Karibik (Carriacou to Martinique)
(25.11.2007 – 09.01.2008)
Eigentlich wollten wir ja Ende November Richtung Norden segeln, klappt aber nicht, da Rolf mit den Arbeiten auf dem Boot von Malcolm und Gordon nicht so richtig vorwärts kommt. Das heisst Vorwärtskommen tut er eigentlich schon, aber es kommen immer wieder neue Sachen zum Vorschein, die nicht gerade erfreulich sind. Das Boot steht momentan am trockenen, Malcolm ist auch wieder für einen Monat hier um am Boot zu arbeiten. Es vergeht kaum eine Woche, da hat Malcolm die Schnauze voll von den Arbeiten auf dem trockenen, er will ins Wasser. Ab jetzt wird nur noch zusammengebaut, nichts mehr auseinander genommen, meint er hoffnungsvoll. Rolf und Malcolms Partner Gordon sind da nicht ganz einverstanden. Die verrottete Maststütze im Boot wurde durch ein Rostfreies Rohr ersetzt, das Domi hergestellt hat. Dieses Rohr soll nun zwischen dem Boden und dem völlig verrotteten Deckhaus-Dach gesetzt werden. Rolf hat etwas Mühe mit solchen Sachen, das verdirbt ihm etwas den Spass an der Arbeit. Beim setzen der neuen Maststütze sieht sich Malcolm den Sticheleien von Rolf und Domi ausgesetzt, die er aber, Malcolm-like mit viel Humor pariert. So hat Rolf zwar keinen Spass an der Arbeit, aber Spass beim arbeiten. Malcolm zwängelt sich durch, das Boot soll nächsten Samstag ins Wasser kommen. Kommt es auch, aber nur kurz, denn kaum liegt das Schiff im Wasser läuft es auch schon mit demselben voll. Nicht ganz einfach so ein Leck zu finden, irgendwie kommt das Wasser aus dem hinteren Bereich. Doch nicht etwa aus dem Motorraum???? Das wäre dann nämlich der Bereich wo Rolf rumgebastelt hat, schwitz... ... Rolf untersucht den Motorraum, ufff.... vom Motorraum kommt's nicht. Nach weiterem Suchen wird ein Riss am hinteren Kielansatzt entdeckt. Was heisst das? wieder aufs trockene heisst das! Jetzt sind sogar Malcolm die Sprüche vergangen, die Stimmung ist irgendwie gedrückt. Wieder am Kran muss der Riss nicht lange gesucht werden, denn da läuft ziemlich viel Wasser raus. Wie das Schiff wieder auf dem Kiel steht, ist der Riss nicht mehr zu sehen, da wo vorher der Riss circa 1cm auseinander klaffte, kann man jetzt kaum was erkennen. Tssssja... ist irgendwie was anderes ob das Gewicht des Kiels am Rumpf hängt oder das ganze Gewicht vom Rumpf auf den Kiel drückt. Rolf ist froh, dass er nichts damit zu tun hat, der Riss muss entweder beim herausnehmen oder beim wieder ins Wasser setzten entstanden sein. Malcolm meint, ja, ja bis jetzt habe er nichts damit zu tun, aber er werde gleich was damit zu tun haben, nämlich insofern Rolf den Riss reparieren soll. „No..no.. no.. not me, not me..!!!“ meint Rolf. Das sei ihm zu heikel, er soll da doch jemanden engagieren der was vom Laminieren versteht. Die Leute von der Werft schauen sich den Schaden an, sie sehen sowas offensichtlich nicht zum ersten mal und haben auch einen Typen der sowas nicht zum ersten mal macht, ein Einheimischer, er soll am Montag kommen. Dieser kommt dann auch tatsächlich am Montag, „Hello I am Slow! „ähmmm pardon?“ „My name is slow, Hello!“ „Oh hello Slow, I am Malcolm!“ Na super, Malcolm war so schon nicht erfreut, dass er einen Einheimischen engagieren musste, und nun heisst er auch noch “Slow“ Slow macht dann aber super Arbeit und das alles andere als “slow“ Seinen Nick-Name hat er wohl nur erhalten, weil er etwas langsam spricht. Nach einer Woche ist das Boot wieder im Wasser, in den zwei Wochen die Malcolm noch hier ist gibt es dann für Rolf auch immer wieder was am Boot zu arbeiten.
