Carriacou

(25.03 – 09.05.2007)

So, wir sind also in Hilsborough und haben ein Problem, hier bekommen wir bestimmt keine Silentblocks für unseren Motor. Na ja laufen tut er ja noch, aber mit nur noch einem Befestigungspunkt, zappelt er halt schon ein bisschen rum, könnte gut sein, dass das der Saildrive nicht besonders toll findet. Wir segeln in die Tyrrel Bay wo wir vom Boot aus Zugriff aufs Internet haben. Rolf mailt und skypet in der Gegend rum um herauszufinden wer, wo solche Silentblocks an Lager hat. Zwischendrin nimmt er mit Dominik, der hier eine schwimmende Werkstatt hat, kontakt auf wegen des Schwertes. Bei dieser Gelegenheit kommen auch die Blocks zur Sprache, Dominik hat den gleichen Motor wie wir und weiss wie man hier wo was organisiert. Mit diesen Infos macht sich Rolf wieder ans Werk und es vergeht keine Woche bis wir die Silentblocks haben. Jetzt müssen sie nur noch eingebaut werden. Ja da ist er zufrieden wenn er an seinem Yanmi rumschrauben darf, das ist nämlich sein Liebling.



Erni ist ein bisschen eifersüchtig auf den Yanmar, sie ist der Meinung er bekomme mehr Zuwendung von Rolf als sie. Erst kürzlich hat sie mal gesagt „entweder der Yanmar oder ich“ (so sind sie die Weiber) war zwar nur Spass, aber der Motor muss das Ernst genommen haben, hätten wir nicht bemerkt, dass er seine Halterungen durchgebrochen hat, wäre er jetzt vermutlich auf und davon. Ganz schön empfindlich so neue Motoren, Erni versucht das wieder gut zu machen, „ Mensch Yanmi, das war doch nur Spass“ wir brauchen dich doch alle. Ich denk ich muss euch nicht sagen, dass an Erni KEIN Psychologe verloren gegangen ist.

Wir treffen wieder auf Malcolm, den wir in Trinidad kennen gelernt haben. Das kleine Segelboot das er sich neulich gekauft hat, ist mit der vollen Elektronik ausgerüstet, die er aber nicht braucht. Darunter befindet sich ein Kurzwellen Funkgerät, das wir gut gebrauchen könnten. Es wird ein Preis für das Funkgerät vereinbart, den Rolf aber abarbeiten kann, denn auf dem kleinen Schiff herrscht so ein bisschen ein Durcheinander in der Elektrik.

Vor 25 Jahren sind Malcolm und seine Frau mit ihrem Boot in die Karibik gesegelt, wo sie nach ein paar Jahren rumsegeln, in Carriacou sesshaft geworden sind. Die beiden lebten 15 Jahre auf der Insel und haben diverse Business gestartet, wo sie nicht nur selbst etwas verdienen konnten, sondern auch noch einige Arbeitsplätze geschaffen haben. Mit 50 hat Malcolm England verlassen, heute ist er 75 und top fit, es ist kaum zu glauben was er und seine Frau in den 25 Jahren seit sie ihr “geordnetes“ Leben verlassen haben, alles gemacht haben, man könnte neidisch werden. Heute leben die beiden wieder in England und Malcolm kommt jedes Jahr für ein paar Monate in die Karibik um zu segeln. Seine Frau kann ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr begleiten. Malcolm ist also sozusagen ein Lokal auf Carricaou, und als solcher will er uns die Insel zeigen. Er hat ein Auto zur Verfügung, wie immer kommen wir uns ein bisschen blöd vor bei solchen Touren, rumfahren, aussteigen, rumgucken, einsteigen, rumfahren, aussteigen, rumgucken und so weiter, aber man kommt halt doch etwas weiter rum als zu Fuss. Die Mehrheit der Strassen scheinen eine Abneigung gegen Autos zu haben, Schlaglöcher wie Fallgruben in denen wir das Gefühl haben mit unserem kleinen Jeep ganz und gänzlich von der Oberfläche zu verschwinden. Malcolm führt uns nicht nur an Orte die sehenswert sind,



er weiss auch über alles Bescheid, zum Beispiel warum man auf der Windward Seite überall solche Gebilde sieht.


