Trinidad
(03.01 – 15.02.2007)
Am dritten ersten heisst es wieder mal früh aufstehen, um 4:20 wird der Anker gehievt. Anfangs eher wenig Wind, mit dem ersten Tageslicht kommt er dann aber und wir segeln zügig Richtung Trinidad wo wir kurz vor 16:00 eine Boje aufnehmen. Au Backe hier ist ja mächtig was los, eine Werft nach der anderen, Lärm, Dreck, Oel-Plattformen, Oel im Wasser, Motorboote, Frachter, unzählige Yachten, wieder mal ein harter Schlag nach einem Naturparadies wie Tobago. Obwohl die Sonne versucht das Ganze in ein Gutes Licht zu rücken, hält sich unsere Begeisterung in Grenzen.

Nun ja, wir sind auch nicht hier um die Natur zu geniessen, nein wir sind hier um am Schiff zu arbeiten und für das sind wir hier genau am richtigen Ort. Hier soll es einfach alles geben was des Yachtis Herz begehrt. Meine zwei Herzeln begehren in dieser Beziehung doch so einiges, Erni hat eine endlose Einkaufsliste geschrieben, sie hat auch eine Arbeitsliste gemacht, was, wann, wie, wo, organisiert werden muss, sie habe keine Lust auf der Werft zu hängen um dann dem Material nachzurennen. Hat sie wirklich fein gemacht unsere Erni, war nämlich gar nicht einfach, da die Reparatur des Schwertes doch so einige Fragen offen lässt, die erst zu beantworten sind, wenn das Schwert einmal draussen ist. Hat sie alles mit Rolf durchgesprochen, was nicht immer einfach war, Rolf kann „“IF's“ überhaupt nicht ab, da wird er immer stinke sauer, trotzdem ist jetzt alles fein säuberlich auf Zettelchen geschrieben, “IF“ so, dann brauchen wir dieses und jenes Material, “IF“ nicht so, dann jenes und dieses. Das ist doch schon mal ein Anfang, ich bin zuversichtlich, wenn die beiden Chaoten so weiter machen, besteht die Chance, dass die Arbeiten innert nützlicher Frist erledigt sind. Schon am nächsten Tag wird der erste Punkt in Angriff genommen, alle Werften abklappern um dann zu entscheiden auf welcher wir raus wollen. Zuerst geht es zu Power Boot, mal fragen wann die Zeit haben uns aus dem Wasser zu nehmen und wie die Möglichkeiten sind unser Schiff so hoch zu stellen, dass wir das Schwert heraus nehmen können. Die Büro Tante meint das sei ein Fall für den Werft-Chef und schon sitzen wir in einem Sitzungszimmer mit Werft-Chef und Werft-Manager wo Rolf erklärt wie er das Schiff aufgebockt haben will. Kein Problem meinen die Fachmänner, jetzt muss nur noch ein Termin abgemacht werden. Die Büro Tante fragt wann wir raus wollen, sobald wie möglich meinen die beiden, wie wär's um 13:00, fragt die Tante. „Ähmmm..... was... ähhhmmm heute? Ja ähh... na ja eigentlich, ja ähm.. ja warum nicht.“ Kaum im Dinghy kommt den beiden in den Sinn, dass sie doch diesmal organisiert vorgehen wollten. „Sag mal, haben wir uns da irgendwie überrumpeln lassen?“ „Irgendwie schon oder?“ „Wir werden es wohl nie lernen,“ „Ich denke nicht“ Zufrieden grinsen sich die beiden an, denn jetzt befinden sie sich wieder auf vertrauten Gebiet, dem Chaos nämlich. Schnell ein Brötchen essen, Fender und Schoten raus, zum Lift, Vorstag lösen und schon hängt Xantus in den Gurten.

Beim aufbocken ist dann nicht mehr alles so klar wie im Sitzungszimmer, auf was stellen wir die 12 Tonnen nun? Allgemeines am Kopf kratzen, einer kommt mal mit zwei Gerüstestützen und stellt sie unter das Boot. Erni bekommt gleich Anfälle, „die wollen doch wohl nicht das Boot auf diese paar Röhrchen hier stellen oder?“ Erni weiss zwar, dass man in diesen Ländern als Frau besser die Schnauze hält, tut's aber trotzdem nicht. „Wie wär's denn mit noch ein paar Stützten,“ meint ein Arbeiter. So wird eins ums andere zusammengetragen, es wird Abend bis die Gurten des Krans gelöst werden.

