Umbauarbeiten

Jedes Wochenende und in den Ferien wird am Schiff gearbeitet. Nach der Arbeit unter der Woche kann auch vieles vorbereitet werden, wird auch. Material besorgen und Arbeiten die auch ausserhalb des Schiffes gemacht werden können. Alle Freunde werden vernachlässigt. Ihre Freunde bekommen sie nur noch zu Gesicht, wenn sie von diesen auf der Baustelle besucht werden. Wo sich die beiden Sprüche anhören müssen wie, “ui,ui,ui, das ist aber noch viel Arbeit!“ oder “Sag mal, mein ich das nur oder sieht das ganze immer schlimmer aus?“ Bei solchen Sprüchen versuchen die beiden sich nicht's anmerken zu lassen, aber ich sage euch man merkt's. Würden sie eine ganze Zitrone verspeisen, würde man ihnen weit weniger ansehen. Als Rolf das neue Fundament für den Motor Schweisst, kommt zweimal die Frage ob dies die Toilette ist. Plumsklo, sozusagen, nur ist das Loch unter der Wasserlinie. Das Loch für den Saildrive ist das nämlich.



Obwohl man eine gewisse Ähnlichkeit nicht leugnen kann, möchten die beiden Personen hier nicht genannt werden.

Sogar ihren Katamaran, ihr Lieblings Spielzeug auf dem See verkaufen sie, keine Zeit.

Die Freekregata ist dann auch ein schwerer Tag, bis jetzt haben sie jedes Jahr teilgenommen, aber diesmal haben sie kein Boot mehr. Auf die Party am Abend verzichten sie dann aber doch nicht, obwohl sie vor Müdigkeit fast einschlafen. Ja Schlafen ist auch so ein Thema. Etwas was die Beiden an Wochenenden gern und ausgiebig tun oder besser gesagt, getan haben. Das ist aber nun vorbei. Rolf sorgt dafür, das auch am Wochenende früh aufgestanden wird, und Erni sorgt dafür, dass das ganze nicht ohne jammern vor sich geht. Rolf hat keine Zeit zum jammern, am Wochenende muss er jetzt immer Frühstück machen, was seine ganze Konzentration in Anspruch nimmt. In der Zwischenzeit jammert Erni, natürlich immer noch im Bett laut gähnend, für zwei.

Also was haben sie den in diesem Jahr alles gemacht.

Der Motor wurde erneuert.

Die Ersatzteile für den alten Volvo sollten etwa gleich teuer zu stehen kommen wie ein neuer. So gibt es einen neuen Yanmar. Rolf freut sich, von alten Volvos hat er wie ihr schon wisst die Nase voll. Allerdings muss sich Rolf ganz schön anstrengen bis der neue Motor eingebaut ist. Es muss ein neues Fundament geschweisst werden.



Da auch sonst noch dies und jenes geschweisst werden muss, macht Rolf einen Aluschweisskurs. Die Schweissanlage bekommt Rolf von der Firma in der er arbeitet zur Verfügung gestellt. “Danke“!! Die ganze Elektrische Anlage für den Motor wird erneuert und der Motorraum wurde neu Isoliert. Der Auspuff kommt von Steuerbord nach Backbord.

Die neuen Armaturen werden unter der Treppe eingebaut, neuer Gashebel montiert und so weiter.

Als dann Schlussendlich der Motor wieder mit einem riesigen Kran in den Rumpf gehoben wird, ist die Spannung nicht ganz ohne. Passt auch alles? Uff! alles passt, der Motor sitzt fest auf dem Fundament.

Der Transport des Motors haben sie auch wieder Urs zu verdanken. Ein Telefon und schon war Urs mit dem Motor da, Kran auch schon organisiert, für den 200Kg schweren Motor, kam ein Fahrbarer Kran mit einer maximalen Hebekraft von 20 Tonnen, der das ganze mal eben schnell gratis gemacht hat (wird dann wohl mit dem Rücktransport verrechnet). Die Fässer mit dem Diesel wurden auch gleich an Deck gehoben. Der Diesel stammte aus dem entleerten Tank. Uese ist eben ein Organisations Talent und da wenn man ihn braucht.

Die Steuerbord Koje wird verlängert.



Da sollen die Surfbretter drin Platz finden. Auch hier muss in der Backskiste ein neuer Rahmen geschweisst werden.

Es findet auch alles Platz darin. Surfbretter, Surfsegel, Bäume, Fahrräder und sonst noch ne Menge Nötiges und Unnötiges. Kurz gesagt vollgestopft bis unter die Decke. Die Koje wird dann von den Freunden liebevoll “Keller“ genannt.



Rolf und Erni meinen aber, dass das eine ganz normale Koje ist, ist sie auch, mal abgesehen von dem ganzen Zeugs das darin lagert. Wird die Koje aber geleert. ist es wieder eine Schlafkoje, einfach für Menschen über 2,8 Meter Körpergrösse.