Zum Abschied werden wir von Malcolm zusammen mit Gordon und seiner Frau zum Abendessen bei „“Scraper's“ eingeladen wo es jeden Samstag Barbecue gibt. Das Restaurant trägt den selben Namen wie sein Besitzer, der früher “High sky scraper“ genannt wurde, so zwischen 30 und 40 soll das “High“ abhanden gekommen sein, in den darauf folgenden 10 Jahren ist das “sky“ verschwunden und jetzt ist “Scraper“ eben nur noch “Scraper“. Scraper ist sozusagen Blind, er kann nur noch Schatten und Umrisse erkennen, trotzdem bedient er den Grill und seine Gäste mit einer Sicherheit die erstaunlich ist. Beim verzehren der Chicken-Legs allerdings könnte man auf die Idee kommen, dass Scraper den Garzustand wohl eher mit der Nase als mit den Augen beurteilt, riechen die Dinger verkohlt, sind sie auch durch, so einfach ist das. Nach dem Essen gesellt sich Scraper zu uns an den Tisch, es wird über Politik diskutiert, obwohl wir keine Ahnung haben was hier auf den Inseln in dieser Hinsicht so läuft ist es sehr interessant. Wir erfahren mit was für Gelder hier was wo gebaut wird, was eigentlich kein Mensch braucht. Zum Beispiel haben hier die Chinesen ein zweites Kricket-Stadion hingestellt, wirklich schwer zu begreifen zu was das auf einer Insel mit circa 6000 Einwohnern gut sein soll. Auf dem Weg nach Hillsborough haben wir die Baustelle gesehen. Nicht nur alle Maschinen und Trucks, nein auch die Arbeiter und das Material kommen aus China. Die Chinesen kommen also mit allem drum und dran stellen hier mal schnell ein neues Stadion auf und verschwinden wieder und keiner weiss wozu das gut sein soll. Nun ja, natürlich kennen wir nicht die ganzen Hintergründe, aber solche und ähnliche Geschichten haben wir schon öfters gehört. In Grenada haben die Chinesen ebenfalls ein Kricket-Stadion erstellt, bei der Einweihung wurde dann irrtümlicherweise die Koreanische anstelle der Chinesische Nationalhymne gespielt. „Uhiiii....peinlich...“ die Chinesen seien aufrecht dagestanden, wie sich das auch gehört wenn die Nationalhymne gespielt wird. Keiner habe auch nur mit der Wimper gezuckt, möglicherweise aber mit den Arschbacken, dies ist allerdings nur eine Vermutung, da die Kamera selbstverständlich auf die Gesichter und nicht auf die Gesässe der Chinesen gerichtet war.
Am Sonntag dann holt uns Gordon am Strand ab, er will uns seine Baustellen zeigen. Alles Villen die für Europäer und Amis gebaut werden. Tsja.. Wahnsinn, was sich diese Leute für Villen bauen lassen um vielleicht gerade mal zwei Wochen im Jahr hier zu sein. Wie auch immer, für die Einheimischen gibt es Arbeit, allerdings sind dadurch die Bodenpreise derart gestiegen, dass sich ein Einheimischer kaum noch ein Stück Land kaufen kann. Können wir auch nicht, meinen jetzt wohl die meisten Schweizer, der Unterschied ist nur, dass es hier sozusagen nichts zu mieten gibt. Nachdem wir uns das alles angeschaut haben, werden wir dann noch ins Round House zum Mittagessen eingeladen. Dieses Round House scheint einer Kinderzeichnung entsprungen zu sein, leider kann ich euch kein Foto zeigen, da unser Fotoapparat im Eimer ist. Ich will es aber mal mit beschreiben versuchen, ihr müsst halt etwas eure Fantasie gebrauchen. Das Haus hat eine runde Struktur, die unverputzten Mauern bestehen aus runden Steinen, die Fenster, auch alle Rund, bestehend aus Wagenrädern und sonstigen Maschinen Teilen, das Dach, dass im Zentrum des Hauses von einem Baum getragen wird, ist ein weisses rundliches Etwas. Der Erbauer dieses Hauses habe jeden Stein einzeln zusammengetragen. Am Abend habe sich der Mann dann mit einem Joint in der Birne unter einen Baum gesetzt, das jeweilige Baustadium des Daches betrachtend kaputt gelacht. Ja man hat das Gefühl, dass jeden Moment irgend ein Gnom aus dem Haus kommt, statt dessen kommt aber ein Kellner mit schwarzer Hose und weissem Hemd. Wir bekommen einen Tisch im Garten, die Aussicht auf die Bucht ist traumhaft, das Essen ist wunderbar. Sollte man irgendwie zuviel gegessen haben, kann man sich nach dem Essen in irgend einen der Liegestühle schmeissen die im Garten rumstehen. Wir geniessen das Ganze drum und dran, vorallem aber, dass wir nicht selber bezahlen müssen.
