Spanien-Gibraltar

22.09.2005

Heute soll's nach Spanien gehn. Die Wettervorhersagen sind zwar nicht besonders, variable Winde 1-3 Beaufort und für die nächsten paar Tage ist es auch nicht besser. Da uns aber der Winter auf den Fersen ist, fahren wir trotzdem. Nochmals einen Winter im Mittelmeer, da ist keiner scharf drauf, ich schon gar nicht, Plüschfische bekommen nämlich kein Winterfell, mein Gott hab ich den letzten Winter an die Flossen gefroren.

Etwa eine Stunde lang haben wir absolut keinen Wind, wir laufen unter Motor. Dann kommt langsam Ost-Wind auf und dieser legt auch noch zu. Segel rauf, Motor aus. Unerwartet haben wie den optimalen Wind für die Ueberfahrt, ausserdem fangen Rolf und Erni auch noch fünf Fische. Zwei Doraden, eine Königs Dorade und zwei Makrelen und auch wieder unerwartet finden wir einen Ankerplatz. Wie schon früher erwähnt gibt es an dieser Küste sehr wenig Ankerplätze, so das man dauernd in einer Marina übernachten muss. Ein super Tag also.

Am nächsten Tag wieder super Wind und wieder einen Fisch an der Angel. Heute sind wir auf die Marina angewiesen. Rolf will nach Campello, etwa fünfzehn Kilometer im Landesinneren wohnt eine ehemalige Arbeitskollegin von Rolf, die sich mit ihrem Mann hier niedergelassen hat. Also rein in die Marina, pro Nacht 30 Euro, autsch!!!! Rolf ruft Tina an, diese ist völlig aus dem Häuschen, und schon nach einer Stunde ist Tino, das ist der Mann von Tina, im Hafen um die beiden abzuholen.

Tino, Spanier und Tina Italienerin, legen eine Gastfreundschaft an den Tag die kaum zu Glauben ist. Obwohl Erni und Rolf völlig unerwartet auf der Bildfläche erscheinen, meinen Tina/Tino die beiden sollen doch für ein paar Tage bei ihnen wohnen. Meine beiden Freunde bestehen aber darauf auf dem Schiff zu schlafen. Die beiden fahren also mit Tino nach Hause, als Mitbringsel kommt die dreckige Wäsche mit die Tina mal eben schnell in die Waschmaschine schmeisst. So sind meine beiden Freude dreckige Wäsche bringen die mit. Die Idee mit der Wäsche stammt allerdings von Tino, dazu meint er noch die beiden könnten auch bei ihnen Duschen. Obwohl Tino mit dem Bootsleben nichts am Hut hat, weiss er was gefragt ist. Bei dem Vorschlag mit der Dusche bekommt Erni glänzende Augen, W..a..r..m D..u..s..c..h..e..n, wann war das das letzte mal, so ungefähr ein halbes Jahr. Es wird also geduscht, Wäsche gewaschen und Tina kocht einen feinen Z'nacht. Die beiden kommen spät, besser gesagt früh am Morgen nach Hause. Hier ist es üblich dass man so zwischen 22 und 23 Uhr das Abendessen zu sich nimmt, und wenn man dann noch ein bisschen Plaudert, ist es schnell mal früh am Morgen. Am Abend werden die beiden wieder abgeholt, zuerst Nachtessen bei Tina/Tino und dann soll das Nachtleben von Alicante genossen werden. Etwa um Mitternacht sind die vier in der Stadt. Das Leben ist voll im Gange, es herrscht Stossverkehr wie bei uns im Arbeitsverkehr und natürlich keine Parkplätze. Alicante hat eine schöne Altstadt und viele schöne Parks. In einem der Stadtpärke, wachsen unglaublich grosse Fikusbäume.

Das im Hintergrund auf dem Foto ist der Stamm eines dieser riesigen Fikus



Und wie geht es eurer Zimmerpflanze? Ich würd mir schon mal eine grössere Wohnung besorgen. Hier einen speziellen Gruss an Caro und Pierre, die Glücklichen haben den Fikus von Erni und Rolf geerbt.