Das hat was mit Schiffsmotoren zu tun. Es ist noch nicht so lange her, dass die Fischer mit Segelbooten unterwegs waren, was sie auf der Windward Seite der Insel taten, der auflandige Wind hat sichergestellt, dass sie immer sicher nach Hause kamen, daher standen auch die Häuser auf dieser Seite der Insel. Im Zeitalter der Aussenborder sind dann die Fischer nach Leeward gezogen, wo sie im flachen Wasser fischen können und nicht den Wellen ausgesetzt sind die sich auf dem offenen Wasser aufbauen. Da Baumaterial teuer ist, wurden die Häuser abgebaut und am neuen Ort wieder aufgestellt, zurück bleibt nur das Fundament, das jetzt dem Nachbar zum trocknen der Wasche dient.

Die Möwe die auf dem Kopf des Pelikan sitzt, versinnbildlicht die Stimmung die auf der Insel herrscht, gegenseitige Akzeptanz, Schwarz und Weiss scheinen ein Gutes Verhältnis zu haben. Könnte daran liegen, dass die Insel von zwei schwarzen Familien beherrscht wird, die ihr Geld in früheren Tagen hauptsächlich mit Schmuggel verdient haben sollen, damit beschäftigt sind, sich gegenseitig das Business zu vermiesen. Zum Beispiel liegt in der Tyrrelbay seit Jahren eine High Tech Fähre, Wert etwa vier Millionen Dollar. Der Fährbetrieb wird von einer der Familien betrieben, die andere Familie war jedoch der Meinung sie wolle nun doch auch ein Stückchen von dem Kuchen, und hat sich eine High-Tech-Fähre gekauft, die die Strecke nach Grenada um einiges schneller zurücklegen sollte. Hätte sie auch getan, wäre nicht immer irgend was von der High-Tech ausgefallen, was die Reisezeit um ein vielfaches verlängert hat. Kurz um es hat nicht rentiert und seitdem rosten die vier Millionen in der Bucht vor sich hin. Bei diesen Summen spielt es wohl keine Rolle ob ein Weisser auch ein bisschen Geld verdient. So arbeiten der Deutsche mit seiner mechanischen Werkstatt, und der Franzose mit seiner Schweisswerkstatt nicht nur für Yachtis, den grösseren Teil ihrer Arbeiten machen sie für Einheimische, sogar in der Bar die einem Franzosen gehört trinken die Einheimischen ein Bier. Diese Stimmung könnte sich aber schnell ändern, wenn zum Beispiel wie auf anderen Inseln grössere Ausländische Institutionen ihr Geld machen wollen. Momentan ist eine grosse Marina in der Tyrrel Bay im Bau, Trinidad soll da die Finger drin haben, aber auch eine der beiden Familien. Da wollen wir mal hoffen, dass das der friedlichen Stimmung auf der Insel nicht allzu abträglich ist.

Malcolm zeigt uns das Haus das er gebaut hat, in der Bucht davor hat damals sein Schiff gelegen, wir gehen an den Strand hinunter und verdrücken unsere Sandwich. Wir haben nicht vergessen uns vorher noch ein kühles Bier zu besorgen, Prost!.


