Volketswil-Auhafen-Dreiländereck-Grau du Roi

Am 25.10 ist es dann soweit. Heute soll das Schiff auf den Tieflader gehieft werden. Am Morgen versuchen sie noch all ihre Sachen zu verstauen und alles auf Deck wird festgezurrt. Um 15:00 kommt der Transporter. Wieder Spannende Sache. Alles geht gut.


Am nachsten Morgen ist dann der Transport. Rolf und Erni fahren mit ihrem alten Toyota hinterher.

Es regnet den ganzen Tag.


Diesmal ist der Kran frei. und das Schiff wird gleich ins Wasser gehoben. So ein bisschen nervös sind die beiden schon, kaum ist das Schiff im Wasser, hecht an Bord und sofort in die Bilge schauen. Nach all den Arbeiten die sie unter der Wasserlinie gemacht haben lohnt es sich wohl doch mal nachzusehen ob alles trocken bleibt. Vorerst bleibt auch alles trocken. Die Hebegurten werden entfernt und das Schiff schwimmt.

Es wird verholt um den Containerschiffen Platz zu machen. Es ist noch ein Termin offen, die Abnahme des Motor's, kann erst gemacht werden wenn das Schiff im Wasser ist. Also das Schiff ist im Wasser und am Nachmittag kommt der Mech, der die Abnahme macht. Ich kann nicht genau sagen wie oft in der Wartezeit ein Bilgendeckel geöffnet wurde. Endlos lange hiess es "trocken" und plötzlich WASSER!!!!!! Zwar sind es nur ein paar Tropfen, aber doch sehr ungern gesehen. Ironischer weise kommt das Wasser von der genialen Zusatzeinrichtung (Rolf's Idee) die Kühlwasser Pumpe des Motors zusätzlich im Notfall als Bilgenpumpe zu verwenden. Das Umschaltventil leakt. Mit einem Champagner Korken, der aus unerfindlichen Gründen mit an Bord gekommen ist, ist das Problem vorerst schnell behoben. Am Nachmittag kommt der Mann der den Einbau des Motors abnehmen soll. Rolf wird schon wieder gelobt.

Danach fahren wir noch ins Dreiländereck.

Am Sonntag 31.10.2004 findet dann noch die Taufe statt. Erni wollte da nichts mehr machen, sie hat das Organisieren von Partys vorläufig satt. Eher zufällig kommen dann doch noch ein paar Leute. Die beiden haben gerade mal eine einzige Flasche Champagner an Bord. Beratungen finden statt. Es wird entschlossen dass Xantus einen Schluck über die Nase bekommt, und der Rest soll an alle verteilt werden. Ach ja, da brauchts ja noch einen Götti oder eine Gotte. Keiner will so recht. "Caro du bist die Gotte, schütt mal eben einen Schluck von dem Champagner auf die Nase von Xantus" Caro ist leicht überfordert mit den unerwarteten neuen Verpflichtungen. Der Schluck für Xantus fällt etwas gross aus, na ja er ist ja auch der grösste von uns allen. Es reicht aber noch allen das Glas zu benetzen, jedenfalls so das die Gläser abgewaschen werden müssen. Die Taufe war vielleicht nicht gerade standesgemäss, aber eben halt Rolf und Erni like.



Zum Schiffsnamen. Vorher hiess das Schiff, Quo vadis Delfis, damit konnten die beiden nicht leben.

Bei der Vorstellung diesen Namen im Funkalphabet , mit Herkunftsland buchstabieren zu müssen, kommt schon das Hirn ins Stottern. Neu soll das Schiff XANTUS heissen. Kurzer Name mit einem Modischen X als Start. Wenn ihr wissen wollt was Xantus heisst, seht doch mal im Internet nach. Es gibt da verschiedene Bedeutungen. Werden die beiden aber von anderen Seglern gefragt ist die Antwort, "Das ist ein kleiner seltener Seevogel, etwa so spektakulär wie eine Ente, der trotz seiner Grösse Monatelang auf See bleiben kann" Es wurde darauf verzichtet den imposanten Vogel auf den Rumpf zu malen. Nur Insider kennen den Ursprünglichen Grund der Namensgebung.

Xantus Murrelet



Am Montag den 01.11.2004 nach dem ausklarieren, gehts dann los. Nur ist da noch etwas zu erledigen. Bei Änderung des Schiffnamens muss das Kielwasser 8 mal gekreuzt werden, sonst bringt das Unglück, so meinten wenigstens die Voreigner. Also Leinen los und Achterschlaufen fahren. Niemand an Bord ist Abergläubisch, aber schaden kann's ja nicht, auch wenn's etwas Peinlich ist. Die Leute auf der Baustelle schauen schon alle, und jetzt kommt auch noch die Grenzwache. Erni meint das vielleicht auch sechs reichen würden, aber Rolf zieht das ganze voll durch. Durch diese unumstössliche Pflicht, erreichen sie dann auch den Hafen erst nach einbrechen der Dunkelheit, im Blindflug sozusagen.

