Arquipelago de Cabo Verde
Am 29.01 06, ca. 11Uhr lösen wir die Leinen. Kurs, Richtung Cabo Verde. Die GRIB Files prophezeien uns guten Wind. Genau so ist es dann auch, wir sind immer wieder überrascht wie genau diese GRIBs sind. Praktisch auf die Stunde genau werden Windstärken und Richtungen angegeben. Überhaupt diese ganze elektronische Entwicklung in Sachen Navigation, scheint meine beiden Freunde immer wieder aufs neue zu faszinieren. Als sie vor 12 Jahren das erste mal unterwegs waren, hatten sie Anfangs nicht mal einen GPS. SAT NAV war damals angesagt, das Teil servierte so alle zwei Stunden eine Position, aber nur wenn es gerade Lust dazu hatte, bei der Genauigkeit der Position gab sich das Ding aber nicht besonders Mühe. Ja und jetzt, GPS mit Software gekoppelt, auf dem Bildschirm kann man dann immer sein kleines Schiff sehen wo es sich auf der Karte gerade befindet und dies so genau, dass man eigentlich nur der Umgebung halber Ausschau halten muss. Zusätzlich werden dann noch die GRIB (Gridded Binary) Files in die Karten geladen. So kann man dann auch noch die Windrichtung- und Stärke zu jeder Stunde auf der Karte mit der momentanen Position des eigenen Schiffes sehen. Diese GRIB Files können aber nur via Internet heruntergeladen werden. Da der kurzfristige Zugang aufs Internet in Zukunft immer schwieriger werden wird, müssen sich die beiden Nasen in Zukunft schon etwas mehr anstrengen.
Jedenfalls hat Rolf am Tag zuvor die besagten Files noch heruntergeladen und sie waren erstaunlich genau. Am ersten Tag schön Wind, am zweiten Tag etwas weniger und ab dem dritten Tag 3-4, 4-5 Beaufort, immer schön von Achtern. Wunderbares segeln also, wenn auch mit einigem Wellengang.

Beim Auslaufen war es gerade Neumond, zusätzlich ist es auch noch vier Tage bewölkt, dies macht die Nächte noch dunkler als dunkel, also einfach gruslig dunkel. Es kann nur erahnt werden wo der Horizont liegt und dies auch nur wenn sich das Auge schon eine Weile an die Dunkelheit gewöhnt hat. Hier ist nichts los mit “Lichtverschmutzung“ Die nächste unnatürliche Lichtquelle liegt circa 100 SM entfernt.
Bisweilen versuchten die beiden ja immer sich die Nachtwachen mit essen zu verkürzen, Pommes Chips, Nüssli und sonstige Snacks. Diesmal aber nicht, beide sind der Meinung sie hätten etwas Winterspeck angesetzt. Lacht nicht so blöd, das kann man auch bei 20 Grad Durchschnitts-Temperatur. Es ist ganz einfach, nie auf leeren Magen essen und so wenig Bewegung wie möglich. Jedenfalls werden diesmal die langen Nächte mit Hörbücher hören verkürzt. Das hat den Vorteil, dass man dazu kein Licht braucht und somit das Auge an die Dunkelheit gewöhnt ist. Wozu man sehen soll wo der Horizont liegt, weiss ich auch nicht, wahrscheinlich beruhigt das einfach. Vielleicht liegt es daran, dass das Eindimensionale sehen mehr hergibt als das Nulldimensionale sehen, oder ist eine schwarze Fläche schon Eindimensional ? Dann wäre eine rosa Fläche ebenfalls Eindimensional, obwohl das keinesfalls das gleiche ist, oder ? Hmmmmm.... wenn dem so wäre, wäre also das erkennen des Horizonts bereits Zweidimensional. Nimmt man aber nur den Strich der den Horizont bildet, ist es eben nur Eindimensional. Uiuiui... das ist nicht einfach, das einzige was dem Physikbuch dazu in den Sinn kommt ist: Wahrgenommene Farben selbst sind keine physikalischen Grössen, sondern beschreiben Empfindungen, die von der auf der Netzhaut auftretenden Strahlung ausgelöst werden. Empfängt z.B. das Auge Farbvalenzen Gelblichgrün, vermag es nicht zu unterscheiden, ob dieser Farbeindruck nur durch die Wellenlänge λ = 560 nm oder von einem schmalen Wellenlängenbereich um 560nm oder aber einem Gemisch ganz anderer Wellenlängen herrührt. So so, Empfindungen spielen da mit, ja dann wird's natürlich schwierig. Könnte es sein, dass das ganze gar nicht so wichtig ist. Sind wohl wieder mal so Gedanken die einem in einer langen Nacht durch den Kopf gehen. Kann es sein, dass wir alle schon an Cruisehimer leiden, die ersten Anzeichen sind , wenn man nicht mehr weiss welcher Tag, welchen Monat welches Jahr und einem einfach nicht mehr in den Sinn kommt auf welcher Insel man zuletzt war. Das mit dem Horizont scheint schon ein fortgeschrittenes Stadium zu sein.
Tagsüber können wir mehrmals Delfine beobachten die mit unserer Bugwelle spielen und eine Taube die sich entschieden hat zwei Tage mit uns zu Reisen. Das arme Tier versucht verschiedene Sitzplätze im Rigg, aber auf keinem kann es sich wirklich lange halten, es schaukelt einfach zu sehr. Die schlechteste Idee war wohl der Sitzplatz auf der Genuaschot.

Jedes mal wenn die Genua bei dem Geschaukel lose kommt , um im nächsten Moment wieder mit einem Knall voll im Wind zu stehen, wird der Vogel weg katapultiert. Er versucht es immer wieder aufs neue, doch die Schot bleibt stur. Nach bestimmt über 20 Versuchen muss die Taube einsehen, dass sich die Genuaschot nicht als Sitzgelegenheit anbieten will. Die Taube bekommt auch etwas Wasser und Brot, zum Dank scheisst sie uns das Deck voll.
Bei Sonnenaufgang am sechsten Tag sehen wir Ilha do Sal, diese Insel liegt im Nordosten des Archipels.

Um
9 Uhr schmeissen wir den Anker vor Palmeira.
Nach nicht ganz sechs Tagen Reisezeit sind wir also auf den Kapverden. Das Archipel liegt über 800 Seemeilen südwestlich der Kanaren, ein Kanal von ungefähr 325 SM trennt die Inseln von der West- Afrikanischen Küste. Die Fläche von 4033 Km² besteht aus 10 grösseren und vier kleineren Inseln. Alle sind Vulkanischen Ursprungs. Der einzige noch aktive Vulkan befindet sich auf Ilha do Fogo, zuletzt aktiv 1995.
Unabhängig von Portugal seit 5 Juli 1975. Die Inseln waren schon immer arm, vor allem wegen des stetigen Wassermangels und der Abholzung in den letzten 200 Jahren. Das Einkommen der Inseln besteht zum grössten Teil aus Auslandshilfe. Zusätzlich kommen ausländische Gelder durch ausgewanderte Kapverdianer die hier ihre Familien unterstützen, ins Land. Es wird geschätzt, dass gleich viel Kapverdianer im Ausland leben wie auf den Inseln, je 420'000. Ueber 200'000 in den USA, circa 40'000 in Portugal und je 25'000 in Senegal und Angola. Auch sollen Italien, Frankreich und Holland einen beachtlichen Anteil Kapverdischer Bevölkerung haben.
Handel: Europa mit 60% Export und 80% Import. Portugal ist mit 33% Export und 38% Import der wichtigste Handelspartner.
Die Lebenserwartung stieg in Kürze von 50 auf 70 Jahre. Das Durchschnittsalter beträgt 19 Jahre, 70% der Bevölkerung ist unter 30.
Auf den Inseln wird einiges angebaut. Mais, Früchte (vor allem Orangen und Bananen), Bohnen, Rohrzucker und Süsskartoffeln, auf Fogo auch Trauben und Kaffee.
Der Fischfang spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, einerseits für die Bevölkerung aber auch für den Export. Exportiert wird vorallem Shellfish. Trotzdem müssen sehr viele Nahrungsmittel importiert werden, was diese für hiesige Verhältnisse sehr teuer macht.
Armut und Arbeitslosigkeit sind ein grosses Problem. Die Wirtschaft soll in Zukunft mit Tourismus angekurbelt werden.
Ja was solltet ihr sonst noch wissen. Vielleicht das was ich in einem entlehnten Reiseführer gelesen habe.
Auszug aus dem Buch, Kapverdische Inseln Unterwegs Verlag
Promillegrenze:
Vor einigen Jahren wurde im Parlament lange über die Einführung einer Promillegrenze beim Autofahren diskutiert. Denn die Unfallrate ist trotz der wenigen Automobile unproportional hoch. Nach endlosen Debatten stand einer der Parlamentarier auf und sage. „Leute, überlegt doch mal, das Gesetz würde ja dann auch für uns gelten! Wir würden in die Bar gehen und dürften nichts mehr trinken Wollen wir das?“Natürlich wollte das keiner der Abgeordneten und so wurde der Gesetzesentwurf abgelehnt. Weiterhin dürfen sich alle Kapverdianer betrunken ans Steuer setzen, weil auch die Parlamentarier gerne mal einen Heben und trotzdem mit dem eigenen Wagen nach Hause fahren.
Fussball WM 1998
Von der Regierung wurde eine Art Ausnahmezustand verhängt. Die Normalen Arbeitszeiten sollten während der Weltmeisterschaft verändert werden. Es sollte schon um 7.30 statt um 8 Uhr morgens begonnen werden und Nachmittags sollte die Arbeitszeit auf 14 Uhr um zwei Stunden verkürzt werden. Das ganze ohne Mittagspause. Schliesslich wollten die Politiker Fussball gucken, genau wie alle Kapverdianer, die begeisterte Anhänger mindestens einer portugiesischen und einer afrikanischen Mannschaft sind. Mit all diesen Änderungen lohnte es sich natürlich nicht mehr so richtig zu arbeiten und so kam es, dass sämtliche staatliche Institutionen quasi lahm gelegt waren. Nach Schätzungen sind dadurch im nationalen gesamt mehrere Millionen Arbeitstage verloren gegangen.
Falls dies Stimmt würde es wohl etwas über das Lebensgefühl dieser Menschen aussagen.
Wir liegen also in Palmeira vor Anker und schauen uns etwas um. Was ist das denn.

