Marokko

22.10.2005

Die Bedingungen sind zwar nicht optimal, aber wir fahren trotzdem los. Ueber zwei Wochen Gibraltar, das reicht. Im Kanal werden wir den Wind genau auf die Nase haben, was ziemlich blöd ist, hoffentlich erwischen wir nicht auch noch die Strömung auf die Nase. Danach werden voraussichtlich 3 Tage lang den Wind mit uns haben. Das reicht zwar nicht bis auf die Kanaren, aber wir können ja immer noch einen Zwischenhalt an der Marokkanischen Küste machen. Mal sehen was der Wind so meint, in letzter Zeit waren die langfristigen Wettervorhersagen nicht besonders genau.


Wir verabschieden uns noch von Jean Francois und Francine, Erni meint na denn „bonne chance“Francine starrt sie mit entsetzten Augen an und meint sowas sagt man nicht zu Seglern, das bringt Unglück. Ach nee... schon wieder Erni, wenn man in dieser Beziehung in einen Fettnapf treten kann, dann tritt Erni da bestimmt rein und das immer mit Anlauf. Es gibt aber auch unheimlich viel was man tun oder sagen kann, was Unglück auf einem Schiff bringt, und je nach Herkunft der Menschen ist das jedes mal anders. Man darf nicht Pfeifen, sonst gibts Sturm, Man darf das Wort von dem Tier mit den langen Ohren, das im Gras herum hoppelt nicht aussprechen. Das geht soweit, dass es Leute gibt, die Konserven von dem Tier mit den langen Ohren, an Bord nehmen, die Etiketten dieser Konserven aber vorsichtshalber entfernen. Man soll niemals an einem Freitag auf längere Tour gehen. Dafür wünscht man sich Mast und Schotbruch, und das soll dann Glück bringen. In dieser Beziehung den Vogel abgeschossen hat Erni am Telefon mit Freunden die gerade ihren Alu-Katamaran fertig gebaut haben und ihn am nächsten Tag einwassern wollten. Erni meint zuversichtlich, „na denn viel Glück wenn das Wasser ins Boot kommt, oh scheisse, Tschuldigung, das was kein Freuden ähhh ich meine das war kein Freudscher Versprecher, ich hab bloss die Werkstaben verbuchselt, äh, nein die Buchstaben verwechselt, ganz blöd, tut mir Leid ich meinte natürlich wenn das Boot ins Wasser kommt. Zum Glück sind diese Freunde nicht abergläubisch auch wenn sie niemals unter einer Leiter durchlaufen würden, oder an einem Freitag auf längere Tour gehen würden. Ach ja übrigens, Frauen an Bord bringen auch Unglück und das in fast allen Ländern. Das beunruhigt mich natürlich etwas. Bei einer günstigen Gelegenheit spreche ich Rolf darauf an. Bin natürlich sehr vorsichtig in meiner Formulierung.

Ich:

Du Rolf ähhmmm, es heisst doch das Frauen auf einem Schiff Unglück bringen?“

Rolf:

Ja und“?

Ich:

Also ähhmm... Erni......., das ist doch eine Frau die sich auf einem Schiff befindet, könnte das nicht gefährlich sein?“

Rolf:

Also nun hör mal gut zu Claude, du weisst doch das Proviant etwas seht wichtiges ist auf einem Schiff oder?“

Ich:

Ja schon, ist mir auch klar, dass sie das mit dem Proviant gut macht, aber das kannst du ja selber machen ich finde das einfach zu gefährlich mit einer Frau an Bord.

Rolf:

Beruhige dich Claude, hier handelt es sich lediglich um meinen Sexualproviant und das bringt kein Unglück.“


Echt Leute, das hat er gesagt ich schwörs, er legt mir aber auch noch nahe, genau gesagt sehr nahe, noch genauer gesagt mit einigen Drohungen legt er mir nahe, dass ich das Erni auf gar keinen Fall sagen darf.