Rolf meint, „in diese Bucht kann aber ganz schön Schwell reinkommen oder?“ „Oh ja“ meint Malcolm, einmal sei in der Nacht derart Schwell aufgekommen, dass sie das Schiff in eine andere Bucht hätten bringen müssen. Das sei schon ganz schön Stress gewesen, vorallem als sie am anderen Morgen bemerkt hätten, dass sie weder Kleider noch Geld bei sich hatten. In der Hektik haben die beiden ihre Kleider am Strand liegen lassen und sind zum Schiff hinaus geschwommen, wo sie damit beschäftigt waren das Schiff zu retten, also keine Zeit über Details nachzudenken. Das einzige was die beiden auf dem Boot finden konnten, war das Oelzeug, in diesem standen sie dann in Hlisborough, bei 32 Grad im Schatten, an der Bushaltestelle ohne einen Cent in der Tasche, denn mit dem Boot konnten sie vorläufig nicht zurück, da der Schwell sich noch einige Tage halten sollte. Malcolm hat immer gute Geschichten drauf, wenn er gerade keine Geschichten erzählt, kommentiert er unseren gut geschüttelten (kaum zu vermeiden auf einem Segelboot) bei zu hohen Temperaturen gelagerten, (auch nicht zu vermeiden) billig Wein aus Spanien (na ja, da hätte man was machen können)


in Worten wie , fruchtiges Bouquet mit leichtem Brombeer Geschmack, rund im Abgang..... so macht er endlos weiter ohne “and well shaked“ zu vergessen.

Heute ist was los auf der Insel, Maroon-Festival, so eine Art Ernte-Dank-Fest, mit ein paar anderen Yachtis fahren wir da hin. Das Fest beginnt damit, dass zuerst ein paar Tiere geschlachtet werden, dann werden einheimische Spezialitäten auf dem Feuer gekocht und am Abend wird dann das Essen ausgegeben, zu unserer Überraschung gratis. Beim anstehen mit dem Plastikteller in der Hand kann man noch die Überreste der geschlachteten Tiere bewundern, also genau gesagt sieht man nur die Fliegen die Besagtes bewundern, mit Unterstützung des Geruches braucht es aber nicht allzuviel Fantasie um sich Vorzustellen was darunter liegt. Gut gespeist stellen wir uns dann der Kultur, die sich einerseits mit Kunsthandwerk und anderseits mit Darbietungen darstellt. Die Darbietungen haben absolut keinen professionellen Charakter, was das ganze sehr sympathisch macht. Die Darsteller sind Bewohner aus zwei verschiedenen Dörfern die so ein Zwischending von einstudiert, aber vielleicht doch ein bisschen zuwenig, vorführen. Dazwischen so ein mehr oder weniger professioneller Ansager, um den sich die Darsteller aber nur begrenzt und nach ausfallen des Mikrophons gar nicht mehr kümmern.

Hier wurde der Boden mit Alkohol und etwas süssem getränkt, so will es die Tradition, “wetting the ground“ heisst das. Das der Alkohol Ruhm ist scheint naheliegend, das mit der Cola, na ja, die Zeiten ändern sich eben. Dann wird auf dem benetzten Boden getanzt.


Nach den kulturellen Darbietungen soll es live music geben. Aber..... da sind noch ein paar special guests, diese special guests, Leute vom Kulturverein Grenada, Politiker und Politikerinnen quasseln dem Volk die Ohren voll, wir Yachtis stehen ein bisschen blöd rum


und wer Bewegung braucht holt ne runde Bier. Bewegung brauchen wir alle, wir hocken ja genug auf unseren Booten rum. Die Politiker sind immer noch am faseln, das geht langsam auf die Nerven, wann kommt endlich die Musik? Als dann die Politiker auch nicht mehr wissen was sie erzählen sollen, gesteht der Ansager den Anwesenden, dass das mit den live Bands so ein bisschen ein Problem ist, die seien nämlich noch gar nicht auf der Insel angekommen, irgend ein Problem mit der Fähre oder so. Anstatt live Musik kriegen wir jetzt Laientheater vorgesetzt, jetzt reicht's aber, die Yachtis wollen nach Hause.