In Niffer werden Erkundigungen eingeholt., welche Kanäle um diese Jahreszeit offen sind. Wie schon vermutet ist der Rhein-Rhone Kanal geschlossen. Obwohl die beiden das schon vermutet haben, ist der Frust gross, das Wetter ist kalt und nass, und jetzt müssen sie auch noch Richtung Norden fahren. Alles unter dem Motto ab in den Süden.

Also erst mal nach Strassburg, es wird eine Vignette für das Schleusen benötigt, und dann sind da noch Zollformalitäten zu erledigen,. einklarieren. Rolf findet sowas wie einen Zoll. Was ihn etwas erstaunt ist, dass überall Poster von Bob Marley rumhängen, verschiedenste Wassepfeifen auf den Regalen stehen und die Zollbeamten da Langhaarige Freaks sind (aber mit Pistole). Die Freaks meinen dann auch, das sie für solche Sachen nicht zuständig sind. Einer bietet sich aber an, Morgen mit Rolf zum zuständigen Zoll zu fahren. Das geschieht dann auch am nächsten Morgen. Wie bereits erwähnt, ist Rolf's Mami mit an Bord, die sich die Füsse vertreten und noch etwas Einkaufen will.

Als Rolf zurück kommt, hat er auch begriffen warum der Zollbeamte ihn da hin gefahren hat. Der Weg dahin gehört eher zu den unsicheren Gegenden von Strassburg, wie der Zollbeamte meinte. Und Mami ist genau in diese Richtung einkaufen gegangen. Clever wie sie ist, hat sie sich gesagt, da wo all die Männer mit ihren Flaschen in den Plastiksäcken herkommen, muss es eine Einkaufsmöglichkeit geben. Na ja wir haben sie unbeschädigt zurück, und in dem Laden gab es ausser Schnaps auch noch andere Sachen einzukaufen. Jedenfalls hat's jetzt wieder Früchte, Gemüse, und Salat an Bord.

Die Zollformalitäten die Rolf zu erledigen hatte, gestalteten sich auch etwas seltsam, keiner wusste so genau was er jetzt mit den Schiffspapieren machen soll, scheint nicht so das Alltagsbusiness dieser Zollstelle zu sein. Zum Schluss hat's dann irgend einen Stempel gegeben. Vorläufig ist das ganze auch kein Problem, kann aber zu einem werden wenn das Schiff wieder aus dem EU Raum ausgeführt wird.

Bei der Vignettentante wird dann auch in Erfahrung gebracht, dass auch der Kanal de l'est branche Sud geschlossen ist. Das heisst, endlos Richtung Westen mit endlos vielen Schleusen, auf den gleichen Nördlichen Breitengraden, bis wir endlich Richtung Süden fahren können. Um es kurz zu machen, der kürzeste Weg (Basel, Niffer, Saint- Symphorien, Lyon ,Grau du Roi) wären ca. 760 km mit 140 Schleusen gewesen, der jetzt zu machende Weg (Basel, Stasbourg, Nancy, Vitri-le-Français, Saint-Symphorien, Lyon, Grau du Roi) sind 1200 km mit 290 Schleusen. Auf dem Umweg kam so etwa alle 2.7Km eine Schleuse.

Das ganze geschieht also im Schritttempo. Es ist meistens kalt und neblig. Doch Mami tröstet die beiden. "Es ist alles für etwas gut im Leben" meint sie etwas zu oft. Erni und Rolf wissen nämlich nicht genau wozu das gut sein soll. Höchstens das der Alterungsprozess höchstwahrscheinlich massiv verlangsamt wird bei solchen Temperaturen. Na, jedenfalls versucht Mami alles, um die beiden bei Laune zu halten. Mittags kocht sie Suppe, die in den kurzen Stücken zwischen den Schleusen eingenommen werden, sehr oft reicht aber die Zeit nicht, dann wird die Suppe von Mami während der nächsten Schleusung warm gehalten.

Auch kauft sie bei jeder Geglegenheit Süssigkeiten für die beiden. Es geht ihnen also nicht schlecht.

Am 15.11 in Bayard ist dann das erste mal das ganze Schiff mit einer Eisdecke überzogen, Aussentemperatur -6 Grad. Beim ersten mal raus gehen poltert's dann auch arg. Rolf hat's zweimal auf die Schnauze gehauen.

