Französisch Guayana

(12.10 – 17.11.2006)

Am 12.10 gegen Mittag segeln wir los Richtung Französisch Guayana, wieder mal ein längerer Törn, es stehen uns 1050 Seemeilen bevor. Am 13.10 startet in Kourou eine Ariane, 5 hoffentlich kriegen wir da nicht so einen Booster auf den Schädel, ist doch völlig bescheuert, jetzt muss man beim Segeln auch noch darauf achten was von oben kommt. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings gering, da die Dinger etwa 500 SM vor der Küste in Wasser gehen, wir befinden uns weit näher unter Land. Die ersten zwei Tage sind wir bei wunderbaren Bedingungen mit einem Affenzahn unterwegs, mit 4-5 Beaufort laufen wir zeitweise über 10 Knoten, was vorallem der Strömung zu verdanken ist, wehe dem der in der entgegengesetzten Richtung unterwegs ist. Am ersten Tag haben wir ein Tages Etmal von 192SM, am zweiten 185SM. Am 14.10 um 09:48 überqueren wir den Äquator, wir befinden uns wieder auf der nördlichen Halbkugel, nun findet der Sommer wieder im Sommer statt, der Winter im Winter und Norden ist wieder oben oder so ähnlich, ich hoffe nun wissen auch die beiden Orientierungslosen wieder wo's langgeht. Zugegeben machen einem gewisse Segelführer das Leben ganz schön schwer, wenn z.B erklärt wird zu welcher Jahreszeit welche Route am besten gesegelt wird, ist immer von Jahreszeiten die Rede, anstatt die Angaben in Monaten zu machen. So richtig ins schleudern kommt man dann wenn auf der Route der Äquator überquert wird und sich auf einen Schlag alles ändert, Null Komma plötzlich ist Frühling Herbst und umgekehrt, wir jedenfalls segeln vom Frühling in den Herbst. Am dritten Tag haben wir trotz bedeutend weniger Wind immer noch ein Tages Etmal von 169 SM, dann aber lassen Wind und Strömung noch mehr nach und es geht um einiges gemütlicher weiter. Da man bei solchen Bedingungen besser schlafen kann, verbringen die beiden, zu meinem Leidwesen, einiges weniger Zeit in der Koje. Bei wenig Wind haben die beiden nur Scheisse im Kopf, sie lassen sich dauernd hinter dem Schiff herziehen, was uns bestimmt einen halben Knoten kostet und wissen auch sonst nicht wie blöd sie sich benehmen sollen. Hier nur ein kleines Beispiel.


Ich persönlich finde die Unterhaltung die Erni bei Schlechtwetter und Seegang bietet um einiges unterhaltsamer.

Nach genau sieben Tagen sind wir in Französisch Guayana (Kourou).


Französisch-Guayana hat eine Fläche von 91 000 Quadratkilometern. An der Mündung des Flusses Cayenne liegt die gleichnamige Hauptstadt. Cayenne ist der wichtigste Hafen von Französisch-Guayana. Das Land liegt in den inneren Tropen. Die Temperaturen sind dementsprechend ganzjährig hoch, die mittlere Jahrestemperatur beträgt 26,7 °C. Der mittlere Jahresniederschlag liegt bei etwa 3 800 Millimeter. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 191'300 (2004). Zahlenmässig stärkste Bevölkerungsgruppe sind die Kreolen. Minderheiten sind u. a. Arawak, Kariben, Asiaten und Europäer. Amtssprache ist Französisch, verbreitet ist darüber hinaus Créole. Die tropischen Regenwälder liefern grosse Mengen an Nutzholz, vor allem Harthölzer. Eine nennenswerte landwirtschaftliche Nutzung erfolgt nur in der circa 40 Kilometer breiten Küstenebene. Wichtigste Anbauprodukte sind Mais, Reis, Maniok, Ananas, Yams und Bananen. Die Bedeutung der Fischerei nimmt zu, die Fänge bestehen hauptsächlich aus Krabben. Eine grosse wirtschaftliche Rolle spielt der Abbau von Gold, daneben wird u. a. noch Bauxit gefördert. Wichtigste Handelspartner sind Frankreich, Trinidad und Tobago sowie Italien. Exportiert werden vor allem Fisch, Reis und Gold, wichtigste Einfuhrprodukte Maschinen und Fahrzeuge. Währungseinheit ist der Euro. Die Küste von Guayana wurde 1599 von Spaniern entdeckt. 1604 gründeten französische Siedler Cayenne und andere Ortschaften an der Atlantikküste. Im Frieden von Utrecht verlor Frankreich seine Besitzungen zwischen dem Amazonas und dem Oyapook. Nach einer längeren Zeit wechselnder Besitzverhältnisse wurde das Gebiet 1816 wieder französisch. Von 1854 bis 1938 bestand im heutigen Französisch-Guayana eine Sträflingskolonie. Am 19. März 1946 wurde das Gebiet zu einem Überseedepartement Frankreichs. Der Bau einer Raketenbasis der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) im Jahr 1968 trug zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des Gebiets bei.

