Kanaren

02.11.05 Am Mittag starten wir Richtung Kanaren. In der ersten Nacht haben wir eher wenig Wind, danach läuft's aber super. Wunderbares Segeln immer schön Halbwind. Am 04.11 bei Tagesanbruch, kurz vor Lanzarote bekommen wir aber noch eins auf die Schnauze. Sturmböen, Regen und so unangenehmes Zeug. Zum Glück wird es gerade hell. Bei Sonnenaufgang befinden wir uns nahe einer vorgelagerten Insel, die nicht beleuchtet ist.

Dieser Tagesanbruch macht einen eher etwas missgelaunten Eindruck.


Trotz GPS und Seamap ist einem da schon wohler wenn man solche Hindernisse sieht.


Nach etwa einer Stunde fällt der Anker vor Graciosa auf Grund und wir ins Bett. Irgendwie doch immer etwas anstrengend solche Nachttörns.



Auf der Ueberfahrt hatten wir wieder Fischerglück, eigentlich zu viel. Am ersten Tag einen Bonito (kleiner Tunfisch), am zweiten Tag hat dann Rolf die Fischerrute nochmals rausgehängt. Hat sich gedacht, noch so ein kleiner Fisch kann ja nicht schaden. Wieder ein Bonito, Rolf löst den Fisch vom Haken und schmeisst die Leine zum ausdrehen nochmals kurz ins Wasser. Kurz war aber zu lange. Ssssssssssss.........macht die Rute, nochmals einen Bonito. Rolf nimmt auch diesen Fisch vom Hacken und denkt sich, diesmal bin ich schlau, die Leine nur ganz ganz schnell in Wasser zum ausdrehen und sofort reinziehen. Aber auch sofort ist nicht schnell genug, in dieser Zeit hat schon wieder ein Bonito angebissen. Diesmal ist Rolf superschlau und das Bündel Leine kommt vorerst nicht mehr ins Wasser. Bis Erni aufsteht hat Rolf schon alles filetiert und präsentiert Erni zum Frühstück den Haufen Fischleichen. Erni's Kommentar „ Ach du Scheibe!!!!???“ Da das definitiv zuviel Fisch ist, muss jetzt eingekocht und eingesalzen werden.


Am anderen Morgen ist das Wetter auch nicht besser. Die letzte Nacht haben wir eher schlecht geschlafen. Man hatte so das Gefühl sich in einem Shaker eines wirklich tüchtigen Barkeepers zu befinden. Da wir aber lieber etwas aus so einem Shaker zu trinken haben, als uns selber darin zu befinden, beschliessen wir in die Marina zu gehen. Vorerst machen wir an einem Fischerboot fest. Es ist Wochenende, keiner da der uns einen Platz zuweisen will. Macht nichts, bleiben wir halt hier hängen.


Hinter uns liegt ein Warramkat, der eher einen altersschwachen Eindruck macht. Die beiden meinen, mit sowas hätten sie keine Lust unterwegs zu sein. Da würden sie sich schon auf dem Zürichsee in die Hosen machen. Rolf plaudert etwas mit dem dazugehörigen Engländer und der hat wirklich etwas zu erzählen.

Der Hurrikan Vince über Madeira hat in voll erwischt. Er hat's geschafft genau durchs Zentrum zu segeln.

Das Zentrum zu erwischen ist besonders fies. Da hat man erst Wind von der einen Seite, dann wird's Windstill man kann über sich den klaren Himmel sehen. Ufff... ausatmen ich hab's überlebt...., und dann kommt der ganze Scheiss nochmals von der anderen Seite. Genau das hat der Engländer erlebt und das mit diesem Boot. Dem Boot selber ist eigentlich nichts anzusehen, dem Typ aber irgendwie schon. Er meint er wollte auch den Atlantik überqueren, habe aber jetzt irgendwie keine Lust mehr dazu. Kann man irgendwie verstehen. Was auch noch zu sagen ist, der Typ war alleine auf seinem Boot.


Auf der kleinen Werft sehen wir auch noch etwas sehr unschönes. Eine Nigel-Nagel neue Ovni (Aluminium Boot), nicht mehr ganz in Form. Die beiden Ruderblätter sind seitlich weggeklappt, sie schmiegen sich glatt an den Rumpf. Eine Seite des Rumpfs ist total zertrümmert. So wie der Rumpf aussieht, ist wahrscheinlich der ganze Innenausbau zur Sau. Sieht schwer nach Totalschaden aus. So ein Anblick tut einem weh bis ins Mark. Das Schiff wollte mit der ARC den Atlantik überqueren, macht es jetzt wohl nicht. Soll ein Skipper gewesen sein der auf Nachtwache gepennt hat und irgendwo vor Graciosa aufgelaufen ist.


Am Nachmittag kommt dann einer der uns einen Platz zuweist. Es pustet etwa eine sieben. Die beiden finden's ziemlich blöd bei soviel Wind irgendwelche Hafenmanöver zu machen. Missmutig legen sie ab. Wir fahren Richtung des zugewiesenen Platzes. Das ganze sieht ziemlich eng aus, zusätzlich pusten die Böen die Nase von Xantus in alle Richtungen. Plötzlich meint Rolf „da hab ich aber keine Lust zu“ und legt den Rückwärtsgang ein. Wir vergessen den Hafen und fahren wieder hinaus. Wahrscheinlich kein schlechter Entscheid, das ganze wäre nur durch Zufall gutgegangen. Hätten wir uns in den anderen Schiffen verheddert, wäre das ziemlich teuer gekommen. Auch schafft man sich so keine Freunde unter Seglern. Wir fahren eine Bucht weiter wo wir mehr oder weniger ruhig liegen. Rolfi rechtfertigt sich noch etwa zwei Tage danach, wieso er's nicht geschafft hat in dem Hafen anzulegen. Ich tröste ihn, indem ich ihm sage, das es halt nicht jedem gegeben ist ein Schiff zu steuern. Macht ihn ganz schön stinkig.