Trotzdem wird weiter geschleust, einfach etwas vorsichtiger, denn auch die Schleusenleitern sind völlig vereist. An solchen Tagen Joggen sie abwechslungsweise auf den Wegen am Kanal, um etwas wärme in den Körper zu bringen. Auch Mami geht oft zu Fuss.




Xantus reist völlig alleine zuerst Richtung Westen und dann nach Süden, auf den Kanälen ist nicht's mehr los, kein normaler Mensch macht um diese Jahreszeit eine solche Reise. Nur die, die müssen und wir müssen eben, weil die beiden das ganze eben nicht innert nützlicher Frist auf die Reihe gebracht haben. Auch alle Häfen sind geschlossen. Dafür sehen wir endlose Schwärme von Wildgänsen die Richtung Süden ziehen. Ja, ja wir kommen auch gleich.

Die einzige die das ganze ohne zu motzen hinnimmt ist Mami, die Frau ist zu bewundern, auch wenn sie nicht auf Deck sein muss, friert sie auch öfteren im Schiff, denn auch da wird's, trotz Heizung kaum über 16 Grad. Sie vertreibt sich die Zeit mit den Comics, die natürlich unbedingt mit an Bord mussten. Darunter sind welche die nicht gerade für Kinder, aber auch irgendwie nicht für Mütter die 74 Jahre alt sind, gemacht sind. Erni und Rolf bekommen rote Köpfe als sie Mami mit diesen Comics sehen. Sie meint auch immer, was für ein Mist das ist, liest sie aber gnadenlos durch. Sogar Zitronenröllchen von Raph König. Die dies kennen, wissen was ich meine. Wenn sie nicht gerade am lesen ist wischt sie das Kondenswasser von den Scheiben.

Es ist kaum zu glauben wieviel Kondenswasser gebildet wird. Als das Wasser zuerst in der Bilge entdeckt wurde, wurde nach einem Leak im Druckwassersystem gesucht. Es stellte sich aber heraus, dass es sich um Kondenswasser handelt. Jeden Tag in jeder Bilgenkammer über ein Liter. Sogar die Matratzen fangen an zu schimmeln. Rolf und Erni sind frustriert, alles neu lackierte und die neuen Polster gammeln vor sich hin. Aber es geht ja nach Süden, wenn auch mit Umwegen.

Hätte die Reise um eine andere Jahreszeit stattgefunden, könnte man sie bestimmt als wunderschöne Reise bezeichnen. Bis nach Lyon ist die Landschaft wunderschön und es gab auch schöne Tage.





Es gibt auch viele interessante Bauwerke. Zum Beispiel das Schiffshebewerk von Arzwiler. Da fährst man mit dem Schiff in eine riesige Badewanne, dann wird die Badewanne den Berg hoch gezogen.

Dieser Schrägaufzug für Schiffe ist einzigartig in Europa und wurde 1965 bis 1968 konstruiert. Er befindet sich am östlichen Ende der Scheitelhaltung der Vogesen. Früher war hier auf einer Strecke von 3.8 km, eine Höhe von 44,55 m mit 17 Schleusen zu überwinden. Diese Anhäufung von Schleusen behinderte die Schifffahrt sehr stark und führte oft zu Staus. Das hydraulisch funktionierende Schiffshebewerk hat zudem den Vorteil wenig Wasser zu verbrauchen.



Auch hier meinte Mami wieder einmal,"Seht ihr, es ist alles für etwas gut im Leben, wären wir früher losgekommen hätten wir das nie gesehen, dann wäre nämlich der Rhein-Rhone Kanal noch offen gewesen"

Oh ja, das wäre er!!!!

Auf unserem Weg waren auch drei 5 km lange Tunnels, unsere Schiffsbreite 4.2 Meter, Tunnelbreite 5.05 Meter, bleibt also nicht viel auf jeder Seite, das heisst ganz schön konzentrieren. Die Tunnels sind eigentlich beleuchtet, aber nur eigentlich. In einem der Tunnels hat gerade mal die erste Lampe Licht gespendet, danach wurde es stockdunkel. Bis Erni die Lampe geholt hat, fährt Rolf im dunklen weiter, einfach anhalten geht nicht. Das ganze passiert ohne zu touchieren.