Die Ladung Frischfleisch die eben mit einem kleinen Frachter angekommen ist, sieht ihre Bestimmung nicht ganz so wie der Rest dieser Welt. Kurzentschlossen hechtet sie ins Wasser und überquert schwimmend die Bucht. Auf halbem Weg taucht neben der Kuh eine etwas verdutze Schildkröte auf. Versucht wahrscheinlich ihr Unterwasser Bild mit einem Überwasser Bild zu vervollständigen. Sie gestattet sich nochmals einen Versuch, diesmal von der anderen Seite. Ich nehme mal an die Schildkröte ist in ihrem Leben eher selten einer Kuh begegnet, somit werden die Bilder in ihrem Hirn wohl unter schlechter Tag abgelegt.
Die erste Nacht geniessen wir das ruhige liegen. Rolf und Erni fallen ins Bett und finden es absolut geil nicht nach vier Stunden wieder aufstehen zu müssen. Am nächsten Tag kommt ganz schön Schwell in die Bucht. Windrichtung immer noch Nord-Nordost, Schwell aber West, so circa 1-2 Meter.
Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man hier von etwas unruhigem Ankerliegen spricht.

Die folgenden Nächte sind dann auch dementsprechend bewegt. Macht uns aber nichts, oder sagen wir fast nichts aus, wir hatten ja sechs Tage nichts anderes. Hauptsache nicht Wache gehen, meinen die beiden.
Zwei Tage später hat sich der Schwell soweit beruhigt, dass wir Xantus unbeaufsichtigt lassen können. Wir machen eine Landgang. An Land, stellen wir fest, dass wir Europa definitiv verlassen haben. Wasser und Diesel muss mit Kanistern herangeschleppt werden. Wasser bekommt man an einem öffentlichen Hahn wo die ganze Bevölkerung ihr Wasser holt, dementsprechend lang ist dann auch die Warteschlange. Die Einheimischen, meist Frauen, verkürzen sich die Zeit mit einem kleinen Schwatz, es herrscht überhaupt kein Stress. Die bis zu 30 Liter fassenden Gefässe werden dann auf dem Kopf transportiert. Wäsche wird auf dem Dorfplatz gewaschen. Auch hier muss das Wasser herangeschleppt werden, allerdings nicht sehr weit. Erni schaut neidisch auf die tadellos saubere Wäsche, die zum trocknen an der Leine hängt. Neuerdings muss sie ja auch von Hand waschen, die Wäsche riecht danach zwar wieder besser, aber so gewisse Flecken halten sich hartnäckig. Erni fragt sich ob sie hier einen Kurs machen soll, verwirft dann aber die Idee, dies ist ja genau das woran sich Yachtis gegenseitig erkennen, leicht schmuddlige Kleider abgelatschte Sandalen und die Frisur die nie stimmt. Man will ja nicht aus der Reihe tanzen.
Wir nehmen also so einen Kleinbus nach Espargos, da soll man einkaufen können. Der Busfahrer will uns aber unbedingt nach Santa Maria fahren, da wo Touristen hingehören. Nach gutem zureden lässt er uns dann in Espargos raus, fährt aber nach fünf Minuten wieder an uns vorbei und fragt ob wir nicht doch lieber nach Santa Maria wollen. Nein wollen wir nicht. Es wird uns unangenehm bewusst, dass es wohl nicht zu übersehen ist, dass wir Touristen sind, schon komisch wenn man selber der anders-farbige ist.
Zuerst mal durch den Ort latschen, was nicht gerade eine sehr zeitaufwendige Sache ist. Die paar Strassen haben wir schnell abgeklappert. Durchs Zentrum führt eine Vierspurige geteerte Strasse, schön......bloss fahren keine Autos darauf, warum nicht? Weil die Bevölkerung hier kein Geld hat für Autos. Dies scheint wieder mal so ein Projekt zu sein, das mit EU-Geldern finanziert wurde, teuer und völlig sinnlos. Die anderen Strassen haben Kopfsteinpflaster, der Unterschied zwischen normalem Kopfsteinpflaster und dem Belag hier ist, dass die Steine, wenn sie überhaupt quadratisch sind, oft auf der Spitze stehen, was zur Folge hat, dass oben eben nicht eine Fläche sondern ein Spitz aus dem Sandboden schaut. Schon mit flachen Schuhen ist das Akrobatik. Wir beobachten eine Touristin in der neusten Schuhmode, Spitz, Bleistiftabsatz, ihr wisst schon. Die gute Frau bemüht sich einer selbstsicheren Gangart, was dabei heraus kommt, ist alles andere als das, sieht eher aus wie eine Kuh die man über ein Kuhgitter jagt, die Dinger die dazu da sind Kühe daran zu hindern darüber zu gehen.
Geld wechseln, Bank mit Cash Automat der Visa Karten akzeptiert. Bloss... bei diesem Kasten kann man nur vier Ziffern für den Code eingeben, wir haben aber sechs. Also rein in die Bank, fragen ob man auch so mit Karte Geld beziehen kann, kann man, kostet aber pro Transaktion 10 Euro, dies um die Telefonkosten zu decken. Wir wechseln ein paar Euros. Ein Euro = 110 Escudos.
Wie war das jetzt mit dem Einkaufen? Den Markt haben wir gefunden, in der Auslage befanden sich ein paar vor sich hin kompostierende Zwiebeln, Bananen und Kartoffeln. Eine Marktfrau war aber nicht da, wozu auch, das Zeug kauft sowieso keiner. Sowas wird nicht mal geklaut. Es gibt ein paar kleine Supermercados, wofür das Super steht ist nicht nachvollziehbar. Die Läden, keiner grösser als 10 m², fühlen sich offenbar schon super mit ein paar Zwiebeln, Konserven und Milchpulver Büchsen. Wir staunen was man hier alles nicht kaufen kann. Es macht auch keinen Sinn, Sachen zu verkaufen die sich keiner leisten kann, ausser ein paar Yachtis, die hie und da vorbei schauen. Die Hotels im Süden der Insel lassen sich vermutlich direkt beliefern. Schlussendlich ergattern wir auf der Strasse ein paar Bananen, die aussehen als hätten sie einen Nahkampf hinter sich, dafür sind sie nicht ganz billig. Wir wissen auch wieso die Bananen so aussehen, haben gesehen wie welche von einem Frachter geladen werden. Da hängen ca. 2 Tonnen Bananen in einem Netz, da haben die unteren natürlich schlechte Karten.
Zum Glück hat Erni in Gran Canaria gebunkert wie ein Hamster. Essen haben wir genug auf dem Schiff und das Grünzeug sollte auch noch für zwei Wochen reichen.
Wir vergessen also das Einkaufen und suchen ein Internet Café... , gefunden..., kann man hier mit USB-Stick arbeiten? ja kann man. Einloggen, neue Mails auf USB-Stick laden....., Rolf stellt fest, dass man zwar einen USB-Stick einstecken kann, aber aus Sicherheitsgründen hat man keinen Zugriff darauf. Macht ihn schon etwas stinkig, wo er doch gefragt hat. Was heisst gefragt, mangels Sprachkenntnissen hat Rolf einfach den USB-Stick gezeigt und die Frau hat genickt, kann natürlich vieles bedeuten. Na gut dann halt noch ein pdf anschauen, geht auch nicht. Die Grip Files müssen die beiden jetzt halt auswendig lernen. Rolf versucht das ganze noch an einem anderen Internet point, mit gleich viel Erfolg. Uiuiui...... jetzt ist er aber sauer, Rolf hat für alles Verständnis nur nicht für sowas, völlig sinnlose Sicherheitsmassnahmen. Ihm ist klar, dass in dieser Welt vieles anders ist, aber bei Internet versteht er keinen Spass. Bis Rolf festgestellt hat, dass hier die Benutzung von Internet für uns absolut keinen Sinn macht, hat er schon locker 6 Euro ausgegeben.
Zurück nach Palmeira, keiner der Kleinbusse will nach Palmeira fahren, alle fahren nach Santa Maria. Wir sollen doch nach Santa Maria fahren, wenn's denn unbedingt Palmeira sein müsse, müssten wir halt ein Taxi nehmen. Schwup...... und schon stehen mindestens fünf Taxifahrer neben uns. Nein wir wollen kein Taxi, obwohl das hier auch nicht teuer ist. Rolf und Erni sind einfach empfindlich wenn man sie über den Tisch ziehen will, die beiden wissen ganz genau, dass da Busse fahren, wir sind ja mit einem gekommen. Wir machen uns zu Fuss auf den Heimweg, schon nach ein paar Schritten hält ein Pickup neben uns, der Fahrer fragt ob wir nach Palmeira wollen. Diese Pickups heissen Aluguer , Transportmittel der Einheimischen, auf dem alles mögliche transportiert wird. Wir klettern auf die Ladefläche und los gehts, der Pickup macht aber nochmals eine Runde durch den Ort, und fragt jeden den er auf der Strasse sieht, ob er nach Palmeira will. Irgendwie anders als in der Schweiz, wo man ständig vor gerade sich schliessenden Bus und Tramtüren steht und man im Rückspiegel noch das hämische Grinsen des Chauffeurs sehen kann, während sich der Bus langsam, in Bewegung setzt. Der Aluguer findet noch einen zusätzlichen Fahrgast. In einem unheimlichen Tempo, so empfindet man das wenigstens wenn man auf einer kleinen Holzbank hinten auf einem Pickup sitzt der auch schon bessere Zeiten gesehen hat und im Hinterkopf noch immer das mit der Promillegrenze herum geistert, geht es nach Palmeira.
Am nächsten Tag segeln wir eine Bucht weiter Baia da Mordeira. Wir haben die wunderschöne 6 Km breite Bucht sozusagen für uns alleine. Hie und da kommen Tages-Charter-Boote, diese ankern aber so weit draussen, dass man sie kaum zur Kenntnis nimmt.