Eigentlich könnten wir ja jetzt los, aber Domi gibt nochmals eine Pommes Frites Party in seinem Haus, da können wir unmöglich nein sagen, so schnell kommen wir nicht wieder an knusprige Frites und Schweinebraten. So jetzt aber, Pommes Frites und Schweinebraten sind verdaut, der Wetterbericht gut, also rauf mit den Segeln. Da kommt Johny noch angerudert, der Boatboy mit den sagenhaft teuren Limes von dem ich schon in meinem letzten Bericht erzählt habe. Ja was will er denn noch der Johny? Er will uns ein Abschiedsgeschenk geben???? Wir können es kaum fassen, Johny schenkt uns tatsächlich Bananen und Limes. Wir segeln früh los, da wir heute bis nach St.Vincent wollen. Zuerst läuft alles Tip Top, das Wetter ist gut und die Windrichtung gerade so, dass wir zwar hart ran aber nicht kreuzen müssen. Kaum aber sind wir um die Ecke der Bucht kommt alles anders als erwartet, am Horizont sind so unansehnliche schwarze Wolken zu sehen und der Wind dreht mehr denn je zu unseren Ungunsten. Na ja, wird bloss so eine kleine Front sein, der Wetterbericht war ja gut. Die kleine Front zieht über uns hinweg und dahinter lauert schon wieder so eine kleine Front. In diesen kleinen Fronten ist tierisch viel Regen und vorallem viel Wind. Im Gross drei Reffs und von der Genua gerade mal die Grösse eines Taschentuchs ausgerollt, geht es zügig Richtung Nordwesten, wo wir doch eher so Richtung Nordosten sollten. Den ganzen Tag löst sich eine Front nach der anderen ab, so gegen 16:00 Uhr sind wir auf der Höhe von Bequia, blöderweise aber 12 Meilen draussen. Plötzlich lässt der Wind nach und wir können einen Kurs von 90° segeln, irgendwie etwas ungewohnt in der Karibik. Das ist zwar super, denn jetzt können wir wieder einiges an Höhe gutmachen, nur was wir da im Osten sehen bedeutet nicht viel Gutes. Die schwarze Wand die da auf uns zukommt, könnte einem schon das Fürchten lernen. Der Wind ändert immer wieder seine Richtung, dementsprechend sind wir auch am taken. Bei einer Wende passiert's dann, wir haben einen kleinen Schranz in der Genua. Damit dieser Riss nicht noch grösser wird durch die Belastung, rollen wir die Genua ein und beschliessen mit Grosssegel und Motor Kurs auf Bequia zu nehmen. Mittlerweile hat uns die schwarze Wand erreicht, jetzt ist's aber schon grad gar nicht mehr lustig, findet auch das Grosssegel und verabschiedet sich. Super, jetzt auch noch einen Riss im Grossegel, das heisst Segel runter und mit Motor gegenan. Es pisst in Strömen, die Sicht ist gleich Null, Wind und Welle, beides in beträchtlichem Masse auf die Schnauze, dazu kommt noch, dass es mittlerweile auch dunkel wird und wir immer noch gute 7 Meilen von Bequia entfernt sind. „Du wolltest segeln“ „nein stimmt gar nicht, das war deine Idee mit dem Boot und so“ „meine? niemals, ich bin nur hier weil Du das wolltest“ „Nein du wolltest das und ICH bin nur hier weil DU das wolltest“ gib's zu, du wolltest das auch“ „ja vielleicht schon aber doch nicht bei solchem Scheisswetter.“ Endlich sind wir in der Bucht, es pisst in Strömen, eher Horizontal als Vertikal, es bläst einem fast vom Deck, und im allgemeinen ist der Ankergrund in dieser Bucht schlecht, alles Super also. In dieser Bucht haben wir bisweilen doch so manches erfolglose Ankermanöver durchgeführt, was uns nun den Vorteil verschafft, so in etwa eine Ahnung zu haben wo der Grund aus Sand besteht. Beim zweiten Anlauf finden wir dann auch so einen Sandpatch worauf der Anker fällt und hält. Dann kommt was schön warmes auf den Teller und was schön kühles ins Glas und die Welt ist wieder in Ordnung.