Nur noch schnell einen Absacker auf einem anderen Boot. Wir sitzen friedlich im Cockpit da meint eine der Anwesenden, „ja sag mal, was ist denn das was da noch so spät in die Bucht gefahren kommt, der Licherführung nach muss das ein Schiff über fünfzig Meter sein!“ Alle starren in die Finsternis, „sag mal spinnt der, der kann doch überhaupt nichts sehen bei der Dunkelheit!!!!!!!“ Es ist Neumond also zappenduster.

tuggtuggtuggtuggtuggtuggtuggtuggTUGGTUGGTUGGTUGGTTUGGTUGG

rumms... schepper... schramm... ... dengel... splitTer... krach....

TUGGTUGGTUGGTUGGTUGGTUGGtuggtuggtuggtuggtuggtuggtuggtuggtuggtugg

Der hat ein anderes Boot gerammt!!!!!!!“ Rolf spring ins Dinghy um nachzusehen ob jemand Hilfe braucht, kann aber in der Dunkelheit kein Boot ausfindig machen das beschädigt ist. Die Aufregung ist gross, „der ist ja wahnsinnig“, „das war ein Frachter“, „der muss sich in der Bucht geirrt haben“, „und dann fährt der bei totaler Dunkelheit mit einer solchen Geschwindigkeit in eine voll belegte Ankerbucht“ „der konnte doch die Ankerlichter gegen die Lichter am Land gar nicht sehen“ „dem Motorgeräusch nach zu urteilen war das so ein altes Teil, das gar nicht langsamer fahren kann, auch haben diese Motoren keinen Rückwärtsgang, da muss der Motor zuerst abgestellt werden und dann in der anderen Drehrichtung wieder gestartet werden, also nicht viel los mit bremsen.“ „Das war ja richtig gespenstisch“ „Der muss einen gerammt haben, sonst hätte das doch nicht so gescheppert“ „und dann haut der einfach ab, hat jemand den Namen des Frachters gesehen???????“ „Ähmmm nein ähmm... es war doch zu dunkel.....“ Keiner ist auf die Idee gekommen den Frachter anzuleuchten damit wir sehen können wie das Schiff heisst. Auf das hin, dass wir solche Idioten sind, müssen wir noch ein Bier trinken. Da mittlerweile die Bucht voll ist mit Dinghys die ein gerammtes Boot suchen halten wir uns raus. Erst am anderen Morgen sehen wir dann das lädierte Segelboot das unbewohnt ist. Der Schaden ist beträchtlich der Bügel hinten hat eine etwas veränderte Form, Dinghy mit Motor und Windgenerator sind im Eimer, am Rumpf selbst ist nichts zu sehen, aber solche Schäden zeigen sich immer erst mit der Zeit. Das ist doch wirklich der Hammer, von einem Frachter auf hoher See gerammt zu werden, damit muss man rechnen, aber am Anker...... Das war übrigens am Freitag dem dreizehnten, wie war das jetzt noch mit dem Aberglaube man soll an einem Freitag nie auf Tour gehen und auf eine längere schon grad gar nicht.......... ?

Ja wir haben da noch ein kleines Problem, unser Schwert, das sollten wir doch nun endlich mal in Angriff nehmen oder.“ „Ja schon aber..“ „Nix aber, nehmt die Finger aus dem Arsch Leute!!!“ „Ja Claude machen wir“ „Blopp“.... „Blopp“ Schwert Reparatur Nummer zwei. Wir haben hier eine kleine Werft wo wir für eine Nacht an den Kran könnten, das Schwert demontieren, Löcher stopfen und wieder ins Wasser. Wenn das Schwert geschweisst ist, das ganze noch mal. Klingt ja gut aber wie bekommen wir das Schwert dann auf Dominiks schwimmende Werkstatt.