Die Sonne scheint und der Passat bläst jeden Tag zwischen 4 und 6 Beaufort. Ist natürlich super zum surfen aber auch super für unsere neue Energieversorgung. Der Windgenerator und die drei Solarpanels erzeugen Strom bis zum geht nicht mehr. Der Wassermacher füllt die Wassertanks, Erni braucht den Handmixer zum Brot backen, die Nähmaschine hat auch noch einen Job, die beiden hängen ständig an ihren Computern, der Kühlschrank wird hochgeschraubt, abends werden Filme angeschaut oder zumindest drei Lampen eingeschaltet. Trotzdem muss nach ein paar Tagen der Windgenerator vorübergehend gefesselt werden, die Batterien sind voll. Erni und Rolf wissen einfach nicht mehr wie sie die vorige Energie verbrauchen sollen und das alles mit Öko-Energie. Das finden die beiden schon geil, vorher war das anders. Warmes Bier und abends zusammen unter einer 5 Watt Birne lesen.
Nach anderthalb Wochen überlegen sich die beiden ob sie nicht mal weiter wollen. Wollen sie eigentlich, nach Santa Maria (aha, doch noch nach Santa Maria), doch bei diesem Wind ist eigentlich klar, das es da unten einiges Schwell haben wird. Die beiden wollen auf bessere Bedingungen warten. Nach über zwei Wochen, entscheiden sie sich dann doch nach Santa Maria zu segeln, obwohl sich die Wetterverhältnisse nicht geändert haben. Sind ja nur 10 SM und wenn's zuviel Schwell hat, fahren wir am nächsten Tag einfach weiter nach Boavista. Kaum ist der Anker oben, fängt es auch schon so richtig an zu pusten, mit dem bisschen Geuna das wir ausgerollt haben, machen wir 7-8 Knoten, immer wieder klatschen Wellen ins Cockpit. An der Südwestspitze müssen wir auch noch hart an den Wind. Zum ersten mal seit wir unterwegs sind kommt die Sturmfock zum Einsatz. Schon von weitem sieht man die Hotels in der Bucht, wir haben auch genügend Zeit diese zu bewundern, gegen Wind und Welle, machen wir trotz Motor-Unterstützung gerade mal 1-2 Knoten. Irgendwann schaffen wir's dann doch noch in die Bucht, wie erwartet hat's Schwell. Ganz super ist, dass der Schwell quer zum Wind kommt. Nun ja, jetzt sind wir hier und weiter können wir heute nicht mehr. In den Kapverden ist es nicht gerade klug Nachts irgend eine Insel anzusteuern, da das Kartenmaterial sehr ungenau ist.
Am Nächten Tag geht's weiter nach Boavista, wir waren nicht mal an Land, haben also Santa Maria nicht gesehen.
In Boavista ankern wir vor Sal Rei, whow.... ist das schön hier.

Boavista ist eine der am wenigsten entwickelten Inseln, auf 620 Km² weniger als 4000 Einwohner. Die Insel selbst sieht aus wir ein Stück Sahara auf Drift im Atlantik.
Wir treffen zwei Boote wieder, die wir schon von Palmeira kennen. Es stellt sich heraus, dass diese die ganze Zeit in Santa Maria gelegen haben. Es sei furchtbar gewesen mit dem Schwell, auch die Ortschaft sei nicht besonders, eine Menge Westafrikanische Touristenjäger. Allerdings gäbe es da einen Shop wo man fast alles kaufen könne, aber natürlich zu horrenden Preisen. Sie meinen sie wissen auch nicht wieso sie da so lange geblieben sind. Wir fragen die Leute was es hier so gibt, diese meinen auch nicht mehr als in Espargos. Erni macht ein langes Gesicht, die Frischwaren sind definitiv am Ende. An Bord hat es zwar noch genügend Konserven und sonst weiss ich nicht noch was alles, aber ohne Früchte und Gemüse, finden meine beiden Kumpels das Leben nur halb so schön.
Wir fahren mit dem Dingi an Land, was eine eher feuchte, wenn nicht gar eine pflotsch-nasse Angelegenheit ist, da auch hier der Wind pfeift, aber nur Windwellen kein Schwell. Die kleine Ortschaft und deren Bewohner sind sehr sympathisch. Man kann nicht sagen was, aber es hat was hier. Sympathisch sind zum Beispiel Parktafeln die auf verwaiste Parkplätze hinweisen. Eine wundersam Sinnvolle Sinnlosigkeit, denn auch auf dieser Insel gibt's kaum Privatautos.

Die beiden finden den Markt, whwououhhhh....hier gibt's Früchte und Gemüse. Die Auswahl ist zwar nicht sehr gross, die Qualität scheint aber o.k. Die beiden schlagen zu was das Zeug hält, man weiss ja nie wann man wieder was bekommt. Hier auf den Inseln ist das sehr abhängig davon wann der letzte Frachter Frischwaren gebracht hat. Die Markfrau freut sich, dass sie soviel verkaufen kann und die beiden freuen sich dass sie soviel kaufen können. Rolf wird an allen Ecken mit vollen Plastiksäcken behangen, irgendwann fragt die Marktfrau, ob das der Ehemann sei, ja meint Erni, die Frau meint, das sei aber ein sehr braves Exemplar. Kein Wunder wo doch hier die Frauen alles herumschleppen.
Alles wird nur in Kiloeinheiten verkauft, dazwischen gibt's nichts. Wahrscheinlich ist das wegen der blöden Rechnerei, ist doch viel einfacher so, ein Kilo kostet 250 Escudos, zwei Kilo 500, mit anderthalb Kilo wird's schon schwieriger. Auch die Preise sind so, je nach dem was es ist, ist der Kilopreis 150, 200, 250 oder 300 Escudos, auch da gibt's dazwischen nichts. Ja wieso kompliziert, wenn's auch einfach geht. Die einzelnen Posten werden dann mit einem Taschenrechner zusammengezählt.
Wieder auf der Strasse ganz happy mit all den Sachen die wieder über eine Woche reichen sollten, fragt sich Erni wieso sie die Marktfau eigentlich verstanden hat. Portugiesisch oder dieses Creol was hier gesprochen wird kann's ja wohl nicht gewesen sein, da hätte sie kein Wort verstanden. Der Wortwechsel bestand zwar nur aus Worten und keinen Sätzen aber trotzdem. Erni grübelt noch ne weile rum, war das nicht Italienisch oder Spanisch? komisch sie hat keine Ahnung mehr in welcher Sprache sie sich verständigt hat, auch Rolf kann nicht weiter helfen. Vielleicht ist es auch ganz einfach so, dass sie in der Zeichensprache einige Fortschritte gemacht hat. Nach ein paar Tagen stellen die beiden fest, dass die Bevölkerung hier zum Teil ganz gut Italienisch spricht. Das liegt wohl daran, dass hier das bisschen Tourismus fest in Italienischer Hand liegt. Ist aber überhaupt nicht aufdringlich, ein paar kleine Pensionen, eine Surf-Vermietung und in einer Bäckerei kann man Pizza kaufen. Bäckerei ist für schweizerische Verhältnisse allerdings etwas hoch gegriffen. Es handelt sich dabei um einen Laden in dem die Vielfalt der Brot-Sorten, der Vielfalt der Fliegen-Arten um einiges unterlegen ist. Es gibt nur weisses Brot und zwar von der Sorte, die beim bestreichen mit Butter erneut zu einem Teigklumpen deformiert wird, dafür ist es immer leicht süss.
Hab ich euch schon gesagt, dass wir bis jetzt noch keinen Mac Donald entdeckt haben.
Die beiden hören oft Lokales Radio, sind der Meinung das könnte helfen diese Sprache besser zu verstehen. Ist ja ziemlich verwandt mit Spanisch, aber diese Nuschel-Laute machen das ganze total unverständlich. Es wird oft Cecaria Ebora gespielt, was uns allen gefällt, teilweise wird aber Lokale Musik gespielt, die zwar schön wäre, würden die Musiker nur nicht so falsch spielen und der Sänger nicht immer einen halben Ton daneben Singen. Spielt hier alles keine Rolle, Hauptsache Lokal.
Wir quatschen mit den anderen Yachtis und sind alle einer Meinung, es gefällt uns sehr gut hier. Der Schwede vor uns erzählt er habe gestern Wasser geholt. Etwas verlegen hätte er sich hinten in die lange Warteschlange gestellt. Er meint, man kommt sich irgendwie blöd vor, wenn man den Einheimischen das Wasser weg nimmt. Er hatte sich schon mal so auf ein zwei Stündchen warten eingestellt. Da kommt plötzlich die Frau die den Tank bedient auf ihn zu, nimmt seine zwei Wasserkanister und deutet ihm er soll nach vorne kommen. Die Frau füllt ihm seine zwei Kanister ohne dass auch nur einer aus der langen Warteschlange blöd guckt. Das Wasser kostet nichts. Der Schwede meint er sei sich in seinem Leben selten so blöd vorgekommen.
Armut in einer Stadt scheint etwas völlig anderes zu sein, als hier. Hier soll es kaum verbrechen geben, es wird nicht gebettelt und die Leute sind freundlich.