Am anderen Morgen zeigt sich das Wetter als könne es kein Wässerchen trüben, heiterer Sonnenschein, türkisblau das Wasser, angenehme Brise aus Ost. „Sag mal, war das Gestern wirklich so oder haben wir das nur geträumt?“ Na ja, so wie die Segel aussehen haben wir's wohl nicht geträumt. Unsere Segel bestehen darauf wieder mal von einem professionellen Segelmacher bearbeitet zu werden, da gewisse Stellen einfach zu dick für die bootseigene Nähmaschine sind. Kaum schicken wir uns an die Segel herunter zu nehmen legt der Wind auch schon zu und natürlich so richtig schön böig, halt einfach so, dass uns die riesen Tücher um die Ohren schlagen, irgendwie schaffen wir es aber doch diese zu bändigen, sie werden zusammengezurrt und mit dem Dinghy zum Segelmacher gebracht. Nach zwei Tagen haben wir unsere Segel wieder, natürlich hat sich der Wind nicht geändert, was beim montieren der Segel noch mit Abstand beschissener ist als beim demontieren. Wie auch immer wir schaffen es ohne das der Anker ausgerissen wird oder irgend jemandem mit dem Schothorn die Zähne herausgeschlagen werden. Am nächsten Tag geht es dann weiter Richtung St. Vincent, wir wollen da eine Nacht in der Cumberland Bay verbringen.
In den drei Tagen Zwangsaufenthalt in Bequia hat Rolf auch Zeit gefunden den Fotoapparat den wir leihweise von Domi haben zu flicken, zwar wackelt das Objektiv noch ein bisschen, aber mehr oder weniger macht er ganz anständige Bilder.
Diesmal haben wir wunderbares Segelwetter und siehe da, das erste was der genesene Fotoapparat mit dem noch etwas wackeligen Objektiv vor die Linse bekommt, sind Delfine.

Schon kurz nach Mittag segeln wir an der Wallilabou vorbei und wundern uns, dass darin kein einziges Boot am Anker liegt. Auch in der Cumberland Bay ist nicht viel los. Komischerweise fehlen auch die aggressiven Boatboys. Ein friedlicher, zahnloser Fischer nimmt uns die Leine ab, der Fischer scheint uns nicht nur friedlich weil er zahnlos ist, nein er ist einfach friedlich, ein Junge der mit einer Kiste Früchte auf einem Surfboard gerudert kommt, verkauft uns wunderschöne Früchte zu absolut anständigen Preisen. Häää... was ist denn hier los???? so ganz anders als sonst, wie ihr vielleicht noch aus dem Reisebericht (Karibik Windward-Islands 16.02-24.03.2007) wisst, geht es hier bei der Ankunft eines Bootes normalerweise ganz anders zu und her. Vielleicht sind wir einfach etwas früh dran und die bösen Jungs kommen erst gegen Abend, wenn die meisten Boote hier ankommen. Dem ist aber nicht so, es kommen weder zusätzliche Boote noch die anstrengenden Boaboys. Am Abend gehen wir dann auf ein Bier in die Piratenbar,

dessen Besitzer wir auf so einer “Carriacou-Jaja-Alain Party“ kennen gelernt haben. Wir versuchen herauszufinden was hier los ist und beginnen mal vorsichtig mit dem Sätzchen „nicht viel Los im Moment wie, ist das normal so kurz vor Weihnachten? wo doch um diese Jahreszeit massenweise Charter-Yachten unterwegs sind.