Dominik meint schwierig, da er nichts hat mit dem er das Teil auf seine Werkstatt hieven kann. Es gibt da noch einen schwimmenden Kran den wir benützen könnten, das sei doch aber alles kompliziert wir sollen doch das Schwert im Wasser raus nehmen, er hätte zwei grosse Pumpen die er uns leihen könne. Erni ist nicht mehr ganz so abgeneigt wie auch schon, aber nur weil sie das Schwert schon mal draussen hatten, und sie der Meinung ist, dass es diesmal mit dem herausschlagen der Achse klappen könnte, allerdings will sie ganz genau Wissen wie da vorgegangen werden soll. Rolf hat sich schon was ausgedacht,


könnte sein, dass das Ganze noch nicht vollständig ausgereift ist, denn auf brenzlige Argumente wie „Ja und dann, haben wir ein Loch von etwa 6cm Durchmesser wo das Wasser reinkommt, bis wir es wieder Dicht haben und wenn irgendwas klemmt könnte in der Zeit ganz schön viel Wasser reinkommen!“ „Na da halten wir in der Zwischenzeit einfach die Hand auf das Loch, so viel Druck kann das nicht sein ist doch höchstens 30cm unter der Wasserlinie und dann haben wir ja noch die Pumpen von Dominik“


Irgendwie sieht Rolf ein, dass das in die Hose gehen könnte, er denkt sich was besseres aus. Ein Rohr, das etwas kleiner ist als die Achse wird an einem Ende zugeschweisst. Es wird ein Flansch hergestellt mit Dichtung dessen Loch so gross ist, dass das Rohr passt. Dieser Flansch wird auf den Flansch am Schwertkasten geschraubt. Mit dem Rohr wird die Achse herausgeschlagen, aber nur so weit, dass sie auf der anderen Seite noch drin ist, wobei die Achse im gegenüberliegenden Loch bleibt. So sollte in der Zeit bis wir das Schwert draussen haben und die Achse wieder hinein geschlagen werden kann, nicht allzuviel Wasser ins Schiff kommen. O.k. das könnte klappen, wir machen uns auf der Seite an Dominiks Werkstatt fest, installieren die Pumpen und legen los.


Bis wir die Achse wieder drin haben, haben wir höchstens einen Liter Wasser im Eimer der unter dem Loch steht. Es herrscht Hochstimmung, aber nicht mehr lange, nur wissen die beiden das noch nicht, sie sind der Meinung, dass sie jetzt nur noch das Schwert, das noch unter dem Schiff hängt via Baum heraufwinchen und auf die Werkstatt schwenken müssen. Rolf montiert Flossen und Schnorchel und hüpft ins Wasser um Schoten am Schwert zu befestigen. Kaum im Wasser entdeckt Rolf eine Schiffsschraube auf Grund und denkt “Hmmm... sieht genau so aus wie unsere Schraube“. In dem Moment schaut Erni über die Reling „schau mal da liegt ne Schraube im Wasser die genau so aussieht wie unsere, die können wir bestimmt brauchen“ „Ja, ja, die können wir bestimmt brauchen, denn es ist UNSERE Schraube.“ Was Rolf mit einem Blick zum Saildrive festgestellt hat wo keine Schraube mehr dran ist. Rolf holt die Schraube hoch und stellt fest, dass sie kaputt ist, die Buchse mit den Flügeln ist einfach vom Teil das an der Achse festgeschraubt wird gerutscht. Ein Teil befindet sich also noch am Saildrive. O.k. wir haben ein neues Problem, Rolf zeigt Dominik grinsend die Schraube, worauf dieser meint „kein Schwert, kein Motor, jetzt fehlt nur noch, dass der Mast runter kommt!“ Gut, eins nach dem anderen, zuerst holen wir mal das Schwert hoch.