Die vier gondeln durch die Altstadt und machen da und dort in einem Stassenkaffee halt. Als sie Morgens um drei die Stadt verlassen ist immer noch Hochbetrieb, und Stossverkehr.


Am nächsten Tag machen Rolf und Erni einen kleinen Segelausflug mit Tina und Tino. Tina schleppt die ganzen Fressalien an, obwohl Rolf und Erni noch einkaufen waren. Es gibt kein Pardon es wird gegessen was Tina mitgebracht hat. Und die Resten, die auch noch für zwei Tage reichen, sollen sie behalten. Tina meints gut mit den beiden.

Es schmeckt natürlich alles ausgezeichnet, was Tina mitgebracht hat, die Fratze die Rolf schneidet hat nicht's mit dem Essen zu tun.



Und nochmals Nachtessen bei Tina/Tino. Erni jammert sie meint sie könne nichts mehr essen und keinen Alkohol mehr trinken. Aber sie kann dann doch, so ist sie halt, immer jammern. Auf dem Weg zu Tina/Tinos Haus, fährt Tino einen kleinen Umweg er will uns die Tomatieros zeigen. Es ist unglaublich, ganze Hügellandschafen sind ein Treibhaus. Jetzt wissen wir auch was wir da vom Schiff aus gesehen haben. Mehrere Quadrat Kilometer grosse weisse Flächen. Erni und Rolf haben gerätselt was das ist. Vielleicht um Regen zu sammeln oder so. Nein, das ist ein Treibhaus am anderen, sozusagen ohne Zwischenräume.

Vom Schiff aus sah das so aus. Leider etwas schlecht zu erkennen, da es sehr dunstig war. Jedenfalls sind die hellen Stellen gleich am Wasser alles Treibhäuser.



Später hab ich einen Artikel in der Zeitung gelesen in dem stand: Die Provinz Almeria ist einer der Spots, der auf einem Satelittenbild deutlich erkennbar ist. Die Dächer von Tausenden Plastik Treibhäusern, die sozusagen ohne Zwischenraum aneinander gebaut sind, erscheinen auf dem Satelittenbild als weisser Fleck.

Allein in dieser Provinz sind es 350 Quadratkilometer. Die Landschaft hier ist trocken und staubig, wie gemacht für Spagetti Western. Abgesehen von Luft, Sonne und Wasser haben die Tomaten keinen direkten Kontakt zur Natur. Die Pflanzen wachsen in Säcken mit einem Granulat gefüllt. Was auch noch Interessant ist, es werden pro Hektar 40Kg Pestizide verwendet. Sind gut die Tomaten aus Spanien gell, nicht so wie die HorSol aus Holland?! Jedenfalls haben diese Anlagen einem der ärmsten Ecken Spaniens Reichtum gebracht. Die Anlagen wurden alle durch EU Gelder finanziert. In den Treibhäusern arbeiten bei 45 Grad Hitze, Ausländer aus Mali, Kolumbien und der Ukraine. Es werden von Oktober bis Juli Tomaten angebaut. Einige Leute sind beunruhigt wegen des Missbrauchs der Natur, aber ein Typ meint, bei einem richtigen Sturm, wird sowieso die Hälfte davon weggewaschen und da hat er sicherlich recht. Der Begriff Treibhaus ist nämlich masslos übertrieben, es sind eigentlich nur Plastikzelte.


Es bestätigt sich was uns immer gesagt wurde, die Mittelmeer Küste Spaniens bietet dem Segler nicht viel, sozusagen keine geschützten Ankerbuchten und was wir von der Küste sehen, ist auch nichts besonderes. Wenn die Küste nicht total überbaut ist wie hier




ist der ganze Küstenstreifen mit diesen Plastikzelten zugekleistert. Dies und der Gedanke an den Winter veranlassen Rolf und Erni die Küste im Eilzugstempo abzusegeln.

Nach Campello geht's zügig vorwärts. Es herrscht Ostwind, der richtige Wind um nach Gibraltar zu gelangen, das soll genutzt werden. Die Tage werden immer kürzer. Viel Dunst bis Nebel, feucht, Herbst halt. Jetzt haben sie es plötzlich eilig. Sie können doch wenn sie wollen. Das heisst schon im Dunkeln loslegen, gefrühstückt und was sonst noch dazugehört wird alles beim Segel erledigt.