Ich denk mir jetzt hast du ihn, jetzt hast du ein Druckmittel, immer wenn ich was will, sag ich ihm, das ich sonst Erni das mit dem Sexualproviant erzähle. Ich überlege mir gerade was ich alles Fordern kann. Rolf schaut mich an als könne er meine Gedanken lesen und meint. „Uebrigens wenn du es Erni erzählst

mutiert sie sofort vom Sexualproviant zur Frau und das bringt dann wirklich Unglück. Ich glaub er hat meine Gedanken gelesen, das ist nicht anständig sowas tut man nicht, das ist meine Privatsphäre. Ich hab mir noch nicht mal ausgedacht was ich alles Fordern kann und schon ist das Druckmittel weg. Man sägt ja nicht gerne an dem Ast auf dem man sitzt, oder besser gesagt wir sitzen ja alle in einem Boot. Ach Mist, jetzt hab ich vergessen nach dem Verfalldatum vom Sexualproviant zu fragen, werde das bei Gelegenheit tun und euch berichten. Ich mache Rolf noch den Vorschlag ob er nicht einfach Schwul werden könnte, dann wäre das Problem ganzheitlich gelöst. Rolf meint ich soll jetzt einfach die Schnauze halten. So ist das, hat man mal ne gute Idee, muss man gleich die Schnauze halten.


Also jetzt gehts aber los, schwacher Wind, wie gesagt auf die Nase, da Rolf das schon vorher wusste, ist er jetzt auch nicht sauer wenn wir Motoren müssen. Wir überqueren die Bucht wo ne Menge Frachter rumalbern.




Das mit der Strömung ausnützten will nicht so ganz klappen, auch wenn in dem Segelführer steht, dass wir hier und jetzt eine Strömung mit uns von 2,6 Knoten haben, haben wir in Wirklichkeit ca 1 Knoten gegen uns. Das steht aber eben auch in dem Buch, dass Gegenwind die Strömung sogar gegenwirkend machen kann und genau das macht sie jetzt. „Super du“ Rolf versucht in der Strasse in eine andere Strömung zu kommen, erwischt aber nur noch mehr Gegenströmung. Jetzt wird er aber doch ein bisschen sauer, immer wieder schaut er in den Segelführer wo wir eben hier und jetzt 2 Knoten mit uns haben müssten, das nützt aber überhaupt nichts, die Strömung ist gegen uns. Ich versuche die beiden etwas aufzumuntern mit Fragen wie, seid ihr sicher, dass wir zur richtigen Zeit losgefahren sind, könnt ihr so ne Tidentabelle überhaupt lesen und wie könnt ihr nur losfahren, wenn wir den Wind auf die Nase haben. So kommt richtig gute Stimmung auf, ich entscheide mich aber dann doch zu schweigen, bevor mir Rolf den Hals umdreht. Hab zu oft gesehen wie er Fische ins Jenseits befördert. Versteht überhaupt keinen Spass der Typ.

Allerdings muss ich zugeben, das all die Schiffe die zeitgleich mit uns losgefahren sind, mit dem gleichen Problem kämpfen. Na wenigstens kommen wir noch vorwärts und Motoren nicht an Ort und Stelle. Wir nähern uns Tariffa, das ist da wo der Wind wegen der Kanalwirkung immer 2 Knoten stärker ist als davor und danach. Und tatsächlich wir haben gut zwei Knoten mehr auf die Nase. Gegenstrom haben wir auch mehr, wir kommen nur noch mit etwa 3,5 Knoten vorwärts. Jetzt ist Rolf aber richtig sauer. Na ja denken wir uns bald können wir Segel setzten, dann ist er wieder friedlich.

Tariffa, eine der windigeren Ecken im südlichen Europa



Irgendwie schon faszinierend, dass die beiden Kontinente so nahe beieinander liegen. Uebrigens Gibraltar das sich auf der Europäischen Seite befindet, gehört Geologisch gesehen zu Afrika. Lustig gell!!!