“ Auf diese Frage bekommen wir aber so direkt keine Antwort, denn für Lin, die Wirtin der Bar, ist im Moment viel zu viel los. Sie hat wieder mal Probleme mit ihren Angestellten. Heute Morgen sah sie sich gezwungen eine Küchenhilfe zu feuern, eine Stunde später seien dann der Vater und alle Brüder derselben erschienen um die Lage zu klären, offensichtlich konnte diese aber nicht vollständig geklärt werden, denn so etwa eine Stunde später habe sich dann das ganze Dorf am Strand versammelt. Au Backe, da hätte ich wohl nicht an Lin's Stelle stehen wollen, denn hier ist ein besonderer Schlag Menschen zuhause, mit denen die Offiziellen schon seit jeher ihre Schwierigkeiten hatten. Diese Leute hier sind Nachkommen von geflohenen Sklaven die sich im nördlichen Teil von St. Vincent in den Bergen versteckt hielten. Bis Heute hält dieser Menschenschlag nicht gerade viel von Vorschriften, die Polizei hier kann kaum was ausrichten, hie und da wird zwar mal ein Marihuana-Feld nieder gebrannt, aber da sind noch zig andere im unwegsamen Gebiet versteckt
Lin sieht sich also am Strand einer grimmigen Menschenmenge gegenüber, die helfen will das Problem mit der Küchenhilfe zu lösen. Übrigens die Schwarzen hier sehen nicht nur grimmig aus wenn sie grimmig sind, nein dieser Schlag hier hat im Allgemeinen ein eher imposantes Auftreten. Der im Durchschnitt nicht gerade mickrige Körperbau, der finstere Gesichtsausdruck und die meist rot geäderten Augen, verursacht durch Rhum oder Gras tragen so ihren Teil dazu bei. Während unserer Anwesenheit kommen dann noch ein paar Typen die der Meinung sind dass die Küchenhilfe noch Geld zu gut hätte, was eine längere Diskussion hervorruft. Auch dieses Problem wird noch gelöst, aber Lin rotiert bereits wieder auf Hundert und erzählt uns was man hier mit Angestellten so alles erleben kann. Lin meint ihr sei absolut klar, dass man hier mindestens zwei bis drei Leute einstellen muss, für einen Job der in Europa von einer Person erledigt wird, nun das sei kein Problem, damit habe sie sich abgefunden, aber trotz allem Verständnis platze ihr manchmal der Kragen und sie sehe sich gezwungen jemanden zu feuern. So hat sie etwa vor einem halben Jahr eine Angestellte gefeuert, die diese Idee nicht besonders gut fand und sich auch dementsprechend geäussert hat. Nicht nur mit Worten nein, sie packt Lin an der Gurgel, drückt sie an die Wand indem sie ihr gleichzeitig mit dem Daumen die Halsschlagader zudrückt, und meint, nein sie sei nicht gekündigt. Die quirlige Französin demonstriert uns die Geschichte indem sie ein kleines Theater vorführt, abwechselnd übernimmt sie die Rolle von Täter und Opfer, immer wieder erwähnend, dass diese “Nanas“ hier solche Oberarme haben. In der Tat, für Lin die etwa 1,5 Meter gross ist und einen Taillenumfang hat der etwa dem Umfang des Oberarms einer durchschnittlichen Küchenhilfe gleich kommt, ist das ein eher ungleicher Kampf, zumal besagte Küchenhilfe überhaupt nicht Obrigkeits-hörig ist. Chefin hin oder her, ich klatsch dich hier flach an die Wand wie eine Kakerlake, wenn du mich kündigst. Der Chef steigt ins Auto um die Polizei zu holen, woraufhin sich die Küchenhilfe vor den Wagen schmeisst, um dies zu verhindern, was Lin die Gelegenheit gibt mal schnell nach Luft zu schnappen. Lin meint, falls irgendwo ein Personalchef sei, der das Gefühl habe in seinem Job überfordert zu sein , der könne ruhig mal für ein Weilchen vorbeikommen. Wir lachen uns bei Lin's Geschichten, vorallem wegen dessen Darstellung halb kaputt, aber natürlich wird dadurch klar, was es heisst hier ein Geschäft zu betreiben ich muss schon sagen die beiden haben Mut.