Wir haben nun weiss ich nicht wieviele Stützen unter dem Boot, was das bearbeiten des Unterwassers nicht gerade vereinfacht.
Wieder ein guter Vorsatz: die beiden wollen jeden Morgen um sechs aufstehen und sich gleich an die Arbeit machen. Am ersten Morgen klappt das auch, als erstes wird die Demontage des Schwertes in Angriff genommen. Um an die Schwertachse zu kommen muss die Bilge ausgeräumt und der Tisch demontiert werden. Wohin mit all dem Zeugs? es vergeht keine Stunde bis das Schiff mehr oder weniger unbewohnbar ist. Macht nichts, solange wir auf der Werft sind wird gearbeitet nicht gewohnt. Das Schwert wird via Flaschenzug so gut es eben geht in die Schwebe gebracht, jetzt muss nur noch die Achse herausgeschlagen werden. Hämmer......, hämmer...., hämmer....., hämmerhämmerhämmerhämmerhämmerhämmer!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! HÄMMERHÄMMERHÄMMERHÄMMER!!!!!!!!!!!!!!!!! HÄMMERHÄMMERHÄMMERHÄMMER!!!!!!!!!!! Geht nicht, vielleicht von der anderen Seite, Hämmerhämmerhämmmerhämmerhämmer!!!!!!!!!!!!!!!!! Geht auch nicht. Vielleicht ist das Schwert doch noch nicht in der Schwebe und das Gewicht drückt zu fest auf die Achse, ein bisschen am Flaschenzug rumfummeln, hämmern, rumfummeln, hämmern, so geht das eine ganze Weile bis sich die beiden eingestehen müssen, dass es so nicht geht. Da gibt es nur eines die Achse muss durchgesägt werden und zwar auf beiden Seiten des Schwertes. Wie alles auf einem Boot, ist auch die Achse nur schwer zugänglich, einfach so kommt man da nicht ran. Die Säge wird an einem Besenstiel befestigt und dann wird gesägt.

Bei fast 35 Grad im Boot scheint das richtig Spass zu machen, Rolf tropft nur so vor sich hin, Iiiiiii....pfuiteibel, wusste gar nicht, dass Menschen derart schwitzen können, hoffentlich ruinieren die Schweissbäche die über die Inneneinrichtungen fliessen den Lack nicht. Erni anerbietet sich, Rolf zwischendurch abzulösen, Frauen können übrigens auch so schwitzen, aber nicht lange denn schon nach ein paar Minuten jammert sie über Blasen an den Händen. Während Rolf die meiste Zeit schwitzt und sägt, macht Erni die meiste Zeit Pause und schwitzt. Kennt ihr das, wenn man etwas von zwei Seiten ansägt in der Hoffnung, dass sich die beiden Schnitte in der Mitte Treffen? Tsssja.. in diesem Fall hat's nicht geklappt. So dauert es den ganzen Tag bis das Schwert draussen ist.
Da die Lager des Ruders und des kleinen Schwertes auch ersetzt werden sollen, müssen auch diese ausgebaut werden. Auch das geht natürlich nicht einfach so, wieder wird gesägt und gehämmert und geschwitzt. Nach entfernen des unteren Lagers des Schwertes meint Rolfi verblüfft, „ohhhh...... da wäre ja eine Schraube gewesen, hätte man diese gelöst wäre das Lager vermutlich einfach herausgefallen.“ Dabei grinst er auch noch wie ein Vollidiot, ohhuuuu.. man, ich sag euch..... , so dauert's halt nochmals zwei Tage bis alles demontiert ist.

Von nun an kümmert sich Rolf um den Riss im Schwert und die neuen Lager. Die Menschen hier brauchen etwas mehr Zuwendung als sonst wo, wenn man etwas von ihnen haben will. So pendelt dann Rolf mit seinem Fahrrad zwischen Schweisser und Mechaniker hin und her, der Schweisser meint jeden Morgen bei Rolfs Besuch, dass er diesen Nachmittag kommt, der Mechaniker meint, hab erst am nächsten Montag Zeit, nächsten Montag meint er, ja jetzt hätte ich Zeit, aber kein Material, das Material kommt am Mittwoch und am Mittwoch hat er dann wieder keine Zeit. Geduldig macht Rolf seine täglichen Besuche bis sich irgendwann Erfolg abzeichnet. Erni kümmert sich in der Zwischenzeit um das Unterwasser, lieber diese Drecksarbeit als sich mit diesen Leuten rumschlagen.

