Das richtige Schiff

Also once upon a Time oder twice, genau gesagt im Frühling 2003 klappern die beiden die ganze Französische Mittelmeerküste, auf der Suche nach einem Aluschiff mit Hubkiel ab. Nach drei Wochen zwei Stern Hotel, Moules et Frites, Häfen und Trockendocks, müssen sie sich eingestehen, dass die Reise erfolglos war. Aluschiffe sind rar und und unbezahlbar. Uiii, das Reimt sich ja. Wusste gar nicht das ich auch noch eine Poetische Ader habe.

Ferien vorbei, die beiden gehen wieder Arbeiten, Schön, so hat man wenigstens Tagsüber wieder Ruhe.

Rolf sucht Weltweit via Internet weiter. Aber was ich so mitbekomme ist auch das ziemlich hoffnungslos. Eines Abends kommt Erni mit einem CCS Heft nach Hause, Ihr Chef der in diesem Club Mitglied ist, hat es ihr aufs Pult gelegt. Erni meint da sei nix interessantes in den Inseraten. Aber da ist nicht nix, Erni weiss bloss nix das eine Maracuja ein Aluschiff mit Integralschwert ist. Na ja Erni eben, Frau und so hmmm. Aber Rolf weiss schon. Es gibt mir schon etwas zu denken, das ausgerechnet der Chef von Erni das richtige Boot für die beiden findet, aber anders würde er sie nie los, das richtige Boot ist für sie der einzige Kündigungsgrund. Ja der Chef hat sich wirklich Mühe gegeben, aber er muss noch fast ein Jahr warten bis er sie endlich los ist.

August 2003 die beiden machen ein langes Wochenende in Grau du Roi (Bouche du Rhone) Schiff anschauen. Ironischerweise waren die beiden bereits im Frühling auf dieser Werft, und haben bedauert, dass eben dieses Schiff nicht zu verkaufen ist.

Erni ist wieder mal von Anfang an begeistert und will das Schiff unbedingt haben. Rolf sieht das ganze zum Glück etwas Realistischer und schaut sich das Schiff genau an. Nach der Erfahrung mit ihrem ersten Schiff, scheint mir das auch ganz vernünftig. Da war ich zwar nicht dabei, aber Erzählungen und Fotos, nah ich sage euch, da haben die beiden ganz “schön id Schissi glangät“ sind halt ein bisschen Naiv die beiden, aber Nett. Erni kaut sich in der Zwischenzeit die Fingernägel ab, in der Hoffnung, das Rolf nichts findet was ihn dazu bewegen könnte das Schiff nicht zu kaufen. Es dauert...... Erni hat bereits alle Fingernägel abgekaut, gleich fängt sie an die Füssnägel abzukauen, ui wär das Peinlich. Oder vielleicht doch nicht, die gute hat ja auch schon ein bestimmtes Alter, und ist daher nicht mehr so Gelenkig, hoffe ich jedenfalls. Kurz bevor Erni ihren Gelenkigkeitstest in Angriff nehmen will, kommt Rolf zum Schluss, dass das Preis Leistungs Verhältnis stimmt.

So und jetzt kommt das Verhandeln. Wer die beiden kennt weiss, das wenn sie irgendwas nicht können, dann ist es Verhandeln. Da es hier aber um viel Geld geht gibt sich Rolf einen Schupf, und versucht Business like zu Argumentieren, Erni versucht wenigstens ein ernstes Gesicht zu machen. Rolf's kurze Hosen geben sich zwar Mühe, tragen aber nicht viel zum Erscheinungsbild eines Businessmen bei. Das ist auch gut so, Michel der Eigner kann nämlich genau so wenig Verhandeln. Business Leute sind ihm unsympathisch. Er liebt sein Schiff und will es an Leute verkaufen die ihm Sympathisch sind. Die beiden Erfahren erst später, das da noch andere Interessenten waren die auch mehr bezahlt hätten.