Nach weiteren zwei Tagen hat sich das Wetter etwas beruhigt, obwohl's immer noch ziemlich pustet. Jedenfalls meinen die beiden heute soll's nach Porto Naos (Lanzarote) gehn. Zuerst geht's noch gegenan, ziemlich unangenehm, am Cap können wir aber abdrehen und Halbwind segeln.



Kurz vor Porto Naos sorgen die beiden wieder mal für etwas Unterhaltung. Wir sind kurz vor dem Hafen, die Segel müssen gestrichen werden. Wir sind vor dem Wind mit ausgebaumter Genua gesegelt. Gross mit Bullentaille. Erni geht mal die Bullentaille lösen. Während Erni etwas über Bord hängend an dem Ding rumfummelt, zieht Rolf an der Grossschot, damit Erni besser rankommt und uns nicht über Bord fällt. In dem Moment brüllt Erni Auuuuuuuuuu.........!!!!!!!!! Natürlich passieren solche Sachen immer wenn viel Wind ist und man somit sein eigenes Wort nicht versteht. Das Au...!!!! hat Rolf aber gehört. Ein Blick nach vorn zeigt ihm Erni, die ein etwas mechanisches Grinsen aufgesetzt hat. Rolf weiss nicht was los ist, löst die Grossschot aber etwas um gleich darauf etwas fester daran zu ziehen. Kurzfristig verschwindet das mechanische Grinsen, aber nur um gleich wieder zu erscheinen und wieder dieses Auuuuuuaaaahhhh.....!!!!!! Aha denkt sich Rolf, das ganze ist also reproduzierbar. Hmmmmm..... gleichzeitig grinsen und Autsch brüllen..... könnte ein Problem im Raum Zeit Gefüge sein. Nochmals schnell lösen und wieder anziehen......, immer noch reproduzierbar. Jetzt hat er aber das Problem erkannt. Erni's Zopf ist nämlich zwischen Grossschot und Umlenkrolle geraten, Rolf wird sofort klar das es sich bei dem Grinsen tatsächlich um ein rein mechanisches handelt. Rolf löst die Schot und Erni kommt frei. Rolf meint wenn sie ihm gleich gesagt hätte was los ist, hätte er nicht dreimal dran gezogen. Erni meint, in der Betreffenden Situation sei es etwas schwierig gewesen. Um so ein schönes Sätzchen wie „lieber Rolf du bist gerade dabei mir das Fell über die Ohren zu ziehen und das tut etwas weh“ zu bilden, sei einfach keine Zeit gewesen. Zudem sei sie gerade voll und ganz mit dem dazugehörigen Schmerz beschäftigt gewesen. Auch hier haben sie saubere Rollenteilung, Sie Opfer, Er Täter. Das sind so Momente wo ich die beiden richtig gern habe, nicht jeder weiss solche Unterhaltung zu bieten.


Der Ankerplatz vor Porto Naos ist uns sympathisch. Man scheint hier sehr geschützt zu liegen. Obwohl sich gleich nebenan der Industrie Hafen befindet, ist das Wasser sehr sauber, vermutlich hat das mit der Strömung zu tun. Jedenfalls ist alles so, das man gerne ein paar Tage bleibt.



Da wir von Marokko kommen, muss erst mal einklariert werden. Obwohl wir schon einige Tage auf Graciosa gehängt sind, gibt's keine Schwierigkeiten. Der Hauptgrund warum wir hierher gekommen sind ist das Gas. Hier soll man Gasflaschen auffüllen können. Gleich in der nähe ist eine Disa Plant. Rolf macht sich mit der Gasflasche auf den Weg. Und siehe da, er kommt doch tatsächlich mit einer vollen Gasflasche zurück. Das auffüllen von Gasflaschen hat sich bisher als eher schwierig erwiesen. Nun ja jetzt ist dieses Problem auch gelöst. Jedenfalls bis sie wieder leer ist. In Arrecife gibt's ein paar Shipchandler, wo die beiden wieder ne Menge Geld ausgeben. Es gibt auch einen neuen Autoradio, den Rolf sofort einbaut.


Wenn unser Kamikaze Bastler an der Elektrik rumfummelt muss ich immer schaurig aufpassen. Er ist ja vielleicht kein schlechter Elektroniker, aber mit Plus und Minus hat er so seine Schwierigkeiten. So hat er schon unsere Compiboxen verbraten. Waren mal Aktivboxen, jetzt sind es nur noch Passivboxen.


Es geht weiter nach Playa Blanca


Das sind die Buchten die wir mögen. Leider dreht der Wind nach zwei Tagen und das vor Anker liegen wird wieder mal anstrengend.


Wir verholen vor die Stadt. Nach weiteren zwei Tagen kommt aber wieder soviel Wind auf, das ein vor Anker liegen unmöglich macht. Wieder taucht die Frage auf ob wir bei soviel Wind in die Marina fahren wollen. Irgendwann lässt der Wind etwas nach und der Entscheid fällt, ab in die Marina. Fender und Leinen werden bereit gelegt. Da wir in der Bucht schon ganz schöne Wellen haben, werden die Fender zwar an der Reling befestigt, aber noch nicht rausgehäng. Die Leinen liegen bereit, die Fender müssen nur noch über die Reling geworfen werden, Anker auf, in die Marina. Auch hier gibt's einen Wartesteg. Im Hafen hat es kaum noch Wind, also alle paletti, so sollte man wenigstens meinen. Rolf steuert den Wartesteg an, Erni steht bereit mit den Leinen. Bumm...... wir küssen den Wartesteg etwas unsanft. Erni schaut mal über Bord und setzt ein Grinsen auf mit dem man normalerweise sofort eingeliefert wird. Ich hab vergessen die Fender raus zu hängen, meint sie etwas verlegen. Mit so einer Crew bin ich unterwegs, Leute ihr müsst euch das mal vorstellen.

