas um die 1930 rum darf die Englische Marine Flagge führen, da es im zweiten Weltkrieg zu den Privatschiffen gehörte die die einkesselten Alliierten in der Normandie befreiten. Vor einigen Jahren wurde dieses Schiff vom jetzigen Eigner gekauft und total restauriert. Bis vor kurzem diente dieses Boot dem Eigner als Beiboot seiner klassischen Rennjacht. Die klassische Rennjacht wurde mittlerweile gegen etwas moderneres ausgetauscht, den Maltese Falcon nämlich, tatsächlich das Schiff auf dem Martin arbeitet und der Maltese Falcon haben den selben Eigner. Im inneren des Schiffes klappen uns erst mal die Kiefer runter, natürlich hat man das schon von aussen ahnen können, aber es ist trotzdem faszinierend die ganzen wunderschönen Holzarbeiten zu sehen, das heisst das meiste sehen wir nicht, denn Tische, Stühle, Sessel und Sofas sind alle mit Tüchern abgedeckt, diese werden nur gelüftet wenn der Eigner kommt. Wir sollen aber hier nicht nur blöd rumgaffen, Rolf soll sich das elektronische Problem anschauen, tut er auch und die beiden vereinbaren, dass Rolf Morgen wieder kommen soll. Wir gehen zurück auf's Schiff und verlegen uns von English Harbour nach Falmouth Harbour, natürlich wieder vor Anker. In der Marina zwischen all den Superyachten würden wir eher eine lächerliche Falle machen, wenn die uns da überhaupt reinlassen würden und so oder so unbezahlbar.
Am nächsten Tag widmet sich Rolf dem elektronischen Problem auf der MS Atlantide. Da die MS Atlantide und der Maltese Falcon den selben Eigner haben, kennen sich die Crewmitglieder gegenseitig. Durch diesen Umstand ist es Rolf möglich mit Martins Begleitung den Maltese Falcon zu besichtigen. Da uns dieses Schiff derart fasziniert hat, haben wir bereits am Vorabend via Internet nach Informationen gesucht.
Hier die Daten:
Builder : Perini Navi Sail area : 2,400 m² / 25,791 ft²
Year : 2006 Engines : 2 x Deutz TBD 620
Length overall : 88 m / 289.1 ft Displacement : 1,240 t
Beam : 12.6 m /42.2 ft Speed at max power : 19.5kt
Draught : 6.0 m / 19.7 ft Guest Cabins : 6
with dagger board : 11 m / 36 ft Crew Cabins : 8
Air Draught : 58.2 m / 191 ft
Naval Architect : Gerard Dijkstra & Partners and Perini Navi
Exterior & Interior Styling: Ken Freivokh Design
Facilities : 2x RIBs, Sailboat, Jetskis, etc
Dieses Schiff ist also etwa so breit wie unseres lang ist. Eine Glastür die über die Ganze Schiffsbreite geht und in geschlossenem Zustand Salon und Cockpit trennt und zwar so, dass eine Hälfte der Bar aussen und die andere Hälfte im Salon ist, soll alleine schon gegen die 2 Millionen gekostet haben. Wenn man das Gewicht einer solchen Tür bedenkt die bei jedem Seegang einwandfrei funktionieren muss, müssen die technischen Anforderungen gewaltig sein, zudem muss das ganze auch noch unzerbrechlich und wasserdicht sein. Rolf sieht diese Tür bei seiner Besichtigung nur im geöffneten Zustand, das heisst er sieht sie überhaupt nicht, im offenen Zustand ist sie schlicht und einfach nicht vorhanden. Via Internet erfahren wir, dass der jetzige Kapitän bereits beim Bau des Schiffes anwesend war, auch der Eigner hat bei der Entwicklung aktiv mitgewirkt, was natürlich sofort ein ganz anderes Licht auf denselben wirft. Nicht das wir Vorurteile hätten oder so, aber für uns war ganz klar, dass der Besitzer eines solchen Bootes einfach nur stinkreich ist und sonst gar nichts. Der Besitzer der beiden Boote ist Tom Perkins der sein Geld im Silicone Valley gemacht hat indem er immer wieder in die neuesten technischen Entwicklungen investiert hat. Die Technologie des Riggs ist besonders interessant, bei Vorwind erinnert das stark an einen Raasegler mit dem Unterschied, dass die Masten hier drehbar sind und somit auch ein guter amwind Kurs gesegelt werden kann. Muss schon eine ganz schön stabile Konstruktion sein wenn man bedenkt was für Kräfte da wirken, alles ohne irgendwelche Verstagung und auch noch drehbar. Beim Bau dieses Bootes müssen Entwickler und Konstrukteure ihren Spass gehabt haben, aber bestimmt auch ihren Frust, wie das halt so ist wenn das unmögliche möglich gemacht werden soll. Hier noch ein Foto unter Segel aus dem Internet.