Just bei Tariffa fangen wir noch einen Thuna, nun wissen die beiden nicht recht wer hier zuständig ist für den Fisch, der Gott des Mittelmeeres oder der Gott der Atlantiks. Da die Situation nicht geklärt werden kann bekommen beide Götter einen Schluck aus der Flasche. Vor und nach dem Leuchtturm schüttet Erni einen Schluck Vecchia Romangna ins Wasser. Dieser Brandy war beim Gott des Mittelmeers sehr beliebt, wir haben viel Fisch erhalten und er viel Brandy. Hoffentlich hat der Gott des Atlantiks auch gern Brandy.


Wir sind nun im Atlantik. Der Salzgehalt im Atlantik ist einiges niedriger als der Salzgehalt im Mittelmeer. Mal schnell einen Blick über die Bordwand, wie's denn so aussieht mit der Wasserlinie. Alles in Ordnung, aber vielleicht streichen wir sie nächstes mal doch etwas höher. Je wärmer, desto mehr Bier muss gebunkert werden, was natürlich auch einen Einfluss auf die Wasserlinie hat.


Gegen Abend haben wir die Strasse hinter uns, wir können abdrehen und die Segel hieven. Bei relativ viel Wind segeln wir gegenan. Da wir immer noch Gegenströmung haben ist das eine ganz schön holprige Sache. Bei der Zubereitung des Abendessens, zeigt uns Erni einige Kunststückchen, Akrobatik in der Küche. Bei solchen Gelegenheiten sind wir natürlich in der Küche, ja nichts verpassen, allerdings herrscht absolute Helmpflicht, ich meinerseits hab mich für einen ganz Körperschutzt entschieden. Bei gut gemeinten Ratschlägen wie „meinst du nicht das war etwas viel Salz?“ oder „ Rosmarin? das passt doch überhaupt nicht zu Fisch“, kanns schon mal sein, dass ich mit diversen Gewürzglässchen bombardiert werden.



Sie jammert, dass es nicht ganz einfach sei wenn die Küche ausschlage wie eine verrückt gewordene Kuh und dazu komme noch 45 Grad Steigung bis zum Kochherd. Ist auf jeden Fall spannend zuzusehen wie Erni in der Küche rumhüpft und dauernd irgendwelche Sachen die gerade über irgendwelche Ränder hüpfen, gerade noch auffängt. Ausser einer total versauten Küche sind aber keine Verluste zu melden. Forsch, Tropf und ich schliessen bei solchen Gelegenheiten immer Wetten ab, was alles draufgeht, und welche Flüche Erni dann beim jeweiligen Gegenstand der draufgegangen ist, gebraucht. 98% Trefferquote.


Am nächsten Morgen können wir dann den Spi setzten, dieser bleibt dann auch 48 Stunden oben und muss nur einmal geschiftet werden. Das nennt man segeln. Wir haben etwa drei Meter hohe Wellen. Im Gegensatz zum Mittelmeer sind diese Wellen aber nicht unangenehm. Xantus gleitet einfach über die langezogenen Wellen hinweg. Eine drei Meter Welle im Mittelmeer, wäre unerträglich. Das kommt daher, dass das Mittelmeer einiges untiefer ist als der Atlantik, was dann eben zu diesen unberechenbaren Stolperwellen führt.


Die beiden versuchen es mit 3 Stunden Wachen. Erni die einfach nicht gerne aufsteht, egal zu welcher Tageszeit, meint „Ach neeeeee......., da muss ich ja mindestens drei mal aufstehen pro Tag“ Später wechseln sie dann zu 4 Stunden Wachen, findet Erni viel besser, da muss sie nur noch zweimal pro Tag aufstehen, natürlich ist ihr das immer noch einmal zuviel.