In einem der drei Tunnels fährt ein Zugschiff voraus. In diesem Tunnel werden die Boote von einem anderen Boot gezogen, maximal können 4 Boote angehängt werden. Als wir beim Tunnel ankommen, sind wir die einzigen, kein Wunder um diese Jahreszeit. Der Typ auf dem Zugboot meint es währe einfacher wenn wir mit eigenem Motor hinter ihm herfahren, wenn wir von ihm gezogen würden kämen wir ziemlich ins Pendeln, was bei der Breite des Tunnels ziemlich unangenehm werden könnte. Wir fahren also hinter ihm her. Da das Zugboot nur mit 5 Kmh fährt, will die fahrt durch den Tunnel nicht enden, sie dauert etwa eine Stunde. An der Decke des Tunnels befinden sich Stromschienen, das Zugboot ist wie bei einem Trolleybus mit den Leitungen verbunden. Der eigentlich Antrieb vom Boot läuft über eine Kette die am Tunnelboden liegt.



Auch unzählige Brücken die auf alle möglichen und unmöglichen Arten gehoben, gedreht oder gekippt werden, meist noch von Hand, gibts zu sehen.




In Lyon hat Mami dann die Nase voll, sie will nach Hause. Sie war nun fast vier Wochen auf dieser eher unangenehmen Reise. Das unangenehme betrifft aber nur das Wetter ansonsten hatten's die drei ganz lustig. Es muss schon eine aussergewöhnliche Schwiegermutter sein, mit der man es so lange bei solchen Verhältnissen auf einem Boot aushält. Ich hab sogar gesehen wie Erni beim Abschied Tränen in den Augen hatte. Zugeben würd sie's ja nicht, aber ich hab's genau gesehen. Auch Rolf hat ein eher etwas verkrampftes Gesicht gemacht. Ich glaube zu ersten mal ist sowas wie Abschied empfunden worden.



Dann geht's weiter Richtung Süden. Am nächsten Morgen herrscht ziemlich Nebel, sie fahren trotzdem los. Nach einer Stunde herrscht nur noch Nebel. Ein weiterfahren ist zu gefährlich, Sie versuchen das Schiff so weit als möglich an Ufer zu Steuern, und Ankern dann. Bei diesem Manöver bemerken sie, das noch andere in Schwierigkeiten sind, denn plötzlich taucht aus dem nicht's ein Motorboot auf. Beim aufklären des Nebels wird allen etwas mulmig. Sie stellen fest, dass sie sich etwa 10 Meter von einem Brückenpfeiler entfernt befinden. Auch die nächste Schleuse ist nicht weit und was vorallem nicht weit ist, ist die Stelle wo der eigentliche Fluss um die Schleuse verläuft, mit kleinem Wasserfall und so, also nicht Schiffbar. Zum Glück haben sie frühzeitig angehalten. Es wäre unmöglich gewesen den Richtigen Weg zu finden. Nach dieser Erfahrung montiert Rolf den Radar, keine schlechte Idee. Sie versuchen dann auch nach Radar zu fahren, dies aber bei guter Sicht. Zum Glück, nach Radar fahren braucht schon etwas Training.

In Avignon bemerken wir dass vom Hafen den wir anfahren wollen nur noch die Poller übrig sind. Die Stege wurden beim letzten Hochwasser weggeschwemmt. Es ist unvorstellbar dass das Wasser so hoch stieg dass die, Stege oben aus den Pollern rutschen konnten. Die Poller sind etwa 6 Meter hoch. Ansonsten verläuft die weitere Reise ohne besondere Vorkommnisse, es ist schön und kalt, und wir kommen gut vorwärts da die Schleusen weit auseinander liegen. Die Hebebrücke vor Grau du Roi kommt näher, und wieder kommen Fragen auf, wie war das noch? Wir sind da drunter durch, aber was war da wie montiert. Beide schauen sich blöd an. Das darf doch nicht wahr sein, das hatten wir schon mal. Der Mistral bläst uns ziemlich schnell Richtung Brücke, und immer noch schauen sie blöd. Rolf verschwindet im Schiff, kommt wieder und sagt, dass letztes mal der Radar nicht oben war. Wie hat er das rausbekommen. Ganz einfach, er hat auf dem Compi die Fotos vom letzten Jahr nachgeschaut. Jetzt muss es aber schnell gehen, Erni versucht das Schiff ruhig zu halten und Rolf demontiert den Radar. Genau gesagt bleibt nur noch Zeit die vordere Halterung zu lösen und ihn nach hinten wegzukippen. Wir befinden uns unmittelbar vor der Brücke, als Erni noch schnell den Holzplock mit dem provisorisch montierten Navigationslicht demontiert. Und schon sind wir unter der Brücke, Rolf zögert, Erni sagt es reicht, obwohl sie auch diesmal bestimmt nicht sehen kann ob es wirklich reicht, aber es reicht, wenn auch wie letztes mal ganz knapp. Rolf hat im vornherein mit Spano telefoniert, wir haben da einen Platz in der Werft, wo die restlichen Arbeiten gemacht werden sollen.