Wir ankern in der Flussmündung vor Kourou. Hier treffen wir wieder auf SY Aledia, Rolf und Erni freuen sich, im Gegensatz zu mir, jedes Paar einzeln ginge ja noch, aber die vier zusammen!!!!!!!! Claudia und Alex haben einen Hund an Bord, wenigstens kann man mit dem vernünftig reden. Buddy so sein Name fungiert als Wachhund auf Aledia, sein Job ist Laut zu geben bei allem was sich dem Schiff nähert, in dieser Funktion hat der dann auch in Recife, wo wir Aledia zum letzten mal gesehen haben, die Ankerboje ganz schön zur Sau gemacht. Von Claudia und Alex die bereits eine Woche hier liegen erhalten die beiden einen Stadtplan von Kourou und sonstige wichtige Infos. Am nächsten Tag gehen wir in die Ortschaft, obwohl wir bereits alle wichtigen Infos haben, gehen die beiden als erstes mal in ein Geschäft, ein Kopierladen, mal fragen ob man hier grosse Kopien machen kann, nicht das sie eine solche brauchen würden, nein es geht ihnen lediglich darum etwas zu fragen und eine Antwort in einer Sprache zu bekommen die sie verstehen. Nach Brasilien brauchen die beiden das irgendwie.

Hier sollten solche Szenen ausbleiben.


Wieder raus aus dem Laden sind sich die beiden einig, das war doch absolut geil, und weil es so toll war besuchen wir noch ein paar weitere Läden in denen sie blöde Fragen stellen. So jetzt ist aber genug wir gehen einklarieren, absolut easy hier. Dann einen Rundgang im Ort, obwohl wir uns immer noch auf dem Südamerikanischen Kontinent befinden, werden wir das Gefühl nicht los irgendwo in Europa herumzulatschen. Nach den letzten Städte Stops in Brasilien macht diese Ortschaft einen sicheren Eindruck. Das Europäische feeling verstärkt sich beim ersten Einkauf noch mehr, nach Brasilien ein harter Schlag, ein Kilo Tomaten 6.50 €. Die Frage welche Busse wohin fahren erübrigt sich, hier gibt es keine Busse. Ein grosser Teil der Bevölkerung von Kourou kann sich sich ein Auto leisten, die die das nicht können müssen halt selber schauen.

In Kourou scheint es nicht viel Armut zu geben, das liegt wohl daran, dass das Arianespace Center 1350 Arbeitsplätze bietet. Da hier alles weitläufig ist und Taxis unbezahlbar sind, graben Rolf und Erni wieder mal ihre Velos aus. Sie radeln ins Arianespace Center, wo die beiden Schweisstriefend ankommen, bei 34 Grad nicht besonders verwunderlich.


Hier kann man kostenlos eine Tour durch die Anlage machen die drei Stunden dauert und genau das machen wir mit weiteren 51 Teilnehmern. Wir stehen mal am Tresen an wo jeder Teilnehmer seinen Pass abgeben muss, dann stehen wir bei der Sicherheitskontrolle an, wie am Flughafen, man wird durch einen Metall Detektor geschleust, Taschen und Rucksäcke werden durchsucht. Rolf gibt sein Swiss Tool ab und ein anderer seinen Nagelklupper. Wir werden in die Kommandozentrale geschleust.