Wie wir dem Logbuch entnehmen hat das Boot den Atlantik mit Null Motorstunden überquert, alles unter Segel also. Trotzdem sind in den 11 Tagen 6072 Liter Diesel verbraucht worden und zwar von den Generatoren die 23,8 Liter in der Stunde verpuffen. Auf so einem Boot dreht keiner mehr an irgend einer Winch, funktioniert alles auf Knopfdruck, was nicht Elektrisch ist, ist Hydraulisch. Auch diverse Gefrierschränke, Kühlräume, Waschmaschinen und Warmwasser Zubereitung brauchen Energie. Selbst die Wassermacher die in den 11 Tagen 80'000 Liter Süsswasser zubereitet haben, produzieren nichts ohne Energie. Natürlich kann man das mit dem Energieverbrauch eines Fahrtenseglers nicht vergleichen, ich tu's trotzdem, einfach weil's Spass macht. Also wir verbrauchen in einem Jahr zwischen 200 und 300 Liter Diesel meist zum Motoren, für den täglichen Energieverbrauch sind drei Solarpanels und ein Windgenerator zuständig. Unser Süsswasser Verbrauch liegt so bei 20 Liter pro Tag der zum grössten Teil durch gesammeltes Regenwasser abgedeckt wird. Wir haben auch eine Wassermacher was auf einem Fahrtenschiff schon ganz schöner Luxus ist. Unser Wassermacher schafft 25 Liter in der Stunde, würden wir ihn 11 Tage rund um die Uhr laufen lassen ergäbe das 6600 Liter. Diese aber rein Hypothetisch da bei uns nach einer Stunde die Batterien leer sind.
Auch die Fotos vom Interieur stammen aus dem Internet, Rolf hat keine Fotos gemacht, wäre irgendwie unhöflich gewesen einfach mit dem Fotoapparat herumzurennen.
Sicht vom Cockpit in den Salon mit oben beschriebener Bar und Glastür.

Cockpit

Brücke

Was ihr hier seht ist einer der drei Masten die durch alle Stockwerke des Schiffes gehen, natürlich schön verkleidet. Um den Mast sind am Boden und an der Decke Glasflächen durch die man durch alle Etagen sehen kann. Als Rolf hier durch ging wurde er dazu angehalten die Glasflächen nicht zu betreten, weil sonst gleich wieder poliert werden muss. Es gibt ja Leute die Hand- oder Fussabdrücke im frischen Beton hinterlassen, vielleicht hätte Rolf hier auch einen bleibenden Abdruck hinterlassen können, Fussschweiss kann ja ganz schön ätzend sein.

Maltese Falcon und MS Atlantide nehmen Kurs Richtung Panama, von wo aus der Maltese Falcon mal schnell um die Welt segeln will und es die MS Atlantide Richtung Norden nach Alaska zieh.
Auch wir hauen ab, zwar sind unsere Reisepläne nicht ganz so weitreichend aber Barbuda soll der Himmel auf Erden sein, das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Ausklarieren eine Übernachtung in der Deep Bay, dann geht es mit Südostwind nach Barbuda.