Der Belgier der neben uns geankert hat, kommt am Nachmittag auch in die Marina. Jetzt hat's aber schon wieder tüchtig Wind. Es stehen etwa 10 Mann am Steg bereit um ihm die Leinen abzunehmen. Er schafft es aber nicht bei diesem Wind. Während der Belgier flucht und schwitzt, diskutieren einige der Hilfsbereiten Segler, breitbeinig mit den Händen im Hosensack, darüber was der Belgier jetzt eigentlich machen müsste um in die Box zu kommen. Einige davon wissen besonders gut Bescheid. Erni und Rolf sind ganz einfach froh, dass nicht sie es sind die für Hafenunterhaltung sorgen. Zum Glück ist diese Marina grosszügig angelegt. Ohne Schaden anzurichten driftet er quer durch die Marina und landet zum Schluss rein zufällig an einem Steg der gerade frei ist. Die Jungs von der Marina meinen er könne da nicht bleiben. Der Belgier macht ihnen aber klar, das er nicht bereit ist sein Schiff nochmals zu bewegen solange es noch soviel Wind hat. Später erzählt er uns noch er habe seinen Anker beim aufnehmen verbogen. Sei wohl unter einem Stein gehangen und bei dem Wellengang habe sein Schiff ganz schön gestampft. Er meint der Zeitpunkt als wir rein gefahren sind, war wohl genau der Richtige. Ja, das war er wohl, wieder mal Schwein gehabt.


Wieder einige bekannte Schiffe unter anderem Sy Zangano, das Schiff auf dem die Weltbesten Pizzas hergestellt werden. Francine macht jeden Samstag Pizza und meine beiden Freunde haben's irgendwie raus immer Samstags zu erscheinen. Natürlich ist auch heute Samstag. Die beiden klopfen am Schiff, Francine steckt den Kopf heraus lacht laut heraus und meint „ mais oui, c'est samedi“ Rolf und Erni beteuern, dass das wirklich Zufall ist. Natürlich werden sie Abends zur Pizza eingeladen.


Wir sind also in der Marina Rubicon. Blödsinnig gepflegt. Nach der Marina in Marokko ist soviel Sauberkeit in einem Haufen etwas gewöhnungsbedürftig. Hier kann ich euch mal einen Steg zeigen wie er eigentlich aussehen sollte. So nämlich. Schaurig schön gell.




Natürlich macht soviel Sauberkeit einige Vorschriften erforderlich. Es darf keine Wäsche gewaschen und aufgehängt werden, es darf nicht auf den Steg geduscht werden,es darf nichts auf dem Steg liegen gelassen werden, es darf kein Fisch ausgenommen werden, und Knuffi darf nicht an den Baum pinkeln.


Und das Knuffi, das von einem zum anderen Baum auch nicht vergisst, steht unter jedem Bäumchen so eine Tafel. Diese kleinen Tafeln haben wahrscheinlich schon manchen Hund in den Wahnsinn getrieben.


Die Duschen sind zum heulen sauber. Auch hier gibt's einen Zettel, darauf steht zwar keine Vorschrift aber doch eine Bitte. Das in Word fantasievoll gestaltete A4 enthält einen ebenso fantasievollen Text. Man soll doch bitte beim Duschen den Boden nicht nass machen, das könnte gefährlich sein, da jemand ausrutschen könnte. Erni steht etwas verwirrt vor dem Zettel, kratzt sich am frisch gewaschenen Kopf und ist sich im klaren, dass sie schon wieder alles versaut hat.


Die Stadt selbst ist ein richtiger Touristenort. Was machen eigentlich Englische Touristen in ihren Ferien?


Ganz einfach die gucken Fussball und trinken Bier. Ist uns schon auf den Balearen aufgefallen.


Nach zwei Tagen gehen wir wieder vor Anker vor der Stadt. Wir verabschieden uns noch vom Pizza Schiff Francine meint „alors a samedi prochaine“ Dies ist aber eher unwahrscheinlich, da das Pizza Schiff von hier aus direkt in die Karibik segeln will. Wir wollen ja nach Brasilien, na ja vielleicht ist es dann halt Samstags in einem Jahr, jedenfalls werden wir an einem Samstag erscheinen.

Wir warten auf den Wind der uns in der richtigen Richtung weiter bläst. Der Abendhimmel macht Sachen die etwas verwirrend sind.


Sieht ein bisschen aus als hätte einer eine rohe Leber über den Himmel gezogen.


Nach weiteren zwei Tagen ist er da, der Wind. Wir überlegen noch ob wir ein zwei Halte auf Fuertevenrura machen sollen. Die Wettervorhersagen meinen aber wir sollen das doch bleiben lassen. Also direkt Las Palmas. Wenn wir am Tag ankommen wollen, heisst das wieder ein Nachttörn. Um 15:30 segeln wir los. Wie immer, nach dem Segelsetzen kommen gleich die Angelruten raus. Die erste ist noch nicht mal ganz draussen und schon hat ein Fisch angebissen. Fisch und Rasmus bekommen je einen Apero. Super Wind wir laufen über sieben Knoten. Wir müssen etwas bremsen, sonst kommen wir noch im Dunkeln an. Schweren Herzens machen die beiden ein Reff ins Gross. Das erste mal das wir reffen müssen um nicht zu früh anzukommen. Wir laufen dann auch genau bei Tagesanbruch in Las Palmas ein.


Am Quai für Touristenfrachter und Fähren fällt uns ein riesiges Segelboot auf. Es ist so gross das wir es kaum glauben können. Ja..... es ist die grösste Sloop der Welt. Es handelt sich um Mirabella V,


Super-de-luxe-charterjacht Sy Mirabella V:

Sloop

Baujahr 2005

Rumpflänge 75m

Mastlänge 89m

Wasserverdrängung 740 Tonnen

Tiefgang 3,9 – 10 Meter

Der Kiel von 150 Tonnen kann in 8 Min angehoben werden.

Mast und Ring, zusammen 31 Tonnen

Wantenspanner 3.50 Meter

Die 29 Fuss Motorjacht befindet sich in der “Garage“ im Spiegel der Segeljacht.