Erni ist schon am motzen, „so ein Scheiss, drei Stunden lang hinterher zu latschen, Computer hab ich auch schon mal gesehen “. Wir dürfen uns auf Stühle setzen wo schon wichtige Leute drauf gefurzt haben, die beiden Kindsköpfe beschliessen auch ihre Duftnote zu hinterlassen. Eine geschlagene Stunde lang hält uns eine Führerin einen Vortrag, in einem Ton der schwer an süss-sauer eingelegte Gurken erinnert, nicht zu vergessen das Pepsodent lächeln. Obwohl das ganze ein Internationales Unternehmen ist, beteiligt sind, Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Grossbritannien, Irland, Italien, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden und die Schweiz, Kanada hat Beobachterstatus, findet das ganze nur in Französisch statt. Die Gebäude in denen die Raketen zusammen gesetzt werden und die Abschussrampen befinden sich 12 Kilometer von der Kommando Zentrale entfernt. Wir fahren mit einem Reisebus durch das Gelände.

Der erste Testflug einer Ariane-Rakete mit einem Navigationssatelliten als Nutzlast konnte am 24. Dezember 1979 erfolgreich durchgeführt werden. Ein zweiter Testflug am 23. Mai 1980 schlug wegen einer Triebwerkkomplikation fehl. Am 19. Juni 1981 erfolgte der dritte Start einer Ariane. Sie brachte drei Satelliten (u. a. den Wettersatellit Meteosat 2) in ihre Erdumlaufbahn. Aus den Bautypen der Ariane 1, 2 und 3 entwickelte man das Modell Ariane 4.

Abschussrampe von Ariane 4


Bei der Ariane 4 handelt es sich um eine Dreistufenrakete mit einer Nutzlast von etwa 1900 bis 4800 Kilogramm. Von 1988 bis Anfang 2003 transportierten Ariane-4-Raketen insgesamt 150 Satelliten in ihre Erdumlaufbahn. Um noch schwerere Satelliten zu befördern benötigten die Betreiber ein stärkeres Modell. Zu diesem Zweck wurden die Modelle Ariane 5 sowie Ariane 5-Plus entwickelt. Wir fahren zur Abschussrampe von Ariane 5. In einem Ton, der für Kindergärtner bestimmt geeignet ist, flötet die Reiseführerin, dass wir nun die grosse Ehre haben, das Gelände mit eigenen Füssen zu betreten, wir sollen aber schön in der nähe vom Bus bleiben und uns nur in der Mitte der Strasse aufhalten. Niemand weiss genau warum, denn die Abschussrampe befindet sich mindestens einen halben Kilometer entfernt und sonst ist im Umkreis von einem Kilometer, abgesehen von ein paar verdorrten Palmen nichts. Ein paar Nasen, unter anderem Erni und Rolf steigen aus, ein Hochgefühl stellt sich aber nicht ein, einzig die Brasilianischen Flipp Flopps der beiden flippen aus, oder flipp floppen die etwa aus. Rolf 's Flipp Flopps überreden ihn, doch mal schnell die Strasse zu verlassen und ins verdorrte Gras zu stehen, dies bringt ihm einen tödlichen Blick der Quaseltante ein, mit einem idiotischen grinsen flipp floppt er wieder auf die Strasse.

Abschussrampe Ariane 5


Die etwa 740 Tonnen schweren und 50 Meter hohen Raketen besitzen drei Antriebseinheiten (Stufen): ein so genanntes Vulkantriebwerk sowie zwei seitliche, mit Ammoniumperchlorat (NH4ClO4) und Aluminiumpulver (Al) gefüllte Aggregate (Feststoffbooster). Die erste Ariane 5 startete im Juni 1996, explodierte aber kurz nach dem Start. Sie hatte vier Satelliten der ESA für wissenschaftliche Zwecke an Bord. Am 30. Oktober 1997 startete eine weitere Ariane 5 – diesmal erfolgreich – und setzte nach 43 Minuten einen Forschungssatelliten im All aus. Die Entwicklungskosten der Ariane 5 betrugen acht Milliarden Euro. Der Bau einer Ariane 5 kostet knapp 77 Millionen Euro. Mit dem Bus geht es wieder zurück, beschlagnahmte Pässe und Waffen werden ausgehändigt. Für den Nagelklupper findet sich aber kein Eigentümer mehr, was er denn jetzt damit machen soll meint der Security Typ, Fingernägel schneiden, meint Rolf, der wandelnde Wandschrank mit Händen so gross wie Maurerkellen grinst, dem Nagelklupper ist nicht ums lachen, das könnte sein Ende bedeuten.