Schon über eine Woche geniessen wir die Bucht in der Schildkröten rumplanschen, alle möglichen und unmöglichen Vögel, unter anderem auch Seeadler, ihre Aufklärungsflüge machen und Haie sich einen Spass daraus machen Touristen zu erschrecken. Es war uns allen klar, dass es hier viele Haie gibt, seit aber unser Nachbar beim fischen einen Hai rausgezogen hat, ist Erni nicht mehr besonders scharf auf Windsurfen. Auch das abendliche Bad geschieht im Zeitraffer, erstaunlich das sie bei dieser Geschwindigkeit noch nass wird.
Ja und dann..... Ziemlich weit draussen war ein Tief am Werk und wir kriegen hier wieder mal den Schwell ab, und zwar so, dass es nicht mehr lustig ist. Nicht dass es wenig Wind hätte, nein so etwa 6 Beaufort aus Nordost, da sollte man doch meinen man würde im Lee der Insel gut liegen. Dem ist aber nicht so, trotz des starken Windes kommt Schwell aus West der's in sich hat. Da der Wind gegen den Schwell arbeitet wird Xantus immer wieder mit der Welle nach vorne geschoben und mit dem Wind wieder zurück in die Ankerkette gerissen, dass es nur so knallt. Gibt einem so das Gefühl in einem Bus zu stehen der gerade eine Vollbremse macht, mit dem Unterschied dass man nach hinten und nicht nach vorne fliegt. Diesen heftigen ruckartigen Belastungen hält unser Anker, trotz guten Ankergrundes nicht stand, wir driften. Ist aber nicht so schlimm, es hat genug Platz und wir kommen so in etwas tieferes Wasser. Irgendwann wird er dann schon wieder mal halten, macht er dann auch. Momentan haben wir bei Niedrigwasser 3.50 bei Hochwasser 4.50m. Tiefe Während die beiden trüben Tassen einfach zuschauen wie wir driften und so in tieferes Wasser kommen, machen unsere Nachbarn richtig Aktion, sie legen sich weiter raus so ungefähr auf 6.50m Wassertiefe, auch ihnen ist aufgefallen, dass die Wellen schon bedenklich nahe brechen.
Sie haben jetzt zwar mehr Tiefe, aber viel besser schaut das auch nicht aus.

Und so sehen wir unseren Nachbar wenn er im Wellental verschwindet.

Und
so sieht uns unser Nachbar wenn WIR im Wellental verschwinden.

Ganz schön Schwell gell. Wir haben zwar weniger Wassertiefe, liegen aber ein klein wenig geschützter. Der Schwell nimmt immer noch mehr zu, die Wellen brechen immer näher am Schiff. So circa Nachmittags um vier wird das Schiff segelklar gemacht, die beiden meinen es sei wohl das beste hier zu verschwinden bevor es zu spät ist. Nach einer Stunde, solange hat das aufräumen gedauert, weil das ganze Surfzeug auch noch verstaut werden musste, wird die Lage nochmals beurteilt. Draussen haben wir eine Wellenhöhe von 6 Metern, wenn wir nach São Nicolau wollen, müssen wir ziemlich hart an den Wind und so wie's aussieht liegen wir da auch nicht viel besser. Die beiden beschliessen hier zu bleiben, obwohl das ganze beängstigende Ausmasse annimmt. Zum Glück haben wir genügen Raum um im Notfall, wie zum Beispiel brechende Wellen etwas zu unternehmen.
Am Abend schauen sich die beiden eine Film an. So nach einer Viertelstunde meint Rolf „sag mal ist dir auch Schwindlig?“ „Ja“ meint Erni. Kein Wunder, bei den Bewegungen die das Schiff macht, noch auf einen Bildschirm zu starren, das wird sogar den beiden zuviel. Stur wird der Film bis zum bitteren Ende geschaut, einfach um herauszufinden ob ihnen auch noch schlecht wird. Hard-core Training sozusagen. Dann geht's ab ins Körbchen. Am anderen Morgen stöhnen die beiden rum, alles tue ihnen weh und sie hätten überhaupt schlecht geschlafen. Von wegen schlecht geschlafen, beide schauen blöd beim Anblick des Mülleimers der wohl mal irgendwann in der Nacht durch die Gegend geflogen sein muss, zusammen mit ein paar andern Gegenständen. Also wenn die das nicht mitgekriegt haben, können sie so schlecht nicht geschlafen haben. In so einer Situation überhaupt zu schlafen ist schon eine Frechheit. Der Mensch gewöhne sich halt an gewisse Geräusche, die dann im Schlaf als normal erkannt werden und so erwache man halt dann nicht, meinen sie. Ahh......ja,........ fliegende Mülleimer sind also normal.
Die Nachbarn vor und hinter uns, haben wie es sich gehört kein Auge zugemacht. Beim Schiff hinter uns, seien in der Nacht drei Brecher übers Deck gegangen. Das Wasser sei via Lüfter ins Schiff gelaufen. Dieses Schiff scheint eine spannende Anordnung der Lüfter zu haben, eine ist in der Eignerkoje genau über dem Bett, da freut sich der Eigner, eine andere ist genau über dem Navitisch, da freut sich der Laptop und all die anderen Elektronischen Instrumente.
Das mit den Brechern übers Deck gibt dann den beiden doch zu denken, „also wenn wir auch Brecher über's Deck gekriegt haben und das nicht gemerkt haben dann ähmmm..... ja dann...äähhhmmm“ Das Deck wird sofort inspiziert, der nicht übermässige Salzgehalt auf Deck zeigt, dass wir keine Brecher abbekommen haben. Hätten wir unbemerkt auch welche abbekommen, hätten die beiden wohl etwas an der Empfindlichkeit ihrer Sensorik schrauben müssen.
Nach zwei Tagen liegen wir wieder einigermassen sicher, wir können wieder an Land.
Die beiden wollen nach Rabil, die Hauptstadt der Insel. Hin geht es zu Fuss dem endlosen Strand entlang.

Wir
staunen was Wind und Welle in den vergangenen Tagen mit den Dünen
gemacht hat.

Das laufen ist ziemlich anstrengend, da man im feinen Sand immer bis zu den Knöcheln einsinkt. Passender Weise diskutieren die beiden über Schneeschuhe. Erni missbraucht Rolfs Flipflop, sollen ihr als Sandschuhe dienen. Haut aber nicht hin, die grösse wäre zwar o.k. aber die Dinger sind zu weich.
Nach zwei Stunden sind wir in einem völlig verlassenen Touristenort, von da aus geht es ins Landesinnere.