Wir haben das Schwert auf dem Schiff und jetzt kommt das zweite Problem, um das Schwert auf die Werkstatt zu hieven müssen wir auf die andere Seite der Werkstatt wo bis jetzt noch ein anderes Schiff festgemacht hatte. Währe ja auch kein Problem, wenn man einen Motor hätte, haben wir aber nicht. „Haben wir doch“ meint Rolf, „wir montieren einfach unseren Aussenborder hinten am Schiff.“ „Und du meinst mit diesen 5 PS soll das klappen? wenn da Wind aufkommt sind wir verloren, hinter uns das Riff, rundherum andere Boote!“ „Da ist doch gar kein Wind, und wir haben unser letztes Schiff doch auch schon mal mit 3 PS bewegt.“ Es wird schon dunkel und über Nacht können wir sowieso nicht an der Werkstatt hängen bleiben, also müssen wir was machen. Wir machen was, Aussenborder hinten ran, Leinen los, ganz langsam kommt das Schiff in fahrt, aber beim abdrehen erwischen wir eine Bö und stellen fest, dass das Schiff bei solch geringer Geschwindigkeit und ohne Schwert, nicht steuerbar ist, wir driften gegen das Riff. Na Bravo, auf diesem Riff würden wir als vermeintlich erfahrene Fartensegeler eine besonders gute Falle machen. Dieses Riff trägt den Namen “bare boat reef“ dies weil von diesem Riff in der Chartersaison massenweise Boote gepflückt werden können die ohne Skipper gechartert worden sind. Zum Glück eilt uns Dominik zu Hilfe, das wäre aber auch zu peinlich gewesen. So haben wir nochmals zusätzlich 15 PS zur Verfügung, aber auch mit dem zusätzlichen Power schaffen wir es nur mit Müh und Not auf die andere Seite der Werkstatt zu kommen, wo wir auch noch so ein bisschen hinten reindonnern und die Reling der Werkstatt verbiegen. Das nimmt Dominik gelassen, für einen Franzosen sind Parkschäden ganz normal. Auch das rüberhiven des Schwertes funktioniert nicht ganz Problemlos, wir holen fast noch die Regenrinne der Werkstatt runter, da wir noch einen Fehler in der Schotenführung hatten, aber irgendwie klappt es dann doch. So jetzt müssen wir nur noch vor Anker gehen. Hinter der Werkstatt ist noch Platzt, allerdings relativ nahe beim Riff. Nun ja da müssen wir durch, diesmal lassen wir uns einfach hinten raus treiben und schmeissen den Anker.

Zuerst muss jetzt eine neue Schraube organisiert werden, in Martinique gibt es eine, wo wir aber leider nicht sind. Trotzdem ist das kein Problem, die Schraube soll via Switch (eine Chartergesellschaft) nach Union gebracht werden, von da wird es dann schon irgendjemand geben der uns die Schraube nach Carriacou bringt. So die Schraube wäre bestellt, jetzt zum Schwert. Diesmal wird die kritische Stelle geöffnet, zusätzlich werden zwei Löcher gemacht so, dass man sehen kann was da drinnen los ist.


Ach so darum hat die Schweissnaht die in Trinidad gemacht wurde nicht gehalten. Auf der Innenseite klebt massenweise Blei, was das Schweissen unmöglich macht. Dieses Blei wurde bei der Herstellung des Schwertes am Schluss hineingegossen, damit das Schwert unten schwerer ist, was gewährleisten soll, dass das Schwert auch ausfährt wenn man dies wünscht, ohne Blei würde es eigensinnig in der Schwebe bleiben. Diese Tatsache führte eines Tages dazu, dass auf irgendeiner Pazifischen Insel kein einziges Fischerblei mehr zu kaufen war. Wie, ihr seht den Zusammenhang nicht? Also gut ich werde euch das erklären. Jacques verliert irgendwo im Pazifik sein Schwert und lässt sich auf irgendeiner Pazifischen Insel, nach Plänen der Werft, ein neues machen. Klappt alles wunderbar, wieder im Wasser stellt er aber fest, dass das Schwert nicht herunter geht, da sie den Ballast vergessen haben. Was nun? Wieder raus aus dem Wasser, alle auf der Insel verfügbaren Fischerbleie zusammenkaufen, ein kleines Loch ins Schwert bohren, aber nur ein kleines, wer will schon ein grosses Loch in ein neues Schwert bohren und dann Tausende von kleinen Bleikugeln durch das Loch ins Schwert schmeissen. Das einschmeissen der Kugeln soll mehr als zwei Tage in Anspruch genommen haben, absolut geiler Job sei das gewesen, das Ganze hätte so ne Art Sparschwein-füll-feeling hervorgerufen. Nach Beendigung dieses Dagobert-Duck-Marathon etwas Epoxi nachgiessen, damit die Bleikugeln auch unten bleiben und dann Loch wieder zuschweissen.