Hier der Chef mit der neuen Post von gestern. Stört aber nicht, was ich damit sagen will, nein nein wirklich nichts bestimmtes. Die Zeitung ist nun mal von gestern.



Was diese Küste aber reichlich zu bieten hat, ist Fisch. Es ist unglaublich was die beiden an Bord ziehen. Xantus riecht schon wie ein Fischkutter. Da gibt sich unsereins Mühe, Deoroller und so, ich möchte mir ja nicht sagen lassen, hier Fischäläts, und dann sowas.

Die letzte Tagsetappe nach Gibraltar, wir haben wieder zügig Wind und das ist auch gut so, denn wir sind nicht allzu früh losgefahren. Es ist bewölkt und irgendwie so dunkel, total ungemütlich. Als sich der Himmel etwas auflichtet, kapieren wir warum es so dunkel ist. Wir haben nämlich eine Sonnenfinsternis.

Nein Echt, die helle Sichel ist nicht der Mond, das ist die Sonne.



Schon von weitem sehen wir Gibraltar. Dieser Fels ist nicht ein Teil von Gibraltar, nein das ist Gibraltar.



Auch die typische Wolke die immer über dem Felsen hängten soll, ist deutlich zu sehen.

Jeder Segler weiss, das bei solch hohen Felsen Hammer-Fall-Böen entstehen können. Dies ist auch extra im Segelhandbuch vermerkt, mit der Zusatzbemerkung, dass der Europa-Point von Gibraltar schon manchem Segler den Mast gekostet hat. Die beiden besprechen das dann auch und meinen „Also gell, wenn wir an der Ecke sind machen wir gleich zwei Reffs (Info für nicht Segler, Reffen nennt man das kleiner machen der Segelfläche). Ich bin froh, dass die beiden (vorallem Rolf) so vernünftig sind. Wir sind nun an der Ecke, Erni meint, nun sollten wir die Reffs aber reinmachen. Ja schon meint Rolf, aber hier haben wir heftige Gegenströmung und bei dem Wind der hier momentan herrscht, kommen wir nicht mehr vorwärts. Wir hätten da noch einen Motor, meint Erni und schweigt verbissen. Zwei Minuten später sind sie dann da, die Hammer-Böen und zwar von allen Seiten, dazu kommt noch der Wellengang, Strömung gegen Wind. All dies macht nun ein Reffen unmöglich, beim herumschlagen des Baumes würde mindestens einer der beiden von Bord gewischt. Zsss.....ja, was nun? Bei jedem herumschlagen des Baumes zuckt Erni zusammen, jetzt hat sie ihr typisches, hab ich's nicht gesagt Gesicht aufgesetzt. Sie ist der Meinung, dass Xantus, so Belastungen ausgesetzt wird, die nicht notwendig wären und gemütlich ist es schon gar nicht. Ja.... und Rolf, der grinst nur einfach ein bisschen blöd. Wir sind nun bei der Hafeneinfahrt und die Verhältnisse haben sich nicht gebessert, das Segel muss jetzt aber runter, gleich wie. Die beiden schaffen das dann auch ohne das Xantus schaden nimmt, ufff......


In der Ankerbucht liegen mehrere Frachter die auf das Entladen warten. Hier ein Containerfrachter. Wenn ihr wisst wie gross ein Container ist, könnt ihr euch ungefähr vorstellen wie gross der Frachter ist. Wenn man das Ganze so sieht verwundert es nicht, dass hie und da Container im Meer herumschwimmen. Diese Container haben die Unart meistens nicht ganz abzusaufen sondern an der Wasseroberfläche zu schwimmen, Horror für jeden Segler. Mit fünf bis sechs Knoten auf einen solchen Container auflaufen, bedeutet meist, selber absaufen. Keine schöne Vorstellung. Bei solchen Vorstellungen bin ich immer froh, dass der Rumpf von Xantus aus Aluminium ist. Da hat man schon etwas bessere Chancen als mit eine Polyester Boot.