Genug Technik, wir brauchen wieder etwas Natur, diese finden wir auf den vorgelagerten Îles de Salut. Von 1854 bis 1938 bestand im heutigen Französisch-Guayana eine Sträflingskolonie, auf den Inseln kann man die Ruinen besuchen. Île de Diable ist die bekannteste, diese darf aber nicht betreten werden, die beiden anderen sind eine Touristenattraktion. Zuerst besuchen wir San Joseph, überall sind Tafeln aufgestellt, man dürfe die Ruinen nicht betreten wegen Einsturzgefahr. Wir tun es aber trotzdem.

Kluge Köpfe schützen sich, ich hab mir vorsichtshalber mal einen Helm aus Kokosbast gebastelt.


Rolf und Erni finden das nicht nötig, ausnahmsweise gehe ich mit ihnen einig, bei den beiden bringt das wirklich nichts. Habt ihr das Buch Papillon gelesen oder den Film gesehen? Nicht? nun, auf den Inseln waren vorallem Politische Sträflinge inhaftiert, Nicht viele haben überlebt, sie fielen den grausamen Bedingungen, Hunger und Tropischen Krankheiten zum Opfer. Es ist zwar spannend die Ruinen zu betreten, aber ein etwas beklemmendes Gefühl beim Gedanken wieviele Menschen hier gelitten haben, begleitet einem.

Diese Zellen haben eine Grösse von 2 auf 3 Meter, in einer Wand sind noch die Überreste der Prischenbefestigungen zu erkennen, so wie es aussieht waren zwei Pritschen übereinander befestigt, also 2 Häftlinge in einer Zelle.


Über den Köpfen der Häftlinge gingen die Wärter auf Kontrollgang, durch die Stahlroste konnten sie jederzeit von oben in die Zellen sehen. Damals ist wohl nur sehr wenig Licht in die Zellen gefallen, da das Gebäude ein Dach hatte. Es gibt auch Zellen in die gar kein Tageslicht gefallen ist, die Decken sind zugemauert. Diese Zellen sind gerade mal noch so circa 2x1,5 Meter.


Ein Baum hält seinen Fuss in eine Zellentür, sieht ziemlich endgültig aus, könnte so manchen Hausierer vor Neid erblassen lassen.


Auch die Gitterstäbe sind nicht mehr was sie mal waren. Die Zeit hat kleine Kunstwerke daraus gemacht.


Auf der Insel gibt es auch einen Friedhof, dieser war aber nicht für die Häftlinge. Die Leichen der Häftlinge wurden ins Meer geworfen. Die Fläche der Insel hätte wohl kaum ausgereicht all die Leichen der Häftlinge zu begraben die auf den Inseln gestorben sind.


Es gab auch Häftlinge die die Möglichkeit hatten nur die halbe Zeit ihrer Strafe im Gefängnis abzusitzen, allerdings waren sie verpflichtet für den Rest der Zeit in Guayana zu bleiben, natürlich hatten diese Leute kein Geld, dies hat dazu geführt das Weisse Sklaven von Creolen wurden. Das ist doch mal was anderes.

Als nächstes schauen wir uns Îes de Royal an. Hier interessieren sich die beiden erst mal für Kokosnüsse, auch wenn diese nicht ganz einfach zu erreichen sind.


He Erni, halt mal diese Kokosnuss, bei den Steinen am Boden platzt sie sonst“ „Jauuuuuulllll!!!!!!!!, bist du blöd, das sind ja riesen Dinger, aus dieser Höhe bricht man sich ja die Handgelenke.“ „Na nun hab dich nicht so, du willst doch bestimmt auch eine Trinknuss.“ Bei der zweiten Nuss hört man von Erni nur noch ein unterdrücktes „mpffff“ bei der dritten weigert sie sich das Teil aufzufangen. „So und wie machen wir die Dinger jetzt auf?“ Rolfi hat sein Swiss Tool dabei, wenn das nur gut geht. Ziemliche Herausforderung für ein Swiss Tool.