Die Wüstenähnliche Landschaft und der Knochenfund erinnern die beiden dringend daran, dass sie wieder mal nichts zu trinken dabei haben. Schon bald ist aber die Stadt zu sehen. Es ist die Hauptstadt, besteht aber nur aus ein paar Häusern. Von hier wollen die beiden einen Aluguer zurück nach Sal Rei nehmen. Laufen aber Tölpelhaft wie sie sind erst mal auf der falschen Seite um den Flughafen. Ich kann euch sagen zu Fuss mit Flipflops sind auch kleine Flughäfen gross. Also alles zurück. Endlich auf der richtigen Strasse, kommt schon bald ein Aluguer der uns zurück bringt. Obwohl der Pickup mit Aluguer angeschrieben ist, will der Fahrer kein Geld von uns. Nicht einfach hier die Regeln zu verstehen.
An diesem Abend beschliesst Rolf, dass es weitergehen soll nach São Nicolau. Beleidigt meint Erni ob sie da vielleicht auch was mitreden dürfe. Rolf meint aber die Verhältnisse seien gut. Wind Nord 2-3. Das ist zwar etwas wenig, aber hart am Wind sollten wir trotzdem so 5-6 Knoten laufen. Käme der Wind achterlich wäre das zuwenig. Erni ist einverstanden, und freut sich auf eine ruhige Überfahrt. Zu früh gefreut, von wegen 2-3 Beaufort, scheint eher so 6-7, mit der dazugehörigen Welle natürlich. Au Backe, so hart am Wind, ist das einfach beschissen, das Schiff stampft, die Wellen rauschen übers Deck und man hat Mühe auf den Beinen zu bleiben. Um drei Uhr Morgens sind wir losgefahren, Rolf stellt sich freiwillig für die noch verbleibende Nachtwache zur Verfügung. Dagegen hat Erni alles andere als was einzuwenden. Sie plaudert zwar noch etwas rum, von wegen sie könne schon auch und so. Das ganze klingt aber nicht wirklich überzeugend. Also verschwindet Erni wieder im Körbchen Dort bleibt sie auch, bis Rolf meint er möchte sich auch noch etwas hinlegen, das ganze sei ganz schön anstrengend. Es gibt nichts schlimmeres als wenn man aus dem Bett in solche Verhältnisse geworfen wird. Deutlich wird das, wie Erni aus der Kabine kommt, wie eine Billardkugel mit einigen offensichtlich schmerzhaften Banden-Touch's, die unvorhergesehene Effet zur Folge haben, durch den Salon geschleudert wird.
Die Verhältnisse bleiben so, bis wir im Lee von São Nicolau sind. Urplötzlich eine kleine Brise aus der anderen Richtung und absolut keine Welle. Uff.... wir machen uns erst mal was zu essen, bis jetzt war es unmöglich irgend ein Schapp zu öffnen. Mit einem Blick nach vorne wird klar, dass das nicht so bleibt. Die Schaumkronen sprechen da so ihre eigene Sprache. Vermutlich kommen da vorne die gesammelten Werke, ist eigentlich immer so, wenn der Wind durch ein Tal pfeift. Ja und so ist es dann auch, zu allem Elend beisst auch noch ein Fisch an, den wir bei dieser Geschwindigkeit unmöglich einziehen können. An der Südwestspitze der Insel wieder Flachwasser und eine kleine Brise. Der Fisch ist nicht mehr dran, beim einziehen der Leinen stellen wir fest, dass sich die Leinen der beiden Angelruten hoffnungslos verheddert haben. Ein Fisch versucht hartnäckig an den noch im Wasser hängenden Köder zu gehen, er versucht es immer wieder, das blöde Tier schafft's aber einfach nicht. Wie wir den Köder dann im Boot haben, stellen wir fest, dass der Hacken nicht mehr dran ist. So war der Selbstmordversuch des Fisches natürlich ein hoffnungsloses Unterfangen. Die Brise dreht noch zu unseren Gunsten und wir dümpeln der Küste entlang nach Tarrafal.

Hübsche windgeschützte Bucht. Zum ersten mal seit wir in den Kapverden sind, pfeift uns der Wind am Ankerplatz nicht mit 4-6 Beaufort um die Ohren, auch mal ganz schön. Ein Kanadier, der schon eine Woche hier liegt, sagt uns aber, dass sich zeitweise unberechenbare Böen durch die Täler schleichen. Auf das hin, geben wir noch etwas Ankerkette.
Auch hier scheint es in den Häusern kein fliessend Wasser zu geben. Vom Boot aus können wir zusehen wie die Frauen Wäsche waschen.

Rechts im Bild ist das Waschhaus, darin befinden sich die Waschtröge. Das Wasser muss vom Brunnen, der sich unter den Bäumen befindet herangetragen werden. Die saubere Wäsche wird zum trocken auf die Steine gelegt, links im Bild.
Es kommen auch Frauen mit gefüllten Eimern an den Strand, die sie dann ins Meer schütten. Auch von weitem ist ziemlich klar was das ist. Na ja, wenn kein Wasseranschluss im Haus ist, bringt natürlich auch eine Toilette nicht viel. Viele kommen aber auch direkt an den Strand um ihr Häufchen zu machen. Wir haben aber noch keinen gesehen, der sich nach dem entfernen der gröbsten Stücke mit der Hand, diese danach im Meer gewaschen hätte. Um so mehr waschen sich seit dieser Beobachtung, Erni und Rolf die Hände. Auch ist klar dass Früchte und Gemüse gut gewaschen werden müssen. Auf der Post gerät Erni dann in eine etwas blöde Lage. Erni schiebt die Postkarten über den Tresen, die Frau schiebt die Postkarten mit den Briefmarken zurück. Vergebens sucht Erni nach einem nassen Schwamm, an dem sie die Briefmarken anfeuchten kann. Widerwillig übernimmt Erni's Zunge den Job. Briefmarken ablenken ist an und für sich schon etwas grusiges, iii...wääääck.... und wenn dann diese noch jemand in den Händen gehabt hat der vielleicht, na ja ihr wisst schon.
Toilettenpapier kaufen ist auch nicht ganz einfach, wenn man in einem Laden überhaupt welches findet, wird dieses meistens in Vitrinen aufbewahrt, was klar macht, dass Toilettenpapier ein Luxusartikel ist. Ja ähm... und Zeitungen gibt's hier keine.
Mit zwei anderen Yachtis machen wir einen Ausflug über die Insel. Wir nehmen einen Aluger nach der Hauptstadt Ribeira Brava, 20'000 Einwohner. Die ca. 1 Std. Fahrt geht über Berg und Tal an die Nordküste der Insel. Monte Gordo ist der höchste Gipfel mit 1360m

Da es hier Grundwasser gibt, kann auf dieser Insel mehr angebaut werden als auf den meisten anderen. Der Süden ist zwar auch total trocken, aber im Norden soll es grün sein. Je nördlicher wir kommen um so grüner wird es dann auch. Genau gesagt gibt es zwischen all dem Braun ein paar grüne Flecken. Ehrlich gesagt haben wir mehr Grün erwartet.
Das auf dem Bild unten ist so etwa das grünste was wir entdecken konnten.

Bananen, Papayas, Sweetpatatos und Karotten werden auf Terrassen angebaut. Maschinen gibt's keine, alles Handarbeit. Wenn man so sieht wie die Leute den kargen Boden bearbeiten, hat man plötzlich nicht mehr das Gefühl, dass Gemüse und Früchte hier teuer sind. Die Hoffnung auf ein grösseres Gemüse Angebot in der Hauptstadt, verzieht sich beim ersten Blick auf den Mark relativ schnell. Was hier angebaut werden kann reicht eben nicht mal für die Bewohner der Insel.
Die Hauptstadt mit Terrassen Anbau im Hintergrund.

Vergebens
suchen wir in der Stadt nach einem Restaurant oder einer Bar wo man
draussen sitzen kann. Irgendwann wird's den beiden Jungs zu blöd,
„wir bleiben jetzt hier sitzen bis wir ein Bier bekommen“.

Weiter geht's nach Westen, Santa Luzia, eine unbewohnte Insel. Traumhafte Bucht die wir für uns alleine haben, bis Andre der Kanadier kommt.

Nach spätestens zwei Tagen wird uns klar wieso wir diese traumhafte Bucht für uns alleine haben. Sie hat einen Nachteil. Bei Nordostwind wird der Wind in den Tälern kanalisiert, so das man am Ankerplatz etwa die doppelte Windgeschwindigkeit hat und wie das so ist, kommen diese Böen ständig aus unterschiedlichen Richtungen. Die Boen sind so stark, dass die Beiboote fliegen lernen, natürlich mit Motor. Bei solchen Verhältnissen ist unser Dinghy auf dem Deck festgezurrt. Andre ist alles andere als vernünftig, sein Dinghy
hat Grosseinsatz. Er kommt uns ständig besuchen, geht mit Rolf Fische harpunieren und lässt sich mit seinem Dinghy an Land spülen. Eigentlich jedes mal wenn er uns besucht, macht sein Beiboot eins auf Drachen, flattert an der Schot hinter unserm Schiff kurz in der Luft um dann kopfüber im Wasser zu landen. Das mag ja dem Schlauchboot Spass machen, aber der Motor freut sich da gar nicht. So verbringen dann Andre und Rolf den Rest des Tages damit, den Motor vom Salzwasser zu befreien und das Teil wieder in Gang zu bringen, was bei jedem mal schwieriger erscheint.
An einem ruhigen Tag latschen wir über die Insel. Diesmal mit Wasser und was zu Essen. Sogar die Bergschuhe haben sie an. Sie erklimmen einen Hügel nach dem anderen, was jedesmal ein Abenteuer ist, da das Gestein sehr lose ist. Aber es lohnt sich, wunderbare Aussicht.