Erni gerade beim Unterwasser nassschleifen, meint ein anderer Yachti im vorbeigehen, „ how do you do to get allways the nice jobs?“ Ähhh....hä..hä...hä, lacht Erni etwas gezwungen, „god Joke, hä..hä..hä..!“
Der Schweisser schafft es dann nach vier Tagen eben diesen Nachmittag zu kommen, am Abend ist der Riss zugeschweisst. Am nächsten Morgen beim aufhängen des Schwertes, entdeckt Rolf einen kleinen Riss in der neuen Schweissnaht, erstaunlicherweise wird diese Garantiearbeit noch am selben Tag erledigt, allerdings bleibt da ein etwas ungutes Gefühl zurück, wenn das bloss hält. Es gibt auch sonst noch so einiges zu tun, unter anderem müssen die Seeventile gereinigt und gefettet werden. Rolf hat gerade das Ventil von der Toilette ausgebaut, da meint Erni „sollte man nicht auch gleich den Schlauch reinigen, wenn wir schon dabei sind?“ Erni spricht hier von dem Schlauch durch den die ganze Scheisse gepresst wird, „Ja gute Idee, mach das doch!“ meint Rolf. Ahaaaa.... That's how she get allways the nice job's.
Alles in allem gehen die Arbeiten voran, ich bin wirklich überrascht, die beiden stehen tatsächlich jeden Morgen um 6:00 auf und arbeiten bis es dunkel wird. Nichts mit Apero hier und Apero da, obwohl befreundete Yachten auf der Werft sind. Aledias zum Beispiel, während sich Alex um den Mast und Claudia sich um das Unterwasser kümmert, kümmert sich Buddy um zwei Hundedamen. Irgendwann hat Claudia die Schnauze voll von seinen Ausflügen, jetzt hat er Hausarrest. Armer Buddy, geduldig lässt er sich mit Antifouling berieseln, das Claudia vom Rumpf kratzt, Hundeleben würde ich da sagen.

Nach zweieinhalb Wochen Hitze, Dreck, Moskitos, einigen Kakerlaken die den Weg an Bord gefunden haben und den ewigen Wanderungen zur Toilette sind alle happy, dass Xantus wieder ins Wasser kommt. Über das Schwert wird nicht mehr gesprochen, man will ja nicht den Teufel an die Wand malen, einfach so tun als könnte nichts passieren, dann passiert schon nichts.
Wieder am Anker, ist aber noch nichts mit faulenzen, Rolf hat einen Job auf einem anderen Boot, so ein grosses edles Alusegelboot vollgestopft mit Elektronik, ein Fall für Rolfi also. Ja und was macht Erni während Rolf Geld verdient. Ganz einfach meint Claudia, „du bist jetzt Hausfrau, dein Mann verdient die Kohle, deine Aufgabe ist jetzt, dass etwas zu Essen auf dem Tisch steht wenn er nach Hause kommt.“ Erni die sowas ihr ganzes Leben nicht gemacht hat, bekommt das dann auch nicht so richtig auf die Reihe, den ganzen Tag bastelt sie irgendwas am Boot rum, so die Sachen die man schon lange hätte machen sollen und wenn dann Rolf mit dem Dinghy anbraust, meint sie, „ohh schon so spät?“
So und anders vergeht die Zeit, langsam wird es Zeit, dass wir uns auf die Socken machen, wir bekommen nämlich Besuch, diesen sollten wir am 26.02 am Flughafen in Grenada abholen.
Bevor wir aber nach Grenada segeln wollen wir noch einen Tag in der Scotlandbay verbringen. Motor an Anker auf, beim heraufziehen des Schwertes, das wir zwecks Stabilisierung herunter gelassen haben, bemerkt Rolf, dass das ganze relativ schwergängig ist. Beide schauen sich an, „vielleicht klemmen die Lager oder so“ meint Erni hoffnungsvoll. Einfach jetzt nicht aussprechen was tatsächlich vermutet wird. Wir schmeissen den Anker in der Scotlandbay, wunderschön hier, abgesehen vom Gekreische der Affen und Vögel, die absolut stille Rille. Ins Wasser hüpfen, auf das haben die beiden schon lange gewartet. Rolf meint, wenn er schon im Wasser ist, könne er ja mal nach dem Schwert sehen. Muss das denn sein? Tsssja.. das Schwert hat bereits wieder einen Riss und so schwer geht's weil es wieder voll Wasser gelaufen ist. Trotzdem geht es am nächsten Morgen Richtung Grenada, mehr oder weniger hart am Wind. Fortsetzung fo...olgt.