Das Ankerfeld für Jachten liegt gleich neben der Start- und Landepiste des Flughafens. Da schmeissen auch wir unseren Anker. Sieht schon geil aus wenn da so ein Flugzeug zwischen dem Ankefeld durchfliegt. Zum Glück sind es nicht allzuviele pro Tag. Wenn gerade keine Flugzeuge starten oder landen,gehört die Piste den Möwen. Diese machen dann ein bisschen Start-und Landeübungen. Die Geräusche die die Möwen dabei machen sind mindestens so laut wie die der Flugzeuge. Macht Rolfi Brrrummm....Brrummm, wenn er ein Auto imitiert,so machen die Möwen eben Kreischsch....Kreischsch....wenn sie ein Flugzeug imitieren. Die Tiere haben auch sichtlich Spass daran die Piste voll zu scheissen, wollen zur Abwechslung wohl mal eine Crash sehen.




Lustig wird's wenn wir mit dem Beiboot in die Stadt fahren, da müssen wir nämlich gleich hinter der Piste durchfahren. Da immer noch Ostwind ist, starten die Flugzeuge mit dem Hinterteil Richtung Meer.



Seht ihr was da mit dem Wasser passiert wenn so ein Flugzeug startet? Ich glaube da sollte man sich mit seinem Gummiböötli nicht gerade in diesem Bereich aufhalten. Wenn man nicht abgefackelt wird, wird man zumindest davongeblasen.

Am nächsten Tag gehen wir einklarieren. Zoll und Emigration befinden sich in einer Baubaracke, diese Container die von einer Baustelle zur anderen transportiert werden können. Bloss kann dieser Container bestimmt nicht mehr transportiert werden, mit Sicherheit würde er dabei auseinander fallen. Ein trauriger Rosthaufen also. Auch der Steg wo die Boote beim einklarieren festmachen müssen, ist in einem bedauerlichen Zustand. Das Holz ist durchgefault und die Eisenbalcken durchgerostet. Adventure pur, diesen Steg zu begehen. Wir müssen aber.




Zwei Schreibpulte in besagtem Container stehen auf wackligen Beinen. Dahinter sitzen zwei schneeweiss gestärkte Hemden mit Patten, darunter befinden sich schwarze Bügelfalten Hosen und hochglanzpolierte Schuhe, ja ja, natürlich sitzt darauf ein Kopf. Kein Computer keine Schreibmaschine. Alle Formulare werden von Hand ausgefüllt, Kohlepapier als Durchschlag. Rolf und Erni meinen, das ist ja wie in der Karibik, die beiden sind ja schon mal zweieinhalb Jahre da rumgesegelt.

Dann wird die ganze Stadt abgelatscht. Da gibts eine Main Street, in dieser Strasse befinden sich hauptsächlich Zigaretten, Schnaps, und Elektronikläden, diese Artikel sollen hier günstig sein. Die beiden wollten noch eine Kamera und ein Autoradio kaufen, aber bei dem riesigen Angebot ist den beiden das einkaufen verleidet. Man kann sich einfach für nichts entscheiden. Die Eigentümer der Elektronikläden sind zu meist Inder. Die verstehen zwar viel vom verkaufen, aber nichts von dem was sie verkaufen. Auf so Fragen wie, hat dieser Autoradio einen Eingang für einen MP3-Player, reagieren sie nur mit Achselzucken. Zum Teil machen sie sich nicht mal die Mühe die Schachtel aufzumachen, so das Rolf nachschauen kann ob dies der Fall ist. Ein Vergleich zeigt dann auch, dass eine bestimmte Kamera, in der Schweiz einen drittel weniger kostet. Soviel zu Zollfrei.

