Corse
04.05.2005 Porquerolle-Calvi, 120 Seemeilen, das heisst also es wird zum ersten mal die Nacht durch gesegelt. Um ca. 13 Uhr geht's los, die Windvorhersagen sind nicht schlecht W-NW 4-5. Dementsprechend kommen wir auch voran. Es gibt noch einen kleinen Umweg. In einem Abgegrenzten Gebiet um Porquerolle spielt das Militär noch mit Torpedors rum, ja da macht man doch gerne einen kleinen Umweg. Wir hören auch pausenlos auf der Funke wie Schiffe aufgerufen werden, das besagte Gebiet sofort zu verlassen. reagiert ein Schiff nicht auf die Funke, wird es via Helikopter auf den richtigen Kurs gebracht. Wind und Wellen legen zu. Xantus hats offensichtlich eilig 7,5-8 Knoten. Es schüttelt uns alle ganz schön durch. Um Mitternacht lässt dann der Wind für ca. 2 Stunden nach. Dann dreht er auf S-SW und bläst wieder mit 6-7 Beaufort. Bei Sonnenaufgang sind wir bereits vor Revellata. Die Überfahrt hat 16 Stunden gedauert. Durchschnitts Geschwindigkeit, 7,5 Knoten. Nicht schlecht, gell.

Die
Schneebedeckten Bergspitzen irritieren
Anfangs etwas, aber ja, es ist erst Anfangs Mai und die Berge sind
hoch. Mal abgesehen vom Meer, irgendwie heimisch.

Korsika ist im Frühling wunderschön es blüht wo man hinschaut.

Wir segeln der Westküste entlang Richtung Süden. Es ist so schön hier, dass wir in fast jeder Bucht Ankern und ein oder zwei Tage bleiben. Kein Wunder, dass wir bis Bonifacio fast sechs Wochen haben. Die Saison ist noch nicht losgegangen, an den Stränden sieht man höchstens mal eine Kuh die sich sonnt. Oder ist das vielleicht doch ein Stier? Erni natürlich wieder im roten T-Shirt!

Ideale
Temperaturen zum Wandern, was Erni und Rolf auch oft tun. In Girolata
werden sie auf einer ihrer Wanderungen von einem Hund begleitet. Das
Tier hat sich den beiden einfach angeschlossen und die beiden laufen
dem Hund nach. Der Hund macht auch eine schöne Tour und bringt
die beiden Abends wieder nach Girolata.