Was beim Aufstieg noch einigermassen zu bewältigen war, wird beim Abstieg zum Problem. Das Gestein kommt unter den Füssen ins rutschen. Nicht das man nicht mehr runter kommen würde, aber in einer kleinen Steinlawine wieder auf Meeresspiegel Höhe zu purzeln macht nicht besonders Spass. Die beiden finden dann ein ausgetrocknetes Bachbett, wo das Gestein relativ fest ist. Bachbett ist eigentlich der falsche Ausdruck, es ist eher ein ausgetrockneter Wasserfall. Unten angekommen haben die beiden derart weiche Knie, dass sie kaum noch laufen können.
Nach vierzehn Tagen, werden unsere Vorräte, langsam knapp. Das nächste Ziel ist Mindelo auf São Vicente. Rolf faselt noch was, dass man früh los müsse, wegen der Strömung im Kanal. Hochwasser wär so ca. um 9 Uhr. Zwei Stunden vorher und nachher hat es am wenigsten Strömung. Natürlich sind wir erst um 10 Uhr im Kanal. Kommen einfach nicht aus der Pfanne die beiden. Beim ersten Schlag machen wir noch etwas Höhe, aber von da an kreuzen wir an Ort. Nach zwei Stunden Segeln im dritten Reff, hängt's den beiden aus, wir haben sogar noch an Höhe verloren. Ja so ist das halt, bei Springflut und viel Wind kann es hier im Kanal bis zu 4 Knoten Gegenströmung haben und genau das haben wir Leermond und etwa 6 Beaufort. Hart am Wind ist das hoffnungslos. Die beiden sehen ein, dass sie etwas unternehmen müssen. Es gibt da zwei Möglichkeiten, entweder mit Motorunterstützung gegen an, oder die Insel im Süden umsegeln. Wir segeln noch bei gleich bleibender Höhe hin und her, was uns einen schönen Fisch einbringt, bis die beiden ausdiskutiert haben was sie jetzt machen wollen. Erni meint Motorunterstützung, Rolf meint unten rum. Erni meint, wenn wir unten rum segeln, laufen wir auf der Westseite der Insel wieder ins gleiche Problem, da ist nämlich auch ein Kanal. Ja schon meint Rolf, aber wir könnten im Süden der Insel übernachten und dann am nächsten Morgen so früh los, dass wir keine Strömung haben. Erni wägt schnell ab, was unangenehmer ist, früh aufstehen oder einen rumpelsurrigen Rolf ertragen, das ist er nämlich immer wenn der Motor läuft. Dann doch lieber früh aufstehen. Wir drehen also ab, ui,ui.ui. das läuft ja nicht schlecht, mit achterlichem Wind und Strömung von hinten, kommt Xantus ins surfen, wir laufen über 10 Knoten und das alles im dritten Reff. Schon bald sind wir in der Baia de São Pedro. Im Tal zwischen Mindelo und São Pedro beschleunigt sich der Wind. Windsurfer sind der Meinung, dass die Bucht von São Pedro den besten Wind der Welt hat. Hier werden viele Speed Rekorde aufgestellt.

Nicht gerade die besten Voraussetzungen um hier vor Anker zu gehen Da der Wind aber konstant ist, liegen wir gar nicht so schlecht. Andre funkt uns noch an, will wissen wo wir sind. Er wollte auch nach Mindelo, hat aber ein Problem mit dem Anker, bekommt ihn nicht mehr aus den Steinen. Die Ankerkette hätte sich derart um die Steine gewickelt und sich zusätzlich noch in sich selber verdreht, dass es im unmöglich sei den Anker hoch zu bekommen. Die beiden machen sich etwas Sorgen, kann ziemlich gefährlich sein bei soviel Wind und dazu noch alleine, nur mit Schnorchel bei 10 Metern Wassertiefe das ganze zu entwirren.
Mit Erleichterung sehen wir am nächsten Tag Andre's Schiff am Horizont. Er berichtet uns, dass er den ganzen Tag gebraucht hat, um den Wirrwarr unter Wasser zu lösen. Immer abwarten bis die Kette gerade nicht unter Zug ist, abtauchen und an Anker und Kette rumzerren. Natürlich sehr darauf bedacht sich nirgends die Finger einzuklemmen, erstens tut das weh und zweitens gibt's da Probleme mit der Luft wenn man seine Finger nicht in nützlicher Frist befreien kann. Jedenfalls hat er es irgendwie geschafft den Anker zu lösen, worauf sein Schiff bei dem starken Wind natürlich sofort ins driften kam. Andre meint, ein ziemlich blödes Gefühl, wenn man so im Wasser ist und sieht wie sich da Schiff auf und davon macht. Schon völlig erschöpft vom Anker lösen, musste er dann noch sein Schiff schwimmend einholen.
Wir fahren erst nach 3 Tagen weiter, ob das etwas damit zu tun hat das Hochwasser jetzt nicht mehr um 9 Uhr sondern um 11.15 Uhr ist? Könnte gut sein. Zur richtigen Zeit im Kanal klappt's dann auch, in etwas über einer Stunde sind wir in Mindelo. Ein richtiger Segler passt sich den Gezeiten an, indem er früh aufsteht wenn's sein muss, aber die zwei Flaschen warten lieber so lange bis sich die Gezeiten mit ihren Schlafgewohnheiten decken.
Mindelo zweit grösste Stadt der Kapverden, ca 50'000 Einwohner. Vom Ankerplatz aus sieht das gar nicht so übel aus.

Wie das aber so ist in einer grösseren Stadt mit viel Armut, gibt es eben auch viel Kriminalität. Beim einklarieren erhält man gleich einen Zettel mit ein paar Vorschriften, unter anderem ist jeder Yachti dazu verpflichtet sein Boot niemals unbeaufsichtigt zu lassen. Dies kann durch ein Crewmitglied oder durch einen vom Hafenmeister empfohlenen Einheimischen geschehen. Dieser Zettel muss dann sicherheitshalber auch noch unterschrieben werden. Eigner die ihr Boot für mehrere Tage verlassen mussten, haben einen Einheimischen engagiert. Bei ihrer Rückkehr mussten sie feststellen, dass ihr Aufpasser die ganzen Vorräte aufgegessen hatte und Kleider waren auch keine mehr auf dem Schiff. Den Übeltäter zu rede gestellt, meinte dieser mit einem Grinsen, ja das mit dem Essen müsse er sich abgewöhnen und das mit den Kleidern könne er ja abarbeiten. Das dumme ist nur, dass die Leute nicht wissen was sie ihm zu Arbeiten geben sollen.
Will man an Land gehen, lauern schon massenweise Dinghywatcher, die ziemlich deftige Preise haben. Leute die nicht bereit sind einen Aufpasser zu bezahlen müssen damit rechnen ihr Beiboot aufgeschlitzt wiederzufinden. Soll kürzlich einem Deutschen passiert sein. Beim ersten mal bezahlen wir. Sind aber richtig sauer auf die aggressiven Typen. Danach beschliessen wir mit Andre, das wir uns gegenseitig an Land bringen. Hier heisst es also gut auf seine Sachen aufpassen, sonst wird einem der Arsch geklaut auch wenn man auf diesem sitzt.
Die Stadt selber gefällt uns aber, auf den Strassen wird allerhand angeboten.

Auch auf dem Fischmarkt ist einiges los. In einer der beiden Markthallen hat man das Gefühl sich in einem Schlachthaus zu befinden. Im Zeitraffer werden von Männern in Gummischürzen, deren Gummistiefel in Blutlachen stehen, riesige Fische filteriert. Hier die andere Halle mit etwas weniger Blut.