Wir verlassen also die Main Street und latschen sozusagen ganz Gibraltar ab. Die Foodstores ausserhalb haben auch dieses Typisch karibische Flair, das heisst der ehemals Englisch-Karibischen Inseln. Es scheint, dass die Engländer wo auch immer sie einmal Land in besitzt genommen haben, bleibende Schäden hinterlassen. So wie Chedar Chees, Spam, Egg and Spam, Spam and Spam, Fish and Chips, Sommeruniform mit kurzen Hosen und gestrickten Kniestrümpfe und die Bürokratie inklusive Kohlepapier. Die Stadt selbst ist nichts erfreuliches fürs Auge. Es ist deutlich zu spüren das Gibraltar ein militärischer Stützpunkt der Engländer ist. Die Wohnsiedlungen der Militärs sind alle liebevoll mit Stacheldraht eingezäunt. Es ist da auch kein Blümchen oder Bäumchen zu sehen sowas hat überhaupt keine Lust da zu wachsen. Sogar die Kinderspielplätze haben ein Militärisches Flair. Seit ca. einer Woche haben wir einen blinden Passagier an Bord. Einen Hüüslischnägg. Hat sich wahrscheinlich mit einem Salat an Bord geschmuggelt. Dieser sollte eigentlich beim nächsten Landgang ausgesetzt werden. Erni bringts aber einfach nicht fertig die Schnecke auf Gibraltar auszusetzen, die einzige einigermassen grüne Fläche ist der Friedhof, aber auch hier hat man das Gefühl die Blümchen stehen in Achtungsstellung. Dann ist da noch die konstante Wolke die über dem Fels hängt, der vom Militär durchlöchert wurde wie ein Emmentaler. Diese Wolke lässt dann auch kaum einen Sonnenstrahl auf Gibraltar. Also rundum Sau gemütlich hier. Ein weiteres hübsches Beispiel ist das Hallenbad, mit direktem Zugang zum Meer.

Rechts im Bild, Das Haus mit dem Schrägdach ist das Hallenbad. Davor führt eine Treppe direkt ins Meer, besser gesagt ins Hafenbecken, eine Kloake die einem die Zehennägel wegätzt. Im Hintergrund die schöne Kulisse, Kamine die Dreck in die Luft schleudern was das Zeug hält, Benzin oder Diesel Bunker und sonstige Industrie.


Na habt ihr's schon bemerkt, Gibraltar gefällt uns nicht.


Trotzallem machen aber hier mehrmals Wöchentlich irgendwelche Touristenfrachter halt. Die Touristen marschieren dann die -Einkaufsstrasse runter, kaufen sich eine nicht ganz günstige Kamera, besuchen die Affen auf dem Fels, machen eine geführte Tour durch den Felsen, unter dem Moto wie sieht ein Emmentaler von innen aus, nicht zu vergessen der kleine Imbiss bei Mc Donald, gehen wieder auf ihr Schiff und finden Gibraltar ganz interessant und schön. Aber sie haben eben nur das gesehen was Touristen sehen sollen. Ausserhalb der Einkaufsstrassen scheint ganz Gibraltar dem Verfall nahe zu sein. Es scheint nicht so als würden die Engländer hier allzuviel investieren. Ach ja ich muss hier noch einen kleinen Abschweifer machen, ist mir gerade beim Emmentaler in den Sinn gekommen. Kennt ihr Wallace an Gromit? Die beiden bauen sich doch eine Rakete weil sie keinen Käse mehr haben und der Mond doch aus Käse besteht. Sie fliegen also mit der Rakete auf den Mond. Es wird etwas von dem Mond abgeschnitten auf ein Cracker gelegt und degustiert. Wallace meint er schmeckt nach Wenseydale. Rolf sieht also ein Stück Mond in der Käseabteilung, muss er natürlich unbedingt haben, er will wissen wie Mond schmeckt. Rolf und Erni probieren also den Wenseydale und sind einstimmig der Meinung, dass er genau wie Mond schmeckt. Oder besser gesagt, wenn man sich vorstellt wie Mond schmecken würde, dann müsste er genau so schmecken. Ihr wisst nicht wie Mond schmeckt? Na dann kann ich euch auch nicht helfen.