Die Wände der Bug und Heckkojen sind mit Teppich ausgekleidet. Das ganze wird neu mit Forexplatten gemacht.




Die Forexplatten waren auch ein Glücksfall, die beiden haben ein Schwein am Arsch, das es kaum zu fassen ist. Diese Platten sind zwar unglaublich praktisch, aber auch unglaublich teuer. Der Schreiner in Hombrechtikon, an den die Anfrage ging, besorgt die Platten für wenig Geld. Eine Werbefirma die Konkurs gemacht hat, verkauft massenweise solche Platten. Diese sind allerdings einseitig mit Plakaten beklebt, macht aber nichts, die Plakate haben noch eine Rückseite und diese ist Makellos. Was der Schreiner besorgt ist eigentlich viel zu viel, das macht aber nichts. Die Kosten für den Zeitaufwand die der Schreiner aufgewendet hat um die Platten zu besorgen, ist grösser als der Preis für die ganzen Platten. Da Erni die neuen Wände in den Kojen macht , ist es auch gut wenn voriges Material vorhanden ist. Vorallem wenn's immer noch zu klein ist. Aber auch sonst kann man dieses Material für alles mögliche verwenden. Bilgen und Kästen auskleiden Schablonen machen, und so weiter. Ausserdem ist dieses Material hervorragend zu bearbeiten, wie gemacht für Anfänger.

Es werden Massenweise neue Kabel verlegt. Diese Arbeit scheint ihnen besonders Spass zu machen. Beim zuhören hat man das Gefühl die beiden leiden unter Postpupertärem Zwangsvulgerismus, nämlich immer dann wenn der Kabeleinzugsdraht reisst. Die Kabelrohre machen soviele reckte Winkel, dass es kaum möglich ist ohne grösseren Kraftaufwand ein Kabel einzuziehen. Rolf hat die Idee, es ist kaum zu fassen, er zieht über die Winch, ratsch.....!!!!!! gerissen, "Himmi, Hergott, Kruzi, Teibi, Sakrament, scheiss Glump, verreckts!!!!!!!!" erklingts im Chor. Jetzt hat Erni eine Idee, sie meint wenn da weniger Biegungen im Kabelrohr wären, würde das ganze einfacher gehen. Erstaunliche Gedankengänge für eine Frau. Aber Rolf meint zuviel Arbeit. Also nochmals die Winch, ratsch....!!!! Jetzt werden alle Biegungen vorübergehend entfernt, jedenfalls da wo es möglich ist. Diesmal klappts. Beim wiederherstellen der Biegungen motzt Rolf unaufhörlich, was für ein Scheissjob das ist. Das macht er Absichtlich, so kann Erni nämlich den Triumph nicht geniessen.

Ein neues WC. Da nur ein Chemie WC vorhanden ist mit 20Litern Fassungsvermögen, wird eine Lavac eingebaut. Wieder muss ein Loch in den Rumpf gebohrt werden. Diesmal unter der Wasserlinie. Es wird viel Zeit für den Einbau eines Schwarzwassertanks aufgewendet. Ein grosser Teil des Innenausbau muss auseinander genommen werden. Schablonen werden angefertigt, es ist Platz vorhanden für einen 80 Liter Tank, der allerdings eine Spezialanfertigung ist. Auch ein Hersteller solcher Tanks wird gefunden, aber leider stellt er den Tank nicht innert nützlicher Frist her. Es gibt immer wieder Vertröstungen. Schlussendlich wird wieder alles eingebaut ohne Tank. Viel nutzlose Mühe, schade.

Alle Seeventile werden ersetzt.

Alle Schläuche erneuert. Sieht bequem aus.




Alle unnötigen Löcher werden zugeschweisst.

Das Gerüst für die neue Sprayhood wird aufgeschweisst, auch hier kommen die übrigen Forexplatten wieder mal zum Zug, Rolf fertigt daraus Schablonen an.

Die Ausseninstrumente weden versetzt. Die finden jetzt Platz im neuen Sprayhood Aufbau.

Die Küche wird zu einem grossen Teil ausgebaut, kleine Änderung in den Kästen. Neue Spülbecken, neue Wasserhähne, alles neu abdichten, lackieren und ich weiss nicht mehr was alles.



Diesel und Wassertanks werden gereinigt, scheint auch ein lustiger Job zu sein, vorallem so leicht zugänglich.

Neues Armaturenbrett für die Elektronik. Vorerst wird nur ein Musterbrett hergestellt. Somit können noch Änderung gemacht werden, falls nötig.

Zwei neue Fenster werden eingesetzt.

Ansonsten wird überall geschliffen und lackiert.

Als es Winter wird müht sich Rolf mit der Webasto Heizung ab, die nicht richtig in Gang kommen will.