Am anderen Morgen verlassen wir die Bucht sehr früh mit Kurs auf Martinique, erst später erfahren wir warum so wenig Yachten im Norden von St. Vincent unterwegs waren. Es hat wieder mal einen Überfall auf eine Yacht gegeben, was sich unter den Yachtis via Funke schnell herumspricht. Eigentlich wollten wir zuerst für diese eine Nacht auch in Chateaubelair ankern, da man da keine Heckleine braucht, haben es uns dann aber anders überlegt, da wir schnell noch in der Piratenbar guten Tag sagen wollten. Für die Zukunft werden wir diese Bucht aber vergessen, da dort immer wieder Überfälle vorkommen. Beim Gedanken vom oben beschriebenem Menschenschlag mitten in der Nacht mit einer wild fuchtelnden Machete in der Hand geweckt zu werden, gehört nicht gerade zu unseren Wunschträumen. Genau gesagt haben wir die Hosen voll, wenn wir nur schon dran denken.
St. Vincent to Martinique, segeln wie's Spass macht pur, mal abgesehen von den beiden Fischen die wir an der Leine hatten von denen wir aber keinen zum Abendessen einladen konnten. Der erste ging vom Haken noch bevor wir sehen konnten was es ist, der zweite, ein schöner Thunfisch, hat sich in dem Moment verabschiedet wie Rolf mit der Hand nach ihm greifen will. „Mist, das schöne Sushi, oder Sashimi, oder so schöne Thunfischsteaks aussen scharf angebraten, innen noch schön rosa“.......... „Hmm... wie wär's mit Kichererbsen?“ „Au ja fein super, hmmm lecker, lange nicht gehabt!!!!“ „Oder war's erst Vorgestern, oder vielleicht sogar Gestern?“ „Nein das Gestern waren rote Bohnen.“ Wie gesagt, frischen Fisch gab's nicht zum Abendessen, dafür kann sich das Frühstück sehen lassen. Als erstes schmeisst sich Rolf ins Dinghy um Baguette und Croissant zu holen, damit kommt er auch zurück nur haben sich noch ein paar Pain au Chocolat, einige Jogurt, Hartkäse, Weichkäse, Terrine, Rohschinken und eine herrlich duftende Melone dazugesellt. Alles Sachen die wir seit circa einem halben Jahr nicht gesehen haben, tsja.. das ist das schöne an den Französischen Kolonien. Nach dem Frühstück können wir uns kaum noch bewegen, müssen wir aber, denn wir wollen vor Weihnachten doch noch so einiges erledigen. „Was ist denn Heute für ein Tag? ohhh... der 23. Dezember, na denn nichts wie los.“ Anker rauf und rein nach Le Marin. Im Becken von Le Marin, erinnern noch ein paar Schiffe die hoch und trocken liegen an Hurrikan Dean.

Oh man ohman ohman, wieviele Boote liegen eigentlich hier, scheint als wollten nicht nur wir feine Sachen zu Weihnachten einkaufen.

Also rein ins Getümmel, am 23sten machen wir die Einkäufe für Xantus, am 24sten wollen wir den Futter-gross-Einkauf machen, stellen aber schnell mal fest, dass wir nicht die einzigen sind, die Unmengen Futter einkaufen wollen. Nach fast einem halben Jahr Carriacou ist schon so ein Supermarche zuviel, die Einkaufswagen deren Räder dazu konstruiert sind in alle Richtungen zu rollen, sich aber notorisch weigern in die Richtung zu rollen die man gerade eingeschlagen hat, geben einem den Rest, das ist einfach zuviel Fortschritt innerhalb einer Woche. Verwirrt stehen die beiden im Leader Price, Rolf weigert sich den Einkaufswagen der bereits zwei bis drei Knöchel von bis dahin netten Damen auf dem Gewissen hat, auch nur noch einen Meter weiterzustossen, unsere gut organisierte Erni, Lesebrille auf der Nase, die Einkaufsliste in den Händen, die aus mehreren voll gekitzelten A4 besteht, macht den Eindruck einer Dame mittleren Alters die sich aus unerklärlichen Gründen in eine Ausstellung moderner Kunst verirrt hat, Dadaismus zum Beispiel, ist zwar nicht mehr ganz Modern dafür um so verwirrender. Was für eine Ausstellung auch immer, jedenfalls eine von der unsere Erni nichts versteht, sie steht also nichts verstehend im Laden rum und fragt sich was sie hier eigentlich wollte, da sie diese Frage selbst nicht beantworten kann geht die Frage weiter an Rolf, „sag mal wollen wir das?“ „Nein natürlich wollen wir das nicht, „gut dann essen wir halt weiter rote Bohne und Kichererbsen“ „NEIN!!!!!!!!!“ „Nö? ja dann müssen wir jetzt aber einkaufen“ „o.k aber nur das Nötigste“ Nach diesem Einkauf geht es wieder raus nach St. Anne, uff das sieht doch schon viel besser aus.