Bloss da ist noch ein kleiner Haken, da ich ein Fisch bin weiss ich wovon ich rede. Die Mehrwertsteuer, das Schiff steht seit fast 18 Monaten in Frankreich. Ist das Schiff länger als 18 Monate in Europa, muss die Mehrwertsteuer bezahlt werden, sofern der Eigner nicht bewiesen kann das diese schon einmal bezahlt worden ist. Da Michel der Zweiteigner ist, kann er dies nicht. Ja da machen die beiden ein langes Gesicht, in Frankreich sind das nämlich 20% vom Verkaufspreis. Tschia, somit ist der Preis überschritten den sich die beiden als Limit gesetzt haben.

Aber da gibts Möglichkeiten. Nach Algerien oder Tunesien Segeln wäre zum Beispiel eine, allerdings muss das ganze bis Ende September über die Bühne gehen.

Die beiden sind überzeugt, dass sie das irgendwie auf die Reihe kriegen, keine Ahnung wie, aber wie immer, unter dem Motto, wird schon Klappen. Also der Deal ist gelaufen, es wird gegenseitig zugesagt. Schon auf dem Nachhause Weg geht das grosse überlegen los, Wie machen wir das bloss? Seht, jetzt fangen sie an zu überlegen. Zum Glück haben sie noch nichts Unterschrieben. Also sie Grübeln....Da sie sowieso noch Arbeiten am Schiff machen wollen, der Motor ist zum Beispiel ein Thema, wäre es am besten das Schiff würde in der Schweiz stehen. So könnten sie noch Arbeiten (Geld verdienen) und in Ihrer Freizeit am Schiff arbeiten. Solange noch Geld reinkommt, tun die Auslagen für's Schiff nicht so weh.

Schweiz = Binnenland...Hmmm blöd gelaufen, schon wieder schauen sie blöd aus der Wäsche.

Ein Transport in die Schweiz.....viel zu teuer.

Irgendwie kommt Rolf auf den Rhein-Rhone Kanal. Da das Schiff mit eingeklapptem Schwert nur 95cm Tiefgang hat, ist es möglich damit auf dem Wasserweg nach Basel zu kommen. Und schon heisst es gute Idee, das machen wir.

Sie treffen Michel und seine Frau in Bern, da die beiden aus Lausannne kommen, ist das für beide der halbe Weg. Sie kaufen das Schiff. Beide sind ganz aus dem Häusschen als sie wieder nach Hause kommen.

Und ihr glaubt es nicht, jetzt fangen sie tatsächlich an zu überlegen. So jetzt heisst es aber Handeln, es ist bereits Mitte August. Die Reise wird wohl auch ein Weilchen dauern, wie lange keine Ahnung! Klar ist ihnen nur, dass sie sich Durchschnittlich mit 10Kmh bewegen werden und 134 Schleusen überwinden müssen. Wie lange hat man für eine Schleuse keine Ahnung. Eiweih das kann ja noch Heiter werden. Rolf wie immer im Internet, findet einen Reisebericht von jemandem der das ganze in 21 Tagen gemacht hat. Na ja das ist ja schon mal ein Anhaltspunkt. Sie realisieren sogar, dass die Reisezeit um einiges länger dauern kann zum Beispiel bei Hochwasser, da kann es gut sein das sie mit dem Motor nicht gegenankommen. Es kann aber genau so gut sein, das es zuwenig Wasser hat, und die Kanäle vorübergehend geschlossen werden müssen.

Ja richtig ihr habt's gemerkt, es darf überhaupt nicht's dazwischen kommen, sonst geht das ganze in die Hose.

Ah ja wie ist das mit Ferien, vielleicht sollten sie ihre Arbeitgeber noch fragen ob sie so kurzfristig Urlaub bekommen, gute Idee finde ich.