Diese Jacht kann man für 250'000 Dollar in der Woche chartern, hat jemand Interesse? Allerdings ist die Bordkasse nicht inbegriffen. Dafür hat's aber Jacuzzi und Schwimmbad, also Leute, seid keine Stoffels, das ist es doch Wert.

Wir begaffen die Jacht, die gesehenen Bilder versuchen sich im Hirn an einem gewohnten Platz niederzulassen, finden aber keinen Solchen. Die Eindrücke irren noch etwas im Hirn herum und verziehen sich dann in eine Ecke wo sie nicht besonders stören.


Jetzt sind wir also da wo die beiden Nasen soviel erledigen wollen. Das kann dauern sag ich euch. Als erstes nimmt Rolf mal den Wassermacher in Angriff. Das Ding haben wir schon kaputt übernommen, der Motor ist wohl mal explodiert. Der Voreigner meinte dafür bekomme man keine Ersatzteile mehr. Dann muss es halt eben ohne Ersatzteile gehen. Rolf ist wie immer zuversichtlich, nach zwei Tagen hat er dann auch den Motor wieder zusammen. Ich mache mit Rolf die ersten Tests. Hab mir vorsichtshalber mal die Schwimmbrille von Erni geborgt.


So der Motor läuft mal, um aber weiter machen zu können brauchen wir noch einen neuen Durchflussmesser.


Wird wahrscheinlich wieder ziemlich kompliziert bis das organisiert ist. Auch an den Orten wo man eigentlich alles bekommt, bekommt man genau das nicht was man braucht.


Ja und eines Morgens hat's dann saumässig Wind. Rolf schaut sich mal schnell den neusten Wetterfax an. Ups.... Tropischer Sturm über den Kanaren. Ach du Scheibe...... Wie immer, sollen wir in die Marina oder nicht? Natürlich hat's wieder mal eindeutig zuviel Wind um in einer Marina zu manövrieren. Nach etwa einer Stunde lässt der Wind aber etwas nach. Die beiden meinen jetzt oder nie. Also rein in die Marina, um einen Platz zu bekommen müssen wir aber noch zuerst an den Wartesteg. Dieser ist aber schon voll. Gehen wir halt an die Tankstelle. Schon brüllt der Typ, das wir nur festmachen dürfen wenn wir Diesel wollen. Meinen die beiden, wir können ja noch den Diesel auffüllen, während einer zum Hafenmeister geht. An der Tankstelle erfahren wir, dass wenn an Steg 16, 17 und 18 noch Plätze frei sind, man da festmachen darf. Wir machen los und in diesem Moment kommt wieder ziemlich Wind auf. Mit Diesel auffüllen haben wir definitiv zuviel Zeit verplempert. Wir steuern einen Platz an. Andere Segler die sehen das wir anlegen wollen eilen zu Hilfe. Den Leuten ist klar, dass das nicht ganz einfach ist bei dem Wind. Da der Wind von der Seite kommt, küsst Xantus das Nachbarschiff dann auch ziemlich stürmisch. Aber dafür hat man ja Fender!!!!!!!. Diesmal sind sie draussen. Bei der unsanften Berührung der beiden Schiffe machen die Eigner des Nachbarschiffes Gesichter, als wären sie persönlich von Xantus mit seinen 12 Tonnen geküsst worden. Mit Hilfe der anderen Segler liegen wir schnell gut vertäut am Steg. Und jetzt geht's erst richtig los. Alle Jachtis sitzen auf ihren Booten und brüllen sich gegenseitig die Beaufort zu die sie vom Windmesser ablesen. Wir haben zwar keinen, bekommen aber mit, das wir in den Böen 9 Beaufort haben, und das im Hafen. Unsere Nachbarn sind Franzosen und nicht nachtragend, am Abend laden sie uns zum Apero ein.


Hier im Hafen ist nur ein Zugangssteg ins Wasser gefallen. Sonst hat's keine Schäden gegeben. In Graciosa aber soll sich ein T-Stück am Ende des Stegs mit einem Monster Katamaran dran gelöst haben. Da ganze scheint aber noch mal glimpflich abgelaufen zu sein. Ein Schiff, das in einem anderen Hafen geankert hat, ist gesunken. Im Süden der Insel sollen an den Ankerplätzen die ziemlich ungeschützt sind, auch Schiffe gesunken sein.


Am zweiten Tag ist das übelste des Sturms vorbei, aber es hat immer noch nicht schlecht Wind. Am Nachmittag wird eine spanische Jacht in den Hafen geschleppt. Ui, uiuiui.... wo kommen denn die jetzt her?

Von Gibraltar kommend sind sie voll in den Sturm geraten. Motor zur Sau alle Segel gerissen. Die Leute sind dann auch eine ganze Woche lang das Schiff am ausräumen, um alles zu trocknen was nass geworden ist.

Ein Englisches Schiff das hier vor Anker lag, ist bei dem Sturm ausgelaufen. Es soll auf den Steinen zerschellt sein. Die alte Segler Weisheit, das man lieber auslaufen soll als bei Sturm an einem schlechten Ankerplatz zu liegen, ist wohl auch nicht immer das Gelbe vom Ei.

Bei solchen Erzählungen sträuben sich uns immer so ein bisschen die Nackenhaare, bei Rolf und mir sind es zwar eher die Nackenschuppen. Was auch immer sich sträuben mag, wir hoffen niemals in so eine Situation zu kommen.


Hier haben wir noch ein kleines Erinnerungsphoto gemacht. Der Barometer fiel mit 1,5 mbar pro Stunde, das verheisst nie gutes. Genau so schnell ist er auch wieder angestiegen. Abfallende und Ansteigende Kurve verläuft fast symmetrisch. Bilder die man auf einem Barometer nicht so gerne sieht.