Rolf ist auf Wache und stellt plötzlich fest, dass das Log der Meinung ist das wir stillstehen. Die Anzeige zeigt stur, Speed = 0.0 Ein Blick in die Segel zeigt, dass das nicht am Wind liegt, denn diese stehen voll im Wind. Nach längerem beobachten der Situation stellt Rolf fest, dass das nicht irgendeine Furz Idee des Log's ist, wir stehen wirklich still. Die Lichter die er für Fischerboote gehalten hat, stehen auffallend in einer Reihe, diese Reihe Lichter ist mindestens 6 Seemeilen lang. Rolf grabscht ein bisschen in seinen grauen Gehirnzellen und kommt zum Schluss, das dies nun eben so ein Thunfischnetz ist in dem wir hängen. Scheisse meinen die grauen Zellen, was nun.

Rolf zieht mal das Mittelschwert hoch und schwupp, schon hängt Xantus im Heckschwert, das Schiff hat nämlich zwei Schwerter. Also auch noch Heckschwert hoch und weiter gehts. Ufff.....nochmals Glück gehabt. Bei der Wachübergabe berichtet Rolf von dem Thunfischnetz. Ach ja meint Erni, auf meiner ersten Wache bin ich auch durch so eine Lichterreihe gefahren, hab irgendwie gedacht wir werden langsamer, haben aber gleich wieder Speed gemacht. Also auch durch ein Netz gefahren. Erni wieder kaum zehn Minuten auf Wache.........schwubiduuu, schon wieder ein Netz, auf das wir lossegeln, weiss ich wie viel Seemeilen lang. Und jetzt Erni, die Rolf immer vorwirft er sei unvorsichtig und gehe zuviel Risiken ein, was macht sie, segelt schnurstracks auf das Netz los. Ohne den Spi runter zu nehmen der wunderbar ausgebaumt ist, kann das Netz nicht umfahren werden und den Spi runter nehmen das stinkt ihr einfach. Sie ist der Meinung, dass wenn etwas zweimal gutgegangen ist, das ruhig auch ein drittes mal gut gehen kann. Je näher wir dem Netz kommen desto nervöser wird sie. Wenn das Netz nun aber noch höher liegt als das erste und zweite, dann gibts Aerger. Sie zielt mal schön auf die Mitte zweier Lichter, in der Meinung in der Mitte könne das Netz am ehesten durchhängen. Wir kommen immer näher....näher.....und noch näher........, dann ganz nah........ und noch etwas näher.........und dann.............................................Ohhhhhhh.........sind wir vorbei. Wir haben das Netz nicht mal touchiert, Schwein gehabt. Nun ja Xantus ist ja kein Thunfisch, was soll er da in einem Thunfischnetz. Zum Glück hat Xantus keine Identitäts Probleme, sonst würden wir jetzt ziemlich in der Scheisse stecken.


Die ersten beiden Nächte machts den beiden noch Spass auf Wache zu gehen. In die Sterne gucken, Sternschnuppen zählen, über diverse Sachen nachdenken für die man im normalen Arbeitsleben nie Zeit hat. Rolf zum Beispiel befasst sich gerade mit dem Thema warum Fliegen eigentlich an die Decke scheissen können. Jemals darüber nachgedacht?, na seht ihr! Ihr habt eben keine Zeit für die richtig wichtigen Sachen im Leben.


In der dritten Nacht verkürzen sich die beiden die Zeit, indem sie Pommes Chips, Nüssli und sonstige Snacks futtern. Unter Sonstige Snacks fällt etwas ganz besonderes, das Rolf eingekauft hat.

In irgend einem Südspanischen Supermarkt entdeckt Rolf eine Packung mit einem bis dahin unbekanntem Aperitivgebäck: Torrenznos (Morro)

Er studiert die Packung von oben bis unten, liest das Kleingedruckte und das Verfalldatum – stutzt leicht bei den Ingredientes: Careta de cerdo frita, manteca y sal...

Hmmmm cerdo das hab ich doch schon mal gehört... tja den translator haben die beiden natürlich wieder einmal auf dem Schiff gelassen – ist ja praktisch so ein kleiner elektronischer Übersetzter..