Zum Teil sitzen so viele Fliegen auf den Fischen, dass diese als solche nicht mehr erkannt werden können. Der Geruch macht aber zwingend klar was sich darunter versteckt. Ach ich glaub wir warten doch lieber bis wir wieder selbst was fangen. Rote Bohnen sind ja auch nicht schlecht.
Ansonsten sind die Einkaufsmöglichkeiten ganz gut. Jedenfalls gegenüber dem was wir bis jetzt so auf den Inseln gesehen haben.
Auf der Strasse wird auch einiges angeboten, Hmmmm...grüner Salat, eine Ewigkeit nicht mehr gehabt und hier so grüne Blätter, was das wohl ist? Salat und so grüne Blätter werden gekauft. Die beiden freuen sich auf etwas Abwechslung in der Ernährung. Zu früh gefreut, zu spät gemerkt, der Salat riecht nach Fisch, auch nach mehrfachem waschen bleibt der Salat dabei, „ich bin ein Fisch. Und die grünen Blätter schmecken nach Kohl. Was wir gekauft haben sieht zwar anders aus, ist aber im Geschmack dasselbe was wir die letzten zwei Monate gegessen haben. Die grünen Blätter können nichts dafür, scheint halt irgend eine Kohlart zu sein, aber der Salat, wie kann der nach Fisch riechen? Vermutlich war das so. Auf der Strasse sitzt eine Frau neben der anderen, die eine verkauft Salat ihre Nachbarin Fisch. Die kleinen Fische werden in grossen mit Wasser gefüllten Becken angeboten. Sieht nicht ganz appetitlich aus, da das Wasser immer blutig ist. Das kommt daher, dass die Frauen die Fische darin ausnehmen und schuppen. Wir haben schon beobachtet, dass der grüne Salat immer wieder in Wasser getaucht wird, damit er an der Sonne nicht so schnell welk wird. Was wir da gekauft haben, wurde vermutlich ins Becken der Nachbarin getaucht die Fisch verkauft. Nächstes mal passen wir besser auf.
Wir müssen unsere Vorräte etwas aufstocken. Reis, Mehl, Teigwaren bekommt man hier alles. Was gekauft wird, muss genau inspiziert werden. Rolf bekommt einen Vollkornreis in die Hände der einen ganz munteren Eindruck macht. In den meisten Ameisenhaufen ist bedeutend weniger los als in besagtem Vollkornreis.
Auch hier in Mindelo vergeht die Zeit im Flug. Es müssen wieder mal einige Arbeiten erledigt werden. Der Autohelm bekommt einen Service, am Lazy Jack wird gearbeitet und die Fenster müssen neu abgedichtet werden. Beim den harten Segelbedingungen die wir in letzter Zeit hatten, mussten wir feststellen das unsere Fenster nicht mehr ganz dicht sind. Schon über ein Jahr schleppen wir das Material zum Abdichten mit uns rum. Es muss aber zuerst reinpissen bevor sich die beiden an den Job machen. Die Dichtungen in den 8 Luken sind relativ schnell ersetzt. Die Fenster im Rumpf von denen wir sechs haben geben schon etwas mehr zu tun, die sind geschraubt und geklebt.
„Guguseli.... da ist ja ein Loch im Rumpf“.

„Hau ab und halt die Schnauze!!!!!“ „Ui,ui,ui, wenn die beiden mal was tun müssen, verstehen die überhaupt keinen Spass.
Es muss auch immer auf ruhiges Wetter gewartet werden, weil bei viel Wind die Wellen durch die offenen Fenster ins Schiff klatschen. Freude kommt auf als festgestellt wird, dass die Tube Sika die wir haben genau für 5 ½ Fenster reicht, wie gesagt haben wir aber 6. So werden nur fünf gemacht, der kleine Haken im Palm auf der “erledigte Arbeiten Liste“ kann nicht gemacht werden, das tut weh.
Das schöne ist ja auch immer das man Null Komma plötzlich ein Chaos auf dem Schiff hat wenn man daran arbeitet und gleichzeitig darauf lebt.

Dann gibt es auch immer was zu sehen, zum Beispiel das hier. Ein Schiff mit dem passenden Namen “Message in a Bottle“

Der Eigner meint, er könne einfach kein normales Boot bauen. Er habe den Atlantik zwei mal auf einem Floss, einmal mit einem umgebauten Lastwagen und einmal mit einer Art U-Boot überquert. Dabei handelt es ich um ein Segelboot dessen Rumpf grösstenteils unter Wasser ist. Wenn ihr mal was wirklich interessantes lesen wollt, dann schaut doch mal in die Website dieses Konstrukteurs, www.miab.be. es lohnt sich. Nicht nur seine besonderen Boote, auch seine interessanten Flugobjekte findet ihr darauf.
Nicht zu vergessen die interessanten Gespräche mit anderen Seglern. Ein Beispiel dazu. Rolf bekommt von einem anderen Segler eine CD zur Ansicht, die dieser an Land hatte brennen lassen. Darauf ist auch ein exe. Nicht das es notwendig gewesen wäre dieses exe anzuklicken, Rolf hat es aber trotzdem getan, der muss immer alles anklicken und so hat er sich dann eben diesen Wurm auf den Compi geholt. Freundlich bringt Rolf die CD zurück, vergisst aber nicht zu erwähnen, dass auf dieser CD ein Wurm ist. EIN WURM??? AUF EINER CD??? Im Gesicht des Mannes ist deutlich zu sehen, dass dieser der Meinung ist, Rolf habe entweder nicht alle Tassen im Schrank, oder er wolle ihn verarschen. Das merkt Rolf natürlich und versucht zu erklären, ein Wurm ist sowas wie ein Virus. EIN VIRUS????? Ja meint Rolf, in diesem Fall aber eben kein Virus sondern ein Wurm mit dem Namen "Rontok" ACH JA EIN NAME HAT DER WURM AUCH NOCH???. Rolf verschärft die Lage noch etwas indem er erwähnt, dass hier eben nicht nur die Tomaten Würmer haben. Instinktiv hält der Segler die CD mal gegen das Licht, wo Wurm da Loch. Rolf gibt nicht auf, erklärt dies und jenes. Schlussendlich muss er den Mann aber mit dem Gefühl verlassen, dass dieser der Meinung ist er habe es mit jemandem zu tun dessen Real-Anteil etwas klein geraten ist . Rolf ist frustriert, wie erklärt man jemandem der keine Ahnung von Computern hat was ein Wurm ist? Anstelle einer vernünftige Antwort prustet Erni los und lacht wieder mal Tränen. Nicht das es so komisch ist das jemand nicht ganz auf dem laufenden ist was Computer angeht, sie stellt sich einfach wieder mal vor was in einem Hirn abgeht wenn es die Begriffe Wurm, Virus und Computer in einen Zusammenhang bringen soll, wenn es vorher noch nie was davon gehört hat. Auch für sie ist klar, dass sich Rolf bei dem Mann total zum Idioten gemacht hat. Findet sie wahnsinnig lustig, kann sich kaum erholen.
Ja bei der Lebensweise die wir führen hat man eben schnell den Anschluss verloren. Man kommt nicht mehr täglich bei der Arbeit an die neusten Programme und Infos. Wie lange es wohl dauert bis wir keine Ahnung mehr haben?
Es wird wieder mal hin und her gequasselt, die beiden wissen einfach nie was sie wollen. Bis vor kurzem wollten sie noch nach Fogo dies hätte aber zur Folge gehabt, dass wir danach nach Santiago segeln müssten um dort auszuklarieren. Fogo würde schon reizen aber nach Santiago müssen wir dann 65 Seemeilen gegen Strömung und Wind, die Behörden seinen dort extrem mühsam und die Insel sei auch nicht gerade das wo man als Segler unbedingt hin müsse. Ausklariern müssen wir aber, da wir in Brasilien diese Papieren brauchen. Also verzichten wir auf Fogo, klarieren gleich hier aus und ab gehts nach Brasilien, so der neuste Entschluss. Am Morgen kaufen die beiden noch schnell ein, am Nachmittag geht's zu den Behörden. Es ist Donnerstag vor Karfreitag, die Beamten sind schon alle nach Hause gegangen. Bisschen blöd hä. Ein Schwede der auch hier am Anker liegt erzählt er habe schon die ganze Woche versucht den Typ von der Emigration zu erwischen, hätte aber keinen Erfolg gehabt. Das Osterwochenende hier in Midelo zu verbringen stinkt den beiden, sie beschliessen nach Santo Antão rüber zu Segeln. Also machen wir uns mit unseren gebunkerten Kohlköpfen und Karotten auf den Weg.
Baja do Tarrafal im Südwesten der Insel ist uns als schöne Windstille Bucht empfohlen worden und das ist sie auch.

Hier weht nur eine kleine Brise aus Südwest, wir geniessen es für einmal nicht mit den üblichen 4-6 Beaufort am Anker zu liegen. Ja Leute so ist das, sogar Seglern und Surfern geht der ewige Starkwind irgendwann auf die Nerven. Hier in den Kapverden kommt noch dazu, dass der Wind ständig die trockene Erde über das Land und weit in die Buchten hinaus pustet. Dieser rotbraune Staub haftet zusammen mit der salzigen Luft überall, in den Schoten, Segeln, Winchen, auf den Fenstern, in den Haaren, Kleidern einfach überall. In Mindelo hatten die beiden keine Lust auch noch das schmierige Hafenwasser übers Deck zu schütten um dies zu “reinigen“ Das klare Wasser in dieser Bucht ist nun dazu verurteilt all den Schmutz vom Deck zu spülen. Die Reinigungsaktion dauert einen ganzen Tag. Auch das Unterwasser wird geschruppt, in Ankerbuchten wie Mindelo hat man innert kürzester Zeit ein kleines Riff am Rumpf und so ein Riff ist der Geschwindigkeit des Schiffes eher abträglich, kann schnell mal 1-2 Knoten kosten.
In der Bucht liegt ein abgelegenes Fischerdorf. Eine Autofahrt nach Porto Novo, das ca. 30 Km (Luftlinie) entfernt ist, dauert etwa 3 Stunden. Ersten weil die Strasse holperig

und
zweitens auch sonst nicht gerade zum rasen gemacht ist.

Dazu geht sie noch über alle Berge, zum Teil furchterregend steil.
Wie bereits erwähnt haben die wenigsten ein Auto. Alle und alles wird mit diesen Aluguers transportiert. Natürlich sind diese Dinger meistens hoffnungslos überladen. Hier wird gerade einer für die Fahrt nach Porto Novo beladen.