Wenigsten das kann uns nicht passieren, bei uns ist das Blei ja noch drin, aber leider klebt es überall an den Innenwänden, da wo geschweisst werden soll muss es herausgekratzt werden.


Aa, ge schau, so schaut des da drinnen aus.“ Wie wir feststellen hat Dominik nicht zu unrecht einen derart guten Ruf, diesmal wird die Reparatur ganz anders angegangen. Nach zwei Tagen ist das Schwert mit zwei zusätzlichen Verstärkungen wieder zugeschweisst. Unsere Motorschraube ist noch nicht angekommen, macht aber nichts, da wir direkt hinter der Werkstadt liegen, legen wir eine Leine dorthin aus und ziehen Xantus an die Seite. Via Baum, diesmal ohne Fehler in der Schotenführung, hieven wir das Schwert auf unser Schiff. Erni bestaunt das Schwert mit den zwei Verstärkungen, Dominik meint „das erlebst du nicht mehr, dass an dieser Stelle nochmals ein Riss entsteht.“ Erni weiss jetzt nicht so genau, schliesslich gäbe es da zwei Möglichkeiten die das bewirken könnten. Mit einem nochmaligen Blick auf das Schwert, schreibt sie dann diese Tatsache aber der Qualität der Reparatur zu. Wir lassen Xantus wieder hinten raus driften, jetzt müssen die Farbschichten wieder neu aufgebaut werden.



Bisschen mühsam so auf dem Schiff, vorallem wenn's schaukelt, spielt aber eigentlich keine Rolle, Erni schmiert sowieso alles in Umkreis von 5 Metern inklusive sich selbst voll. Aber ein bisschen besser würde es schon gehen wenn wir das Ding quer ins Cockpit nehmen würden, so von wegen Zugänglichkeit und so. Genau das machen wir


Na nun halt doch das Ding Erni, geht doch alles kaputt wenn das riesen Teil hier so rumschwingt!“ „Ächtz...mpff.... ja..aa.. versuch ich ja!!!!! So geschafft nun haben wir das Cockpit voll Schwert und im Salon ist der Tisch abgebaut, wir essen wieder mal ein paar Tage mit den Tellerchen auf den Knien. Nach weiteren drei Tagen ist es dann soweit die Farbschichten sind wieder aufgebaut, jetzt muss das Ding nur noch eingebaut werden. Also mal schön über die Bordwand ins Wasser lassen. Rolf ist bereits mit Schnorchel und Flossen im Wasser, Erni bedient die Schoten. „Super du!!!!“ „Was noch mehr runter lassen?“ „Nein, es Schwimmt!!!“ „Wie?“ „Es Schwi...immt und zwar mit der Unterseite nach oben!!!!!“ Oh.. je... das ist wieder mal so ein Moment, wo die Gehirne der beiden anfangen leise zu summen und am Daumen zu lutschen. „Ideen sind gefragt Leute!!!!!“