Die Gebäude auf dieser Insel sind besser erhalten und zum Teil renoviert. Eines der Gebäude dient jetzt als Auberge und die Wärterhäuser sind Ferienhäuser die man mieten kann.


Das Leben in diesen Häusern kann nicht allzu schlecht gewesen sein, die Zellen auf dieser Insel sind aber kein bisschen gemütlicher als die auf San Joseph.


Wir segeln wieder zurück nach Kourou, nochmals auf's Internet Wettervorhersagen herunterladen, einkaufen, dann soll es in die Karibik gehen nach Tobago, (östlich von Trinidad). Beim Wasser hohlen in der Marina lernt Rolf ein Französisches Paar kennen, dass hier ein Segelboot am Steg hat, die beiden leben aber an Land, wir werden zum Abendessen eingeladen. Ob wir was mitbringen sollen fragt Rolf, ja die dreckige Wäsche meint die Frau. Erni flippt fast aus, seit über einem Jahr hat sie keine Waschmaschine gesehen. Ja so ist das, Leute die auch schon längere Zeit auf einem Boot gelebt haben, wissen einfach was gefragt ist. Während die Wäsche gewaschen wird, geniessen wir ein wunderbares Abendessen und erfahren allerhand interessantes. Jean Marc arbeitet seit 20 Jahren für eine Firma die die Raketenantriebe für die Ariane herstellt, Genevieve arbeitet für das Gouvernement. Vor sechs Jahren sind sie mit ihrem Boot hierher gekommen um in Französisch Guayana zu arbeiten.

Jetzt aber haben die beiden ihre Jobs gekündigt und wollen in zwei Monaten wieder mit ihrem Boot unterwegs sein, ihr Ziel ist Alaska, ansonsten erfahren wir auch viel über das Space Center und das Land. Jean Marc meint, nächste Woche müsse er nach Cayenne an eine Sitzung die um 11 Uhr zu Ende sei. Wir könnten doch mitfahren, uns am Morgen die Stadt ansehen und danach würden sie uns ein paar schöne Ecken zeigen. Erni und Rolf sind begeistert, eigentlich wollten sie ja weiter, aber eine Woche mehr oder weniger spielt nun wirklich keine Rolle. Warum gerade eine ganze Woche? Nun ja, nicht eine ganze Woche aber zumindest ein paar Tage, da in Tobago die Ankunftszeit gilt an der der Anker geschmissen wird, schmeisst man den Anker zwischen Freitag Abend und Montag Morgen, bezahlt man 45 US$ overtime, ein Parameter mehr der die Abreisezeit beeinflusst.

Wir vereinbaren, dass wir Morgens um acht am Steg warten wo wir abgeholt werden. Rolf und Erni sind ganz nervös, hatten schon lange keinen Termin mehr an dem sie Pünktlich sein sollten, ein richtiger Nervenkitzel sowas. Im klimatisierten Auto fahren wir Richtung Cayenne wo wir an einem Golfplatz vorbeikommen. Ein Golfplatz hier in den inneren Tropen? Weit und Breit kein Baum der Schatten spendet, die fehlenden Bäume haben selbstverständlich einen Grund, könnten diese doch die Flugbahn der Golfbälle bedeutend beeinflussen, da hättet ihr aber auch selber drauf kommen können. Genevieve meint dieser Golfplatz sei nicht der einzige und alle seinen mit Subventionsgeldern finanziert, kein Mensch spiele hier Golf. Erni meint diese Gelder hätte man doch besser für öffentlich Busse investiert. Keine Chance meint Genevieve, das Taxi Gewerbe sei fest in Händen kreolischer Familien, die auch in der Politik grossen Einfluss hätten, die reinste Mafia sei das. Die Gesetze seien hier zwar die selben wie in Frankreich, sie würden aber einfach etwas anders gehandhabt. Wir kommen an kleinen Plantagen vorbei, Erni will wissen wieso hier Früchte und Gemüse so teuer sind, erstens müssten hier unheimlich viele Pestizide verwendet werden, und zweitens sei der Boden schlecht meint Jean Marc, über dem Gestein befinde sich nur eine dünne Erdschicht, selbst 80 Meter hohe Bäume hätten Wurzeln die nicht mehr als einen Meter tief gehen.