Beide
sind begeistert von dem Tier, und fragen sich ob der wohl öfters
Touristen herumführt. Zurück in Girolata erkundigen sie
sich wem denn der Hund gehört, der Hund gehört niemandem,
lungert hier seit ca einer Woche rum, bettelt in den Restaurants wo
er dauernd im hohen Bogen rausfliegt. Jetzt haben die beiden ein
Problem. Der Hund ist wirklich toll,
scheint überhaupt nicht aggressiv
zu sein, Kläfft nicht, braucht keine Leine, und beim Picknick
der beiden ist er nicht mal auf die Idee gekommen zu betteln. Erni
konnte dies kaum glauben, Hunde betteln nämlich immer, und wenn
man bedenkt, dass dieser Hund bestimmt Hunger hatte, grenzt das schon
an ein Wunder. Doch beide sind sich einig, "Wir wollen keinen
Hund an Bord" und das sagen sie so lange vor sich hin bis sie
davon überzeugt sind. Schon weil so ein Bordleben für einen
Hund eher eine Qual als ein Vergnügen wäre. Also sagen die
beiden dem Hund Tschüss, bedanken sich noch für die schöne
Tour die er ihnen gezeigt hat und steigen ins Dingi. Kaum sind sie
zwei Meter vom Ufer Entfernt fängt der Hund ganz fürchterlich
an zu Jaulen, bis jetzt hat er keinen Laut von sich gegeben, aber
jetzt kläfft und jault er, dass es einem das Herz zerreisst.
Offensichtlich hat er die beiden Adoptiert, und jetzt hauen sie
einfach ab. Unsere beiden Helden reagieren auf sowas eher
empfindlich, sie haben ein schlechtes
Gewissen, das kompensieren sie indem sie wie die wilden zum Schiff
rudern. Zum Glück schwimmt der Hund nicht, sonst hätten sie
jetzt ein Problem. Wieder auf dem Schiff schauen sie mit dem
Feldstecher ans Land, was denn jetzt der Hund so macht. Es vergehen
sicher 2 Stunden bis er aufhört zu jaulen. Beide sitzen
im Cockpit und ziehen eine finstere Mine,
der Hund ist ihnen offensichtlich auch an Herz gewachsen. Nach 2
Stunden verschwindet der Hund im Restaurant und kommt gleich wieder
jaulend rausgerast. Jetzt wägen die beiden ab ob sie dem Hund
was zu Essen bringen sollen. Sie wissen das macht das ganze nur noch
schlimmer. Nach einer weiteren Stunde kommt dann der Koch aus dem
Restaurant und holt den Hund. Oh jeh......was hat der denn jetzt
vor? Was steht in diesem Restaurant heute Abend
auf dem Menueplan? Nach einer viertel Stunde erscheint dann der Hund
aber wieder, wir nehmen an er hat was zu essen bekommen. Am nächsten
Morgen verlassen wir dann Girolata, die beiden haben sich vorgenommen
keinen Hund mehr zu streicheln. Also ich meinerseits bin ja froh,
dass sie den Köter nicht an Bord gebracht haben. Hunde sind
nämlich Plüschtierquäler, ich habe schon Geschichten
gehört, da wurden Artverwandte von mir
bei lebendigem Leibe von so einem Hund zerfetzt. Die Menschen meinen
dann immer "Er hat's ja nicht bös gemeint,
wollte nur spielen" Auf dieses Thema
will ich jetzt nicht weiter eingehen.
Die beiden sind ständig unterwegs und klettern auf jedem Stein der sich anbietet rum. Und es bieten sich unzählige an.

Ajaccio: gross Einkaufen, Wäsche und eine Nacht im Hafen, Wasser Bunkern und so.

Bevor wir in Frankreich losgesegelt sind, wurde den beiden immer wieder gesagt, dass man im Mittelmeer nirgends ankern kann oder zumindest immer dafür bezahlen muss. Das stimmt aber überhaupt nicht. Nach 2 Monaten sind wir zum ersten mal in einem Hafen und das nur weil wir Wasser brauchen. Allerdings soll hier gesagt sein, es gibt unzählige schöne Ankerplätze, aber vorallem im Frühling wenn noch heftige Winde wehen ist es nicht immer einfach den entsprechenden Ankerplatz zu finden. Zum Beispiel gibt es auf der Westküste Korsikas nur wenige die gegen starke West oder Südwest Winde geschützt sind.
Das ist jetzt das neue Hobby der beiden, Hafenkosten sparen. Und ich muss sagen bis jetzt haben sie es nicht schlecht gemacht. Immer schön Wetterbericht gehört, Ankerplatz ausgesucht und dann dahin. Ich kann zwar nicht behaupten, dass wir jede Nacht absolut ruhig gelegen haben. Es gab da Nächte, da bin ich die ganze Nacht mit der Nase an die Scheibe geklatscht. Da ich aus Plüsch bin hat das keine Geräusche verursacht. Hätte es Geräusche verursacht wäre ich wahrscheinlich relativ schnell befreit worden. Aber eben keinen Ton. Ach hier noch die Erklärung wieso ich bei schauckelndem Schiff mit der Nase an die Scheibe klatsche. Erni und Rolf, nett wie die beiden sind haben mich kardanisch aufgehängt, allerdings nur auf eine Seite absolut freischwingend, das hat wie gesagt so seine Vor-und Nachteile. Soll ich euch jetzt auch noch sagen mit was ich kardanisch aufgehängt bin. Nein es ist nicht eine Schaukel mit Kissen oder so, es ist schlicht und einfach Fischer-Silch den sie um meine Flossen gewickelt haben. Gell das sind doch Sadisten. Gibts hier eigentlich keine Vereinigung der Rechte für Plüschfische? Kann irgendwer helfen. Ich schreib jetzt mal besser weiter, bevor ich unfreiwillig baden gehe.
Wo sind wir stecken geblieben? Ach ja Ajaccio. Hier lernen sie noch Mimi kennen, ehemaliger Zahnarzt der meint " un trou de cul c'est plus propre que le bouche d'un homme. Der muss es ja wissen. Solche Sprüche gefallen den beiden natürlich, und wieder bleiben wir länger als vorgesehen. Mimi hat nicht nur gute Sprüche drauf er kocht auch gut.
Irgendwann schaffen wir es dann doch noch nach Bonifacio. Beim anlaufen der Stadt bleibt allen der Kiefer unten.
Das ganze ist scheint etwas überhängend.