Ich hatte die Idee und dann

wusste ich plötzlich wie man sämtliche Kriege dieser Erde beenden kann

doch leider muss ich gestehn

dass ich alles vergass weil ich Zahnschmerzen bekam denn da helfen keine Ideen

Ich rannte gegen einen Baum halb wahnsinnig vor Schme......“

Schluss jetzt, Taten sind gefragt!!!!!“ Ach so ja genau....., Hmmm...jetzt wo das Schwert dicht ist schwimmt's natürlich, das heisst, es schwebt fast im Wasser, nur eben mit der falschen Seite nach oben - ist ja eigentlich ganz o.k. aber wie bringen wir das Ding jetzt unters Schiff? Gewicht anbringen, der erste Versuch mit all unseren Tauchbleien betrachtet das Schwert als Witz, es denkt nicht daran abzusinken. Der zweite Versuch mit noch zusätzlich einem Anker zeigt dann Erfolg, wenigstens soweit, dass das Schwert jetzt senkrecht unter Wasser ist, allerdings hat es immer noch die Tendenz seine Unterseite nach oben zu drehen, da man an der Unterseite nichts fix befestigen kann. Die Achse ist bereits soweit herausgeschlagen, dass sie auf der einen Seite noch im Schwertkasten steckt, auf der anderen Seite steckt die Achse mit Dichtung im Loch. Obwohl wir einen Tag ausgesucht haben an dem eher wenig Wind herrscht, soweit das hier in der Karibik überhaupt möglich ist, driftet Xantus fröhlich hin und her, was das einfädeln des Schwertes in den Schwertkasten doch so um einiges verkompliziert. Beim X-ten Versuch das oben genannte zu bewerkstelligen meint Rolf „eine Tauchflasche wäre jetzt ziemlich toll!“ Die Schoten die in der Zwischenzeit am Schwert befestigt wurden, sind ins Cockpit geführt, wo sie via Winch bedient werden könne, Bisschen blöd das Ganze, so kann Erni nicht sehen wieviel sie wann an welcher Schot ziehen muss und Rolf kann ihr das nicht mitteilen, weil er in eben diesem Moment gerade damit beschäftigt ist das Schwert unter Wasser in den Schwertkasten zu lotsen und das wäre dann eben der Moment an dem Erni das Schwert nach oben ziehen sollte. Erni zieht mit mehr oder weniger Gefühl an den Schoten und wirft hie und da ein Blick ins Schiff. Ohhhhh... und was sieht sie da? Eine kleine Fontäne die fröhlich vor sich hin sprudelt. Jetzt gilt noch zu erwähnen, dass die beiden das Gefühl hatten die Pumpen von Dominik seien nicht nötig, da sowieso kein Wasser ins Schiff komme. Erni wetzt rein und versucht die Fontäne irgendwie in den Griff zu bekommen, in diesem Moment hat Rolf es geschafft das Schwert einigermassen in den Schwertkasten zu bekommen, ist aufgetaucht und schreit „zieh an der roten Schot“ Leider ist Erni gerade anderweitig beschäftigt, ihr seht das Problem. Die kleine Fontäne ist entstanden weil das Schwert gegen die Durchschlagsachse geschlagen ist und diese verkantet hat. So geht das stundenlang, aber irgendwann, keiner weiss genau warum, ist das Schwert drin und die Achse wieder da wo sie sein sollte.

Nach ein paar Tagen ist dann auch die neue Motorschraube da, nun muss auch diese noch mit Farbe beschmiert und montiert werden, was die beiden ohne weiteren Komplikationen zu Stande bringen. Also das mit dem Prop war kein Problem, es war nur so, dass Rolf beim montieren unter Wasser wieder mal etwas gefunden hat das so aussah als gehöre es zu unserem Schiff, gehörte es auch, diesmal war es der Radarreflektor. Jetzt reicht's aber, Rolf bekommt Schnorchel-Verbot, das geht doch nicht, dass er jedesmal wenn er unter Wasser ist irgend ein Bestandteil von Xantus findet.

Endlich sind wir soweit, noch schnell nach Hilsborough segeln zum ausklarieren und dann geht es Richtung Martinique, wo wir noch einige Besorgungen für das Schiff machen müssen.