Der Flughafen gehört auch noch zu Gibraltar. Wenn man von Gibraltar nach Spanien fahren oder gehen will, muss die Flugpiste überquert werden, danach kommt gleich der Zoll. Auf der Spanischen Seite ist eine Raffinerie zu sehen, Nachts sieht das ganz hübsch aus mit all den Lichtern, irgendwie wie Weihnachtsbeleuchtung am Glattcenter, nur die kleinen Flammen, hab ich am Glattcenter noch nicht gesehen.



Die beiden wollten hier ja einiges erledigen, aber alle Vorhaben scheinen zu scheitern. Gasflaschen werden hier nicht mehr gefüllt, die Shipchandler haben eigentlich nichts an Lager und der Food ist viel zu teuer. Auch wollten sie sich Sachen wie Windgenerator und Solarpanell Zollfrei zuschicken lassen, nach allen Erkundigungen die sie eingezogen haben, sollte das kein Problem sein. Bestellen sie aber die Sachen, heisst das, wir sind noch eine Weile hier. Keiner hat Lust hier zu bleiben und die Zeit drängt, momentan kann man noch mit 50% Ostwind rechnen, in ein bis zwei Wochen sind es aber nur noch 20%. Sie haben sich immer noch nicht entschieden ob sie die Sachen bestellen wollen, denn wenn irgendwas in die Hosen geht sind wir locker noch zwei bis drei Wochen hier. Schlussendlich entscheiden sie sich das Zeug nicht zu bestellen, so dass wir jederzeit abhauen können wenn das Wetter es erlaubt. Bloss das Wetter erlaubt es nicht. Seit zwei Wochen hängen wir nun hier fest. Die beiden wollen in einem Schlag zu den Kanaren segeln, aber das Wetter will einfach nicht. Ein Tief jagt das andere. Eine Störung erreichte über Madeira sogar Hurrikan Stärke. Wir haben auch etwas Wind davon abbekommen. Xantus stampft am Anker, dass die Tassen vom Tisch fliegen.



Es ist etwas beunruhigend, dass so starke Winde bis hier Hoch kommen. Hurrikanes gehören nämlich im Sommer in die Karibik und nicht im Winter nach Madeira. Apropos Winter, es wird immer kälter und das Wetter ist mehr als unfreundlich. Es ist kalt und nass.



Irgendwie schon pervers, wir können den Afrikanischen Kontinent sehen und frieren trotzdem. Jetzt wollt ihr sicher wissen was bei uns kalt heisst. Kalt heisst, das das Thermometer in der Nach auf 12 Grad fällt. Ich weiss, ich weiss, ihr habt um diese Jahreszeit teilweise unter Null. Aber ihr dürft nicht vergessen wir leben sozusagen draussen. Nichts mit schön am Oefeli sitzen am Abend. Das sind so die Momente wo man sich nach seinem Bürostuhl sehnt, der an der wärme steht. Die beiden wollen sich aber nicht nach ihren Bürostühlen sehnen, sondern weiter nach Süden, wo diese Sitzgelegenheiten schnell vergessen sind.


Bis uns das Wetter endlich ein o.k. gibt, vertreiben sich Rolf und Erni die Zeit mit kleineren Arbeiten am Schiff. Rolf klettert wieder mal ein bisschen auf dem Mast rum.



Wenn man so lange an einem Ort liegen bleibt, lernt man auch immer andere Segler kennen. Hier wieder der Kamikaze Bastler auf Sy Zangano mit Jean Francois in Aktion.



Zum Dank gibts zwei wunderbare Nachtessen, die beiden kommen so zu einer der besten Pizzas in ihrem Leben. Francine ist eine leidenschaftliche Köchin.

Wir lernen auch noch Vince und Fede von der SY. Aloa kennen, die beiden sind Italiener, ja und ihr habt richtig geraten, Fede macht natürlich die weltweit besten Pastas.


Dann passierts doch noch, Wir haben einen wunderschönen sonnigen Tag und der Fels ist heute ausnahmsweise nicht in eine Wolke gehüllt. Rolf und Erni beschliessen Heute mal einen auf Tourist zu machen, sie wollen auf den Felsen. Zuerst zur Touristeninfo, „was kostet es auf den Felsen zu kommen?“ Mit dem Cable Car kostet das 8 Pfund, inklusive Höhlenbesichtigung, zu Fuss 0.5 Pfund, ohne Höhlenbesichtigung. Die Tante meint aber noch, zu Fuss sei das ein weiter Weg. Ihr dürft einmal raten was die beiden machen, ja genau, sie gehen zu Fuss. Auf der engen Strasse die sich den Fels hoch windet, geniessen wir die Abgase all der Taxis die mit Touristen vollgestopft da hoch fahren. Die Aussicht ist aber super.