Unsere Kollegen die Tamaloùs... Jetzt muss ich mal schnell den Begriff Tamaloù erklären. Der Begriff stammt von Francine und Jean Francois selbst, das sind die mit dem Pizza Schiff, und damit ist gemeint: ältere Leute so mit grauen Haaren deren Hauptthema ihre Wehwechen sind, solche die sich gegenseitig immer fragen “und wo tut es dir weh?“ auf Französisch “et toi T' A MAL OÙ?“ also “Tamaloù“ Da die beiden auch schon so ein bisschen graue Haare haben, sind sie für uns nur noch die Tamaloùs. Also, die Tamaloùs waren bei dem Sturm noch auf Lanzarote (Marina Rubicon) in einem Mail berichten sie uns, das es da ganz schön getobt hat. Ihre Anzeige hat in den Böen 12 Beaufort angezeigt was bereits Hurricanestärke ist. Die Tamaloùs meinten sie hätten in dieser Nacht nicht sehr gut geschlafen. Ab Mitternacht seien sie pausenlos damit beschäftigt gewesen das Boot zu vertäuen. Obwohl die Marina ganz neu ist, meinte Tamaloù, dass die Stege nicht nochmals so einen Sturm vertragen. Einzelne Halterungen seien bereits gebrochen. Auch ein paar Dächer der neuen Marina hätten Flugübungen gemacht. Die Landungen seien allerdings eher etwas plump ausgefallen. War wohl die erste Flugstunde. Da schon wieder ein Hurricane unterwegs ist, will er da weg. Vielleicht machen sie doch noch einen Halt auf Gran Canaria, wäre ja toll, da hätten wir nochmals eine Chance auf eine Pizza.



Hurricane Epsilon blödelt ca. 1000 Seemeilen Nordwestlich von den Kanaren rum. Dieser Hurricane, kann sich einfach nicht entscheiden wo er hin will. Zuerst war er mal nach Norden unterwegs, da waren die Vorhersagen, dass er sich über dem kalten Wasser auflösen wird. Fand Epsilon aber nicht gut und ist daraufhin Richtung Südosten gewandert und hat über dem wärmeren Wasser an Stärke zugenommen. Dies nun finden wir aber gar nicht gut, denn das heisst er bewegt sich auf uns zu. Bei einem Hurricane mit Stärke 8, hat man auch in einem Hafen eher schlechte Karten. Erni und Rolf reden schon darüber was sie machen sollen wenn er nun wirklich hierher kommt. Eigentlich müsste man hier abhauen und aufs Wasser hinaus, möglichst weit weg, solange noch Zeit ist. Epsilon ändert aber seine Richtung nochmals, diesmal von uns weg. Hoffentlich bleibt er dabei. Das Hoffen hat geholfen, Epsilon löst sich auf.


Die Zeit vergeht, wir hängen über zwei Monate in Las Palmas, aber nie ist es langweilig. Es läuft immer was Es wird gearbeitet. Der neue Windgenerator soll montiert werden. Dazu muss erst mal etwas Material besorgt werden. Velo-Schwertransport mit Ueberlänge. Alurohre 2x 3 Meter id 40 x 50mm, ungefähr..... also ziemlich schwer. Bis ins Industriequartier sind es schon ein paar Kilometer.


Rolf will nicht sagen wieviele Fussgänger er damit umgenagelt hat.

Der Wassermacher wird eingebaut, neue Schläuche müssen verlegt werden, Ventile müssen eingebaut werden. Auch das bleibt vorerst eine unvollendete Sache, da der Durchflussmesser immer noch fehlt. Für den Einbau und die Verschlauchung ist Erni verantwortlich. Soweit ist auch alles in Ordnung. Bis ein paar Tage später beim füllen der Wassertanks der Bilgenalarm losgeht. Guck....., oh, tatsächlich, Wasser in der Bilge, probier, Süsswasser, hmm..wieso.... Erni die sich im klaren ist, dass sie am Wassersystem herumgefummelt hat, setzt vorsichtshalber schon mal ein unschuldiges grinsen auf, Rolf der sich dessen auch bewusst ist, schaut Erni schon mal fragend an, so fragend das Erni das Grinsen vergeht. Es stellt sich schnell heraus, dass ein Ventil auf die falsche Seite offen ist. Beim überfüllen der Wassertanks lief dann das Wasser zurück in den Wassermacher, der aber wegen des Fehlens des Durchflussmessers noch nicht angeschlossen war, somit also in die Bilge. Erni bindet dann das Drehventil in der Position fest, in der es bleiben soll bis alle Schläuche angeschlossen sind. Sie ist nämlich der Meinung sie hätte das Drehventil nicht so eingestellt. Könnte sein, das ein Besucher auf der Suche nach dem Ventil für die Toilette daran gedreht hat. Geschichten in denen die Schiffstoilette die Hauptrolle spielt, gibt es unzählige.


Hier eine die wir mal gehört haben. Es gibt Schiffe auf denen sich die Toilette unter der Wasserlinie befindet.

Da muss bei Benützung der Spülung ein Seeventil geöffnet werden. Danach muss das Ventil aber unbedingt wieder zugemacht werden, weil sonst durch den Druck das Seewasser, via Toilette ins Schiff laufen kann. Ein Crewmitglied erwacht also mitten in der Nacht und stellt fest, dass die Schuhe im Schiff bereits schwimmen. Der letzte der die Toilette benutzt hat, hat vergessen das Ventil zuzumachen. Nachtaktion, Bilge auspumpen.

Sie beschliessen die Heizung laufen zu lassen damit die Bilge besser trocknen kann. Alle wieder im Bett,

Kaum eingeschlafen, wird die Crew durch etwas geweckt, dass sich anhört wie ein kleines Feuerwerk in der Bilge. Bummm.........Pifffffff.........Pssssssssssss, Bummm.................Pifffffffffffff..............Pssssssssssss. usw. Ein Heizungsschlauch der sich gelöst hatte, war damit beschäftigt den ganzen Biervorrat in der Bilge so aufzuheizen, dass die Büchsen platzen. Obwohl es sich um eine reine Männer Crew handelte, reichte der Biervorrat nicht aus die Schuhe schwimmen zu lassen. Der Geruch von abgestandenem Bier soll sich aber einige Zeit im Schiff gehalten haben. Wenn's nach so einem Toilettenunfall nur nach Bier stinkt kann man noch von Glück reden. Meistens halten sich da andere Gerüche über längere Zeit.