Aber da steht ja auch noch: „Descubre el sabor de lo tradicional“ oder „Siempre Crujiente“ und „Aperitivo Natural“ kann so schlecht ja nicht sein – oder?

Kurz und gut eine Packung wandert in den Einkaufswagen und zu Hause wird dann geschaut.....

Careta = Maske; cerdo = Schwein - also: frittierte, gesalzene Schweinsschnörrli

Iiiiiik das gibt man doch höchstens noch dem Hund!! Aber dann bitte ungesalzen.


Da ich die beiden in der Zwischenzeit notgedrungenermassen recht gut kenne, weiss ich, dass sie noch geniessbare Lebensmittel nicht einfach so wegschmeissen und ich habe mich schon lange auf diesen Moment gefreut.

Rolf grabscht also in der besagten Nacht in der Bilge und holt die Packung heraus.

Ich muss schon fast Kotzen, als mir der Geruch aus der geöffneten Packung in die Nase steigt.

Rolf verzieht das Gesicht, kann's aber doch nicht lassen ein Stückchen zu degustieren so unter dem Motto einer geht schon rein.

So schnell hab ich ihn noch nie nach draussen springen sehen, unter lautem gespucke geht das Ding gleich wieder über Bord.

Danach versucht er sich mit allen Hausmitteln, vom Geschmack zu befreien – ich glaube nach dem dritten Rhum hat er sich wieder beruhigt :)

Aber statt den Rest auch gleich den Fischen zu schenken, schmeisst er nur die Hälfte weg und hofft so, dass Erni auch noch in den Genuss dieser Spezialität kommt.


Ein kleiner Vogel bringt noch etwas Unterhaltung. Macht auf Xantus einen kleinen Zwischenhalt, scheint erschöpft zu sein. Er setzt sich auf die Steuerschot von Geri. Geri die Windsteuerung hat aber unheimlich viel zu tun, so fährt der Vogel auf der Schot dauernd hin und her, stört ihn aber nicht.


Der Vogel bekommt etwas Wasser und Brot, nach ein paar Stunden verlässt er uns wieder, scheint ein anderes Ziel zu haben.


Die Wettervorhersage bleibt diesmal bei der vorhergesagten Vorhersage, was bedeutet, dass wir am vierten Tag den Wind genau auf die Nase haben werden.

Die beiden haben keine Lust auf sowas und entschliessen sich an der Marokkanischen Küste einen Zwischenhalt zu machen. Agadir ist jetzt das Ziel. Wie ich doch immer sage, Segeln ist die teuerste und unbequemste Art, um NICHT von A nach B zu kommen. Trotzdem haben wir den letzten halben Tag den Wind noch auf die Schnauze. Und das nicht schlecht. So nicht schlecht, dass es mich aus meiner Kardanischen Aufhängung hebt.



Hier bin ich gelandet, Leute ich sag euch grauenhaft. Unter mir ist die Sitzbank offen, darin befindet sich der Ventilator des Kühlschranks, der schon die Zähne fletscht, ich darüber, völlig hilflos eingekeilt, noch eine Welle und der Ventilator verarbeitet mich zu Hackfisch. Ich hab geschrien wie an Spiess, aber keiner hat sich um mich gekümmert. Könnt ihr euch das vorstellen, keiner, die hätten mich voll draufgehen lassen. Es war bloss der guten Laune des Schicksals zu verdanken, das ich überlebt habe, man Leute das war knapp.


Bin dann auch schaurig froh die Afrikanische Küste zu sehen




Aber meine Folter dauert noch Stunden. Wir kommen erst im dunklen an, in unserer Karte steht, dass es in Agadir einen neuen Yachthafen gibt, seit 1998 im Bau. Müsste ja mittlerweile fertig sein, meinen die beiden. Ist aber nicht. Da das Meer ruhig ist ankern wir vor der Baustelle. Erst jetzt sehen sie mich, hilflos eingekeilt zwischen den Kissen. Mit gelächter befreien sie mich dann auch. Weiss überhaupt nicht was es da zu Lachen gibt, ich hab knapp überlebt, und die beiden Lachen. Danach wird erst mal ausgiebig geschlafen.