Grau du Roi – Basel Dreiländereck-Voketswil

Am sechsten September ist es dann soweit. Mit dem Zug nach Grau du Roi, sie haben genau 23 Tage Zeit. Am 29 September muss Rolf nämlich ins Militär, seinen letzten WK abhocken und da gibts kein wenn und aber, diese Nasen sind nicht so Einsichtig wie ihre Chef's. Weiss der Teufel warum die Chef's soviel Veständniss für das ganze Anliegen haben, aber eben vielleicht sind sie ja froh wenn die beiden endlich abhauen, ich meinerseits könnte mir das gut vorstellen.

23 Tage! ob das wohl klappt. Nach 18 Monaten Trockendock muss doch noch dieses und jenes gemacht werden, unter anderem muss auch noch der Mast gelegt werden. Es werden nur schon ein paar Tage vergehen bis sie da wegkommen. Aber wie immer no risk no fun, Probleme soll man lösen wenn sie da sind.

Vier Tage in Grau du Roi, Michel hilft ihnen wo er kann, fährt sie mit seinem Auto noch da und dort hin wo sie noch Sachen erledigen müssen. Und der Motor, Rolf wusste genau, dass das noch Probleme geben könnte. Der Alte Volvo Penta hat nämlich über 6000 Betriebsstunden. Und mit sowas wollen die 800 Km Flussaufwärts fahren? Der Volvo macht dann auch Probleme beim ersten Start, macht alle etwas nervös, am meisten Michel, der sich dafür verantwortlich fühlt. Während der Motor vor sich hinörgelt, dann fast Startet, und dann doch wieder nicht, sieht man den beiden an, dass jetzt gewisse Fragen aufkommen, was wenn der Motor überhaupt nicht mehr laufen will. Rolf ist wie immer zuversichtlich, Schliesslich hat er genug Erfahrung mit alten Volo Penta's, er hat nämlich von den 2 ½ Jahren die sie mit ihrem ersten Schiff in der Karibik verbracht haben mindesten ein Jahr im Motorraum verbracht. Oegel...örgel....örgel.....örgel......Pufffff! Stille Oegel...örgel....örgel.....örgel......Pufffff! Stille qualm Oegel...örgel....örgel.....örgel......Pufffff! Stille.... Aber dann örgel...........örgel.......örgel,örgel.örgel,örgel,brumm, brumm,brummm, qualm. Die Erleichterung steht allen ins Gesicht geschrieben, was sie gegenseitig nur kurz geniessen können, denn schon hat der Volo alle in eine wunderbare stinkende Rauchwolke gehüllt. Jetzt läuft er ja, aber was macht er auf der ganzen Reise? Wir werden sehen.

Während Rolf alle Wanten und Schoten vom Mast demontiert, der schon bei Ankunft der beiden an Land lag, das Schiff war auch schon im Wasser, hat alles Michel schon gemacht, fährt Michel mit Erni nach Arles.



Vignette für die Kanäle und Kanalbücher kaufen. Erni zurück, Vignette hat sie, aber keine Kanalbücher, hat's wieder mal nicht auf die Reihe bekommen. Wenigsten bringt sie einen kleinen Prospekt mit, auf dem alle Kanäle Frankreichs eingezeichnet sind, hat sie beim Vignetten kauf ergattert.

Ich möchte hier noch erwähnen, das es kaum zu glauben ist was Michel alles für die beiden macht, damit das ganze Klappt, ein feiner Mensch.

Rolf meint, dass das ganze ohne Bücher etwas schwierig ist, aber Michel und Erni meinen da besteht keine Chance hier in der Gegend welche zu bekommen. Na ja dann muss es wohl ohne gehen.