Dann noch ein kleiner Landgang zur Erholung, Erni hat sich von dem Einkauf immer noch nicht ganz erholt, die Anfälle der blauen Phase treten aber nur noch Stündlich auf.

Zum Glück gibt es da jemanden der ein offenes Ohr für alle und jedes Problem hat.

Scheisse,
Natel vergessen!
Oh schau mal da fährt gerade Dockwise nach Le Marin hinein.

Dockwise Yacht Transport, transportiert wie ihr Name sagt Yachten. Ja über den Atlantik segeln kann ganz schön anstrengend sein, warum nicht verladen und selbst fliegen? Das Business scheint zu rentieren, die Gesellschaft hat mittlerweile ein zweites Schiff im Pazifik. Übrigens interessant wie die Yachten verladen werden, der Frachter wird soweit geflutet bis sich die Ladefläche unter Wasser befindet, die Schiffe fahren über die Ladefläche, werden provisorisch festgemacht, dann wird das Wasser aus dem Frachter gepumpt womit sich die Ladefläche wieder aus dem Wasser hebt und voilà die Yachten sind an Deck. Eigentlich das Prinzip eines Trockendocks, nur das dieses nicht über den Atlantik gondelt.
Unseren Grosseinkauf machen wir dann irgendwann doch noch, und dann gibt es noch eine Einladung auf Zangano, die eigentlich das Neujahrsessen hätte sein sollen, das aber verfrüht stattfindet weil der Kühlschrank auf Zangano gerade den Geist aufgegeben hat. Natürlich will keiner, dass die Entenbrustfilet, vergammeln, bevor sie auf die Idee kommen dies zu tun werden sie von Francine zu Magret de canard exotique verarbeitet. Es haut uns wirklich fast vom Bänkli so gut schmeckt das.
Nach Neujahr geht's dann weiter in die grande Anse d'Arlet

Hier hängen noch Überreste der Weihnachtszeit rum, die Strassenbeleuchtung macht sich sichtlich auch nach der Weihnachtszeit die Mühe weihnächtliche Stimmung zu verbreiten, scheint mir aber auch in der Hauptsaison nicht gerade einfach, mit Palmen im Hinter- und Sandstrand im Vordergrund verlangt dies doch so einiges an Durchsetzungsvermögen.
Nach einem kleinen Zwischenhalt in Fort de France geht es weiter nach St. Pierre. Über St. Pierre das bis zur vollständigen Zerstörung durch den Vulkan Mt. Peleé anfangs des neunzehnten Jahrhunderts, Paris der Karibik genannt wurde und die Hauptstadt von Martinique war, habe ich bereits im Reisebericht “Karibik Windward Islands 2 (10.05-18.07.2007)“ geschrieben. Als 1658 ganz in der nähe von St. Pierre die letzten Kariben von europäischen Siedlern ausgerottet wurden, sollen diese den Vulkan mit wilden Flüchen beschwört haben sie zu rächen. In typisch karibischem Stil hat sich Mt. Peleé Zeit gelassen bis er den Job 1902 dann erledigt hat.
Na ja, so richtig nach Paris sieht das hier nicht aus

Ist auch gar nicht nötig, Charme hat St. Pierre allemal. Trotz Charme, ein paar neuen Anlagen wie, Quai und Marktplatz, alles so gebaut wie Touristen das gerne sehen, scheint das mit dem Tourismus nicht so richtig zu klappen, diesen Eindruck jedenfalls bekommt man beim Besuch des Office de Tourisme.

Ein
letzter Blick zum Mt. Peleé

und
weiter geht's Richtung Domenica.