Am nächsten Morgen gehts dann in die alte Marina, die hinter dem Fischerhafen liegt.

Dies ist der Königliche Fischerhafen, obwohl wir noch nie so viele Fischerboote aufs mal gesehen haben, ist von Königlich nicht viel zu sehen.



Die Fischerboote scheinen in einem ständigen Wettbewerb, wer mehr rosten kann. Uns scheint, dass das alle ziemlich gut können.


Wir tuckern auf die Marina los. Marina? Nun ja wie dem auch sei, wir suchen einen Platz zum festmachen. Am ersten Steg, wen sehen wir da? Francine und Jean Francois. Uns fallen fast die Augen aus dem Kopf, die beiden hier?, die waren doch noch in Gibraltar als wir losgefahren sind.


Am Ende des Steges liegen lauter bekannte Schiffe alle im Päckchen. Der Steg sieht von weitem nicht so aus als könne er all die Schiffe halten. Insgesamt sind es 9 Schiffe in drei Päckchen und das alles im vorderen Bereich. Wir machen auch noch da fest, da es keine andere Möglichkeit gibt.


Dann ein bisschen Plaudern mit all den Leuten die wir schon kennen. Komisch eigentlich wollte sozusagen keiner nach Agadir, alle hats hierher geblasen. Vorallem wollte Jean Francois nicht nach Agadir, er war schon mal vor 20 Jahren hier, damals hätte sein Schiff hier in 20cm verwesenden Sardinen geschwommen. Er meint jetzt sei es richtig sauber hier, im Vergleich zu damals. Wir wagen mal schnell einen Rundblick, und können uns nicht vorstellen, dass es noch dreckiger sein kann. Das schauen wir uns aber später an, zuerst wollen wir wissen wieso die beiden schon hier sind.


Sie sind gerade vor etwa einer Stunde angekommen, das klingt ja schon besser, wir waren ja schon gestern Abend hier. Trotzdem waren sie schneller, das ärgert uns ein bisschen. Jean Francois meint das sei kein Wunder, sie hätten überhaupt keinen Wind gehabt und hätten alles Motoren müssen. Irgendwann hätte er dann entscheiden müssen doch Agadir anzulaufen, da der Diesel langsam zur neige ging. Er habe 500 Liter Diesel verpufft. Das dümmste an der ganzen Sache ist, wie sich später herausstellt, das es hier keine Tankstelle gibt. Die nächste Tankstelle befindet sich etwa einen Kilometer im Landesinneren, alles muss mit Kanistern hergetragen werden.


Wir sind immer noch am plaudern da kommen schon ne Menge Offizielle an Bord. Unser Nachbar meint, da kommen fünf verschiedene Stellen, er habe aber nicht mitbekommen was das alles für Behörden sind. Zu uns kommen dann nur drei, auch wir kriegen nicht so recht mit wer jetzt für was zuständig ist. Alle scheinen die gleichen Zettel auszufüllen, der kleverste fragt uns aus und schreibt das ganze auf seinen Zettel, die anderen schreiben dann von seinem Zettel ab. Weil sie bei uns gerade so schön sitzen schreiben sie sich auch noch Zettel von anderen Schiffen ab, da müssen sie nicht mehr vorbei gehen. Die scheinen das Kohlepapier nicht zu kennen, die haben für jeden Durchschlag einen Mann. Unser Deutscher Nachbar meint, das ist doch vorbildlich, wenn wir das in Deutschland auch so machen würden, hätten wir auch nicht so viele Arbeitslose. Diese erste Begegnung mit Marokkanischen Männern kommt Erni etwas komisch vor. Frauen scheinen gar nicht zu existieren. Die Männer schütteln sich die Hand, durch die Frauen wird einfach hindurch geguckt. Das machen sie so gut, das Erni sich fragt ob sie überhaupt anwesend ist. Jean Francois meint zu dem Thema, na ja, wenigsten haben die Prinzipien, und Grinst.