Grau du Roi hat zwei Brücken, eine Drehbrücke die man passieren muss wenn man ins Meer hinaus will, und ein Hubbrücke unter der, der Kanal durchführt. Leinen los und Richtung Hubbrücke. Die Brücke hat Öffnungszeiten, clever wie die zwei sind, haben sie sich auch danach erkundigt, und sind erstaunlicherweise auch zur rechten Zeit dort. Aber die Brücke hebt sich nicht. Ist eben Frankreich, da kann's wohl auch mal etwas später sein. Ca eine Viertelstunde zirkelt Rolf mit dem Schiff vor der Brücke rum, Strömung und Wind machen das ganze nicht einfach, aber die Brücke öffnet nicht. Rolf hat die Nase voll und sie machen wieder bei Spano fest. Diesmal mit Sicht auf die Brücke. In einer Stunde ist nochmals eine Öffnungszeit. Aber auch diesmal öffnet sich die Brücke nicht. Rolf versucht zu funken, aber da ist keiner. Heute ist nämlich Toro Veranstaltung, da öffnen sich keine Brücken weil der Brückenmeister schon am Morgen am Pastis hängt, Und jetzt? Die Zeit drängt! Sie stellen sich die Frage ob sie auch so unter der Brücke durchfahren können. Es wird gemessen, daraufhin wird der Radar demontiert. Jetzt sind sie der Meinung, dass es eventuell reichen könnte. Aber nur eventuell. Probieren geht über Studieren, Leinen los und Richtung Brücke. Es hat ziemlich viel Wind und wenn das Schiff unter der Brücke hängen bleibt, ist das ganze weniger lustig. Erni steht vorne und soll das ganze abschätzen.

Erni: "Ui Ui uiuiui, das wird aber knapp!"

Rolf: "Knapp oder nicht, reichts?"

Erni: "Schwer zu sagen, aus diesem Blickwinkel kann ich das nicht so genau sagen!"

Rolf: "Was jetzt, soll ich weiter fahren?"

Erni: "Ja"

Man hört die Unsicherheit in ihrer Stimme. Die Antenne biegt's bedenklich nach hinten, jetzt der Bügel, ach du Sch......., nein es reicht um Haaresbreite. Nein es hat nicht nicht gereicht schadenfreudig Saubande. Es hat gereicht, das Schiff kommt unbeschädigt unter der Brücke durch, ätsch!.........

Ein letztes Winken, Michel hat das ganze von der Brücke aus beobachtet.

Auf dem Kanal, Rhone a Sete geht's Richtung Norden. Der Kanal ist kaum breiter als das Schiff. Kurz vor Beaucair kommt die erste Schleuse. Die beiden haben natürlich keine Ahnung wie das ganze funktioniert. Sie machen erst mal vor der Schleuse fest. Rolf geht zum Schleusenhäuschen. Es ist eine Automatische Schleuse. Sechs A4 Seiten Instruktionen, 2 Knöpfe zur Bedienung der Schleuse, einer für Aufwärts und einer für Abwärts. Sie passieren die Schleuse und sind froh das sie keine Zuschauer hatten. Es ist schüüli eng. Schleusenbreite 5.2m, Schiffsbreite 4,2m, und dazu noch keine Erfahrung mit diesem Schiff. Auch hier alles paletti, Durchfahrt ohne Schaden. Weiter nach Beaucair, es wird dunkel, wir machen an einem Poller fest. Nächster Morgen. Wieder eine Hubbrücke, diesmal ist klar, dass nicht unter der Brücke durchgefahren werden kann, wenn die Brücke nicht gehoben wird. Aber auch hier keiner der die Brücke heben will.

Also Funke, eine unfreundliche Stimme meint, das sie in einer Stunde kommt . Die Stimme kommt nach einer Stunde und hebt die Brücke. Leinen los, auf der anderen Seite wieder fest. Rolf eilt zum Brückenwärter, um sich zu erkundigen wie es weiter geht. Rolf kommt mit einem etwas unglücklichen Gesichtsausdruck zurück und meint, hier geht's überhaupt nicht weiter. Die Schleuse die Sete und Rhone verbindet ist nämlich seit zehn Jahren nicht mehr in Betrieb." Ihr könnt euch das blöde Grinsen sparen!" Hinzukommt, dass die Brücke bis 15:00 geschlossen bleibt, da der Brückenwärter gerade ein wichtiges Meeting hat. Schöner Mist wir sind also eingeschlossen. Man kann die Rhone sehen, aber man kommt nicht rüber.