So, so Affen Management, kommt euch das manchmal auch bekannt vor?



Hier so ein Manager bei der Arbeit



In der Mittelstation des Cable Cars, lümmeln massenweise Affen herum. Sie machen sich einen Spass daraus durch offen Autofenster zu springen. Das sind lustige Intermezzos, ein Affe springt durchs offene Autofenster, die Bremsen quietschen, alle Türen öffnen sich, alle Insassen abgesehen vom Affen springen kreischend aus dem Auto. Der Affe bleibt natürlich hartnäckig im Auto sitzen. Da die eigentlichen Insassen die Gelegenheit hatten auf mehreren Tafeln zu lesen dass, das freilebende Tiere sind und manchmal beissen, entscheiden sie sich meist zu warten bis der Affe das Auto verlässt. Das kann aber dauern, was die folgenden Autos und Taxis zu einem heiteren Hupkonzert ermuntert. Apropos beissen. Rolf der immer alles anfassen muss, will so einem Affen den Kopf tätscheln, das macht den Affen aber ziemlich sauer. Der denk sich du kannst vielleicht deiner Alten den Arsch tätscheln aber nicht mir den Kopf und beisst Rolf kurzerhand in den Unterarm.




Erni knipst und krümmt sich fast vor Lachen, das macht den Affen noch etwas stinkiger und er nimmt nun Erni aufs Korn. Erni ergreift blitzartig die Flucht, diesmal Lacht natürlich Rolf. Wieder dieses blöde Lachen, der Affe wendet sich wieder Rolf zu. Da nun aber beide laut Lachen weiss der Affe nicht mehr wen er nun verfolgen soll, schlussendlich wirds ihm zu blöd und er verzieht sich.

Auf dem Gipfel angelangt, entdeckt Rolf einen Weg der auf der anderen Seite des Felsens herunter führt. Weg ist vielleicht etwas übertrieben, irgendwo steht noch eine Tafeln auf der steht, dass dieser Weg nur auf eigene Gefahr betreten werden kann. Das tun die beiden dann auch auf ihren Sandalen, obwohl ein guter Bergschuh einiges geeigneter erscheint. Nun ja, die beide haben gefunden was ihnen gefällt, hier ist kein Mensch. Der Abstieg ist spannend, obwohl den beiden schon etwa in der Mitte die Knie schlottern .Auf dieser Seite gibt es viele natürliche Höhlen.

Wir entdecken sogar Höhlenbewohner



Hier ein Exemplar, das gerade seine Auserwählte in die Höhle schleift.




Die Frage wo wohl dieser Weg endet taucht immer wieder auf. Er sieht nicht gerade aus als werde er noch unterhalten, es könnte gut sein, dass er Null, Komma plötzlich endet. Das tun die meisten Wege die Rolf entdeckt. Das wäre aber ziemlich beschissen, denn dann müssten wir wieder den ganzen Felsen hoch klettern und der ist ziemlich hoch.

Hier sind wir etwa in der Mitte.



Ende gut, alles gut, der Weg endet am Europa Point, nun sind es nur noch ein paar Kilometer zurück zum Hafen. Beide haben ziemlich weiche Knie, Erni hat zwar noch Wasser mitgenommen aber nichts zu Essen. . Sie wollten ja auch bloss mal schnell auf den Felsen , sind dann aber doch 7 Stunden unterwegs. So geht das immer wenn Rolf einen versteckten Weg entdeckt.