Auf der Strasse nach Cayenne haben wir nun schon mehrmals solche Ansammlungen von Briefkästen gesehen.


Genevieve erklärt, dieses Bild ist Typisch für Französisch Guayana, die Briefkästen stehen an der Hauptstrasse, dahinter befinden sich die Wellblechhütten der Armen. Diese kleinen “Dörfer“ haben keine Ortsnamen, sie sind spontan entstanden.

Im Gegensatz zu Kourou, das die Stadt der Weissen ist und erst in den letzten 30 Jahren von 700 auf 12'000 Einwohner gewachsen ist, hauptsächlich wegen der Arbeitsplätze im Space Center, hat Cayenne ein besonderes Flair. Es stehen noch viele kreolische Häuser, man sieht schwarze, asiatische, indianische und weisse Gesichter. Übrigens nur 12% der Bevölkerung sind Weisse von denen der grösste Teil in Kourou lebt. Wir latschen etwas durch die Stadt, schauen uns den Markt an, danach besuchen wir mit Jean Marc ein kleines Museum, das sich mit den Indianern befasst. Um 12 Uhr holen wir Genevieve in ihrem Büro ab, ein schönes kreolisches Gebäude, das wir von innen besichtigen dürfen und dann geht es ab in die Natur. Wir fahren nach Roura und essen am Crique Gabriel zu Mittag.


Danach bekommen wir etwas Regenwald zu sehen machen hier und da einen Halt an schönen Stellen und vertreten uns die Füsse an einem kleinen Wasserfall.


Natürlich kann man Frech Guayana nicht an einem einzigen Tag sehen, aber immerhin haben wir mehr gesehen als uns im Normalfall möglich gewesen wäre. Genevieve hat durch ihre Arbeit die Möglichkeit Indianderdörfer im Landesinneren zu besuchen die für Touristen verboten sind. Der einzige Weg der in diese Dörfer führt ist der Fluss, welcher nur mit Pirogen befahren werden kann, die Reise dauert mehrere Tage, die Nächte werden in Hängematten im Regenwald verbracht. Wenn wir noch etwas bleiben will uns Genevieve Filme zeigen die sie und ihre Leute gedreht haben.

Wir beschliessen wieder mal nach dem Wetter zu sehen und dann zu entscheiden ob wir nun weiter wollen. Wir faseln via VHF mit einem Schiff, das noch vor den Inseln liegt und versprechen Brot mitzubringen. Einkaufen, Internet, Wasser holen, „war da sonst noch was?“ „Nein, ich glaub das war alles“ Wieder auf dem Schiff, kommt uns dringend in den Sinn, dass wir vergessen haben auszuklarieren, es ist Freitag nach Mittag, bis Montag Morgen ist da nichts zu machen. Rolf schaut sich noch die GRIB Files an und ist der Meinung, es hätte sowieso zuwenig Wind, zudem ist da ein Tief unterwegs, das einen eher unsympathischen Eindruck macht. Wir segeln nochmals hinaus zu den Inseln, das Unterwasser muss schon wieder geputzt werden, hier im Fluss hat man innerhalb von Tagen ein Riff unter dem Schiff.

Und was ist das?


Ich dachte die beiden wollten Unterwasser putzen - und was machen sie da? - sie tun das was Yachtis am liebsten tun - sich gegenseitig die Birne vollquatschen. Die Zeit vergeht - nach drei Tagen ist das Unterwasser immer noch nicht geputzt - wir segeln wieder nach Kourou ausklarieren - wir segeln wieder raus zu den Inseln - was wir da machen? -na was wohl, Unterwasser putzen natürlich und am Samstag dem 18.11 soll es dann wirklich Richtung Tobago gehen, circa 600 SM.