Rolf schaut mal eben in den Motor und Erni geht ins Städtchen.

Erni kommt zurück mit den lange gesuchten Kanalbüchern. Das heitert die beiden wieder etwas auf. Das macht das ganze schon etwas einfacher und solche Fehler sollten somit nicht mehr passieren.

15:00 die Brücke hebt sich, jetzt alles zurück dann abbiegen in die petit Rhone, dann in die Rhone. Alles in allem 2 Tage Verlust, und dies gleich zu Anfang. Super du!

Die Schleusen auf der Rhone sind gewaltig, man fährt in ein dunkles Loch. Bis Lyon sind es 12 Schleusen, die grösste ist Bollene mit 23 Meter Hub. Dimensionen 190x11,4 Meter. Das passieren mit dem Schiff dauert ca 20 Minuten. Das füllen mit Wasser 10 Minuten. In 10 Minuten fliessen also 52 440 000 Liter Wasser in die Schleuse. Da kommt ganz schön Strömung auf.



Diese grossen Schleusen sind mit Schwimmpoller ausgerüstet, die aber soweit auseinander liegen, dass von einem Boot unserer Grösse jeweils nur einer benutzt werden kann. Der Mast der längs auf Deck liegt, überragt das Schiff vorne und hinten um jeweils 2 Meter. Das Boot schwankt hin und her und der Mast kratzt die Schleusenwand hoch. Die beiden mühen sich ab, aber keine Chance bei der Strömung. Nach zwei, drei Schleusen haben sie es dann raus, welche Klampen am besten benutzt werden und vorallem das man nur über die Winch eine Chance hat den Kahn einigermassen ruhig zu halten. Trotzdem kommt es noch vor, dass der Mast an der Schleusenwand streift. Rolf besorgt zwei alte Pneus, die vorne und hinten am Mast befestigt werden. Somit ist auch dieses Problem gelöst.

Auf der Rhone bläst uns der Mistral zünftig auf die Nase. Der alter Volvo kämpft macht aber soweit keine Schwierigkeiten. Bis Lyon geht alles reibungslos, kaum Wartezeiten an den Schleusen und praktisch keine Gegenströmung. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird gefahren. Erni jammert jeden Morgen wenn sie Aufstehen muss, aber das nützt nix.

Im unteren Teil der Rhone bietet die Reise für's Auge nicht viel. Dafür hat es viele schöne Atomkraftwerke. Auf einen der Kühltürme ist ein riesiges Bild gemalt, es zeigt ein kleines Kind, das mit Atomen spielt. Autsch!!!!!!!



Komischerweise hat es auch bei jedem Atomkraftwerk tierisch Wind. Die Windsurfer fliegen nur so. Rolf meint Atomare Winde und ist am jammern. Ersten keine Zeit zum Surfen und zweitens keine Ausrüstung dabei. Am frühen Morgen fahren wir durch Lyon, Wunderschöne Morgenstimmung.



Auf den vielen Brücken die die Rhone überqueren herrscht Stossverkehr bis Stau. Wir tukern mit unseren 10 Kmh weiter. Ein Jogger am Ufer überholt uns. Diese Bemerkung nur um zu Zeigen das wir uns mit Wahnsinniger Geschwindigkeit bewegen. Auf den Kanälen wird es noch langsamer sein, da ist nämlich eine Höchstgeschwindigkeit von 8 Kmh erlaubt.