Das ist aber noch nicht alles. Wir sehen den Aluguer später noch wie er die staubige Strasse nach Porto Novo fährt, jetzt sitzen, liegen, hängen auf der Ladefläche zusätzlich noch mindestens sechs Leute. Was sich auf dem Vordersitz drängt kann nicht mit Sicherheit gezählt werden, aber mindestens auch noch vier Leute. Diesen Stossdämpfern wurde vermutlich schon bei ihrem ersten Einsatz der Wille gebrochen.
Auch hier wird Gemüse angebaut.

Ihr wollt wissen was die Mauern zwischen den Terrassen für eine Funktion haben. Gar keine, irgendwo müssen die Seine ja hin. Wie man sieht müssen hier schon einige Steine zur Seite geräumt werden bis eine Karotte wachsen kann.
Diese Stein-Verschläge für die Schweine stehen ausserhalb des Dorfes.

Frauen mit Eimern auf dem Kopf kommen Täglich um die Tiere zu füttern. Wir waren ja immer der Meinung, dass Schweine gern in einer Schlampfütze rumsulen. Diese Tiere hier haben wohl kaum eine Ahnung was das ist. Wenn sie Pech haben werden sie genau einen Tag vor dem einzigen Regentag im Jahr geschlachtet. Die Tiere haben vermutlich ganz schön warm in ihrer Behausung. Wenn man aber an Schweineställe bei uns denkt, ist so ein Häuschen an der Beach gar nicht so schlecht.
Dieser Generator ist verantwortlich für die gesamte Stromversorgung des Dorfes.

Sicherlich ist er seiner Verantwortung bewusst, was ihn aber nicht daran hindert mindestens einmal pro Nacht so ca. für eine Stunde alle Lichter zu löschen. Meistens so zwischen Sonnenuntergang und 23 Uhr. Dieser Generator der vermutlich aus Europa stammt ist wohl der Meinung sein Timing sei ausserordentlich clever. Seinem äusseren nach zu beurteilen muss er nun doch schon einige Jahre hier stehen, hat aber bislang nicht begriffen, dass es hier keine Fernseher gibt. Somit werden sich die Wutanfälle der Menschen bei einem Stromausfall absolut im Rahmen halten. Es gibt niemanden der gerade vor seiner Lieblingssendung sitzt und gewaltsam daran gehindert wird zu erfahren ob sie nun mit ihm oder nicht, was was? ihr wisst schon was, oder wer nun der Mörder ist. Hier gibt's keine Fernseher, weil man hier kein Empfang für gar nichts hat. Alles wird durch die Berge abgedeckt. Stellt euch vor es gibt tatsächlich noch Orte wo man sich sein Natel sonst wo hin stecken kann. Bis jetzt haben wir immer gestaunt wo man überall Natel Empfang hat, wir waren schon der Meinung, dass es keinen Ort mehr gibt wo man keinen Empfang hat. Irgendwie beruhigend, dass es das doch noch gibt.
Eines Nachts in dieser wunderschönen Bucht. Komische Geräusche....... irgendwas dängelt immer wieder gegen den Rumpf. Uiiiiii..... biiiber.... was ist das den. Zwingend kommt uns in den Sinn, dass wir völlig alleine in einer Bucht liegen und dass die Kapverden in den Segelbüchern doch als “low risk piracy areas“ bezeichnet werden. Unser mutiger Rolf schleicht hinaus um zu sehen was los ist. Er hört ein schnaufen........ und wieder etwas das gegen der Rumpf poltert. Stockdunkel kaum was zu erkennen, mit einem Blick über die Reling stellt er fest, das da einer im Wasser schwimmt. Taschenlampe, was erscheint denn da im Scheinwerferlicht? Ein irgendwie vorsintflutlicher Kopf etwa so gross wie ein Fussball. Bei genauerem hinschauen entpuppt sich das ganze als Riesenschildkröte, aber wirklich riesig. Was sie sich da am Rumpf zu schaffen macht entzieht sich allerdings unseren Vorstellungen. Die Freude darüber einmal so ein riesen Tier zu sehen, bringt die schlotternden Knie schnell wieder zum Stillstand.
Die vier Tage ohne Wind waren herrlich, aber ohne Wind haben wir zuwenig Strom um den Wassermacher laufen zu lassen. In Mindelo hatten wir genug Wind, aber in dieser Kloake hatten die beiden keine Lust Trinkwasser zu produzieren. Wir brauchen jetzt also eine Bucht in der das Wasser sauber ist und der Wind bläst, denn für die Überfahrt müssen die Wassertanks gefüllt werden. Das nächstliegende ist die Bucht in der wir schon mal waren, die mit den Speedrekorden. Das heisst zurück nach São Vicente und das heisst auch wieder über den Kanal. Das Ganze geht zuerst ganz gemütlich an, noch sind wir in der Abdeckung der Insel. Aber dann wie so oft in letzter Zeit, eins auf Dach. Natürlich wussten wir was uns erwartet bei dieser kleinen Überfahrt, aber so richtig wissen tut man das erst wenn man mitten in der Scheisse steckt. Keiner ist wirklich unglücklich, als der Anker in der Bucht im Süden von São Vicente fällt.
Da dies die Bucht ist mit dem weltbesten Wind für Surfer, muss Rolf unbedingt wissen wie schnell er mit seinem Brett unterwegs ist. Dazu benötigt er den GPS. Da hat Erni aber was dagegen. Sie sieht nicht ein warum das teure Gerät das bei der Navigation eine doch nicht ganz unwichtige Rolle spielt, unbedingt mit Rolf baden gehen muss. Der GPS sei wasserdicht, er habe extra deswegen einen Wasserdichten gekauft. Erni verdreht die Augen, aber klar doch, extra zum surfen. Jetzt kann sich Rolf das Grinsen nicht mehr verkneifen besteht aber darauf mit GPS zu surfen. Wir wissen doch beide wie das mit Wasserdicht und Elektronik ist, oder. O.k. ich packe ihn noch in zwei wasserdichte Taschen. Ich verstehe wirklich nicht warum du unbedingt wissen musst wie schnell du bist. Ja das ist halt etwas was Frauen nicht verstehen meint Rolf und ab geht die Post.
Rolf mit GPS zurück, Erni packt das Ding aus, im ersten wasserdichten Sack befindet sich mindestens ein Liter Salzwasser, darin schwimmt der zweite wasserdichte Sack mit dem GPS. Kein Wunder da gab's doch hie und da Spin Outs und Schleuderstürze, da ist mit wasserdicht schnell nichts mehr los. Der zweite Sack hat innen nur ein paar Tropfen Salzwasser abbekommen. Es ist anzunehmen, dass der GPS keine Folgeschäden davongetragen hat.
Also wie schnell war er denn? Spitzengeschwindigkeit 60 Kmh, Durchschnitts-Geschwindigkeit auf 500 Meter 58 Kmh.
Nebenan ankiert der Motorkatamaran ITOMA, dem wir seit Sao Nicolao schon mehrere male begegnet sind.
Dieser 23m lange Kat ist eine mobile Surfstation.
In den 2 Wochen vom 22.4 bis 4.5. führen sie ein Wave – Seminar mit Josh Angulo durch.
Rolf wüde auch gerne mitmachen, aber Erni findet das nicht so ne gute Idee. Tja denn halt.
Rolf ist auch mal rübergeschwommen und hat sich das ganze ma von nahem angeschaut.
Bei einem Bierchen mit Skipper und miteigner Tom wird bis zum Einbruch der Dunkelheit über's Surfen palavert.
Ein Schweizer, der gerade auf dem Heimweg ist, meint, er komme nächstes Jahr wieder – das Konzept scheint also aufzugehen.
Also für den etwas anderen Surf- oder auch Tauchurlaub: www.itoma.at
Nach vier Tagen sind sie Wassertanks voll, also zurück nach Mindelo. Wieder dieser Sch...... Kanal. Die Tatsache, dass wir schon vorher wussten was uns da erwartet, macht das Ganze nicht angenehmer.
Hier in Mindelo werden wir also jetzt jemanden suchen der unseren Pässen einen Ausreise-Stempel verpasst, dann müssen noch Chabis und Rüebli aufgestockt werden, ja und dann Brasilien.
Die Idee ist möglichst weit nach Süden zu segeln, einen Kurs direkt nach Salvador (Bahia, Brasilien) anzulegen müsste eigentlich möglich sein. Dies würde bedeuten, dass wir so ca. drei Wochen unterwegs sind. Aber wie das so ist wir wollen erst mal sehen wo uns der Wind hinbläst.
Was wir hier auf den Inseln gesehen haben, würden wir als eines der letzten Paradise bezeichnen. Noch lebt hier der Mensch im Einklang mit der Natur. Wir fragen uns wie lange das noch so bleibt, die Regierung will den Tourismus fördern. Ja das bringt Arbeitsplätze, aber was ist der Preis dafür? Bei der ganzen Armut die man hier sieht, kommt man aber nicht darum herum Verständnis dafür zu haben.