Wir sollten ja nicht lachen. Unsere Wassermachergeschichte ist ja noch nicht zu Ende. Wenn der Durchflussmesser dann mal da ist, machen die beiden die ersten Tests. Das kann ja lustig werden. Das Seeventil, das bis jetzt zuständig war für die Spülung der Toilette, ist neu auch die Zufuhr für den Wassermacher, zwar mit Ventilen und so, aber eben. Wie ich schon erwähnt habe, hat Erni das Zeugs eingebaut, Frauen und Technik ihr wisst schon was ich meine. Werde euch umgehend berichten wenn die ersten Tests laufen.


Sechster Dezember, Samichlaus, Rosi und Peter von der Green Coral haben gebacken, wir kommen auch in den Genuss eines Gritibänz.





Wir sind dann bei den beiden auch noch zu Älplermakkaroni und Öpfelmuäs eingeladen. Hätten wir jemals Heimweh gehabt, hätte es sich bei soviel Schweizer Tradition bestimmt auf die Rückreise in die Heimat gemacht um sich dort dann auf Fernweh umschulen zu lassen.


Die Weihnachtsstimmung hat's auch nicht ganz einfach bei soviel Sonnenschein. Die Palme hier gibt sich zwar unheimlich mühe. Mit ihrem Outfit will sie wohl einen Weihnachtsbaum mimen, bei uns kommt aber nur Partystimmung auf.



Rolf hat Geburtstag, also Party. Mit all den Bekannten die hier im Hafen liegen, kann man schon fast eine Grossparty veranstalten. Wenigstens für Schiffsverhältnisse. Erni saust mit dem Velo im Hafen rum und lädt alle ein die ihr über den Weg laufen. Wieder auf dem Schiff, zählt sie mal durch wen sie alles eingeladen hat. Vielleicht sind 17 Leute doch etwas viel um auf einem 12 Meter Schiff Platz zu finden. Für solche Erkenntnisse ist es aber nun zu spät. Es muss eingekauft werden. Die beiden Velos freuen sich nicht besonders über den Grosseinsatz.




Wie schon vermutet finden nicht alle im Salon Platz. Ein Teil muss draussen bleiben. Nichts desto trotz dauert der Apero bis in die frühen Morgenstunden. Mit zunehmendem Alkoholkonsum, haben's die drei gesprochen Sprachen schwieriger sich selbst zu bleiben. Macht aber nichts was jetzt noch geplaudert wird, kann sowieso jeder versteh wie er will.



Von nun an jagt eine Party die andere, Geburtstage, Weihnachten, Silvester, Abschiede und sonstige Einladungen. Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass die beiden so mit ihren Arbeiten kaum vorankommen.

Rolfs Mutter ist auch noch für drei Wochen zu Besuch. Sie gibt sich alle Mühe die beiden nicht von ihren Arbeiten abzuhalten. Jeden Tag ist sie für Stunden alleine unterwegs, Rolf bastelt auch hie und da etwas, aber meistens auf anderen Schiffen. An Bord vertreibt sich Mutti die Zeit mit lesen und häkeln. Der Topflappen Vorrat auf Xantus nimmt zu. Erni gibt ein Paar XXL Topflappen für den passionierten NICHT Koch Rolf, in Auftrag. Die besondere Herausforderung ist dann die handgestickte Widmung. Das Resultat kann sich sehen lassen. Ob Rolf deshalb vom NICHT Koch zum Koch mutiert ist allerdings noch fraglich.

Jedenfalls freut sich Rolf riesig, auch wenn sein Lächeln hier auf dem Foto etwas verkrampft wirkt.



Mutti macht jede Party mit. Bleibt ihr auch nichts anderes übrig. Die anfänglichen Schwierigkeiten, auf und von anderen Schiffen zu steigen, haben sich mittlerweile behoben. Mami hüpft von einem Boot zu anderen wie ein junges Reh, das macht das Training.


Zangano das Pizza Schiff ist auch eingetrudelt, es vergehen einige Samstage, also einige Pizzas. Hier Francine, was macht sie? natürlich Pizza.



Die beiden haben auch wieder einiges von ihrer Ueberfahrt zu berichten. Kleine Tamaloù Geschichten halt. Zum Beispiel, die Windsteuerung konnte nicht benutzt werden, die beiden mussten von Hand steuern. Erstmals seit längerem wieder mal selbst am Steuer, mussten sie feststellen, dass sie Tamaloù mässig einige Fortschritte gemacht haben. Beide konnten auf die Distanz den Kompass nicht mehr ablesen. Im dunklen, platt vor dem Wind ist das etwas unangenehm, da kann man sich keine allzu grossen Steuerfehler erlauben. So kommt es, dass Francine den sprechenden Kompass macht „200º.... 205º.... 210º..... 190º..... usw.“ Jean Francois der voll konzentriert versucht via plaudernden Kompass das Schiff auf Kurs zu halten, hat so seine Schwierigkeiten. Das Umsetzen der gehörten Angaben, sei doch etwas gewöhnungsbedürftig.

Erst mal im Hafen, montiert Tamaloù zuerst mal einen zusätzlichen Kompass. Tamaloù erzählt die Geschichte so, dass sich die beiden krümmen vor Lachen, sind sich aber durchaus bewusst, dass auch sie nicht jünger werden.