Also Lyon, bis hierher, 310Km und 12 Schleusen. Jetzt geht's in die Saone bis St- Symphorien. 230Km mit 5 Schleusen. Hier sind die Schleusen immer noch bedient aber bedeutend kleiner. Trotzdem dauert die Durchfahrt etwa gleich lang. Da immer noch wenig Schleusen sind, kommen wir zügig vorwärts. Die Reise auf der Saone ist wunderschön, seht euch einfach die Bilder an.

Schon auf der Rhone waren die beiden das Steuer leid. Seit da muss Helmut fahren. Helmut ist die Elektronische Steuerung die nach Kompass fährt. (Autohelm 6000) Also Helmut am Steuer, und die beiden Knallfrösche fläzen, bis zur nächsten Schleuse nur noch auf dem Deck rum.



Aber dann...... Wir nähern uns einer Brücke. Unter der Brücke steuert Helmut plötzlich direkt auf den Brückenpfeiler zu. Rolf hechtet ans Ruder, keine Zeit auf Standby zu schalten, Rolf kämpft gegen Helmut. Helmut will unbedingt den Brückenpfeiler rammen. Rolf ist der Sieger, zum Glück, das hätte in die Hose gehn können. Jetzt überlegen die beiden Trantüten mal was passiert ist. Folgendes, Helmut fährt wie gesagt nach Kompass. Die Brücke war eine Eisenbahnbrücke, also viel Strom. Der Kompass wurde durch die Ströme abgelenkt und Helmut hat weiterhin tapfer versucht den Kurs zu halten, was zu Uebersteuern führte. 90 Grad weg, direkt auf den Brückenpfeiler los. Na wenigstens haben die trüben Tassen etwas gelernt und steuern seit da unter Eisenbahnbrücken selbst.

Bei St-Symphorien geht's in den Rhein- Rhone Kanal, 236Km, 114 Schleusen. Jetzt geht's erst richtig los. Man fährt Teils auf dem Doubs und Teils auf dem Kanal. Auch hier wunderschön.



Auf dem Kanal fährt man den Einheimischen manchmal direkt durch den Garten. Der Frau die da gerade Wäsche aufhängt könnte man die Hand reichen. Aber eben keine Zeit irgendwo Halt zu machen. Die beiden trösten sich damit, dass sie auf dem Rückweg mehr Zeit haben werden und dann alles nachholen .

Zwei Tunnels müssen durchfahren werden. Tunnelbreite 5,2 Meter. Rechts und Links bleiben also noch 50cm. Mit einem Schiff doch eine gewisse Herausforderung. Zum Glück sind die Tunnels nur 400 und 180 Meter lang.


Es kann auch sonst eng werden, nämlich bei Gegenverkehr.



Im Elsass gibt's richtige Schleusentreppen, man fährt von einer Schleuse in die andere. Die Schleusen müssen alle von Hand bedient werden. Zwei Leute begleiten uns, einer bereitet immer die nächste Schleuse vor, und der andere bedient die Schleusentore in der wir uns gerade befinden. Das ganze ist unheimlich Effizient.

Bis Montreux-Chateaux wird Aufwärts geschleust, dann geht's zum ersten mal Abwärts. Wir bekommen noch Besuch, Madi will uns bis Basel begleiten.



Niffer bis Basel, auf dem Rhein, 25Km, 3 Schleusen. Diese Strecke ist nicht besonders schön und zum ersten mal bekommen wir schlechtes Wetter, aber wir sind ja schon fast zu Hause. Im Dreiländereck machen wir im Hafen fest.

Geschafft, 16 Tage Reisezeit, ideale Bedingungen, und wunderbares Wetter. Optimaler hätte es nicht kommen können. Auch der alte Volvo war tapfer, hie und da hat er zwar gepfiffen, weil er der Meinung war, das er nun doch zu heiss hat und in den kleinen Schleusen mussten wir den Motor abstellen, weil er sonst die ganze Schleuse mit Qualm gefüllt hat, aber er hat uns nie im Stich gelassen.