Wir haben gehört, das in bestimmten Ländern, unter anderem auch Marokko die Offiziellen immer Zigaretten und Wiskey wollen, sonst geht gar nichts. Wir haben Glück, es ist gerade Ramadan, die dürfen tagsüber nicht mal Wasser trinken, so können wir den Wiskey ,den wir in Gibraltar gebunkert haben selber saufen. Ansonsten muss man sagen, das alle Offiziellen sehr höflich und zuvorkommend waren, auch ist es sehr vorteilhaft wenn alle aufs Boot kommen und man nicht von einer Stelle zur anderen jagen muss, bis man Einklariert hat. Schiffe die bereits in Casablanca einklariert haben, sagen sie hätten da einiges mehr Aerger gehabt, die sind auch ihre Zigaretten und den Wiskey los geworden.


So die Typen sind alle weg, wir schauen mal wo wir da gelandet sind, ein Blick ins Wasser und schon hat man so ein leichtes Würgen im Hals. Erstaunlich was da so alles in einem Hafenbecken rumschwimmen kann, mal abgesehen von dem Oelteppich. Ohhhhh. was schwimmt denn da? Sieht aus wie eine überfüllte Bettflasche, so mit Plüsch Ueberzug, der eine Katze darstellen soll. In Wirklichkeit ist es aber eine Katzenwasserleiche die offensichtlich eine volle Bettflasche darstellen will, jedenfalls was das aufgedunsen sein anbelangt. Wirklich gelungene Darstellung, sieht aus als hätte die Katze das schon mehrere Tage geübt. Uhhhwhääääck.....würg. Später als wir an Land gehen sehen wir noch eine tote Katze am Strassenrand. Auch dieser Kadaver bleibt da liegen wo er ist. Dies gibt uns die Möglichkeit den Verwesungsprozess einer Katze an Land und im Wasser über mehrere Tage zu beobachten. Ich will hier nicht weiter darauf eingehen, aber ich möchte doch sagen, dass das keinesfalls das gleiche ist.


Da wir nun schon bei grusigen Sachen sind, kommen wir doch noch zu den Duschen.


Duschen entwickelt sich unter den Yachtis zur Mutprobe. Da der Wind vom Landesinneren kommt ist es Heiss und Staubig. Mit dem Schweiss und dem Sahara Sand der ständig in der Luft liegt, ist man Abends paniert wie ein Schnitzel. Die einen wagen es sich all den Keimen und Bazillen die in der Dusche lauern zu stellen, die anderen bleiben lieber paniert. Rolf und Erni wagen es, ja nichts berühren, der Wasserhahn wird mit möglichst kleiner Auflagefläche der Finger betätigt. Beide haben überlebt. Eines Abends nach dem Duschen begegnen sie den Schweden, so mit nassen Haaren, nach Seifen duftend. Meinen die Schweden ungläubig, WAAAAAAS, ihr habt in der Marina geduscht???????????? Sie gehen deutlich zwei Schritte zurück und ihre Gesichter zeigen, dass sie das Ekelerregend finden. Dabei sind die beiden doch frisch geduscht.


Ich hab noch mehr grusiges. Am gleichen Steg liegt ein Marokkanisches Schiff das Tagescharter macht. Da gibts natürlich auch immer war zu Essen. Local Food so leckere Sachen. Eines Morgens beobachten wir wie einer das Geschirr von gestern mit Wasser, das er gerade aus den Hafenbecken geholt hat, abwäscht.




Könnte wohl sein, das da nachher ein paar Touristen mehr, ein Problem mit der Verdauung haben. Das macht besonders Spass, da es auf Marokkanischen Toiletten so richtig gemütlich ist. Ein Ort wo man mal gerne Sitzen bleibt.