Eines Mittags, wir sind gerade bei unserem etwas späten Mittagessen, gibts einen fürchterlichen Knall. Bei jedem der gerade den Mund voll hatte, musste der Schluckvorgang nicht bewusst eingeleitet werden. Durch das etwas unkontrollierte schlucken, spucken und husten alle etwas rum, aber nicht lange, beim darauf folgenden Knall verschwinden diese Symptome wie von selbst. Wir hechten an Deck und hören wie unser Nachbar verzweifelt nach einem Messer schreit. Erst mal mit dem Messer bewaffnet, sehen wir wie er mordlustig Messerhiebe in eine geöffnete Backskiste versetzt. Rolf weiss sofort was los ist und stellt die etwas unangebrachte Frage „ War das etwa die Rettungsinsel?“ Peter der Schiffseigner fühlt sich aber momentan nicht in der Lage diese Sinnvolle Frage zu beantworten. Die geplatzte Rettungsinsel muss zuerst mal aus der Backskiste operiert werden. Was da aus der Kiste kommt hat mit dem was es eigentlich sein sollte nicht mehr viel zu tun, es handelt sich nur noch um Plastikfetzen, dafür aber ganz viele. Die Backskiste selbst ist auch nicht mehr das was sie mal war, eine Zwischenwand hat's heraus gefetzt. Hilfsbereit stellt Rolf seine Stichsäge zur Verfügung. Die zwei kleinen Backskisten vereinigen sich zu einer Grossen. Mittlerweile hat auch Peter seinen Humor wiedergefunden. Allerdings nur kurzfristig, denn ein Telefongespräch dessen Kosten sich absolut im Rahmen halten, denn der Versicherungsmensch machts kurz, klärt rasch, dass das die Versicherung nicht bezahlt. Das betrübt dann Peter doch wieder etwas. Trotzdem erklärt er uns wie es dazu kam. Beim verstauen seines Weinvorrates hat er etwas auf der Rettungsinsel herum gestampft, um mehr Platz für die Flaschen zu machen. Da es eine in Tasche und nicht in Hartschalenkoffer war, war es wohl möglich, dass er so den Auslöser betätigt hat. Die Crew die sichtlich froh ist, das der Chef selbst diesen Mist gebaut hat, fängt schon mal an vorsichtig zu sticheln. Fröhlich stimmen alle Anwesenden ein, nicht mal seine eigene Frau kann sich zurückhalten. Es wird gestichelt und gelacht was das Zeug hält. Peter erträgt alles mit einem Grinsen, was ihn sympathisch macht.


Haare schneiden ist angesagt, Rolf besteht darauf, dass Erni ihre Brille aufsetzt. Erni meint das sei nicht nötig sie sehe das schon, sie sei ja noch kein Tamaloù. Rolf meint aber, seinem letzten Haarschnitt hätte man sehr wohl angesehen, dass sie nicht gesehen hätte was sie da macht. Es findet eine längere Diskussion statt, die damit endet, dass Erni ihre Brille doch aufsetzt. Um zu beweisen, dass das nicht an der Brille liegt, hackt sie Rolf dann auch gleich ein paar schöne Treppen in die Frisur. So sind sie die Weiber, müssen immer Recht haben.




Und was ist D......A......S........??????? Die erste Kackerlacke in der Küche und dann noch so ein Riesen Teil. Ich hab euch doch gesagt ihr sollt aufpassen wenn ihr Futter an Bord bringt.



Nein. nein war nur ein kleiner Spass, ist gar keine Kackerlacke, hier handelt es sich lediglich um unsere Küchenschabe.


Hier haben wir auch noch etwas interessantes. Dieses Boot wurde auch mit dem Seerettungsdienst herein geschleppt. Mit diesem Ruderboot wollen zwei Typen den Atlantik überqueren. Allerdings ist momentan nur einer der beiden auf dem Boot, der andere sitzt schmollend mit seinem Gepäck auf einem anderen Steg. Die beiden hatten wohl etwas Meinungsverschiedenheiten. Kann man sich gut vorstellen auf dem kleinen Boot. Die Schlafkoje befindet sich hinten im Boot (links im Bild) darin findet aber immer nur einer Platz. Wenn sie unterwegs sind, spielt das auch keine Rolle, einer ist ja immer am rudern, aber hier im Hafen, kann das schon ärger geben. Mit Damen Besuch ist da auch nix.



Das Boot ist ca. 6 Meter lang und wiegt circa 700 Kilogramm. Mensch Leute könnt ihr euch das vorstellen, mit sowas über den Atlantik zu rudern. Die beiden wollen sich die Strömung und den Wind zu nutze machen. Der Wind war dann allerdings der Grund warum sie per Seerettungsdienst hier abgeliefert wurden. Der hier um diese Jahreszeit sonst vorherrschende Passat, liess sich wieder mal stellvertreten durch einen anderen Wind, der seine Aufgabe zwar sehr ernst nahm, aber für die beiden Ruderer leider aus der falschen Richtung kam. Mit 700 Kilo gegen soviel Wind rudern ist einfach nicht möglich.

Ja das Wetter, ich möchte hier noch den letzten tropischen Sturm im diesem Jahr erwähnen. Die Wetterfrösche haben ihm wohlweislich den Namen Zeta gegeben. Von Epsilon gleich zu Zeta? Die absolute Sicherheit, dass dies der letzte Sturm in diesen Jahr ist, bezieht sich allerdings nicht auf langjährige Berufserfahrung der Meteorologen, sondern darauf, dass sich Zeta am 31. Dezember gebildet hat.

Am 31. Dezember nochmals einen Tropischen Sturm, es ist nicht zu glauben. Wenn das so weiter geht können wir uns auf einiges gefasst machen. Wir wollen ja nach Brasilien, dort muss man eigentlich nicht mit tropischen Stürmen rechnen. Aber bislang musste man auch ab November nicht mit sowas rechnen. Das vergangene Jahr zeigt jedoch, dass man das lieber tun sollte.


So wie steht's denn mit der Arbeitsliste? Diese Liste hat's in sich sag ich euch. Ursprünglich war diese in zwei verschieden Gehirnen verborgen, die zwei Hirnis unternahmen aber nie die Anstrengung der gegenseitigen Updates. Dies verursachte einige Schwierigkeiten, so kam es, dass eine auf Papier erstellt wurde. Leider hatte aber auch diese einen schweren Stand, da dauernd Arbeiten erledigt wurden die gar nicht auf der Liste standen.