Manchmal ist es ganz schön kalt im Schiff. Macht nichts, die beiden sollen ja Arbeiten und wenn man sich bewegt, friert man nicht.



Neue Polster. Die Polster im Salon werden mit Leder bezogen. Erni kauft in der Innerschweiz 3 ½ Kuhhäute. Das Leder war kaum teurer als ein guter Stoff. Von da an ist sie unter der Woche jeden Abend am Nähen, obwohl sie überhaupt keine Begabung dafür hat, und es ausserordentlich ungern macht. Aber das Schiff als solches scheint der richtige Ansporn zu sein.



Rolf verbringt Abends die Zeit im Internet, Material Beschaffung, was in der Schweiz nicht immer einfach ist, jedenfalls wenn's um Boote geht.

Nebenbei müssen sie sich noch um ihr zukünftiges Leben kümmern. Versicherungen und so weiter. Da sie in Zukunft keinen festen Wohnsitz haben werden, gestaltet sich das Ganze als eher Zeitaufwendiges, kompliziertes Unterfangen.

Auf Ende August kündigen sie ihre Job's. Anfangs September veranstalten sie eine Abschieds Party. Das war ja auch so eine Sache. Es werden endlos Leute eingeladen, unter dem Motto, alle oder keiner. In der Meinung, das an einem Donnerstag Abend sowieso nur die Hälfte kommt und auch nicht allzu lange bleibt. Irrtum sprach der Igel und stieg vom Kaktus, es kamen sozusagen alle. So ca. 150 Personen. Und viele blieben auch bis in die frühen Morgenstunden. Es war ein Wunderschöner Spätsommerabend. Um 20:00Uhr war bereits kein Bier mehr vorhanden und der Grill war auch leer gefressen. Neue Würste und Bier musste beschafft werden. Erni und Rolf wollten das ganze alleine machen, was niemals geklappt hätte. Hier soll den Freiwilligen Helfern gedankt werden. Reto der berühmt, berüchtigte Barmixer aus Hombrechtikon, Caro die beim Biermangel endlos Caipirinhas mixte, und auch sonst die ganze Nacht hinter der Bar stand. Zex und Waldi die am Grill tätig waren. Uese der für Bienachschub sorgte, nochmals Caro und Pierre und Ursus, die bei Anbruch des Tages auch noch beim Aufräumen geholfen haben und all den Leuten die irgendwo, irgendwas unbemerkt geholfen haben. Die Vorbereitungen für die Party blieben grösstenteils Erni überlassen. Am Vortag musste Rolf in Biel noch eben mal schnell die Funkprüfung ablegen. Für das neue Funkgerät das sie sich gekauft haben wird nämlich eine zusätzliche Prüfung verlangt. Für einen Kursbesuch reicht die Zeit nicht mehr. Rolf besorgt sich die Unterlagen, liest sie durch und geht an die Prüfung, und oh Wunder besteht, wenn auch knapp.

Von allen schön verabschiedet haben sie sich schon mal, nur das Schiff ist alles andere als fertig. Da so ein Schiff sowieso nie ganz fertig ist, beschliessen die beiden das die Reise losgehen soll sobald kein Loch mehr im Rumpf ist. Da die Jobs gekündigt sind haben sie jetzt mehr Zeit. Die Wohnung ist auf Ende September gekündigt. Das Auflösen der Wohnung nimmt mehr Zeit in Anspruch als erwartet. Alles was nicht verschenkt wird oder im Brockenhaus landet, wird auf dem Schiff verstaut. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass das Schiff immer noch da und dort ein Loch im Rumpf hat. All die Sachen die jetzt zusätzlich auf dem Schiff verstaut sind erschweren die Arbeiten. Alles muss dauernd irgendwie verlagert werden.

Nun haben sie also kein Bettchen mehr. Rolf's Mami nimmt die beiden auf. Sie werden richtig verwöhnt. Das Abendessen steht immer schon bereit, die Wäsche ist gewaschen, es ist immer alles schon gemacht, somit können sie sich voll und ganz dem Boot widmen. Nur das harte Bettsofa und Mami selbst spornen die beiden an, endlich vorwärts zu machen. Mami will nämlich mit auf die Reisen gehen, zumindest auf den Flüssen und Kanälen. Das hat sie auch allen erzählt, und wird jetzt dauernd gefragt wenn es denn endlich Los geht. Sie hat die Fragerei satt, sie will jetzt endlich los.

Für den Flaggenschein und die Versicherung muss noch ein Gutachten erstellt werden. Das Gutachten soll besagen, dass das Schiff hochseetauglich ist. Der Gutachter hält es für hochseetauglich und lobt die beiden sogar für ihre saubere Arbeit, er hätte da schon ganz anderes gesehen. Beide sind Stolz, na ja gönnen wir's ihnen.