Erni erzählt das dann auch jedem, auch denen dies gar nicht wissen wollen. Am nächsten Morgen stehen wir dann auf der Lauer, wieder kommt das Geschirr auf den Steg. Wasser aus dem Hafenbecken, abwaschen. Jetzt kommt aber der Franzose der schon einige Monate hier ist und die Renovation einer grossen Yacht beaufsichtigt. Dem hats Erni natürlich auch erzählt. Daraufhin holen die Typen mit einem kleinen Boot Süsswasser und waschen das Geschirr nochmals ab. Na hoffentlich bleibts dabei.


Der oben erwähnte Franzose offeriert Erni sie könne Wäsche bei ihm waschen, er habe Waschmaschine und Tumbler auf dem Boot. Es stellt sich heraus, dass das Boot auf dem er Arbeitet einem Schweizer gehört, ein Russo oder Russel oder so, sagt Erni aber nichts. Andere Schweizer die mit ihrem Boot auch hier liegen meinen das sei doch der, der mit der Onassistocher liiert sei. Uiii.. das findet Erni nun aber ganz toll. „So geil“ meint sie, „haben wir doch voll unsere dreckige Wäsche bei den Onassis gewaschen“. Ist auch super schön sauber geworden die Wäsche.

Auf diesem Schiff gibt es Marokkanische Männer die sogar mit Erni sprechen. Sind also nicht alle Männer die Frauen ignorieren. Für die dies nicht wissen, Französisch ist hier die Amtssprache, und der grösste Teil der Bevölkerung spricht die auch.


Nun zu dem Steg an dem wir liegen. Es gibt kein Wasser und keinen Strom. Der Steg selbst ist etwas altersschwach. Eigentlich sind es die Schiffe die alle an den Pfeilern fest gemacht haben, die den Steg einigermassen in Position halten.



Und wie ihr seht, hängen da einige Schiffe dran. Auf der anderen Seite hängen nochmal so viel.


Wenn da nur kein Wind oder Schwell aufkommt.


Wir gehen in die Stadt. Agadir wurde am 29.2 1960 durch ein Erdbeben das 15 Sekunden gedauert hat, vollständig zerstört. Die Stadt wurde danach etwa zwei Kilometer weiter Südlich wieder Aufgebaut.

Es war ein Schweizer Architekt der die neue Stadt entworfen hat. Somit ist sie auch völlig untypisch für Marokko. Jedenfalls was die Gebäude und die breiten Strassen anbelangt. Diese Europäische Architektur mit ihren Marokkanischen Menschen, hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Moscheen gibts dann aber doch. Wir kommen gerade um die Gebetszeit an einer vorbei. Alle Männer eilen zur Moschee, Frauen haben da natürlich nichts zu suchen, nur Männer dürfen beten.


Es ist eigenartig wie die sonst sehr belebte Stadt plötzlich still wird, und sich sozusagen nichts mehr bewegt. Auch wir stehen still, wohl darauf bedacht nicht irgendjemandem in der Gebetsschusslinie zu stehen, was nicht ganz einfach ist. Gebet vorbei und Hunderte von Männern verteilen sich wieder in der Stadt.


Einmal fahren wir mit dem Taxi, das sozusagen nichts kostet zu einem Einkaufszentrum ausserhalb der Stadt. Wir glauben unseren Augen nicht zu trauen. Der Laden kann alleweil mit einem Carrefour verglichen werden. Absolut europäischer Standard. Wieder diese 50 Sorten Joghurt, wo man nie weiss welche man kaufen soll. Die Preise sind aber marokkanisch. Unglaublich was man da bekommt fürs Geld. Unser Einkaufswagen bricht dann auch fast zusammen. Er bricht eigentlich nur nicht zusammen, weil wir einen zweiten holen.


Das Wetter hat uns hier nun sechs Tage festgehalten. War interessant, aber nicht zum bleiben. Jetzt solls nun wirklich zu den Kanaren gehn, so der Wind will.