So und jetzt muss ein Trockenplatz für das Schiff gefunden werden. Dies stellt sich als nicht ganz einfaches Unterfangen dar. Jedenfalls wenn man nicht allzuviel bezahlen will. Zuerst wird in Basel gesucht, aber es ergibt sich nichts. Rolf und Erni wägen ab ob sie das Boot in die Nähe ihres Wohnortes nehmen sollen. Es wird in Stäfa und Umgebung gesucht. Auch hier scheint die Lage fast Hoffnungslos. Aber dann, Rolf's Bruder Urs, kennt wieder mal jemanden. Dieser Jemand hat in Volketswil ein Aussenlager für seine Baugeräte und Baracken, gleich beim Kieswerk. So kommt es, dass das Schiff einen gratis Platz auf dem Spleiss Areal bekommt. Christian der Eigentümer ist auch Segler und hat vollstes Verständnis für solche Angelegenheiten. An dieser Stelle möchten sich die beiden nochmals Herzlich bedanken.

Da der Platz nichts kostet, kann schon etwas für den Transport ausgegeben werden. Urs kennt wieder jemand.

Am 29.10.2003 ist es dann soweit. Alles ist organisiert. Das Schiff muss noch auf dem Wasserweg vom Dreiländereck in den Auhafen geschiffert werden, nochmals eine Schleuse in Birsfelden. Am 30.10 ist der Kran reserviert. Nach der kalten Nacht, früh aufstehen, und an den Kran. Aber......... Der Liegeplatz unter dem Kran ist besetzt, da liegt ein grosses Containerschiff, das entladen wird.

Was jetzt? Das Schiff wird erst mal am Containerschiff fest gemacht.



Rolf geht an Land um Erkundigungen einzuholen. Der Transporter aus Volketswil steht schon bereit. Die Reservierung für den Kran scheint irgendwie untergegangen zu sein, kein Mensch weiss davon. Der Mann im Büro erklärt sich aber bereit um 11Uhr das Schiff auf den Transporter zu heben. Erni meint sie werde sowieso nicht mehr gebraucht, und könne deshalb gerade so gut zurück an ihre Arbeit. Denn auch da gibt's viel zu tun und in letzter Zeit gab's da schon ein paar Fehlzeiten. Gute Ausrede hat Erni da, ich sehe ihr an, dass sie ganz einfach den Nerv nicht hat, dem Transport zuzusehen, sie ist nämlich völlig vernarrt in das Schiff.

Rolf geht mit den Transportleuten Kaffee trinken, und Erni fährt zurück zur Arbeit.

Um 11 Uhr wird das Schiff verladen.







Da das Schiff Ueberbreite hat kann der Transport nur mit Polizeibegleitung gemacht werden, Diese kommt aber jetzt erst um 13 Uhr. Nach dem Mittagessen geht's dann los. Bei jedem Kantonswechsel kommt ein neues Polizeiauto. Alles im fliegenden Wechsel. Rolf fährt beim Transporter mit, strahlt über alle vier Backen. Vom Auhafen geht's direkt auf die Autobahn, und in Volketswil liegt der Platz auch gleich neben der Autobahn. Nur der Bareggtunnel muss umfahren werden, da sich dieser gerade im Bau befindet. Diese Strecke findet Rolf ganz schön spannend, wenn's so richtig eng wird. Die Transportleute sind keine Anfänger und haben keine Probleme mit der Umfahrung.

In Volketswil wird dann das Schiff auf einen Holzstapel gestellt. Urs ist da und sagt wie sowas gemacht wird.

Schlussendlich steht das Schiff sicher auf dem Trockenen. Nur Erni die "Gschpürsch mi Frau" findet den Scheiterhaufen unter dem Schiff etwas unpassend. Aber nur beim ersten mal hinschauen.

Die Arbeiten können beginnen.