Mensch Leute jetzt muss ich mal schnell unterbrechen, wir haben nämlich gerade Besuch bekommen von einem Typ, der schon alles Mögliche und Unmöglich in seinem Leben gemacht hat. Unter anderem hat er auch schon Gras auf seinem Boot geschmuggelt. Er erscheint jedesmal in einem anderen Zustand, man wird das Gefühl nicht los, dass er ständig verschiedene Bewusstseins erweiternde Sachen einschmeisst. Der Typ ist so abgefahren, dass er sogar das Lachgas beim Zahnarzt cool findet, fährt gut ein, meint er. Keine Ahnung in welcher Ecke der Welt, er letztes mal beim Zahnarzt war. Ist übrigens kein junger Lümmel, scheint so gegen die Sechzig zu gehen.

Ihr könnt euch den Typ in etwa so vorstellen.











(Auszug aus: Walter Moers „Schweinewelt“ Eichborn Verlag ISBN N 3-8218-1828-X)


Aehhhmmmm....... wo waren wir stecken geblieben, ach ja die Arbeitsliste. Also die Arbeitsliste wurde einfach nicht kleiner, weil ständig Arbeiten erledigt wurden, die nicht darauf standen. Die beiden fanden das furchtbar deprimierend. Gegenmassnahme, die bereits erledigen Arbeiten wurden nachträglich auf die Liste geschrieben und gleich durchgestrichen. Schon besser. So Listen auf Papier findet Rolf aber dann doch ein bisschen öd, elektronisch würde ihn das abhaken der gemachten Arbeiten mehr befriedigen, meint er. Rolf's Organizer bekommt also was zu tun.

Der Organizer stammt noch aus Rolf's Arbeitsleben, da hatte er nämlich hie und da etwas zu organisieren. Hab ich euch schon gesagt, dass Rolf das absolute Antiorganisationstalent ist. So hat er damals zum Beispiel, trotz Organizer, Sitzungen einberufen, an denen er vergessen hat teilzunehmen.

Das war so, Rolf macht wieder mal eine verlängerte Mittagspause am See, super schönes Wetter, lieber noch ein bisschen bädälä als im Büro sitzen. Irgendwann dann doch auf dem Weg ins Büro, mit Glace und Kaffee bewaffnet, am Sitzungszimmer vorbeischlendernd, fällt ihm auf, dass ihn irgendwelche Gesichter aus diesem Zimmer, fragend anstarren. Und da kommt Rolf dringend in den Sinn, dass er diese Gesichter um 13:30 zu einer Sitzung eingeladen hat, uii.. peinlich. Der Organizer war aber unschuldig, dieser lag nämlich im Büro und pipste fröhlich vor sich hin, nur Rolf war halt nicht da.

Rolf holt also den Organizer und erstellt eine Arbeitsliste, natürlich geht das nicht ohne das Erni ein paar dumme Sprüche machen muss. Aus Gründen die ich eben oben erwähnt habe.

Währen Erni also in ihrer Arbeitsliste Sachen schreibt und gleich wieder durchstreicht, schreibt Rolf Sachen in seinen Organizer um sie dann gleich abzuhaken. Habt ihr den kleinen Unterschied bemerkt Erni streicht durch während Rolf abhakt. Irgendwann wird Erni aber dann doch etwas neidisch sie will auch mal so einen kleinen Haken in Rolf's Organizer setzten. Sie darf das auch. Erni ist total enttäuscht, nachdem der Haken gesetzt ist, verschwindet der Job von der Liste, findet sie total unbefriedigend. Rolf zeigt ihr aber, dass der Organizer eine Liste der erledigten Arbeiten erstellt, der Job verschwindet somit von der “zu erledigende Arbeiten“ Liste, erscheint aber in der “erledigte Arbeiten“ Liste. Das hingegen findet Erni total cool. Die “erledigte Arbeiten“ Liste motiviert.

Jetzt bin ich wieder etwas abgeschweift. Trotz der oben genannten Hindernisse ist die Arbeitsliste erstaunlich geschrumpft. Die wichtigsten Sachen sind tatsächlich erledigt. Der Windgenerator und die Solarpanels sind installiert, der Wassermacher läuft. Was den Wassermacher angeht freuen sich die beiden wie zwei Kamele beim Fund einer Oase. Einfach faszinierend wie man aus der grössten Kloake, Trinkwasser machen kann. Viele kleinere Arbeiten sind auch erledigt.


Wie bereits erwähnt, hat Rolf auch auf diversen anderen Schiffen gebastelt. Was die Bezahlung angeht, ist er immer wieder für Überraschungen gut. Zum Beispiel hat er bei einem Arzt was an der Elektronik herumgefummelt. Die Bezahlung war dann ein Kurs im Wunden nähen. Der Arzt meinte um das ganze realistisch zu gestalten wäre ein Stück Leder angebracht. Es wird also ein Stück Leder auf Schaumstoff geklebt. Die Wunde selbst wird von Rolf mit dem Küchenmesser gestaltet. Diese Wunde gefällt aber dem Arzt nicht, liebevoll würgt er noch etwas mit dem Küchenmesser in der Wunde rum „much better“ meint er. Zuerst zeigt er den beiden wie man das macht, dann müssen sie selber ran.


Aha... so zäh ist das also, da ist nichts mit vorsichtig oder zögern, wenn die Nadel mal angesetzt ist, einfach durch würgen. Er meint auch immer wieder „don't hesistate, if you decided to do it, you have to go through it“ Bei einem Stück Leder ist das ja noch möglich, der Gedanke aber ,sich gegenseitig eine Wunde nähen zu müssen, lässt die beiden dann schon leicht zittern, bei ihren Versuchen.


Ansonsten sind wir soweit wir warten auf den richtigen Wind. Die Kapverden sind angesagt, wir freuen uns auf einsame Buchten und vorallem an Orte wo die beiden kein Geld ausgeben können.