Der Anblick ist imposant. Die Hafeneinfahrt ist von weitem kaum auszumachen. Beim näher kommen sieht man aber einen Schlitz in den Felsen. Im Hafen selber ist eine kleine Bucht in der wir ankern. Am nächsten Tag macht ein Schiff mit Schweizerflagge neben uns fest. Die Schiffsnachbarn Heidi und Bruno sind sympathisch, so kommt es, das wir wieder etwas länger in Bonifacio bleiben als vorgesehen. Na Hauptsache es macht Spass und das hat's gemacht. Bruno bekommt von Heidi ein Set Schweizerkreuze auf die Zehennägel gemalt. Die Trockenzeiten der Farbschichten beanspruchen Bruno ganz schön. Aber Abends bei einem Glas Wein erholt er sich dann wieder.

Alle
haben Spass daran, nur Bruno meint, na ja dann geh ich halt wieder
mal als Schwuler durch. Wir gehen auch mit den beiden einen
Stadtbummel machen. Heidi will den berühmten Friedhof besuchen.

Das ist der Friedhof von Bonifacio, sieht aus wie Reihen-Einfamilenhäuser, irgendwie hat man das Gefühl gleich kommen alle mit Sonnenschirm und Liegestuhl raus. Beruhigt euch, es kam keiner raus. Falls man sowas als Kultur anschauen kann, war das der erste Kulturausflug für Erni und Rolf. Die Begeisterung hat sich dann auch in Grenzen gehalten. Die beiden klettern lieber auf irgendwelchen Steinen rum als das sie irgendwelche aufeinandergestetzte Steine bewundern. Ach ja bevor man zu Friedhof kommt muss man durch die befestigte Stadt, das hat den beiden aber dann doch imponiert.
Wir bekommen ein SMS, Caro will uns besuchen. Wir segeln nach Lavezzi, die Insel gehört noch zu Korsika.
Da finden wir einen tollen Ankerplatz. Nicht nur über Wasser sondern auch Unterwasser hat es viele Steine, trotzdem müssen die beiden unbedingt in die Bucht fahren. Das Wasser ist so klar, dass man es wagen kann. Einmal drin in der Bucht stellen die beiden fest, dass die ganze Bucht sehr untief ist. Sie finden aber eine Stelle wo's reicht. Allerdings muss noch eine Heckleine ausgebracht werden denn im Schwoibereich befinden sich Stellen die zuwenig tief sind. Der Wetterbericht ist auch gut, es soll keine starken Winde geben. Bei Starkwind gäbe es kein herauskommen aus der Bucht.


Das
liegen in der Bucht ist unwirklich schön. Die Bucht gehört
uns alleine, zwar taucht hie und da ein andres Segelboot auf, das
auch in die tolle Bucht will. Die meisten merken relativ schnell,
dass sie zu viel Tiefgang haben. Dann gibt es noch die anderen die
eben mal kurz auf Grund laufen, denen machen wir dann klar, dass
Xantus ein Integralschwerter ist und das er mit gehobenem Schwert
90cm Tiefgang hat. Somit ist Xantus ein kleiner Fallensteller, macht
er aber nicht extra. Andere Segler meinen, wenn da so ein grosses
Segelschiff drin liegt reicht das für mich auch, aber das stimmt
eben nicht.
Via SMS kommunizieren wir mit Caro, wann wir sie wo aufladen können. Am 19.06 will sie kommen. Flug nach Olbia. Dann Bus nach ? Zwei Tage vor ihrer Ankunft ist immer noch nicht klar wo sie genau ankommt. Wir machen uns mal auf den Weg nach Sardinien.