Jeden Tag wird das Wetter genau studiert, aber entweder Sturm oder gar keinen Wind. Auf den 21.10 sieht es so aus als könnten wir los fahren. Aber die Windprognosen geben jeden Tag weniger an und am 21 zigsten haben wir überhaupt keinen Wind. Die beiden haben nun aber die Nase voll und wollen weg. Morgen wollen sie losfahren. Da es momentan keine Möglichkeit gibt nonstop auf die Kanaren zu kommen, jedenfalls nicht unter Segel, wollen die beiden einfach mal losfahren und eventuell einige Halts in Marokko machen, denn es ist schon wieder ein gewaltiges Tief angesagt.


Wenn wir denn nun endlich loskommen, liegt die Strasse von Gibraltar vor uns. Pro Jahr befahren 30'000 Schiffe die Strasse, das sind pro Tag 80 Schiffe, ohne Fähren. Die engste Stelle ist 8 Seemeilen (ca 15Kilometer) man sieht also die Marokkanische Küste. Nach Marokko wollen die beiden nicht, ich glaube sie wollen so vermeiden Xantus mit irgendwelchen Teppichen auszustatten. Der Verkauf von Teppichen soll da sehr aggressiv sein und es gibt nur sehr wenige die es schaffen ohne Teppich das Land zu verlassen. Der sicherste Weg also keinen Teppich zu kaufen ist gar nicht nach Marokko zu fahren. Der Meeresspiegel am Atlantischen Ende ist über einen Meter höher als der Meeresspiegel am Mittelmeerende. Dadurch fliessen ungefähr eine Million Kubikmeter Wasser pro Sekunde ins Mittelmeer, was natürlich Strömung mit sich bringt. Diese Strömung verläuft anders als die Tide immer von Westen nach Osten, ist ja Logisch. (Tide ist die Strömung die durch den Mondzyklus erzeugt wird) Klar wisst ihr Segler das, es gibt aber Leute die das nicht wissen, darum erkär ich das hier. Also, dazu kommt die Tide, die hier ungefähr einen Meter ist. Diese Strömung kann entweder von Ost nach West oder umgekehrt verlaufen und ist alles andere als Konstant. Die Richtung der Strömung betrifft auch nie den ganzen Kanal. Es kann durchaus an der Spanischen Küste eine Strömung von 3 Knoten Richtung Ost in der Mitte Null und an der marokkanischen Küste 1,7 Knoten Richtung West herrschen. Natürlich ändern die Strömungen Stündlich. Beim befahren der Strasse muss also von einer Strömung in die andere gewechselt werden. Das wechseln in die verschiedenen Strömungen ist aber auch nicht ganz einfach, da in der ganzen Strasse Thunanetzte ausgelegt sind die umfahren werden müssen.

Die Tiden Tabellen stammen aus dem Jahre 1944 und sind seither nie erneuert worden. Der Autor des Segelhandbuchs, der die Strasse schon über 200 mal befahren hat, meint es ist eher Glücksache die richtige Zeit der Abfahrt zu wählen, und die richtigen Strömungen auszunutzen. Auch ihm sei es schon passiert, dass er unter vollen Segeln und Motor zurückversetzt wurde. Er meint in der Strasse von Gibraltar gibt es einfach zu viele Einflüsse, zum Beispiel hat auch der Wind einen Einfluss auf die Strömung und plötzlich ist alles anders, als in der Tabelle beschrieben. Der herrschende Wind wird durch die Verengung bei Tarifa kanalisiert, das bedeutet wenn man in Gibraltar bei einem Wind von 4-5 Beaufort losfährt, muss man bei Tarifa mit einer Stärke von 6-7 Beaufort rechnen, zusätzlich sei das zunehmen des Windes nicht konstant, sondern trete plötzlich auf. Für die Segler die hier vor Anker liegen und nach Westen wollen gibt es eigentlich nur ein Thema, wann ist die Richtige Abfahrtszeit. Man merkt keiner ist so richtig sicher bei seinen Berechnungen. Also ich bin ja mal gespannt wie meine beiden Freunde das ganze meistern.

Fortsetzung folgt, immer vorausgesetzt wir überleben das ganze Nein ,nein war ja nur ein Spass, ich vertraue natürlich voll und ganz auf die Segelkünste der beiden. Bleibt mir ja auch nichts anderes übrig.